Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle

Unsere Welt – und auch wieder nicht. Denn Alana Falk entführt ihre Leser mit „Sternensturm – Das Herz der Quelle“ in eine alternative Welt, in der Magie existiert  und eine Gesellschaft von Magiern im Geheimen operiert und ihre ganz eigenen Ziele verfolgt.

Klappentext: Es ist der größte Moment in Lilianas Leben und sie fürchtet ihn genauso sehr, wie sie ihn herbeisehnt. Endlich soll sie in die Gemeinschaft des Hohen Rates aufgenommen und mit ihrer Quelle verbunden werden. Denn jeder Magier braucht eine menschliche Energiequelle, um zaubern zu können. Doch es ist ausgerechnet Chris, der Liliana zugeordnet wird. Chris, der sich der Gemeinschaft verweigert und dessen früherer Magier auf ungeklärte Weise ums Leben kam. In seinen Augen sieht Liliana nichts als Hass. Es bleibt nicht viel Zeit, um sein Vertrauen zu gewinnen, denn in den Tiefen unter Neuseeland braut sich eine schreckliche Katastrophe zusammen und nur Liliana und Chris können sie aufhalten.

Mehr als den Klappentext möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen, denn jedes Wort mehr würde zu viel vorwegnehmen und zu viel verraten, was jeder Leser selbst herausfinden sollte. Für mich war „Sternensturm“ ein Buch, mit dem ich erst warm werden musste und das ich nach der letzten Seite mit großem Bedauern wieder ins Regal stellte, weil es dann doch viel zu schnell zu Ende war.
In der ersten Hälfte transportiert Alana Falk auf subtile Weise die Idee ihrer magischen Welt, zeigt die Gesellschaft der Magier und wie sie arbeitet. Wir folgen Liliana durch die Hürden und Tücken ihrer Ausbildung, erfahren, was es mit den Menschen auf sich hat, die Magiern als Quellen dienen, lernen, dass Magier nur mithilfe ihrer Quellen zaubern können und erkennen die Gefahren, die die Verbindung zwischen Magier und Quelle birgt. In der zweiten Hälfte nimmt dann auch die Handlung Fahrt auf, als Liliana ihre Quelle zugewiesen bekommt – und feststellt, dass sie sich schwertut, sich mit Chris zusammenzuraufen. Doch nach und nach wächst das Vertrauen zwischen beiden, und Liliana erkennt, wie perfekt Chris zu ihr passt, auch wenn er es nicht lassen kann, Lilianas ehemaligem Lehrmeister übelste Intrigen zu unterstellen. Und gegen Ende explodiert die Handlung wie der drohende Vulkanausbruch, vor dem die Magier die Stadt Auckland retten sollen – und plötzlich konnte ich nicht mehr aufhören, zu lesen.

Alana Falk zeichnet eine spannende, interessante, gefahrenvolle Welt und schickt ihre Leser auf eine Reise mit Figuren, die sich im Lauf der Geschichte wunderbar entwickeln. Sie schreibt so, dass man mit Liliana und Chris fiebert und leidet und ihre Gefühle beinahe wie die eigenen spürt. Ein ganz und gar wunderbares Buch, nicht nur wegen der Geschichte, die es erzählt, sondern, weil es wirklich ein ganz und gar wunderschön gemachtes Buch ist. Hardcover mit leicht erhabenem Titel in Hochglanz, Glitzersterne, Lesebändchen – da schlägt das bibliophile Herz höher. Und für einen so wunderbar gestalteten Band greife ich auch gern etwas tiefer in die Tasche.

Fazit: Rundum empfehlenswert. Und sollte es jemandem gehen wie mir, dass er denkt, er würde mit der Geschichte nicht warm: Weiterlesen. Einfach nur weiterlesen! Denn irgendwann packt diese magische Story jeden.

Ich freue mich schon darauf, zu erfahren, wie es mit dem magischen Neuseeland von „Sternensturm“, den Magier und vor allem mit Liliana weitergeht.

Erwählte des Zwielichts 87

„Eine Vision.“ Schattensangs Stimme klang ruhig. Er legte Sternauge einen Arm um die Schulter und hielt sie, während alle schweigend abwarteten. Nach einer Weile holte Sternauge tief und zitternd Atem. „Götter, Malika … ich habe … ich habe es gesehen … unter der Stadt, in den unterirdischen Gängen … dort, wo einst Menschen viel zu tief in den Boden gruben und etwas aufweckten, was man besser hätte schlafen lassen … sie ist zurückgekehrt! Flammenstern, sie ist zurückgekehrt! Der Nachtschatten wütet, und ich kann fühlen, dass die Sternenherrin Tränen vergießt!“ Sie schluchzte auf und drückte das Gesicht an Schattensangs Schulter.

„Theanna“, murmelte er sanft, „von wem sprichst du? Wer ist zurückgekehrt?“

Es war Malika, die antwortete. „Khadiss“, sagte sie. Flammenstern schauderte, als er den Namen hörte. Der zischende Klang bohrte sich in seine Ohren. War es Zufall, dass der Wind auffrischte und das Wachfeuer Funken in den dunklen Himmel spie? War es plötzlich kälter geworden? Lag da ein roter Schatten auf der Mondsichel, der zuvor noch nicht dagewesen war? Flammenstern atmete langsam aus. „Setzen wir uns“, sagte er und ließ sich am Feuer nieder, „essen und trinken wir und lassen Malika berichten. Wer ist sie, und woher wisst ihr von ihr?“ Etwas in ihm sperrte sich dagegen, den Namen auszusprechen. Sie musste mächtig sein, und wer mächtige Wesen bei ihrem Namen rief, der machte sie nur noch mächtiger. Jeder Nithyara wusste das. Flammenstern fühlte das Wissen tief in sich. Fühlte eine Erinnerung, wie ein leises Klingen in der Ferne, ein Echo aus einer anderen, lange vergangenen Zeit, als sei es die Erinnerung eines Anderen – oder die aus einem anderen Leben. Weiterlesen →

Erwählte des Zwielichts 86

„Malika, Liandras, Iendra!“ Er breitete die Arme aus. „Thalan’zhe hai’re, Theann …“ Er stutzte, lachte leise, als er merkte, dass er seine alten Gefährten in seiner neuen Sprache gerufen hatte. Malika blickte ihn fragend an. „Was?“
„Entschuldigt”, wechselte Flammenstern in die Sprache der Dunkelelfen. “Was bei allen Göttern macht ihr hier, wie habt ihr uns gefunden? Und wie kommt ihr zu diesen Tieren? Ich fühle die Macht der Sternengekrönten in ihnen.“
„Das ist eine lange Geschichte, Iloyon“, sagte Malika, biss sich auf die Unterlippe und korrigierte. „Verzeih … Flammenstern?“
„Ja.“
Malika atmete tief durch. „Eine lange Geschichte, mein alter Freund – ich hoffe, dass ich dich trotz allem immer noch so nennen darf. Es ist viel passiert beim Heer. Diese Wesen sind Nachtschleicher. Sie nennen sich selbst so. Sie haben zu uns gesprochen. Von Telava haben sie uns bis hierher getragen und uns geholfen, diesen Ort wiederzufinden. Flammenstern, in Telava geschehen Dinge, die uns nicht gefallen. Ich habe alte Schriften, die du sehen musst. Die ihr alle sehen solltet. Es ist wichtig. Für uns – und auch für euch und eure Sicherheit. Die Bücher gehörten Javaron, du erinnerst dich sicher an ihn.“ Weiterlesen →

Monatsrückblick: Januar

Geschafft. Der erste gute Vorsatz fürs neue Jahr wurde erfüllt: Mehr bloggen. Es gab neue Zwielichteinträge, zwei neue Rezensionen und zwei Interviews. Auch Herr Kater hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet.

 

 

Schreiben: Yenyaab – Verbotenes Kraut wächst stillvergnügt vor sich hin. Noch ist es nicht im Ansatz fertig, aber der Knoten im Kopf wurde entwirrt und so langsam klärt sich der Nebel, der den Weg zum Ende bisher hartnäckig verschleiert hat. Dennoch fürchte ich dieses Buch wird mein erster „über 400-Normseiten-Wälzer“. Es ist so, wie es ist, wenn die Geschichte Platz braucht, dann soll sie sie haben.

Ebenfalls weiter ging es mit mit den Erwählten des Zwielichts, die ihr hier im Blog unter „Onlineroman“ weiter verfolgen könnt. Kommenden Sonntag gibt es mal wieder ein Zwielicht-Special für die, die nicht so gern längere Geschichten in homöopathischen Dosen zu sich nehmen – schaut einfach wieder rein.

Auch bei den Nityhara tut sich was. Die Arbeit an einer Kurzgeschichtensammlung hat begonnen. Geplant sind insgesamt fünf spannende, erotische, tragische und humorvolle Geschichten (oder besser Novellen … ich kenn mich, auch wenn die Dinger Kurzgeschichten heißen, werden sie sicherlich alles andere als kurz) aus der Welt der Nityhara, Nachtelfen und Schattendämonen.

 

 

Interview: Tanja Rast über Selfpublishing und „Königsmacher“

Danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!
1. Liebe Tanja, wer hier regelmäßig mitliest, kennt Dich ja schon – vielleicht magst Du dich trotzdem noch mal kurz vostellen?

Ich glaube, in einem früheren Leben wäre ich Barde oder Skalde geworden. Ich lebe mit Geschichten, fühle mich von kleinen, wild plappernden Ideen umzingelt und versuche eigentlich beständig, schnell genug zu schreiben, um keine von ihnen zu enttäuschen.
Sonst bin ich Schleswig-Holsteinerin aus Überzeugung, lebe auf dem wirklich platten Land umgeben von Äckern, Wiesen und Wäldern. Nachts höre ich Rehböcke bellen, und auf unseren schmalen Straßen kann einem schon mal ein renitentes Wildschwein die Weiterfahrt verbieten.

2. Du bist neuerdings unter die Selfpublisher gegangen. Was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Ich schreibe zu viel?
Ich arbeite hauptsächlich mit zwei wundervollen, engagierten Kleinverlegern zusammen. Deren Programm ist natürlich mengenmäßig begrenzt. Und da ich als neues Genre für mich Gay Fantasy Romance entdeckt habe, bot es sich nahezu an, mit diesem neuen Genre die für mich neuen Möglichkeiten des Selfpublishing zu probieren. Ich möchte gerne zu jenen gehören, die niemals nie sagen. Ich möchte Neues wagen. Wenn ich etwas nicht ausprobiert habe, kann ich mir kein Urteil dazu gestatten.

3. Dein erstes im Selbstverlag erschienenes Buch ist „Königsmacher“, eine turbulente, spannende und witzige Gay-Romance-Fantasygeschichte. Wie bist Du dazu gekommen, Gay Romance zu schreiben? Was fasziniert dich daran?

Das war für mich nicht unbedingt ein Quantensprung. Ich war schon immer ein Genre-Hüpfer. Ich habe mit High Fantasy angefangen, eine Zeitlang US-Agententhriller geschrieben (bis ich Klaxdonnersbüll und somit Dorf Fantasy für mich entdeckte), bevor ich dreizehn Vampirromane, diverse Kurzgeschichten aller möglichen Fantasyspielarten und zehn Heroic-Romantic-Fantasy-Romane schrieb. Immer wieder kamen dabei auch schwule Nebenfiguren vor.
Wer „Arrion“ und „Cajan“ gelesen hat, weiß, dass ich meine Helden gerne anschmachte, beziehungsweise sie von meinen Heldinnen anschmachten lasse. Oftmals gibt es wichtige Nebenfiguren, die schwul sind. Mich auf Gay Romance einzulassen, das Genre auszuprobieren und viel Spaß dabei zu haben, war eigentlich nur ein logischer Schritt.
Abenteuer im phantastischen Setting mit (manchmal) Elfen, Magie, Geistern, Explosionen und zwei wundervollen jungen Männern – klasse!

4. Selfpublishing macht vielen Autoren ein bisschen Angst. Der Aufwand, die Formatierungen, Steuerliches. Ist das alles wirklich so schwierig? Wie sind deine Erfahrungen?

So fürchterlich erfahren bin ich ja noch nicht. Aber ich war aufgeregt. Drei Formate – drei Portale. Die Portale, die die Veröffentlichungsarbeit unterstützen, werden zwar immer besser und autorenfreundlicher, trotzdem neige ich zur Panik „Ein falscher Klick, und das Internet explodiert“. Zum Glück hatte ich tatkräftige Hilfe, nicht nur durch meine wundervollen Betaleserinnen, meine Lektorin, meine Endkorrektorin und meine Coverfee. Sondern auch beim Erstellen der E-Books; den Buchsatz für die Taschenbücher kann ich alleine, und das macht mir auch sehr viel Spaß. Dann ging es um die drei Portale, und glücklicherweise wurde ich an die Hand genommen. Sehr schwer ist es eigentlich nicht, aber beim ersten Mal stellte eine hilfreiche Stimme im Kopfhörer eine große Erleichterung dar. Weiterlesen →

Kater der Woche: Trotzdem!

Mein Mensch hat heute mal wieder Nachrichten gehört. Eigentlich hört mein Mensch nicht nur heute Nachrichten, mein mensch hört jeden Tag Nachrichten und liest sie, meist auf diesem komischen Facebook-Ding, wo die Leute immer so nette Katzenfotos und Videos einstellen.

Was wären mein Mensch und ich froh, wenn es auf dem Faceboolk-Ding nur noch Katzenfotos und lustige Videos gäbe. Aber nein. Im Moment ist dieses soziale Medium voll von diesem Kerl mit dem toten gelben Meerschweinchen auf dem Kopf, den mein Mensch gestern irgendwie treffend als Trumpletier bezeichnet hat. Sie sagt, der macht ihr Angst. Und wenn mein Mensch sagt, dass ihr etwas Angst macht, dann muss da was dran sein, denn es sind die Menschen, die die Politik dieser Welt verstehen, und nicht wir Katzen, die wir doch die ganze Zeit nur auf der faulen Haut liegen, fressen, schlafen, niedlich sind und schnurren, wenn man uns streichelt.

Falsch gedacht, liebe Lesende, denn ich glaube, wir Katzen verstehen von diesem Politikding eine ganze Menge. Ich zumindest glaube, dass Politik in diesen Zeiten eine ganze Menge mit dem kleinen Wort „Trotzdem“ zu tun hat. Und mit dem kleinen Wörtchen „nein“. Womit wir wieder bei dem Thema sind, das ich letzte Woche schon angerissen habe, nämlich diesem Ding mit dem „bei sich selber anfangen“.

Da sind die Großen, die Mächtigen, die Entscheider, die mit dem Finger am roten Knopf, die, von denen alle glauben, dass sie die Zügel dieser Welt in den Händen halten.

Aber ist das so? Halten sie wirklich alle Zügel in der Hand?

Oder kann sich etwas ändern, wenn gegen 10, die glauben, mächtig zu sein, 1000 aufstehen und „nein“ sagen?

Mein Mensch und ich haben heute etwas beschlossen. Nämlich, dass wir uns nicht lähmen lassen von der Angst, die die Politik dieser Tage verbreitet, die von all den Rechten, den Fremdenhassern, den Unempathischen, den Geldgierigen ausgeht. Wir sagen „trotzdem“ und lächeln dem Fremden zu, füttern den Streuner auf der Schwelle, sind einfach nur da. Ein offenes Ohr kann Wunder wirken. Ein nein an der richtigen Stelle, vom Richtigen gesprochen, die Welt ebenso verändern wie ein an anderer Stelle gesprochenes ja.

Ich war einmal ein ganz armes Katerding, allein und ohne große Hoffnung – bis die Tierschützer kamen und mich aufpäppelten und dann meine neuen Menschen, bei denen es mir gutgeht. Die Welt kann sich ändern, für jeden von uns, im kleinen, und dann vielleicht auch im großen. Das Zauberwort heißt „trotzdem“. Trotzdem leben. Trotzdem feiern. Trotzdem arbeiten, kreativ sein, Freunde treffen, sich engagieren, trotzdem schreiben, trotzdem den Mund aufmachen, trotzdem sichtbar sein.

Das Zauberwort heißt, so sagt mein Mensch, Hoffnung.

Das ist wie Sonne auf dem schwarzen Katerpelz nach einem kalten dunklen Winter. habt ihr es auch schon gerochen? Diesen ganz kleinen Frühlingshauch in der Luft? Auch dieser Winter dauert nicht ewig.

Erwählte des Zwielichts 85

Dritter Teil: Kinder der Sterne

I

Flammenstern schaute hinauf zu der kleinen Ansammlung von kleinen Unterständen in den Baumkronen und konnte kaum glauben, dass diese einfachen, aber praktischen Behausungen innerhalb weniger Nächte entstanden waren und Nacht für Nacht weiter wuchsen. Bald würden diese Bäume ein Dorf in ihren Kronen tragen. Er fühlte tiefe Zufriedenheit und Stolz in seiner Seele, als er die in die Baumkronen gebauten Plattformen betrachtete, die die aus Zeltplanen und mit Lehm verschmierten Reisigwänden bestehenden ersten Hütten trugen. Einige Wände waren bereits mit Fliesen aus gebranntem Ton verziert, die Lehmformer hergestellt hatte. Flammenstern atmete tief die Nachtluft und fühlte zum ersten Mal seit langer Zweit wieder diese tiefe Ruhe in sich, die er im Krieg so vermisst hatte. Es tat so gut, schöne Dinge zu tun. Zu erschaffen, statt zu zerstören. Leben, statt zu kämpfen und zu töten. Tief in seinem Inneren wusste er, dass es nicht so friedlich bleiben würde, weil die Welt, in der er lebte, einfach nicht für dauerhaften Frieden geschaffen war – aber die Zeit der Ruhe, die ihnen blieb, die wollte Flammenstern genießen. Mit denen, die er liebte. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er sie beobachtete – seine Freunde, seine Nithyara. Sein Volk.
Mit den wenigen nützlichen Dingen, die Wegsucher, Sternauge, Weitherz und Schattensang von ihren Ausflügen mitgebracht hatten, hatten sie die ersten Grundlagen ihres neuen Dorfes errichtet. Sie hatten begonnen, eine kleine Schmiede zu bauen, in der Nachtjäger und Wegsucher aus metallenen Beutestücken aus dem Krieg neue Waffen und Gebrauchsgegenstände schaffen wollten, und einen einfachen Brennofen für Lehmformers Tonarbeiten. Weitherz erinnerte sich an ihre Arbeit als Weberin, die sie vor dem Krieg getan hatte, und baute mit Schattensangs und Feuerlanzes Hilfe an einem einfachen Webstuhl. Wolle und Flachs hatten sie in einem niedergerissenen und verlassenen Menschendorf in der Nähe gefunden, ebenso ein wenig Saatgut und Gegenstände des täglichen Lebens.
Flammenstern wusste, dass sie mit den gefundenen Dingen haushalten mussten. Sie jagten und schabten die Felle der Tiere, um daraus Leder und Pelz zu gewinnen. Sie brauchten warme Kleidung – immer wieder fiel ihm auf, wie leicht er seit einiger Zeit fror. Das einzige, was wirklich half, diese unangenehme Kälte zu vertreiben, war die Nähe der anderen, und am besten half ein Tag in Nebelstreifs Armen.
Sein Blick wanderte zu Nebelstreif und blieb voller Liebe bei ihr. Die Heilerin kümmerte sich um Feuerlanze, deren Leib sich bald runden würde. Der Gedanke an ein Kind erfüllte Flammenstern mit tiefer Dankbarkeit und Freude. Ein Kind war ein Hoffnungsschimmer, so wie die Sternschnuppe, die seine Geburt angekündigt hatte. Und Nebelstreif war so glücklich, dass sie wieder nichts anderes sein durfte, als eine Heilerin, die sich um die Belange eines in Frieden lebenden Volkes kümmerte. Die Kinder auf die Welt holen durfte, statt Kriegswunden zu verbinden und sterbenden Soldaten die Hände zu halten. Weiterlesen →

Tanja Rast: Königsmacher

Mit „Königsmacher“ stellt Tanja Rast (bekannt durch Arrion und Cajan) den ersten Band ihrer im Selbstverlag erscheinenden Gay-Romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor.

Schon der Klappentext macht neugierig und verspricht eine romantisch-humoristische, turbulente Mischung aus Abenteuer und Liebesgeschichte: Jiras und Belac sind Spitzel und Saboteure – und Meister ihres Fachs. Ausgesandt von verfeindeten Fürsten, die nur darauf lauern, die Nachfolge eines erbenlosen Königs an sich zu reißen, prallen die grundverschiedenen Männer inmitten des Intrigenspiels aufeinander. Aus augenblicklicher Faszination füreinander wird rasch mehr. Doch zwischen Verschwörungen, zerstörerischer Magie und einer schier unlösbaren Aufgabe scheint die verbotene Liebe zum Scheitern verurteilt. Können Belac und Jiras angesichts des drohenden Thronfolgekriegs tatsächlich Diensteide und Loyalität über Bord werfen, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen?

Ich will nicht vorwegnehmen, ob sie es können, das sollte jede Freundin und jeder Freund romantischer gay fantasy am besten selbst lesen. Für „Königsmacher“ findet Tanja Rast ihre ganz eigene charakteristische Erzählstimme, ihren eigenen Humor und ihre ganz eigene Weise, knisternste Erotik zu schreiben, ohne dabei auch nur ein einziges Mal expliziten Sex zu beschreiben. Doch was sie in ihren Knisterszenen andeutet, läuft schnell in der Phantasie ihrer Leser als ohrenrötendes Kopfkino ab – so ging es jedenfalls mir, als ich dem ungleichen Paar Jiras und Belac in die Welt von „Königsmacher“ folgte.
Die Aussicht auf weitere Romane in ähnlichem Stil macht mich ausgesprochen glücklich, denn „Königsmacher“ hat einen klitzekleinen Nachteil: Dieses hübsche Buch mit dem ansehnlichen Jiras-Konterfei auf dem von Cover für dich gestalteten Titelbild ist einfach zu schnell zu Ende. denn einmal angefangen, fällt es einem ausgesprochen schwer, es wieder aus der Hand zu legen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Folgebände zu „Der Magie verfallen“.

Interview: Katharina Seck über „Die Silberne Königin“ und andere Dinge

 

Liebe Kati, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast! (Foto: JB_Photographie)

 

Kati: Sehr gern! Vielen Dank für die Möglichkeit!

  1. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?

Kati: Ich bin gebürtige Westerwälderin und lebe in einer kleinen, mittelalterlichen Stadt mit sehr viel Atmosphäre und Wald. Dort arbeite ich im öffentlichen Dienst. Wenn ich nicht gerade arbeite oder schreibe, verbringe ich ganz viel Zeit mit Freunden, Familie, meinem Windhund, Netflix, Büchern, Büchern und Büchern. So oft es geht, versuche ich, Zeit am Meer zu verbringen, wo mein Hund, der ein ebenso passionierter Meerliebhaber ist wie ich, und ich durch Watt und Wasser spazieren.

 

  1. Was schreibst du am liebsten?

Kati: Die letzten Jahre habe ich mich vor allem auf meine Fantasy-Projekte konzentriert. Ich mag es, Welten zu erschaffen, mit Magie zu spielen und der Fantasie freien Lauf lassen zu können. Als Jugendliche habe ich mich selbst am liebsten mit Frodo, Harry Potter, Eragon und Sonea auf Lesereise begeben, daher hat sich für mich schon früh herauskristallisiert, dass die Phantastik auch eins meiner liebsten Schreib-Genre werden wird.

Neben Phantastik schreibe ich auch sehr gern realistische Stoffe, in denen es um Entwicklung, Vergangenheitsbewältigung, Liebe und vor allem um Lebensfreude geht. Im Herbst diesen Jahres wird also mein erster realistischer Roman erscheinen, der mir ganz besonders am Herzen liegt (Anmerkung der Redaktion: das freut mich ganz besonders, denn ich glaube, ich kenne diesen Roman, und er ist wirklich etwas ganz Besonderes, auf das sich alle Leser freuen dürfen).

 

  1. Wo schreibst du? Gibt es Orte, die dich inspirieren?

Kati: Tatsächlich entstehen 95 Prozent meiner Bücher in meiner Wohnung. Mein Zuhause ist mein ganz privater Rückzugsort, in dem ich ungestört und so auch am kreativsten sein kann. Die restlichen fünf Prozent schreibe ich dann dort, wo mein zweites Zuhause liegt: Am Meer.

Ich glaube, es gibt kaum etwas, das mich so sehr inspirieren kann, wie wildes Wellentreiben, Wind, eine salzige Brise und das ozeanblaue Wasser.

 

  1. Aktuell erobert gerade „Die silberne Königin“ aus Deiner Feder den Buchmarkt – ein wunderbares, verzauberndes und poetisches Buch, das, wie ich finde, auch einen klaren Bezug zu unserer eigenen immer mehr erkaltenden Welt hat. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Kati: Meine Romane entstehen immer mit einem Bild, das sich in meinem Kopf formt. Oft ist es eine atmosphärische Landschaft, ein besonderer Ort, ein magisches Setting. Dazu entwickeln sich dann die Figuren, die in eben dieses Setting passen und in kein anderes. Erst dann baue ich den Plot und die eigentlich Geschichte auf. Silberglanz, also die Stadt, in der „Die silberne Königin“ angesiedelt ist, hat eine winzige Ähnlichkeit mit dem historischen, liebevoll gepflegten Stadtkern meiner Heimatstadt im tiefsten Winter.

 

  1. Du schreibst Fantasy – Was fasziniert dich gerade am Phantastischen?

Kati: Die Möglichkeit, tausend neue Welten zu erschaffen. Tausend neue Welten, die jeder bereisen kann, ganz gleich, wo er sich gerade befindet. Es gibt keine Grenzen, nur Möglichkeiten.

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Katharina Seck: Die silberne Königin

Katharina Secks Debütroman „Die silberne Königin“ ist ein Buch, auf das ich mich von der ersten Ankündigung an gefreut habe wie der sprichwörtliche und sehr passende Schneekönig. Katharinas zauberhaften Schreibstil kannte ich bereits von meiner Arbeit als Testleserin für ein anderes Projekt aus ihrer Feder, umso gespannter war ich, wie sie diesen Stoff angeht, der zerbrechlich und schön wie eine Eisblume ist, kalt wie der Frost der vergangenen Tage und so voller Hoffnung wie ein Sonnenstrahl nach einem düsteren Regentag.

Zum Inhalt: Für Emma verändert sich ihr ganzes Leben, als sie Arbeit in der Chocolaterie der leicht verschrobenen Madame Weltfremd findet. Die Madame, die mit Schokolade und Plätzchenteig zaubert, kann noch auf eine andere, in Emmas Welt schon lange bei Strafe verbotene Art und Weise Zauber wirken: mit Worten, denn die Madame ist eine begnadete Erzählerin. Als sie beginnt, ihren Helferinnen Emma und Ophelia das Märchen von der silbernen Königin zu erzählen, sieht Emma immer mehr Parallelen des Lebens der märchenhaften Königin zu ihrem eigenen. Zufall? Ab einem bestimmten Augenblick kann Emma nicht mehr an Zufall glauben. Und mutig wie die silberne Königin der Geschichte betritt Emma schließlich das Schloss aus Eis, in dem der grausame Casper als tyrannischer König herrscht. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Wänden aus Eis und der kalten Unnahbarkeit des so gefühllosen Herrschers? Und welche Geheimnisse waren innerhalb der Mauern des kalten Palastes darauf, dass Emma sie lüftet? Verbirgt sich dort vielleicht sogar die Lösung des Mysteriums ihrer eigenen Herkunft?

Katharina Seck zaubert mit Worten wie Madame Weltfremd und zieht mich als Leserin von der ersten Seite hinein in Emmas in Eis erstarrte Welt. Ich kann nicht umhin, Parallelen zu unsere eigenen Realität zu sehen, wenn ich von dieser Welt des ewigen Winters lese, in der Menschen einander nicht mehr vertrauen können, in der jeder gehetzt ist und um das letzte Bisschen Wärme kämpft. In der Hoffnung und Liebe eigentlich keinen Platz mehr haben, weil alle Hoffnung von Kälte erstickt wird. Doch da ist Emma, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt, die kämpft und andere Menschen in ihren Kampf hineinzieht. Die aufbegehrt und damit Hoffnung weckt. Die weiß, dass ihr Weg in den sicheren Tod führen kann, aber ihn dennoch ohne zu zögern weitergeht, ganz einfach, weil sie weiß, dass sie es tun muss.
Katharina Seck erzählt Emmas Gesichte in gefühlvollen, poetischen Worten, eine zarte und doch starke Geschichte mit einer sympathischen Heldin, in der ich mich ohne Probleme wiederfinden kann.

„Die silberne Königin“ ist eine phantastische Geschichte gegen die Angst und die Hoffnungslosigkeit dieser Welt. Jeder, der sich fragt, was er allein schon erreichen kann, der sollte dieses Buch lesen. Ich hoffe, dass es dazu führt, dass sich in unserer realen Welt immer mehr Emmas erheben, um der Kälte die Stirn zu bieten.