Yep, November is coming

Oder auch: Achtung, Ausnahmezustand! Wie in jedem Jahr seit 2007 wird auch in diesem November wieder fleißig geschrieben. 50.000 Wörter in 30 Tagen an einem Projekt, ein Roman in einem Monat oder auch kurz NaNoWriMo – heute um Mitternacht startet der national Novel Writing Month, und ich freu mich schon wie bekloppt auf 30 Tage schreiben, kämpfen, gegenseitiges Motivieren im Tintenzirkel-Fantasyautorenforum. Der Tintenzirkel lässt nichts aus, seine Schreiberlinge bei der Stange zu halten. Es gibt das beliebte Coverwichteln, bei dem ich von der wunderbaren Gwee dieses unheimlich tolle Bild bekam, es gibt das berühmte „Überlebenspaket“, den Soundtracktausch und jede Menge Teams und Teambattles, Zweikämpfe und Einzelkämpfe.
Aber vor allen Dingen gibt es ganz viele tolle Romanideen.

Bei mir wird es in diesem Jahr mal wieder um Katzen gehen. Nicht ganz so episch wie vor fünf Jahren, als im NaNoWriMo die Rohfassung für „Roms Katzen“ entstand. „Winterkater“ ist eine Mischung aus Legende und Märchen, angesiedelt in einer archaischen Welt, die durchaus ein urtümliches Norwegen sein könnte. Naturgeister beherrschen das Land, mächtige Schamanen sprechen mit ihnen und suchen ihren Rat, Tiere und Natur sind beseelt und voll von ihrer ganz eigenen Magie. Den Wechsel der Jahreszeiten bestimmen Ymir, der Winterkater, Asmo, der Frühlingskater, Siw, die Sommerkatze, und Gefion, die Herbstkatze. Doch was geschieht, wenn der Winterkater ebenso wie alles Leben in der Welt sehnsüchtig auf den Frühlingskater wartet, dieser aber nicht kommen will?

Als Naturgeist darf Ymir nicht selbst eingreifen – wohl aber der zottelige schwarze Katerbarde Vidar und seine pelzigen Freunde – Smilla, die sanfte, humorvolle Heilerin mit der Sehergabe und diesem ganz gewissen Gespür für Schnee, der draufgängerische rote Kämpfer Veli, der besonnene graue Tiger Jari und die kleine, schnelle Jägerin Tuula. Gemeinsam machen die Katzen sich auf den abenteuerlichen Weg in die Welt der Geister, um den Frühling zu finden, und finden dabei heraus, dass es Momente im Leben gibt, in denen die alte Weisheit tatsächlich zutrifft: Der Feind meines Feindes ist mein Verbündeter. 

Wenn ihr mir auf meinem eigenen Weg in die Geisterwelt folgen und Vidars Bardenstimme lauschen wollt, dann kommt gern mit. Ich werde in den kommenden Wochen immer mal wieder kleine Textschnipsel auf Facebook verbreiten und mich hier im Blog alle paar Tage über meine Schreibfortschritte auslassen.

Und ihr? Wagt auch ihr euch in das Abenteuer NaNoWriMo? Und wenn ja: was schreibt ihr?

Tina liest: Feuerzauber von Tanja Rast

„Der Magie verfallen“, die gefühlvoll-spannende gay romance-Serie von Tanja Rast hat vom ersten Band an Spaß gemacht. Ich bin mit Jiras und Belac durch Intrigenspiele gehüpft, war mit Terez und Noriv auf der Suche nach dem Elfenstein und habe mit Livan und Torik einen Klosterschatz gehoben. Das alles war spannend, lustig, romantisch. Aber mit dem letzten Band, Feuerzauber, setzt Tanja noch mal einen drauf. Für Griv und Talon, den kleinen, drahtigen Stadtwachenhauptmann und den großen Magier, brenne ich. Der Feuerzauber hat Funken geschlagen, die sich lange nicht löschen ließen.

Zum Inhalt: Noch vor kurzem waren Griv, Kommandant der Stadtwache, und der Feuermagier Talon ein Paar – doch ein Streit über die Geheimnisse der Magie entzweite sie. Als ein Notfall Griv jedoch eines Nachts dazu treibt, Talon aus dem Bett zu klopfen, verfliegt dessen Wut über den Besuch rasch. Denn Griv bringt ihm ein magisches Artefakt, das Talon nur aus jahrhundertealten Theorien kennt und von dem es heißt, dass es nicht existieren könne.

Talon wittert nicht nur eine magische Katastrophe, sondern auch eine persönliche, denn die Umstände zwingen ihn, mit Griv zusammenzuarbeiten. Und Streit hin oder her, Talon fühlt sich immer noch magisch von dem aufbrausenden jungen Mann angezogen.

Griv kann es nicht leiden, wenn Talon Geheimnisse vor ihm hat. Und dann auch noch diese Quittenmarmelade im Küchenschrank! Doch das alles tritt in den Hintergrund, als die beiden Ex-Geliebten sich einer viel größeren Gefahr gegenübersehen, als sie in Sofaecken und Küchenkabuffs lauern könnte: Magischer Abfall, hoch giftig und extrem unangenehm, und eine Art und Weise, damit umzugehen, die Talon bisher nur aus grauer Theorie kennt und die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Während Giv und Talon sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammenraufen, um dem Geheimnis des magischen Abfalleimers auf den Grund zu gehen, knistert es immer wieder höchst gefährlich zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern. Da fliegen nicht nur die Fetzen, da fliegen auch die Funken, und das in Form von Tanjas schon so oft von mir gelobten spritzigen Dialogen und knisternden Erotikszenen, die so ganz ohne explizite Darstellung auskommen und einem dennoch das Blut in die Wangen schießen lassen.

Ein perfekt gelungener Abschluss der ersten Staffel „Der Magie verfallen“!

Neue Veröffentlichung: Das Geheimnis der Flammenden Rose

Nach einer langen und sehr ausgiebigen Überarbeitungsphase ist es endlich seit einer Woche zu haben: „Das Geheimnis der Flammenden Rose“, aktuell noch ausschließlich als EBook, aber die Printausgabe wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Zum Inhalt: Das Bordell „Flammende Rose“ macht weit über Padanas Grenzen hinaus von sich Reden und lockt damit auch den reisenden Halbelfen Ilaro über seine Schwelle. Ilaro verfällt dem Zauber des exotischen Tänzers Nadim, doch nach einer anregenden Nacht mit dem Liebesdiener steht seine Welt Kopf. In erregenden und gleichzeitig verwirrenden Träumen ruft ihn ein zauberhaftes Wesen, das direkt der Phantasie entsprungen zu sein scheint. Nicht das einzige Geheimnis der „Flammenden Rose“, denn da gibt es noch die rote Tür, die niemand durchschreiten darf. Von Sehnsucht getrieben versucht Ilaro, alle Rätsel zu lösen und den wundervollen Mann seiner Träume aufzuspüren – nicht ahnend, auf welches Spiel er sich einlässt …

Ich möchte euch heute hier die Geschichte dieses Buches erzählen, die im Jahr 2011 mit einer ersten Fassung begann. Die lag dann einige Zeit in der Ecke, wurde wieder vorgekramt und für gar nicht mal so gut erachtet wieder weggepackt. Dann kam der November 2013 und damit der NaNoWriMo, und ich packte den Stoff noch mal an, um ihn komplett neu aufzurollen. Geblieben sind die Figuren und das Setting, allerdings nahm die Geschichte einen ganz anderen Lauf als zuvor.

Nach dem NaNo kam, was immer kommt: das Fertigschreiben eines im November nur zu zwei Dritteln beendeten Romans, mit langen Pausen dazwischen (real life interferes…) und dem dadurch notwendigen immer-wieder-von-vorn-lesen. Da ich dazu oft keine Lust hatte war ich dabei dementsprechend schlampig, was zu einigen nicht so ganz logischen Abläufen innerhalb der Handlung führte. Unbemerkt führten diese ein beschauliches Leben in dem in der Schublade mit der Aufschrift „beendet“ gelandeten Manuskript, und ich begab mich langsam und gemütlich auf Verlagssuche, zog auch Selfpublishing in Erwägung.

Als ein kleines Wunder geschah und Lysander Schretzlmeier mit seinem Traumtänzer-Verlag das geradezu perfekte Zuhause für einen fantastischen Gay Romance-Roman eröffnete, zögerte ich nicht lange und bewarf das neugegründete Verlagshaus mit einer Bewerbung samt Leseprobe. Als die tatsächlich auf Anerkennung stieß und das gesamte Manuskript angefordert wurde, war es Zeit für den ersten freudigen Indianertanz im Wohnzimmer.

Es kam dann, was kommen musste: das Lektorat, und die Indianertanzstimmung wandelte sich in leise Panik. Gedanklich rannte ich mit den Armen fuchtelnd im Kreis, während meine Gedanken in Endlosschleife den Satz „Ohgottogott, wie soll ich denn das alles wieder entknoten?“ formten. Ich hatte mich an einigen Stellen nämlich hoffnungslos verrannt, und jetzt hatte ich die ehrenvolle Aufgabe, all diese Logiklöcher und Plotlücken so zu stopfen, dass am Ende meine Geschichte immer noch meine Geschichte war, aber dennoch etwas dabei herauskam, was für die Leser spannend und nachvollziehbar war. Nach Möglichkeit sollten sie bitte auch noch die Hauptfiguren mögen. So viele Wünsche auf einmal. Kurz, ich fühlte mich überfordert und kreischte um Hilfe. Erhört wurde mein Flehen von der wunderbaren Tanja Rast, mit der ich schon oft zusammengearbeitet hatte. Gemeinsam entknoteten wir die Plots, Tanja hörte sich geduldig meine Verzweiflungsjammereien (Ich geb auf! das wird nie was! Verdammte Axt! Wahhhh!) und Figurenprobleme (ich würde das ja so machen, aber Vennian hat mir gesagt, er findet das scheiße…) an, kümmerte sich um meine Kommasetzungsprobleme und machte mir das Endkorrektorat, und am Ende konnten wir gemeinsam auf das Manuskript gucken und feststellen, dass wir aus einem ollen Stein den Diamanten rausgeschliffen hatten. Als dann noch das wunderbare Cover von Yvonne Less dazukam, konnte ich mich vor Freude wieder nicht halten – die Indianertanzstimmung war zurück, und ich konnte den Veröffentlichungstermin gar nicht mehr abwarten.

Und jetzt ist es da! Dank euch hat es sich eine Woche lang auf Platz 1 in der Kategorie „Fantasy für Homosexuelle“ gehalten und in der ersten Woche schon viermal fünf Sterne abgeräumt. Dieses Buch macht mich sehr glücklich, und ich freue mich, wenn es auch euch Spaß macht und ein paar schöne Lesestunden beschert.

 

 

Die Zwielichtigen verabschieden sich

Liebe LeserInnen,

manchmal kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Die „Zwielichter“ waren nie als Mammutprojekt geplant. Inzwischen haben sie sich unter anderem dadurch, dass ich den Anspruch an mich hatte, euch jede Woche mit einem neuen Schnipsel zu versorgen, zu einem Riesenballon aufgebläht. Schreibenderweise habe ich mich von Sonntag zu Sonntag gehangelt, und mir ohne es zu merken eine Falle gestellt.
Heute bin ich mit Volldampf reingetreten. Ich habe mir einen dicken Plotknoten fabriziert und komme nicht wieder heraus – es sei denn, ich gönne mir eine Pause und der Geschichte die Zeit zum Wachsen, die sie braucht. Daher mache ich es kurz und schmerzlos: die Zwielichter melden sich auf unbestimmte Zeit ab.

Vielen Dank allen, die sie bis hierher begleitet haben.
Natürlich existiert in meinem Kopf das Ende der Geschichte. Ich weiß nur aktuell vor lauter Plotknoten nicht, wie ich dort hinkommen soll, ohne noch mal über hundert verschwurbelte Seiten zu produzieren. Trotzdem möchte ich euch nicht in der Luft hängen lassen. Wer wissen will, die die Geschichte der Zwielichtigen endet, dem schicke ich gern eine Zusammenfassung zu.

Und nun: Tschüß, Zwielicht, willkommen ….?
Lasst euch überraschen, wenn es demnächst in diesem Theater wieder heißt: Schnipselzeit!

Erwählte des Zwielichts 114

Auch Nebelstreifs Augen weiteten sich. „Ich habe genau das versucht, als ich allein war … aber es wollte nicht kommen. Jetzt …“ Auch sie hob ihre Hand, und auch auf ihren Fingen zeigten sich plötzlich die ersehnten Flämmchen. „Vielleicht können wir uns den Weg freibrennen …“

„Versuchen wir es.“ Wegsucher richtete den Blick auf die Stelle, an der sich der Durchgang zu Nebelstreifs Zelle geöffnet hatte, und ließ einen Sternenfeuerstrahl darauf zuschießen. Die Flamme prallte auf die Wand – und zerfaserte in winzige Funken, die sofort verloschen. Wegsucher keuchte auf. Es hatte ihn angestrengt, diesen Flammenstrahl zu rufen, mehr als jemals zuvor. „Dumme Idee, versuch du es nicht … es ist anstrengend …“ Er schnappte nach Luft. „Mehr als eine kleine Flamme, um uns warm zu halten, scheinen sie uns nicht gestatten zu wollen …“

„Aber immerhin das.“ Nebelstreif lehnte sich wieder an ihn. „Halt mich fest“, flüsterte sie. „Ich habe das Gefühl, mir wird immer kälter.“

Wegsucher nickte nur und schloss sie in seine Arme, strich ihr mit den sternenfeuerflammenden Fingern durchs Haar. Funken tanzten in den seidigen Strähnen. Er hätte so gern mehr getan.

Nebelstreif zitterte in seinen Armen. „Wir müssen nicht frieren“, raunte sie, „du weißt, was wir tun können, um nicht mehr zu frieren.“

„Sie beobachten uns“, erinnerte Wegsucher sie. Das Feuer mit ihr teilen, während Tayara und ihre Handlanger zusahen? Wieder erschauerte er. Als er mit nebelstreif und Flammenstern zusammengewesen war, hatten ihn Flammensterns Blicke doch auch nicht gestört. Im Gegenteil. Es hatte ihn erregt, zu wissen, dass sein Blutsbruder zugesehen hatte, während er Nebelstreifs Zeichen nachgezogen und gefühlt hatte, wie sie unter seinen Händen immer mehr in Flammen geriet. Es wäre so einfach. Feuer rufen, Feuer teilen, Kraft und Wärme wiederfinden. Tayara und ihrer Nachtgöttin trotzen … Weiterlesen →

Erwählte des Zwielichts 113

Ein schabendes Geräusch durchdrang die Höhle, ein Felsblock versank im Boden, und ein schmaler Durchgang tat sich wie von Zauberhand auf. Dahinter lag eine weitere Höhle, ebenso von diffusem Licht erfüllt wie Wegsuchers eigenes Gefängnis – und da stand Nebelstreif. Sie lachte und weinte zugleich, als sie loslief. Wegsucher trat ihr entgegen, schloss sie in die Arme und drückte sie an sich. „Ich bin hier, alles wird gut.“ Wie auch immer alles gut werden sollte – aber er würde dafür sorgen, dass Nebelstreif und er hier wieder herauskamen!

„Wegsucher … ich kann nicht zu den anderen senden … ich kann sie nicht hören, ich kann Flammenstern nicht spüren!“

„Shht. Beruhige dich. Ich auch nicht. Aber horche in dich hinein, Theanna. Er ist dein Ta’nesha und mein Blutsbruder. Ich bin mir sicher, dass er lebt – also solltest du dir noch einmal mehr sicher sein!“

Sie nickte. „Ja … ja, ich bin mir sicher, dass er lebt, aber ihn nicht spüren zu können … gar nicht … ich war noch nie so allein in meinem Leben. Wenigstens du bist da!“ Sie drückte sich noch enger an ihn.

Wenigstens … Das Wort grub Klauen in Wegsuchers Herz. „Wenigstens?“ raunte er und strich durch Nebelstreifs Haar. „Ich liebe dich, Theanna, das weißt du. Ich liebe dich. Schon so lange. Warum tust du mir weh?“

„Ach, Wegsucher! Du weißt doch, wie ich es meine. Und du weißt auch, dass ich deine Liebe erwiedere. Ich liebe dich, wie ich Flammenstern liebe.“ Sie hob den Kopf, sah zu Wegsucher auf, und dann drückte sie ihre Lippen auf seine. //Ich liebe dich//, wiederholte sie wortlos, und er verstand, wie ernst es ihr war. Sie konnte nicht lügen, wenn sie die Gedankensprache benutzte. //Warum glaubst du mir nicht?// Weiterlesen →

Erwählte des Zwielichts 112

Sie nahmen Abschied von den toten Nachtschleichern. Ihre Reitkatzen begleiteten sie, doch die anderen blieben zurück, kauerten sich zu ihren gefallenen Rudelmitgliedern und stimmten einen wilden Trauergesang an, der Flammenstern die Haare zu Berge stehen ließ. Er wusste, die Katzen würden wiederkommen, wenn sie für die Toten gesungen hatten. So, wie auch die Nityhara für ihre Toten singen würden. Er hoffte, dass im Dorf niemand war, für den sie würden singen müssen.

 

VII

Wegsucher glaubte, in zähem Sirup zu liegen, der seinen Mund mit ekelhafter Süße füllte. Sie roch nach Lilien und schmeckte nach Tod. Er wollte die Augen öffnen, aber seine Lider waren wie zugeklebt. Fast schon ein Wunder, dass er überhaupt in der Lage war zu atmen. Er fühlte sich, als hätte Tayaras gesamte Truppe ihre Stiefel auf seinem Rücken abgetreten. Kälte kroch aus dem harten Boden, auf dem er lag, in seinen Körper. Unter seinen Händen fühlte er die schartige Kühle feuchter Felsen.
//Flammenstern? Nebelstreif? Hört ihr mich? Hört mich … irgendjemand?// Sogar das Senden war anstrengend. Wegsucher konnte seine Gedanken nicht lenken, immer wieder entschlüpften sie ihm, wenn er versuchte, sie zu sammeln und denen zu schicken, um deren Leben er am meisten fürchtete. Tief in sich konnte er das Blutband zu Flammenstern spüren, doch es war nur noch ein dumpfes Echo des Gefühls von Zusammengehörigkeit, das er kannte. So, als sei Flammenstern viel zu weit weg. Sein Blutsbruder lebte – aber er würde ihn nicht mit der Kraft seiner Gedanken erreichen können. Wegsucher schauderte. Ihm wurde bewusst, dass er allein war, und ziemlich sicher gefangen, und er wusste nicht, was mehr an der Kälte schuld war, die in seinem Inneren stachelige Eiszapfen wachsen ließ. Als er noch Amayas gewesen war, hatte es ihm nichts ausgemacht, allein zu sein. Doch Wegsucher sehnte sich nach seinen Clangeschwistern. Er zwang sich, die Augen zu öffnen. Weiterlesen →

Erwählte des Zwielichts 111

„Flammenstern, den Göttern sei Dank!“ Sternauge lief ihm entgegen und nahm seine Hände, ihr folgten Schattensang, Lehmformer und das restliche Nachtschleicherrudel.

Flammenstern zog Sternauge an sich, aber er war alles andere als beruhigt. „Wo sind Wegsucher und Nebelstreif?“ Zwei der toten Schleicher waren ihre Tiere gewesen. „Sucht sie“, befahl er mit flacher Stimme, „findet sie. Sie können doch nicht einfach weg sein.“

Konnten sie nicht?

Sternauge senkte ihren verwirrenden Blick in Flammensterns. „Flammenstern … etwas ist geschehen. Ich habe es gesehen, als ich doch blind war in diesem Zauber, blind und taub …“

„Wie wir alle“, warf Lehmformer ein „es war entsetzlich. Ich konnte euch nicht spüren, nicht hören …“

Schattensang nickte. „Ging mir genauso … ich habe versucht, den Zauber zu brechen, aber …“

Flammenstern schüttelte den Kopf. In seinem Inneren nistete noch immer ein Echo der Kälte, die er unter dem Zauber gespürt hatte. Er sendete behutsam seine Gedanken aus, tastete nach dem Seelenband, dem Blutsbruderband. Seltsam dumpf hallte das Echo der Verbindungen in seiner Seele. Noch immer antworteten Nebelstreif und Wegsucher nicht auf sein Senden, aber er wusste tief in sich, dass sie lebten. Ihr Tod würde sich anders anfühlen. „Sternauge, was hast du gesehen?“

„Dieser Überfall … Tayara wollte uns nicht töten. Sie wollte nur … uns.“ Ihr Blick schweifte über die Lichtung. Keine Spur von Nebelstreif und Wegsucher.

Flammenstern begriff. „Sie haben Wegsucher und Nebelstreif entführt …“ Das Eis in Flammenstern bekam Stacheln. „Sie wollen etwas gegen uns in der Hand haben, etwas, womit sie uns … mich … erpressen können. Sie haben die mitgenommen, die mir in meinem Leben am meisten bedeuten. Dass Iloyon Cianthara liebte, war kein Geheimnis im Heer, auch nicht, dass Amayas und Iloyon das Blutsbruderband teilen. Tayara muss zu Recht davon ausgehen, dass sich daran nichts geändert hat, auch wenn wir uns verändert haben.“ Flammenstern rang mit sich. Was tun? Gehen? Bleiben? Suchen? Er bezweifelte, dass er Nebelstreif und Wegsucher finden würde, wenn sie wie aufgescheuchte Kaninchen in den Wald rannten. Auch wenn es ihm das Herz zerriss, er musste mit den anderen zum Dorf zurück. Denn Tayara würde die Entführten nicht töten. Sie würde sie als Druckmittel benutzen. Und wenn er wusste, wo sie mit ihnen steckte, dann würden die Nityhara zuschlagen und Tayara und ihre Khadissanbeter mit Sternenfeuer empfangen.  Weiterlesen →

Tanja Rast: Klosterschatz (Der Magie verfallen III)

Von Kriegsschaufeln, selbstbewussten Nonnen und Klosterschätzen

Mit „Klosterschatz“ stellt Tanja Rast den dritten Roman ihrer Gay Romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor und vereint darin wieder eine humorvoll-romantische Liebesgeschichte mit einem bis zuletzt spannenden Plot um politische Wirren in einem kriegsgebeutelten Land.

Wie der Bote der Göttin Anide erscheint dem verletzten und von Wundfieber geplagten Rebellen Torik der hochgewachsene, verflucht gutaussehende Livan, der mit einer Schaufel bewaffnet im exakt richtigen Moment auftaucht, um Torik und einer Handvoll Nonnen nebst Mutter Oberin das Leben zu retten. Mit Livans Hilfe gelingt die Flucht vor den königlichen Soldaten – doch das ist erst der Anfang einer Geschichte, in der nicht jeder das ist, was er zu sein scheint.

Wer sind die resoluten Nonnen, die so viel mehr durchstehen, als Livan ihnen zugetraut hat? Und welche Geheimnisse verbirgt Livan selbst unter seinem Mönchsgewand? Was lag in den alten Katakomben des verfallenen Klosters, in dem Livan Nonnen und Torik aus der Gewalt der Königlichen befreite – und welches Mysterium umweht die Nonne Meni, mit der sich Livan auf ihrer Flucht plötzlich allein in einem matschigen Schlammloch wiederfindet?

All diese Fragen beantwortet die Lektüre von „Klosterschatz“, die ich euch dringend empfehlen möchte. Tanja Rast hat es wieder geschafft, eine romantisch-abenteuerliche Geschichte zu schreiben, die ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite packt. Wir immer ausgestattet mit einem Coverbild von Cover für Dich heißt dieses Buch nicht nur „Schatz“, es ist auch einer.

Ich hoffe, dass Tanja noch lange nicht genug hat von ihrer Gay Romance-Reihe, und freue mich schon auf weitere Romane aus ihrer Feder.

Erwählte des Zwielichts 110

Stille hüllte ihn ein, so tief, dass sie seine Ohren mit dumpfem Druck füllte.

„Nebelstreif! Wegsucher!“ Flammenstern wusste, dass er rief, fühlte, dass er schrie, aber er hörte noch nicht einmal ein Wispern. Er rief Sternenfeuer. Spürte, wie es auf seiner Handfläche knisterte, aber er sah es nicht. Er war taub. Er war blind. Was ist das für ein Zauber? Sein Herz begann zu rasen, als nie gekannte Angst ihn überschwemmte wie eine Woge. Er ertrank darin. Die anderen … er konnte die anderen nicht mehr spüren.

//Nebelstreif … Ta’nesha? Hörst du mich? Wegsucher, Bruder, wo seid ihr?//

Stille, nichts als Stille, als seien seine Sinne blind und taub geworden für die Bänder, die ihn an seine Gefährten schmiedeten.

Flammenstern rammte seine Klinge in den Boden und sank in die Knie. Er bebte. Die Leere in ihm drang durch jede seiner Poren nach Außen, umfloss ihn wie ein Mantel aus zähem Schlamm, der ihn zu ersticken drohte. Auch die Stimmen der Götter waren verstummt, ihre Präsenz fort. Erst jetzt, da er sie nicht mehr hören konnte, wurde ihm klar, dass sie immer da gewesen waren, ihn immer begleitet hatten. Flammenstern rang die Übelkeit nieder, die sich wie eine Klaue in seinen Magen gekrallt hatte, und schnappte nach Luft. //Wegsucher? Nebelstreif?//

Sie blieben stumm. Flammenstern war allein. So allein wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er schloss die Augen. Das Gefühl drohte ihn zu überwältigen, aber er durfte nicht zulassen, dass der Schmerz siegte. Er war eine Klinge. Er war Sternenfeuer. Er durfte nicht zerbrechen.  Weiterlesen →