Liebesflammen oder „Tina goes SP“

Selfpublishing – (Alp)Traum meiner schlaflosen Nächte. ich schleiche um dieses Thema schon seit Monaten herum wie die sprichwörtliche Katze um den heißen Brei, habe gegrübelt, verworfen, wieder gegrübelt, mich in Panikattacken angesichts komplizierter Ausfüllvorgänge beim großen A und beim Gedanken an das leidige Thema „Ebook-Satz“ gewunden –  und jetzt endlich Pläne gefasst, bei denen mich meine Autorenfreundinnen Tanja Rast (die mich mit ihrer herrlichen Reihe „Der Magie verfallen“ überhaupt erst auf diese Wahnsinnsidee gebracht hat) und Sylvia Ludwig von Cover für Dich unterstützen werden. Ich freue mich jetzt schon auf die tollen Cover, die Sylvia zaubern wird.

Im Herbst wird ein gay fantasy-Roman aus meiner Feder im Traumtänzer-Verlag erscheinen, und im Kielwasser dieses Romans werde ich den Selfpublishing-Aufstand proben. Geplant ist eine Reihe von EBooks und Taschenbüchlein unter dem Reihentitel „Liebesflammen“ mit jeweils drei bis vier gay romance/gay fantasy-Novellen, die sich unter einem Thema zusammenfinden und alle irgendwo eine kleine Gemeinsamkeit aufweisen.

 Über den Fortschritt und die Arbeiten an diesem Projekt werde ich weiter berichten – immer, wenn ihr dieses brennende Herzchen seht, dann geht es um „Liebesflammen“. Grob über den Daumen gehe ich jetzt erst einmal vier dieser Novellenbände an und fange schon fleißig Plotkarnickel. Ich habe das Gefühl, alle bisher gefangenen Pltviecher waren hochtragend und haben umgehend geworfen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sich in meiner Ideenkladde bereits zehn Teaser für Kurzgeschichten angesammelt haben.

Roms Katzen: Kater macht Werbung

 Tja, liebe Leute, das mit dem Kater der Woche klappt im Moment nicht, weil mein Mensch so unglaublich viel zu tun hat, dass ich es nicht schaffe, ihr meine geistigen Ergüsse zu diktieren. ABER: Mein Mensch hat ein Buch geschrieben (ja, ich weiß, das ist nicht das erste Mal). Dieses Buch ist allerdings für mich als Angehörigen der Gattung felis etwas ganz Besonderes. Denn in diesem Buch sind die Protagonisten ausschließlich Katzen.

„Roms Katzen“ heißt die Geschichte, die in einem Verlag mit dem lustigen Namen „Ohneohren“ als EBook veröffentlicht wurde. Es erzählt die Geschichte zweier verfeindeter Katzensippen, die in der historischen Altstadt Roms leben und dort den alten Traditionen ihrer Sippen frönen:

„Leise wandeln Pfoten in Rom auf alten Wegen, zwischen Ruinen und überall in der Stadt. Katzen der Bastet schnurren sich gegenseitig Sagen aus vergangenen Zeiten zu. Katzen der Sachmet frönen der löwenhaften Kampfeslust. Ein lange zurückliegender Konflikt teilte sie in zwei Sippen, die einander aus dem Weg gehen.

Doch als Dunkelheit die Ruinen der Ewigen Stadt überzieht und ein Seher auftaucht, verändert sich alles. Denn diese Finsternis bedroht alle Katzen – auch zwei junge Mitglieder der beiden Sippen, die sich inmitten der Wirren begegnen. Wird am Ende eine alte Feindschaft das Ende von Roms Katzen sein? Oder ist es gar die Liebe, die auf Samtpfoten eine Lösung bringt?“ – so heißt es auf dem digitalen Buchrücken. Und ich freue mich außerordentlich, dass meine vierbeinigen Kollegen und ich meinen Menschen tatsächlich dazu inspiriert haben, über Katzen zu schreiben.

Erwählte des Zwielichts 102

Flammenstern nickte. „Gut. Wir haben Zeit, uns vorzubereiten – und ich möchte, dass ihr dass ihr genau das tut. Stellt Fallen um das Dorf herum. Sternenkatze, wenn du die Nachtschleicher noch einmal rufen kannst, dann bitte sie, für uns zu beobachten. Lass sie unsere Augen und unsere Ohren im Wald sein. Ich weiß, dass wir einander eines Tages jagen werden, aber noch ist es nicht an der Zeit. Noch brauche wir sie als Verbündete.“

Sternenkatze nickte.

„Feuerlanze, du bleibst im Dorf.“

„Warum? Flammenstern, ich bin nicht krank, ich bin nicht gebrechlich, ich bin schwanger. Das ist alles. Ich kann tun, was die anderen tun. Kundschaften, wachen. Behandle mich nicht wie ein rohes Ei, Clanführer, tu mir das nicht an!“ Sie rollte die Augen, ihr Blick huschte zwischen Flammenstern und ihrem Gefährten hin und her. „Hast du dich mit Nachtjäger verschworen?“

Flammenstern sah sie ernst an. „Du bist die Hoffnungsträgerin, du bist die Zukunft. Durch dich kommt der erste neugeborene, nicht erschaffene Nityhara auf diese Welt. Du und dein Kind, ihr seid wichtig, Feuerlanze. Zu wichtig, als das sich euch in Gefahr bringen will. Ich weiß, dass ich dich nicht einsperren kann, Theanna, aber ich bitte dich, sei vorsichtig, und bleibe bei Nachtjäger.“

„Damit kann ich leben. Danke, Flammenstern.“ Sie lehnte sich an Nachtjäger, der sie in den Arm nahm und fast besitzergreifend die Hände über ihrem noch flachen Bauch faltete.

Wegsucher wollte nicht hinsehen, und doch klebte sein Blick geradezu an Feuerlanze. Wie ein Fausthieb in den Magen kam die Sehnsucht nach einem eigenen Kind zurück. Nach einem Kind, dessen Mutter Nebelstreif war. Er zuckte zusammen, als er merkte, dass Flammenstern ihn aufmerksam beobachtete. Dankbar griff er zu, als Sternenkatze herumging und aus einem Korb die frischen Fladen verteilte. Nach ihrer Runde setzte sie sich wieder. „Ich werde die Nachtschleicher rufen“, sagte sie. „Sie werden kommen und uns helfen. Ich weiß es ganz sicher.“ Weiterlesen →

Tanja Tast: Runenschicksal

 Tanja Rasts Wikingerroman „Runenschicksal“ ist eine kleine feine Geschichte der etwas anderen Art, und damit etwas ganz Besonderes. Welche phantastische Geschichte kommt schon mit in die Jahre gekommenen Helden daher?

Grima und Ragnvald leben gebunden an das Runenschicksal schon viele Jahre, von denen sie die meisten mit der Suche nach einander verbracht haben, haben doch Skalden beiden prophezeiht, dass sie für den jeweils anderen bestimmt sind. Und nicht nur das – haben sie sich einst gefunden, dann müssen sie eine von den Göttern gestellte Aufgabe erfüllen, für die sie von Geburt an ausersehen sind.

Als Grima endlich ihren Ragnvald findet, ist sie bereits um die Siebzig und sicherlich keine junge Hüpferin mehr, dennoch strahlt sie Humor, Kraft und innere Ruhe aus, was sie sofort sympathisch macht. Ebenso Ragnvald, der alternde Krieger, der inzwischen eher mit Worten als mit Waffen kämpft, aber immer noch genug Stärke in sich trägt, um sich Riesen, Zwergen und Elfen entgegenzustellen.

Schnell zeigt sich, dass jugendlicher Übermut und Kampfgeist tatsächlich nicht das ist, was die Götter suchen und was Ragnvald und Grima zur Erfüllung des Auftrags benötigen, den ihnen Hel und Odin zu Füßen der Weltenesche erläutern. Ein Friedenspakt zwischen Elfen und Zwergen soll geschlossen werden, auf dem neutralen Boden Midgards, mit Grima und Ragnvald als Gastgeber und Vermittler. Ihnen zur Seite stehen die Götterwölfe Freki und Garm, die sie auf ihrer Reise zu Zwergen und Elfen begleiten und die die Wächter des Friedenstreffens sind.

Doch alle diplomatischen Kniffe nützen nichts mehr, wenn Mächte von Außerhalb den keimenden Frieden zunichte zu machen drohen. Ob Grima und Ragnvald das Ruder noch herumreißen können, sollte jeder selbst lesen, denn so wie diese Geschichte erzählt werden muss, kann sie nur Tanja selbst erzählen – mit dem ihr eigenen feinen Humor und den so menschlichen, so lebendigen Figuren.

 

Kaye Alden: NuR – Nel und Rin Sammelband 1/NuR 4 – In Sklaverei

NuR – das steht für Nel und Rin, die Protagonisten dieser Reihe von gay romance-Kurzromanen, und ebenso für das kleine Wörtchen „nur“. Denn darum geht es in diesen Geschichten: um Nel und Rin, nur, ausschließlich.

Kaye Alden versetzt ihre Protagonisten in immer andere Settings, dann erzählt sie immer wieder dieselbe und doch immer wieder eine andere Geschichte – wie Nel von Rin gefunden wird und der eigenbrötlerische Rin sich nach und nach dem sanften, tierlieben Nel öffnet, ihn in sein Leben lässt und feststellt, dass er ihn nicht mehr gehen lassen möchte.

Der erste Sammelband des NuR-Zyklus enthält die Einzelbände „Die Hütte im Schnee“, „Stockwerk No. 15“ und „In der Wüste“.

„Die Hütte im Schnee“ erzählt die Geschichte des Einsiedlers Rin, dem die Bewohner der nächsten Ortschaft dämonische Kräfte nachsagen. Als er Nel halb erfroren im Wald findet und erfährt, dass der junge Mann auf dem Weg zu ihm war, nehmen Geschehnisse ihren Lauf, die weder Nel noch Rin aufhalten können.

In „Stockwerk No. 15“ begegnen sich Nel und Rin in einer postapokalyptischen Welt. Rin lebt in einem der wenigen noch intakten Hochhäuser außerhalb der nächstgrößeren Stadt. Nachts wütet die Dunkle Pest und vernichtet alles Leben – ein Glück für Nel, dass Rins Bewegungsmelder anschlagen. Im buchstäblich letzten Moment rettet Rin Nel das Leben – und muss erkennen, dass der hübsche Blondschopf ihm auf eine Weise gefährlich wird, die rein gar nichts mit der Dunklen Pest zu tun hat.

„In der Wüste“ führt die Leser in eine Welt wie aus 1001 Nacht. Magisch begabte Menschen werden zum Tod in der Verfluchten Stadt verurteilt. Nel ist so ein Mensch – und Rin einer, der selbst über Magie verfügt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, so viele der Verurteilten zu retten, wie er kann. Eigentlich sollte auch Nel nach seiner Rettung und genesung irgendwann weiterziehen – doch es kommt ganz anders.

Nach dem Sammelband hatte ich noch nicht genug von „NuR“, also musste umgehend der vierte Band her. „In Sklaverei“ befindet sich Nel, als der freiheitsliebende Fischer Rin auf dem Sklavenmarkt auf ihn stößt – und ihn kurzerhand kauft, nur, um ihn nach Ablauf der 100 Tage, die ein Sklave mindestens im Besitz seiner Herrschaft bleiben muss, freizulassen. Was das Ganze deutlich verkompliziert, ist, dass Rin sich Hals über Kopf in den sanften, hübschen Nel verliebt. Denn wie echt kann eine Liebe schon wirken, wenn sich ein Herr in einen Sklaven verliebt? Wer wissen möchte, ob Nel und Rin auch diese Hürde nehmen können, sollte auf jeden Fall weiterlesen.

 

NuR – immer dieselbe Geschichte, und doch immer wieder anders. Ich war anfangs skeptisch – kann das funktionieren, oder wird es nicht doch irgendwann langweilig? Nein, auf gar keinen Fall, denn Kaye Alden versteht es, die immer neuen Schauplätze, an denen sich Nel und Rin begegnen, so individuell zu beschreiben und zu zeigen, dass die einzigen Konstanten tatsächlich Nel und Rin sind, und die Tatsache, dass sie sich auf jeden Fall ineinander verlieben und am Ende zusammen bleiben. Doch wie ihre Liebe ihren Weg findet, welche Hürden die beiden Männer auf ihrem Weg nehmen müssen, welchen gefahren sie sich gegenübersehen – das ist jedes Mal anders, jedes Mal neu.

Für Freunde zärtlicher gay romance mit happy ending auf jeden Fall bestes Lesefutter!

Markus Heitz: Wédôra – Staub und Blut

 Wédôra – mächtige Metropole in der Wüste, eine eigene Welt, zusammengehalten von Stadtmauern, in der jede Bevölkerungsgruppe nach ihren eigenen Gesetzen lebt. An diesen faszinierenden und zugleich lebensgefährlichen Ort verschlägt ein Zauber die Gefährten Tomeija und Liothan.

Klappentext: Lebensspendend oder todbringend, geheimnisvoll oder verkommen – Juwel der Wüste oder Ende aller Hoffnung? Willkommen in Wédōra, dem Schauplatz von Markus Heitz‘ neuem Dark-Fantasy-Roman „Wédōra – Staub und Blut.
Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Sandsee zum Sturm auf die mächtige Stadt.
Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.

Eigentlich wolle Liothan und Tomeija nach ihrer unfreiwilligen Reise nach Wédôra nur eins: zurück nach Hause, Liothan, um seine Familie zu schützen, Tomeija, um den Zauberer dingfest zu machen, dem sie ihre Dimensionsreise zu verdanken haben. Doch die Stadt saugt die Gefährten geradezu in sich auf, und sie können nicht anders, als in Wédôra und mit ihr und ihren Bewohnern zu leben, zu verhandeln, zu arbeiten – denn zu kooperieren scheint der einzige Weg zu sein, wie sie doch noch wieder zurück in ihre Heimat kommen können.

Doch am Ende wird alles ganz anders.

Markus Heitz präsentiert mit Wédôra ein Setting, das ursprünglich für ein Rollenspiel geplant war, offen für jede Art von Abenteuer und Idee. Aus dem Rollenspiel wurde nichts, aber aus der Idee wurde ein Buch voll von spannenden und interessanten Charakteren, Schauplätzen und Abenteuern. Genau wie Liothan und Tomeija lernt der Leser Wédôra mit all ihren Besonderheiten nach und nach kennen und ist dabei den Gefährten gegenüber noch im Vorteil, denn Markus Heitz streut gekonnt immer wieder fiktive Tagebucheintragungen oder historische Schriften ein, die dem Leser Dinge über Wédôra zeigen, die Liothan und Tomeija verschlossen bleiben.

Mich hat Wédôra ebenso schnell in seinen Bann gezogen wie Liothan und Tomeija. Es war gar nicht so leicht, aus der Geschichte wieder aufzutauchen, wenn der Alltag rief. Die Geschichte ist spannend erzählt, schwungvoll geschrieben und gewürzt mit einer Prise Humor, die die Figuren echt und lebendig macht.

Auf jeden Fall eine Empfehlung für jeden Freund spannender, düsterer Fantasy. Ich freue mich schon sehr auf geplante Fortsetzungen.

Helen B. Kraft: Gefährliche Lügen

Mit „Gefährliche Lügen“ setzt Helen B. Kraft ihre Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“ fort – und es geht genauso spannend, knisternd und mit dem typischen Helen-Humor weiter. Im Fokus des vierten Bestien-Bandes stehen Kanzler Barriques Sohn Calliou und die Bestienprinzessin Naya, Tochter von Daemyan und Natayla, die wir schon aus Band 3 kennen.

Klappentext: Prinzessin Naya hat ein gewaltiges Problem, ebenso wie Calliou, der Sohn des Kanzlers. Beide haben Mühe, dem Einfluss ihrer überdominanten Väter zu entkommen. Da hilft es auch nicht wirklich, dass Naya sich immer in die falschen Männer verliebt, oder dass Calliou im Geheimen als Assassine für die Königin arbeitet.
Sie proben den Aufstand, doch der Zeitpunkt könnte ungünstiger nicht sein. Ein Feind bedroht die Bestien, entschlossen, sie alle auszurotten. Wenn Kobolde und Bestien es nicht schaffen, als Freunde und Familie zusammenzuhalten, könnte es das Ende für das Reich der Sieben Wüsten bedeuten.

In gewohnt spannender Weise, gewürzt mit sinnlich-knisternder Erotik und einer guten Portion Humor erzählt Helen B. Kraft die Geschichte von Nayla und Calliou, in der wir einige interessante Fakten über Kobolde und ihr Verhältnis zum Lügen erfahren und mit einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen Bestie und Erbsenpüree … entschuldigung, Kobold konfrontiert werden. In den ersten Bänden gesponnene noch lose Fäden verweben sich zu einem Bild, in dem plötzlich alles zusammenpasst. Zu viel will ich nicht verraten, denn wie Helen das schafft, sollte jeder Bestienfan selbst lesen.

Ich hatte mit „Gefährliche Lügen“ jedenfalls wieder viel Spaß und einige spannende Lesestunden, und ich empfehle jedem, der mit den Bestien liebäugelt, auf jeden Fall alle Bücher der Reihe zu lesen. Und natürlich freue ich mich schon auf Band 5.

Erwählte des Zwielichts 101

„Was haben sie dir in deinen Träumen gezeigt?“ Wegsucher hoffte, sie davon abzubringen, weiter über Nebelstreif und Flammenstern zu sprechen.

Sternauges Blick verdunkelte sich. „Ich habe Verrat gesehen“, murmelte sie, fast mehr zu sich selbst als zu Wegsucher. „Ich habe Gefahr gesehen. Dunkelheit, aus der finstere blaue Flammen aufsteigen, aus der Blut quillt. Wir werden kämpfen müssen. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber die Anhänger der Finsteren werden es nicht auf sich beruhen lassen, dass drei Dunkelelfen, die von ihnen wissen, fliehen konnten. Tayara wird nach Liandras, Malika und Iendra suchen, und sie wird das dort tun, wo sich schon einmal Dunkelelfen vom Heer abgespalten haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass sie uns finden. Aber sie dürfen diesen Ort nicht zerstören. Wir müssen alles tun, um sie zu schützen. Ich habe auch das gesehen. Wenn der Götterstein zerstört wird, dann werden auch wir fallen.“ Weiterlesen →

Erwählte des Zwielichts 100

Sein Blick schweifte über das Dorf. Die meisten schienen noch zu schlafen, nur Sternenkatze und Weitherz saßen am Wachfeuer, nah beieinander, sie hielten sich an den Händen, und Sternenkatze hatte den Kopf an Weitherz‘ Schulter gelehnt. So wirkten so friedlich. So entspannt. So wie zwei, die ineinander gefunden, was sich schon ihr Leben lang gesucht hatten. Wegsucher fühlte Neid in sich aufsteigen. Neid auf diese beiden Frauen, zwischen denen von einer Nacht zur anderen Liebe gewachsen zu sein schien. Neid auf Flammenstern, dem Nebelstreif schon immer gehört hatte. Und Wut auf seine eigene Dummheit.

Warum habe ich geschwiegen? Warum habe ich ihr nie etwas gesagt, ich Narr?

Er kannte die Antwort. Damals war sie ihm so klar erschienen: Weil es sein Blutsbruder war, der die Frau liebte, die er selbst heimlich begehrte. Damals hatte er Begehren und eigene Liebe beiseitegeschoben, um Nebelstreif und Flammenstern glücklich zu sehen. Damals war ihm das leichtgefallen. Warum jetzt nicht mehr? Bei jedem Gedanken an Nebelstreif flammte sein Begehren auf wie Sternenfeuer. Er wollte sie wieder spüren, er wollte sie wieder haben – aber allein. Ohne, dass Flammenstern dabei war.

„Verdammt. Da hilft wohl nur noch ein kaltes Bad …“ Wegsucher kletterte von der Plattform hinunter und ging zum Bach. Ein Bad würde es nicht werden, so wenig Wasser, wie er führte. Es musste reichen, sich das kalte Nass über den Kopf zu gießen, und im schlimmsten Fall auch über die Hosen. Weiterlesen →

ERwählte des Zwielichts 99

IV

Als Wegsucher die Augen öffnete, konnte er sich im ersten Moment kaum erinnern, was den Tag über geschehen war. Er lag zwischen Flammenstern und Nebelstreif, und noch immer brannten seine Zeichen in einem Echo des Feuers, das sie miteinander geteilt hatten. Keiner von ihnen trug mehr seine Maske, und keiner mehr Kleider. Nebelstreifs und Flammensterns Hände lagen über Wegsucher, ineinander verschränkt, und seine Hände ruhten auf ihren. Wegsucher wandte den Kopf und blickte in Flammensterns Gesicht. Im Schlaf sah er so friedlich aus, so entspannt. Die tiefen Furchen, die der Krieg und die Sorge um seine Freunde in sein Gesicht gegraben hatten, wirkten nun weniger tief, und auf seinen Lippen lag dieses Lächeln, das Wegsucher schon so gemocht hatte, als Flammenstern noch Iloyon und er selbst noch Amayas gewesen war. Er konnte sich nicht erinnern, jemals mehr als Freundschaft für Iloyon empfunden zu haben. Tief genug, um sein Blutsbruder sein zu wollen, aber sein Lager teilen? Wegsucher schmunzelte. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, mit einem Mann zu schlafen, und schon gar nicht mit dessen Gefährtin. Langsam drehte Wegsucher den Kopf zur anderen Seite, und sein Blick fiel auf Nebelstreif. Weiterlesen →