Die Zwielichtigen verabschieden sich

Liebe LeserInnen,

manchmal kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Die „Zwielichter“ waren nie als Mammutprojekt geplant. Inzwischen haben sie sich unter anderem dadurch, dass ich den Anspruch an mich hatte, euch jede Woche mit einem neuen Schnipsel zu versorgen, zu einem Riesenballon aufgebläht. Schreibenderweise habe ich mich von Sonntag zu Sonntag gehangelt, und mir ohne es zu merken eine Falle gestellt.
Heute bin ich mit Volldampf reingetreten. Ich habe mir einen dicken Plotknoten fabriziert und komme nicht wieder heraus – es sei denn, ich gönne mir eine Pause und der Geschichte die Zeit zum Wachsen, die sie braucht. Daher mache ich es kurz und schmerzlos: die Zwielichter melden sich auf unbestimmte Zeit ab.

Vielen Dank allen, die sie bis hierher begleitet haben.
Natürlich existiert in meinem Kopf das Ende der Geschichte. Ich weiß nur aktuell vor lauter Plotknoten nicht, wie ich dort hinkommen soll, ohne noch mal über hundert verschwurbelte Seiten zu produzieren. Trotzdem möchte ich euch nicht in der Luft hängen lassen. Wer wissen will, die die Geschichte der Zwielichtigen endet, dem schicke ich gern eine Zusammenfassung zu.

Und nun: Tschüß, Zwielicht, willkommen ….?
Lasst euch überraschen, wenn es demnächst in diesem Theater wieder heißt: Schnipselzeit!

Monatsrückblick: Februar/März

Da gehen sie hin, die guten Vorsätze, und der Monatsrückblick für den Februar ist einfach den Bach runtergegangen und wurde vergessen.  Darum nun ein Rückblick auf beide Monate, in denen tatsächlich einiges passiert ist.

Tina hat gelesen und zum Teil auch rezensiert. Um diese Exemplare ist der Stapel ungelesener Bücher kleiner geworden:

Lonna Haden: Der Krähenwolf
E.T.A, Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig (genau das Richtige für die Weihnachtszeit!)
Helen B. Kraft: Der Duft des Sturms*
Katharina Seck: Die silberne Königin*
Alana Falk: Sternensturm –das Herz der Quelle*
Leann Porter: Die Fährte der Wandler*
Kai Meyer: Die Krone der Sterne*

Unter „Rezensionen“ findet ihr zu den mit einem * gekennzeichneten Büchern auch meine ganz persönliche Meinung dazu.

 

Tina hat geschrieben:
Der Nithyara-Völkerroman „Erwählte des Zwielichts“ geht langsam in den Endspurt und wird sich auch noch eine Weile in kleinen Häppchen hier im Blog einfinden. Es befinden sich bereits einige Ideen in der Pipeline, was nach dem Wörtchen „Ende“ mit dem Manuskript passieren soll.

 

 

Tina hat überarbeitet:
NaNoWriMo-Altlast aus 2013 unter dem Titel „Die rote Tür“ kam zurück von einer strengen Beta-Tour durch Helen B. Kraft und wurde einmal kräftig aufpoliert, um sich dann in Form von Exposé und Leseprobe zu einem ganz neuen Stern am Kleinverlagshimmel aufzumachen. Jetzt sitze ich am Lektorat und freue mich über den Vertrag vom Traumtänzer-Verlag.

Das Lektorat für den tierischen Fantasy-Roman „Roms Katzen“  ist durch, und einem Erscheinen dieses flauschigen Buches im Mai beim Verlag Ohneohren steht nichts mehr im Wege. Ich freue mich schon sehr darauf, auch diesen in einem NaNoWriMo entstandenen Roman bald in EBook-und Buchform in den Händen zu halten.

Und noch was neues aus der Sparte „Überarbeitung“: Tina hat das erste Mal auf der Lektorenseite gesessen und das Manuskript für einen humorigen Katzenratgeber lektoriert. Als Erscheinungsdatum liegt mir Anfang April vor für das im Verlag In Farbe und Bunt herauskommende Buch von Pia Fauerbach: AKGB – Gesetzbuch des (all)gemeinen Katzentiers. Ich hatte Spaß. Sehr viel Spaß. Und ich hoffe, keiner meiner pelzigen Mitbewohner hat mir bei der Arbeit zugesehen.

Erwählte des Zwielichts 92

Ein Leuchten huschte über Flammensterns Gesicht und spiegelte sich in Nebelstreifs und Wegsuchers Augen wider. „Ihr seid willkommen. Von Herzen. Wenn ihr es wollt, dann gehen wir noch in dieser Nacht zu den Steinen.“

„Ja“, sagte Malika, „ja, das will ich. Ich will gar keine Möglichkeit mehr haben, es mir anders zu überlegen. Ich will ablegen was war, ich will eure Götter und ich will dieses Sternenfeuer. Auch wenn wir zu euch stoßen, sind wir immer noch wenig, um es mit der Finsteren aufzunehmen.“

„Aber wir wissen, wofür wir kämpfen“, sagte Flammenstern. „Wir wissen, was wir zu verlieren haben. Glaubt mir, nach den wenigen Wochen, die wir hier Frieden hatten und einfach nur die sein konnten, die wir vor dem Krieg waren, will ich das nie wieder missen. Wenn ich kämpfen muss, dann kämpfe ich – damit Feuerlanzes Kind und all die Kinder, die folgen werden, in Frieden aufwachsen und statt Soldaten Musiker, Dichter, Künstler werden können.“

„Das wäre wunderbar.“ Malika lehnte den Kopf an Liandras‘ Schulter und sah zu Feuerlanze hinüber. Sie scherzte mit ihrem Gefährten, der voller Liebe ihren gerundeten Leib berührte. Ein Kind … mit Liandras? Sie lächelte. Sie hatte nie Mutter sein wollen. Sie war Kriegerin, Kundschafterin, Soldatin. Warum regte sich jetzt der Wunsch nach einer eigenen Familie in ihr? Malika kippte ihren Tee hinunter und wünschte sich, es wäre Schnaps. Närrische Gedanken. Frieden ist nicht gut für mich. Ich will Sternenfeuer, damit ich Khadiss dahin zurückschießen kann, woher sie gekommen ist … ein für alle Mal! Weiterlesen →

Monatsrückblick: Januar

Geschafft. Der erste gute Vorsatz fürs neue Jahr wurde erfüllt: Mehr bloggen. Es gab neue Zwielichteinträge, zwei neue Rezensionen und zwei Interviews. Auch Herr Kater hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet.

 

 

Schreiben: Yenyaab – Verbotenes Kraut wächst stillvergnügt vor sich hin. Noch ist es nicht im Ansatz fertig, aber der Knoten im Kopf wurde entwirrt und so langsam klärt sich der Nebel, der den Weg zum Ende bisher hartnäckig verschleiert hat. Dennoch fürchte ich dieses Buch wird mein erster „über 400-Normseiten-Wälzer“. Es ist so, wie es ist, wenn die Geschichte Platz braucht, dann soll sie sie haben.

Ebenfalls weiter ging es mit mit den Erwählten des Zwielichts, die ihr hier im Blog unter „Onlineroman“ weiter verfolgen könnt. Kommenden Sonntag gibt es mal wieder ein Zwielicht-Special für die, die nicht so gern längere Geschichten in homöopathischen Dosen zu sich nehmen – schaut einfach wieder rein.

Auch bei den Nityhara tut sich was. Die Arbeit an einer Kurzgeschichtensammlung hat begonnen. Geplant sind insgesamt fünf spannende, erotische, tragische und humorvolle Geschichten (oder besser Novellen … ich kenn mich, auch wenn die Dinger Kurzgeschichten heißen, werden sie sicherlich alles andere als kurz) aus der Welt der Nityhara, Nachtelfen und Schattendämonen.

 

 

Der November wirft seine Schatten voraus…

yenyaab-avatar… und mit ihm der NaNoWriMo, dieser jährlich um sich greifende Schreibwahnsinn, der Hobbyautoren, Semiprofessionelle und Vollberufliche gleichermaßen infiziert und erwischt.

Worum es geht?

Schreibe einen Roman von mindestens 50.000 Wörtern Länge in 30 Tagen.

In diesem Jahr gehe ich zum neunten Mal an den Start. Bisher habe ich es jedes Mal geschafft, die 50.000 zu knacken – aber noch nie, den Roman wirklich zu beenden. Dieses Jahr ist es mein großes, unerreichbar erscheinendes Ziel, den November-Schreibwahnsinn mit dem Wort „Ende“ abzuschließen, um nicht noch eine halbe Romanleiche in der Schublade liegen zu haben.

Diesmal entführe ich meine Schnipselmitleser in eine mysteriöse Dschungelwelt und eine vor Leben, Kriminalität und nicht ganz so erlaubten Pflanzen pulsierende Großstadt, in der die elfenhaften, paranormal begabten Inayri Seite an Seite mit nicht ganz so paranormal begabten Menschen leben.

Und da ich ohne Plotten und Planen nicht in den November gehe, der brotjobtechnisch und freizeitstressmäßig leider recht arbeitsintensiv werden wird, gibt es auch schon einen Cast und einen … TA-Daaa! … Klappentext.
Um Licht in ein düsteres Familiengeheimnis zu bringen, verlässt der empathisch begabte Inayri Sanyiou (siehe Beitragsbild und Motivations-Cover) seine Heimat in den tiefen Wäldern von Abinia und zieht nach Cintra, der großen Handelsmetropole der Menschen Abinias, in der alle Fäden des Reiches zusammenlaufen. Nicht wissend, dass das Yenyaabkraut, das er bei sich trägt, um sich auf Reisen zu stärken, dort als gefährliches Rauschmittel gilt und verboten ist, gerät er prompt in Schwierigkeiten, in denen ihm der junge Arzt Revan wie ein Rettungsanker erscheint. Zum Dank für die Hilfe schließt sich Sanyiou Revan an, um ihm mit seinen empathischen Fähigkeiten in seiner Heiler-Praxis zu helfen. Doch da ist immer noch dieses dunkle Geheimnis, zu dessen Aufklärung Sanyiou ebenfalls seine Gaben nutzen muss. Als Sanyiou an der tödlichen „Gabenkrankheit“ erkrankt, eröffnet Revan ihm, dass er auf der Suche nach einem Heilmittel dagegen ist – und dazu das Yenyaabkraut benötigt. Und bald schon muss Sanyiou erkennen, dass Yenyaab nicht nur der Schlüssel zu seiner Heilung ist, sondern auch zu dem Geheimnis, das seine Familie so sorgsam hütet. Und dass er sich in Revan verliebt, macht die ganze Sache auch nicht einfacher.

Und es gibt sogar schon ein Motivations-Cover, erstellt aus Shutterstock-Bildern von der wunderbaren Sylvia Ludwig von Cover für Dich:
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Interview: Tanja Rast über Cajan und Anderes

Tanja Rast Bild 2 Liebe Tanja, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!
1. Du warst ja schon mal bei mir zu Gast, als „Arrion“ erschien. Magst Du dich trotzdem noch einmal ganz kurz vorstellen?

Ich wurde schon als norddeutsches Urgestein bezeichnet – und als niedlich. Letzteres erschüttert mich immer noch. Ich bin eine echte Kieler Sprotte, ergo in Kiel geboren, liebe voller Stolz unseren Bungsberg (168 Meter hoch, ja, es ist ein Berg, sonst würde er Bungsmaulwurfshaufen heißen), habe eine Vorliebe für Museen, viele Tiere und praktische Recherche. Wie funktioniert Geheimtinte? Kann ich – also eigentlich mein Held, für den ich das herausfinden muss – mit Handschellen eine Leiter hochklettern?
Ich lebe mitten auf dem platten Land. Für Nicht-Schleswig-Holsteiner: Es gibt Gerüchte, dass man hier „oben“ morgens schon sehen kann, wer mittags zu Besuch kommt. Stimmt nicht! Wir haben Wälder, die uns die Sicht nehmen. Und Maisfelder. Dafür genieße ich Sternenlichtnächte auf dem Lande ohne nennenswerte Lichtverschmutzung.
In meinem Kopf tummelten sich schon immer viele Geschichten, und irgendwann – es war natürlich während der Pubertät – kam ich auf die Idee, sie aufzuschreiben. Erste Versuche waren selbstredend gruselig. Es gibt da einen Schriftstellerratschlag, das erste Buch wegzuschmeißen. Ich hab es zwanzig Jahre später neu geschrieben.

2. Jetzt ist „Cajan“ da, der zweite Heroic Romantasy, der bei Amrûn erscheint. Wie fühlst du dich?

Es ist immer noch aufregend. Cajan gehört zu den Helden, die mir am meisten am Herzen liegen. Im Gegensatz zu Arrion, der ja vor allem eine große Klappe hat (auch wenn er viele seine hochtrabenden Eigenlobreden tatsächlich wahrmachen kann), ist Cajan ein stiller Held. Das reicht bis zu Verschlossenheit, die natürlich auch in seiner Herkunft seine Wurzeln hat.
Besonders aufregend war für mich, Cajan das erste Mal „live“ auf der Leipziger Buchmesse zu sehen. Ich kannte natürlich das Cover und meine Druckfahnen, aber in echt, als wirkliches Buch, war das alles noch viel schöner.

3. Große Helden, heroische Schlachten, starke Frauen, böse Fieslinge – ein Patentrezept?

Keine Ahnung! Ich schreibe, was mir Spaß macht, was ich selbst lesen möchte. Ich mag keine kleinen Frauchen als Heldinnen, die beständig gerettet werden müssen und scheinbar ohne starken Mann zum Anlehnen nicht überlebensfähig sind. Was die Heroics für mich so reizvoll macht, liegt in der Bindung zwischen meinen Heldenpärchen, dass beide nur gemeinsam zum Sieg gelangen können. Das war bei Arrion und Neve schon eindeutig durch die Gabe des Geistergesangs, und auch bei Rebby und Cajan ist es nicht anders. Einer von ihnen alleine hätte vielleicht überlebt, aber niemals die Entwicklung durchmachen können, die zum guten Ende geführt hat. Es gibt da den Spruch „Gemeinsam sind wir unausstehlich!“ – Ganz bestimmt sind meine Heldenpaare das aus der Sicht ihres jeweiligen Gegners!
Ich denke, dass die Ideenfunken mich schon einige Jahre begleitet haben. Genau wie Arrion kommt Cajan aus einer gewissen Ursuppe, die mich schon lange verfolgt. Shakespeare mischt da ebenso mit wie Georgette Heyer – ich weiß, dass das ein krasser Gegensatz ist! Berührt haben mich auch die Romane um Kane, die literarische Interpretation des biblischen Brudermörders Cain, der zur Strafe unsterblich und beständig mit fiesen Übergegnern im Clinch ist. Nur … mir fehlte bei Karl Edward Wagner etwas. So irre ich Kane als Figur finde, so erschienen mir persönlich die Romane als zu sehr auf Außensicht konzentriert. Ich saß davor und dachte mir, wie viel mehr ich gerne über den Helden erfahren möchte, mehr aus seiner Gedankenwelt, mehr aus den Tiefen seines Inneren. Dazu kommt meine Leidenschaft für Happy Endings. Und schon rührte ich zwei Genres zusammen, die vielleicht niemals für das Zusammenrühren gedacht gewesen waren: Heroic Fantasy und Romance.

4. Wie bist Du auf die Idee zu „Cajan“ gekommen?

Ich spiele gerne mit Klischees, die ich noch viel lieber in ihr Gegenteil verkehre, Erwartungen erwecke, um sie dann auszutricksen. Cajan ist so ein Klischee: ein Halbelf, der in sich das Beste beider Elternteile vereint. Groß, schwer, stark und mit erstaunlichen Gaben von Elfenseite gesegnet. Aber er ist kein Held des Lichts, sondern schmutzig und mit Kanten und Ecken versehen. Hinzu kommt, dass Elfen in seiner Welt nicht als edel, weise und mystisch angesehen werden, sondern als niedere Rasse, die recht passable Sklaven abgibt. Nicht von ungefähr wird Cajan auch als halbes Tier bezeichnet.
Wo kommen Ideen her? Mit der Frage habe ich mich schon oft beschäftigt, und mitunter versuche ich auch, während sich Helden in meinem Kopf einnisten, herauszufinden, wo genau die jetzt wieder hervorgekrochen sind. Meistens finde ich es nicht heraus. Bei Cajan stammt der Erstfunke von einem Film, der völlig ohne Elfen, Kuggels und ähnliches auskam. Es war sogar nur ein Gesichtsausdruck, aber ich spürte die Luftverdrängung, als mit einem Mal einmeterneunundneunzig Halbelf hinter mir standen und mir ausgesprochen neugierig über die Schulter sahen.

5. Und woher holst du die Ideen für Kreaturen wie Davan, Kuggels und Vilogh?

Sie laufen, schwimmen und fliegen mir zu? Nun, zumindest die Kuggels sind eine Hommage mit Zähnen. Meine Davan sind eine verkleinerte Version der grünen Riesen aus einem früheren Roman, in der ein Held des irdischen Jetztzeit durch ein Portal in die Grüne Welt gelangt, ein Reich, in das vor rund 2000 Jahren schon ein Teil von Cäsars Legionen aus dem Eroberungsfeldzug in Gallien geraten ist und dort das bestehende Machtgefüge der indigenen Stämme durcheinander bringt. Wie gut, dass mein Held ein Schotte ist, ergo von den Pikten abstammt und außerdem fließend Latein spricht und ein wandelndes Geschichtslexikon ist. Oh, mit einem Schwert kann er auch noch umgehen. Die grünen Riesen auf jeden Fall waren groß, furchteinflößend und so leicht ablenkbar wie Kinder, die die Sandkiste stürmen.
Die Vilogh … ein wenig Dinosaurier, viel Krokodil und obendrauf böse Mieze. Eine uralte, geheimnisvolle Kriegerrasse, die nur einen Schwachpunkt zu besitzen scheint.

6. Wenn Du Cajan und Rebby persönlich treffen würdest, was würden sie dir wohl sagen?

Cajan würde nichts sagen. Er würde mich wortlos erwürgen. Ich verstehe das gar nicht. Ich habe ihn wirklich lieb und während des Schreibens sehr um ihn gezittert!
Und Rebby würde mir Vorhaltungen machen, wie gemein ich doch zu Cajan war. Und dass sie die alte Lederrüstung und deren Mitbewohner sehr übel nimmt.

7. Wie sehen Deine Pläne aus? Wird es noch mehr große Helden geben?

Wenn es nach mir geht: Ja! Cajan ist ja erst der zweite Roman von inzwischen zwölf geschriebenen. Da ist also noch tüchtig Luft nach oben. Und ich habe derzeit keinerlei Bedenken, dass mir die Ideen ausgehen werden. Notfalls ködere ich sie mit Marzipankartoffeln. Sie lieben Marzipankartoffeln!

8. Woran arbeitest du gerade schreibenderweise?

Ich bin im Augenblick den Heroics ein kleines bisschen untreu: Ich schreibe gerade am vierten Gay-Romance-Roman dieses Jahres. Immer noch getreu meiner Grundeinstellung, dass ein Paar nur als Team gewinnen kann, lange nicht so blutig und brachial wie die Heroics, und meine Helden sind auch deutlich jünger als der heroische Durchschnitt von knapp Vierzig (Roveon und Kenna verjüngen den Schnitt ein wenig). Es sind Liebesgeschichten vor einem Abenteuerhintergrund, dessen Gefahren das junge Paar zusammenschweißen, Belastungsproben unterwerfen und fordern.
Aus Autorinnensicht ist das für mich sehr reizvoll, weil ich zwei schöne Männer habe, die ich angemessen bewundern darf. Und die Gerüchte, dass verliebte junge Männer zu Dummheiten neigen können, bestätige ich in diesen Romanen ebenfalls. Geplant ist, dass diese vier Romane nächstes Jahr im Selfpublishing ihre Leserinnen finden sollen. Erste Betaleserinnenrückmeldungen(das ist ja ein übel langes Wort!) fallen sehr positiv aus, und so wage ich mich gespannt an etwas mehr Streuung.
Für dieses Jahr steht sonst noch mein Revolutionsepos „Aemera“ auf meiner Schreibwunschliste. Ein dezentes Steampunksetting, ein blutiger Auftstand, keine Liebesgeschichte, aber Figuren, die den Leser hoffentlich durch die starken Kontraste fesseln werden.
Und dann? Im November ist NaNoWriMo (schreibe mindestens 50.000 Wörter binnen des Novembers an einem frisch begonnenen Roman), und ich schiele in Richtung meines Mammutwerks „Lotrins Chronik“, die aus einer verbindenden Handlung und vielen Einzelschicksalen besteht. Eines dieser Einzelschicksale böte sich für den NaNoWriMo an. Mal gucken.

9. Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?

Oh, dass ich verrückt bin? Dass ich eine Sabbeltante bin, was sich besonders bei nicht-schriftlichen Interviews als erheiternd herausstellen kann?
Wenn ich einmal Werbung machen darf: 20. – 29. Mai läuft der erste Phantastik-Kongress. Dreißig Interviews mit Autoren, Buchverlosung, eine kostenlose Onlineveranstaltung. Im großen Gewinnspiel sind auch Cajan und Arrion in der Bücherkiste, und ich wurde interviewt. Glücklicherweise ohne Unterbrechung seitens meiner fröhlichen Hündin, die zu gerne auf meinen Schoß gehopst wäre. Aber das ist eine andere Geschichte!

Liebe Tanja, ich danke Dir für dieses Interview und wünsche Dir ganz viel Erfolg mit „Cajan“!

Ich danke Dir!

Wollt ihr mehr über Tanja erfahren?

Dann besucht sie auf ihrem Autorenblog!

Wegen Umbauarbeiten …

baustelle Hier wird gebaut, und das nicht zu knapp. Dieses Blog steht kurz vor einem Themewechsel, was dazu führen kann, dass innerhalb der nächsten Stunden eventuell Inhalte zu sehen sind, die weder mit mir noch mit meinem schwarzbefellten Mitblogger zu tun haben. Die Unannehmnlichkeiten bitten wir zu entschuldigen.

Tina & das schwarze Katertier

Nicht massentauglich: Schubladengeschichten gegen den Mainstream

typewriterIch gehöre normalerweise zu den Lesern, die Vor-und Nachwörter eher langweilig finden und überspringen. Aber das Nachwort von Patrick Rothfuss zu seiner Novelle „Die Musik der Stille“ (Originaltitel „The slow regard of silent things“) hat mich dort gepackt, wo jede Autorin und jeder Autor sich hin und wieder packen lässt: An den eigenen Zweifeln. Wer kennt das nicht, diese Fragen nach der Markttauglichkeit, nach der „Veröffentlichbarkeit“, nach dem „Liest das überhaupt jemand?“ „Interessiert das überhaupt jemanden außer mir?“ „Wer würde denn das lesen?“
In einem Gespräch mit seiner Freundin Vi Hart berichtet Patrick Rothfuss ihr von seinen Zweifeln an der Veröffentlichbarkeit von „Die Musik der Stille“. Spoilerfreie Erklärung: Die Novelle erzählt von einer nicht ganz unwichtigen Nebenfigur aus den Kingkiller Chronicles. Ich sage absichtlich „erzählt von ihr“, nicht „erzählt ihre Geschichte“, denn das tut sie nicht und sie lässt den neugierigen Leser am Ende mit mehr fragen zurück als am Anfang. Aber das liegt wohl auch in der Natur der Figur „Auri“ – Auri selbst ist und bleibt ein Myterium. Und ich finde das gut so. Aber ihr Erfinder Patrick Rothfuss hatte so seine Zweifel an einer Novelle über Auris Leben in der Unterwelt der Universität, an dieser leisen, ungewöhnlichen Geschichte, die selbst in den Augen ihres Autors keine Gesichte ist.

Patrick Rothfuss schreibt:
I shook my head, not even looking up at her. „Readers expect certain things. People are going to read this and be disappointed. It doesn’t do what a normal story is supposed to do.“
Then Vi said something I will always remember: „Fuck those people“, she said. „Those people have stories written for them all the time. What about people like me? Where’s the story for people like me?“ […] „Let those other people have their normal stories“, Vi said, „This story is not for them. This is my story. This story is for peoplelike me.“
(Patrick Rothfuss, aus dem Nachwort zu Nachwort „The slow regard of silent things“)

Mir geht es wie Rothfuss: ich will nicht vergessen, was Vi Hart da zu ihm gesagt hat. Nicht jede Geschichte ist für jeden Leser. So unterschiedlich die Geschmäcker beim Essen sind, sind sie es auch beim Lesen. Es mag Schubladengeschichten geben, die wirklich nur für die Schublade geschrieben wurden. Aber wenn ich so darüber nachdenke, was für Schätze vielleicht noch in Autorenschubladen schlummern, weil sie nicht mainstream genug sind, nicht für die breite Masse, nicht für jeden, dann macht mich das traurig. Ich wünsche mir Chancen für diese Schubladengeschichten. Ich wünsche mir mutige Autoren, die Selfpublishing-Experimente wagen. Noch mehr mutige Kleinverlage, die sich wagen, die auf den ersten Blick nicht massentauglichen Kleinode zu veröffentlichen – und dann, wer weiß, vielleicht große Erfolge damit zu feiern und zu wachsen, zusammen mit ihren Autoren.

Habt ihr Schubladengeschichten? Warum, denkt ihr, sind sie nicht massentauglich oder unveröffentlichbar?
Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Was ist eigentlich ein „gutes Buch“? Meine fünf Cent zur Lektoratsdiskussion

booksIm Netz kocht die Diskutiersuppe auf Hochtouren. Fronten verhärten sich. Der Begriff „Zweiklassengesellschaft“ fällt. Es wird von Arroganz gesprochen, von Selbstverliebtheit, von Talent und Nichtkönnen. Von guten und von schlechten Büchern.

Das Thema: Lektorat. Braucht ein Buch ein Lektorat und/oder ein Korrektorat, um ein gutes Buch zu sein?

Ich möchte das Pferd mal von hinten aufzäumen und die Frage in den Raum werfen, was denn eigentlich ein gutes Buch ist. Wenn ich diese Frage für mich beantworte (meine persönliche Meinung, die sich niemand zu teilen verpflichtet sehen soll!), dann ist ein gutes Buch ein Buch, das mich gut unterhält.
Gut unterhalten kann mich der nachdenklich-romantische Provenceroman ebenso wie ein auf Suspense getrimmter Thriller, ich fühle mich ebenso durch eine leidenschaftliche Romanze unterhalten wie durch ein Fantasymärchen oder ein episches Werk wie Game of Thrones. Ich möchte in sich stimmige Bücher lesen, mit gut ausgearbeiteten Protagonisten, denen ich ihr fiktives Leben abkaufe und bei deren Geschichten ich mir vorstellen kann, dass es so in diesem Setting wirklich geschehen sein könnte. Und das am liebsten noch fehlerfrei, ohne Längen, ohne Perspektivverrutscher, ohne unfreiwillig komisch wirkende Stilblüten.

Und wie mache ich nun so ein „gutes“ Buch?
Erst mal: ich schreibe. Ohne Rücksicht auf Verluste schreibe ich meine Geschichte, so wie sie mir vom Kopf in die Finger fließt, nach mehr oder weniger ausführlichen Vorbereitungen wie Plotten und Weltenbau – je nachdem, was für ein schriftstellerischer Arbeitstyp ich bin.
Und dann? Das Wort „Ende“ ist geschrieben, die schreibprogrammeigene Rechtschreibkorrektur ist über das Dokument geflitzt und hat alle Vertippsler ausgemerzt. Hoffentlich. Da ich diesen automatisierten Dingern nicht traue, lese ich lieber noch einmal selber von vorn bis hinten und von hinten nach vorn, den virtuellen Rotstift in der Hand, den Blick geschärft, der innere Korrektor arbeitet auf Hochtouren.
Der Text bekommt also ein erstes Korrektorat.
Und dann? Bin ich dann fertig? Habe ich dann schon ein „gutes Buch“ geschrieben?
Ich meine: nein. Ich habe ein Buch geschrieben, das zu 99% frei von Tipp-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern ist. Aber würde ich für dieses Buch in diesem Zustand bereits Geld verlangen wollen?

Ich sage: nein. Denn ich fühle mich als Autorin noch nicht so sicher im Sattel, dass ich eine solche Manuskriptfassung schon in die Welt entlassen möchte, sei es in einem Verlag oder als Selfpublisher. Ich brauche den kritischen Blick von außen.

Bisher habe ich nicht selbst veröffentlicht, sondern mit verschiedenen Kleinverlagen zusammengearbeitet, in denen ich Anthologiebeiträge und Romane veröffentlicht habe. In den meisten Fällen habe ich das Lektorat als sehr bereichernd empfunden, sowohl für mein Buch als auch für mich als Autorin. Ich lerne bei jedem Lektorat etwas dazu. Ja, mein eigener innerer Lektor ist durch die Zusammenarbeit mit realen menschlichen Lektorinnen und Lektoren kritischer, mein eigener Blick auf Selbstgeschriebenes kritischer geworden.
Ob ich mir daher zutrauen würde, ein Buch vollkommen in Eigenregie zu machen? Schreiben, korrigieren, editieren (im Sinne von „verbessern“, im Sinne von „veröffentlichungsreif machen“) und zu veröffentlichen?

Ich sage noch einmal: nein. Ich habe als Leserin meinen ganz eigenen Anspruch an ein „gutes Buch“. Ich zahle gern einen angemessenen Preis für meinen Lesestoff, aber dafür erwarte ich dann auch, dass das, was ich mir auf meinen eReader lade oder zwischen realen Buchdeckeln in der Hand halte, meinem Anspruch gerecht wird. Ich habe bereits wunderbare Bücher von Selfpublishern gelesen, bei denen ich mich einen feuchten Kehricht darum geschert habe, ob dieses Buch lektoriert worden ist oder nicht, ich fühlte mich gut unterhalten, ich mochte den Erzählstil, es waren einfach in meine Sinne „gute Bücher“. Im Gegensatz dazu habe ich auch schon Bestseller renommierter Publikumsverlage beiseitegelegt, weil mich Dinge, die ich als stilistische Fehler empfand, so sehr gestört haben, dass mir das Lesevergnügen schon auf Seite 3 von 300 abhandenkam. Und bei einem renommierten Publikumsverlag gehe ich einfach mal davon aus, dass da ein Lektor am Werk war.

Fazit: ein Lektorat allein macht noch kein „gutes Buch“. Ein Buch kann auch ohne Lektorat „gut“ sein. Wer sicher ist, dass er oder sie es im Alleingang schafft, ein „gutes“ Buch herauszubringen, soll das tun. Ich persönlich halte mich für noch nicht so weit, dass ich ohne den kritischen Blick von außen ein wirklich „gutes“ Buch erschaffen kann. Aber das bin nur ich. Das kann und darf jeder und jede anders sehen. Wäre es nicht einfach schön, wenn jede und jeder so arbeiten könnte, wie er oder sie es am besten kann, ohne dass wir uns in dem Zwang sehen, uns für unsere Arbeitsweise rechtfertigen zu müssen? Wäre es nicht schön, wenn jeder und jede sagen könnte: Ich mache das so-und-so, du machst es anders, und es ist GUT so?
Ich würde mich freuen, wenn wir von diesem Schubladendenken wegkämen, das Verlagsautoren und Selfpublisher auf unterschiedlich hohe Podeste stellt. Sind wir nicht im Grunde alle nur Menschen, die eine Leidenschaft teilen – die für das geschriebene Wort, den Wunsch, die Geschichten zu erzählen, die sich in unseren Köpfen herumtreiben und die uns wahnsinnig machen würden, würden wir sie nicht aufschreiben? Ganz gleich ob Verlagsautor oder Selfpublisher, Kleinverlagsveröffentlicher oder Blogromanschreiber – wir sind Autoren. Und wir wollen am Ende doch alle nur eins: „gute“ Bücher schreiben.

Tschüß, 2015 – willkommen, 2016!

Wie, schon vorbei?
Kann mir bitte mal jemand sagen, wo das vergangene Jahr so schnell hin ist? Wir haben doch gestern erst Silvester gefeiert. Aber nun gut, 2015 ist auf dem Rückzug, also gibt es jetzt auch einen kleinen Rückblick hier im Blog.
2015 war ein Jahr der Schreiberfolge. Meine Dschnungelbewohner bekamen mit „Nachtjägerseele“ die erwartete Fortsetzung, ich durfte die Printversion der „Missverstandenen Monster“ in Händen halten und meine Orgelspinne gedruckt sehen, und die Nithyara starteten mit dem Prequel „Harfenzorn“ in die Neuauflage-Runde. Meine aller-allererste Romanveröffentlichung überhaupt, „Im Fischernetz“, liefert immer noch so viel an Tantiemen, dass es für einmal gemütlich Essengehen reicht, und das freut mich wirklich – anscheinend gibt es immer noch Menschen, die meine Geschichte vom Werfisch und dem entlaufenen Sklaven neugierig macht.
2015 war ein Jahr der Katzen, wie kann es in diesem Haushalt auch anders sein? Neuzugang Kleo, 2014 um die Weihnachtszeit eingewandert, schlich sich in Haus und Herzen, taute immer mehr auf und ist inzwischen nicht mehr hier wegzudenken. Vom kleinen fauchenden Dämon unter dem Bett hat sie sich in eine süße kleine Kuschelkatze verwandelt.
2015 war ein Jahr der Selbsterkenntnis. Der November hat mir gezeigt, was ich schaffen kann, wenn ich mich nur durchbeiße. Der NaNoWriMo war anstrengend, stressig, spaßig und am Ende ein Marathonschreiben. Das letzte Zehntel an Wörtern entstand am letzten Tag, die 50k erreichte ich buchstäblich um Fünf vor Zwölf. Ja, es geht, 10k an einem Tag zu kloppen, aber ganz ehrlich, noch mal brauche ich das nicht.
Genausowenig wie einige andere Dinge. Öfter mal Neinsagen ist einer meiner guten Vorsätze, mehr Gelassenheit, mehr Ruhe und mehr Achtsamkeit. Mehr hier und jetzt statt gestern und morgen. Mehr kleine Dinge und kleine Schritte statt Monsterziele und Höhenflüge.
Schreiberisch werfen schon einige Dinge für 2016 ihre Schatten voraus. Natürlich geht es weiter mit den Nithyara. Der „alte“ Feuersänger erscheint neu poliert in zwei Einzelbänden, geplant sind dazu noch Kurzgeschichten und eine erste Selbstveröffentlichung. Ganz weit weg, aber schon in Sicht, winkt eine weitere Veröffentlichung, schon für das Jahr 2017. Es bleibt spannend!

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick, was es auf diesem Blog im kommenden Jahr geben wird:
– weiterhin Buchbesprechungen/Rezensionen
– Fortsetzung des Online-Romans „Erwählte des Zwielichts“
– Neuauflage vom „Kater der Woche“
– mehr Zentangle

Euch allen ein gutes neues Jahr. Bleibt gesund. Lasst euch nicht stressen. Bleibt ihr selbst, verbiegt euch nicht. Lebt euer Leben, ihr habt nur dieses eine!