Roms Katzen: Kater macht Werbung

 Tja, liebe Leute, das mit dem Kater der Woche klappt im Moment nicht, weil mein Mensch so unglaublich viel zu tun hat, dass ich es nicht schaffe, ihr meine geistigen Ergüsse zu diktieren. ABER: Mein Mensch hat ein Buch geschrieben (ja, ich weiß, das ist nicht das erste Mal). Dieses Buch ist allerdings für mich als Angehörigen der Gattung felis etwas ganz Besonderes. Denn in diesem Buch sind die Protagonisten ausschließlich Katzen.

„Roms Katzen“ heißt die Geschichte, die in einem Verlag mit dem lustigen Namen „Ohneohren“ als EBook veröffentlicht wurde. Es erzählt die Geschichte zweier verfeindeter Katzensippen, die in der historischen Altstadt Roms leben und dort den alten Traditionen ihrer Sippen frönen:

„Leise wandeln Pfoten in Rom auf alten Wegen, zwischen Ruinen und überall in der Stadt. Katzen der Bastet schnurren sich gegenseitig Sagen aus vergangenen Zeiten zu. Katzen der Sachmet frönen der löwenhaften Kampfeslust. Ein lange zurückliegender Konflikt teilte sie in zwei Sippen, die einander aus dem Weg gehen.

Doch als Dunkelheit die Ruinen der Ewigen Stadt überzieht und ein Seher auftaucht, verändert sich alles. Denn diese Finsternis bedroht alle Katzen – auch zwei junge Mitglieder der beiden Sippen, die sich inmitten der Wirren begegnen. Wird am Ende eine alte Feindschaft das Ende von Roms Katzen sein? Oder ist es gar die Liebe, die auf Samtpfoten eine Lösung bringt?“ – so heißt es auf dem digitalen Buchrücken. Und ich freue mich außerordentlich, dass meine vierbeinigen Kollegen und ich meinen Menschen tatsächlich dazu inspiriert haben, über Katzen zu schreiben.

Blogtour Helen B. Kraft – Warum die Frauen der Sieben Wüsten keine Püppchen sind

blogtourfinal Herzlich willkommen zu Tag 5 der Blogtour zu „Erbe der Sieben Wüsten“ von Helen B. Kraft! Ich habe das Vergnügen, euch ein wenig über die tollen Frauenfiguren der Reihe zu erzählen. Ganz unten findet ihr ein Gewinnspiel – also auf jeden Fall bis zum Ende lesen! 🙂

 

Die Frauen der Sieben Wüsten

Sie sind stark.
Sie sind klug.
Sie sind gefährlich.
Sie sind unglaublich sexy (darf ich das sagen? Als Frau? Als Frau, die sich mit Gleichstellung befasst hat und sehr darauf achtet, dass Frauenfiguren vor allem in Fantasyromanen nicht zu hübschen Dekorationsgegenständen und Lustobjekten verkommen oder zu niedlichen kleinen Weibchen, die ständig gerettet werden müssen? Ja, ich darf. Denn die Frauen der Sieben Wüsten sind einfach … ach, lest einfach weiter!).
Und sie sind Bestien.
Die Frauen der Sieben Wüsten sind der Traum einer jeden Leserin, die die Nase voll hat von puppenhaften, zerbrEchlichen Schönheiten, die ständig um Hilfe flehen und angesichts von Katastrophen und Gefahren ohne den Beistand eines starken männlichen Helden (der natürlich aussieht wie ein Halbgott und küsst wie ein ganzer) zu Grunde gehen würden. Die Frauen der Sieben Wüsten sind starke, selbstbewusste Frauen, die ihren eigenen Kopf haben, ihre eigenen Pläne verfolgen und dafür kämpfen, auf Augenhöhe mit ihren männlichen Romanfigurenkollegen zu stehen und Seite an Seite mit ihnen in die Schlacht zu ziehen, wenn es sein muss.
Bei aller Stärke sind sie dennoch immer noch Frauen, keine über-testosteronisierten Mannweiber. Sie sind durch und durch Frauen und sich ihrer Weiblichkeit sehr wohl bewusst. Sie setzen ihre Reize ein, sie wissen, was sie können (und auch, was sie nicht können), sie flirten und kämpfen. Selbstbewusst, ohne dabei zu rückgratlosen Weibchen zu werden, die ohne männliche Führung nichts sind und den Roman nur als schmückendes Beiwerk begleiten.
Da ist Nerey, die Hexe und Bestie, die von Kindesbeinen an allein überleben musste. Das hat sie geprägt, hat ihr eine Stärke und einen Hauch von Härte und Unnachgiebigkeit verliehen. Nerey weiß, wie es ist, alles zu verlieren, was man liebt. Wie es sich anfühlt, keine Sicherheit zu kennen, immer auf der Flucht zu sein. Und genau darum zögert sie, als ihre Bestie im Duft des Bestienfürsten Cruth den des für sie bestimmten Partners erkennt. Sie widerspricht, sie kämpft – und entscheidet sich am Ende für Cruth, weil sie ihn will. Cruth nennt sie Wüstenblume – und genau das ist Nerey. Eine Blume, die dazu geschaffen ist, auch im unwirtlichen Terrain einer Wüste zu überleben.
Es fällt mir als Leserin leicht, Nerey zu mögen und mich mit Teilen ihrer Persönlichkeit zu identifizieren. Ängste, Unsicherheiten, Verlust – wer kennt das nicht? Diese Aspekte Nereys sind mir nahe. Und darum gehe ich ihren Weg gern mit ihr.

Da ist Zeynda, Cruths und Nereys Tochter, aufgewachsen bei ihrem alleinerziehenden Fürstenvater, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben war. Cruth hat sie behütet und beschützt und versucht noch immer, sie vor Gefahren zu bewahren, auch als sie schon mehr als volljährig ist – doch die sture Zeynda hat andere Pläne. Sie lässt sich von Earron, ihres Vaters General, für den Kampf ausbilden. Als Sieben Wüsten bedroht und der Clan der Schwarzsteiner ausgelöscht wird, entschließt sie sich ohne zu zögern, mit Daeon, dem letzten Überlebenden der Schwarzsteiner, den Intrigen auf den Grund zu gehen, die die Bestien in Scáthgard bedrohen. Zeynda zeigt sich als stolze, unbeugsame und besonnene Kriegerin – was sicherlich auch ein Grund dafür ist, warum Cruth sie trotz all seiner Sorge um ihre und seine eigene Sicherheit als seine Tochter anerkennt und sich selbst damit dem Altern preisgibt.
Zeynda ist so viel, was ich nicht bin, und darum finde ich sie toll. Sie ist eine Kriegerin, sie kann kämpfen, sie weiß, wo sie hingehört und was sie will. Zeynda ist eine Protagonistin, der ich gern folge, weil ich sie bewundere für das, was sie ist, und sie ein bisschen beneide für das, was sie kann.

Da ist Althia, die beim ersten Blick auf ihr hübsches Gesicht, den süßen Schmollmund, das honigblonde Haar, die aufregenden Kurven und die unglaublich blauen Augen alle Attribute eines Püppchens und Sexsymbols aufweist. Doch Vorsicht – diese hübsche Blondine ist überaus klug. Und überaus gefährlich. Ihre Waffen sind nicht Säbelzähne, Klauen oder Schwerter. Leise webt Althia im Hintergrund schon im ersten Bestienband ihre Netze, wirft sie aus und spinnt Intrigen, in die auch die Klügsten und Besonnensten der Bestien und Menschen hineinfallen und sich darin verwirren, bis es kein Entkommen mehr gibt. Althia ist die Spinne, die ihre Beute fängt, benutzt und dann mit Haut und Haaren frisst. Typisch Frau? Typisch weiblicher Bösewicht? Vielleicht. Aber Althia spinnt ihre Intrigen mit so viel Stil, dass manch ein männlicher Antagonist dagegen ziemlich blass aussieht.
Althia ist für mich eine dieser Antagonistinnen, die man einfach mögen muss, weil sie das, was sie tut, mit ihrem ganz eigenen Stil tut. Sich selbst treu ist, auch wenn das, was sie tut, nicht nett ist. Andererseits sind Bestien nicht dazu geschaffen, nett zu sein. Ich mag Althia, weil sie auf ihre Art aus ihrem Leben das Beste zu machen versucht.

Ausblick: Die Bestienreihe ist mit den ersten beiden Büchern ja noch lange nicht zuende. Und wir Fans der starken Frauen dürfen uns auf weitere sehr interessante Persönlichkeiten freuen. Es seien hier nur zwei genannt, auf die ich neugierig machen will:
Natayla, die wie ich Whiskey liebt und der buchstäblich alles aus dem Gesicht fällt, als ihr der eine bestimmte Duft in die Nase steigt, der ihrer Bestie ihren erwählten Partner verrät. Natayla, die glaubt, dass ihre Bestie mit dieser Partnerwahl in erster Linie mal einen heftigen Griff ins Klo getan hat. Doch Natayla wäre keine Frau der Sieben Wüsten, wenn sie sich nicht bestienhaft durch ihr Schicksal beißen würde.
Hazel, die sich hin und wieder aus Gründen, die ich hier noch nicht verraten will, fragt, ob es sie überhaupt geben darf, die oft kurz davor ist, an ihrer Selbstzweifel zu ver-zweifeln und die doch immer wieder den Dreh findet und auf ihre Spur zurückkommt. Hazel, die ich liebe, weil ich dieses Zweifeln so gut kenne und die ich bewundere, weil sie sich trotz allem nicht unterbuttern lässt.

Fazit: Wer starke Frauenfiguren mag, ist in den Sieben Wüsten perfekt aufgehoben. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Bücher und danke Helen, dass ich mich im Rahmen dieser Blogtour ein wenig über meine Lieblingsbestien auslassen durfte!

 

Noch ein kleines Schmankerl am Rande: Es gibt etwas zu gewinnen!
Unter allen Teilnehmern wird ein Überraschungspaket nebst Poster von Schwarzstein und Königin verlost. Dafür müsst ihr die Buchstaben finden, die wir im Text besonders hervorgehoben haben und euch merken. Das Lösungswort schickt ihr dann an bianca.schuetz[at]ymail[Punkt]com. Das Gewinnspiel endet am 30.04.2016 um 23.59 Uhr!

Teilnahmebedingungen!

– Teilnehmen kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist. Einen Nachweis zu verlangen, behalte ich mir vor.
– Pro Haushalt ist nur ein Teilnehmer teilnahmeberechtigt.
– Der Preis wird per Zufallsgenerator unter allen Teilnehmern verlost, die die Bedingungen erfüllen.
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
– Die Preise werden nach Ablauf der Aktion und nach Erhalt der Adressen verschickt. Sollte ein Preis auf dem Postweg verloren gehen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

~ Datenschutz ~
Persönliche Daten der Teilnehmer werden nicht veröffentlich, die Namen des Gewinners abgekürzt dargestellt und persönliche Informationen gelöscht, sobald der Gewinn versandt ist.

~ Im Gewinnfall ~
Der Gewinner muss sich selbstständig melden, da das Kontaktieren über private Nachrichten auf z.B. Facebook verboten ist. Dazu hat der Gewinner eine Woche nach Bekanntgabe Zeit, sonst wird neu ausgelost bzw. der nächste rückt nach.

~ Disclaimer ~
Veranstalter der Verlosung ist Helen B. Kraft. Facebook oder jede andere Seite, auf der die Blogtour erfolgt ist, sind nur Unterstützer und haben mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun.

Zum Erscheinen des Romans „Arrion“: Ein Interview mit Autorin Tanja Rast

Tanja Rast Bild 2Die erste Romanveröffentlichung ist immer etwas ganz Besonderes. Ich möchte hier ein bisschen feiern, werben und Fähnchen schwenken, denn Tanja Rasts „Arrion“ ist ein ganz und gar außergewöhnlicher und im wahrsten Sinne des Wortes großer Held, dem ich eine ebenso große Leserschaft wünsche. Mit Wortwitz, feinem Humor und einem grandiosen Gefühl für die richtige Mischung aus Action und Gefühl entführt „Arrion“ in eine Fantasywelt voller faszinierender Mystik und wildem Schlachtengetümmel. 11120961_1140977132595440_1054655630_n Liebe Tanja, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!

Tina: Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
Tanja: Ich bin ein Landei. Ich wohne da, wo kaum jemand hinfindet, weil die Leute nach dem Hintern der Welt aufgeben. Da kann niemand mehr wohnen. Doch, noch einen Kilometer weiter. Ich bin Schleswig-Holsteinerin aus Leidenschaft und stolz auf den Bungsberg – die höchste Erhebung dieses Bundeslandes. Ich bin sogar so tapfer, die immense Gipfelhöhe von 168 Metern ohne Sherpa zu bezwingen. Natürlich hat Schleswig-Holstein es auch in einige meiner Kurzgeschichten geschafft.
Auf meinem Hof wuseln Hunde, Katzen und Pferde bevorzugt durcheinander, und sie haben alle auf die eine oder andere Weise schon für Recherche herhalten müssen. Ohnehin ist angewandte Recherche eines meiner Hobbys. Kommt man mit Handschellen eine Leiter hinauf? Wie funktioniert eigentlich Geheimtinte? Und was macht ein Streitkolben mit einem Kohlkopf?

Tina: Dein Genre ist „Heroic Romantasy“. Du fasst das mit den schönen Worten „Schlachten und Schmachten“ zusammen. Was genau dürfen Deine Leserinnen und Leser sich darunter vorstellen? Und überhaupt: Romantasy. Das klingt, als würdest Du in erster Linie ein weibliches Publikum ansprechen. Ist das so?
Tanja: Ich habe schon immer gerne das Brachiale mit dem Romantischen verknüpft. Ich mag Helden, die sich in die Bresche werfen und auch mal etwas auf die Nase bekommen, die schwitzen, bluten und fluchen. Über die man durchaus auch einmal lachen darf, wenn das gewaltige Ego einen Tiefschlag erleidet. Doch geben meine Helden selbst dabei freundlicherweise eine wundervolle Projektionsfläche für die Bewunderung meiner Heldin ab. Das heißt aber nicht, dass meine Heldinnen verzweifelte Jungfrauen in Not sind, die händeringend in Gefahr herumsitzen und sich retten lassen. Sie stellen ein vollwertiges Pendant zu meinem Helden dar und retten durchaus auch mal sich selbst – oder den Helden.
Ich versuche, die Balance zwischen rosarot und blutrot zu finden, und ja: Ich denke, dass meine Romane vorwiegend Frauen ansprechen, nicht umsonst nenne ich meinen Genremix auch „Conan für Frauen“, obwohl ich auch begeisterte männliche Testleser hatte. Deswegen ist mir die Gratwanderung so wichtig. Und sie macht (nicht nur) mir Spaß!
Und ganz ehrlich? Ein Kuss, wenn der Held blutbeschmiert, verschwitzt und noch ziemlich atemlos ist (und der Muskelkater schon seine Vorhut schickt) – hat was!

Tina: „Arrion“ ist der erste wirklich „große“ Roman, den Du veröffentlichst. Was war das für ein Gefühl, als Jürgen Eglseer vom Amrûn-Verlag Dir die Zusage schickte?
Tanja: Jürgen macht keine Schnörkel, Schleifen oder bunte Girlanden. Die Zusage kam erfrischend knackig bei mir an. Ich habe trotzdem die Mail an die viermal gelesen, bis mein Verstand diese Nachricht wirklich annahm. Ein unglaubliches Gefühl. Eine Mischung aus Euphorie, tiefster Zufriedenheit und … Mutterglück, fürchte ich.

Tina: Wie bist Du auf die Idee zu „Arrion“ gekommen?
Tanja: Arrion ist im NaNoWriMo 2010 entstanden. Ich hatte vorher fröhlich an meiner 13bändigen Vampirreihe geschraubt und wurde von zwei Autorenfreundinnen zum NaNo überredet. Ich habe die beiden als irrsinnig bezeichnet und mich trotzdem überreden lassen. Dann wurde mir klar, dass ich mit einem nagelneuen Projekt starten will und muss. Ein Genrewechsel erschien mir reizvoll, und da ich auch in der Vampirreihe schon Romantik mit spontanen Gewaltausbrüchen kombiniert hatte, lag Heroic Romantic Fantasy zum Greifen nahe.
Eigentlich wollte ich nur einen lustigen Roman schreiben, der mich zum Lachen mit und vor allem über meinen Helden bringt. Ein Monat Schreibwahnsinn (das erklärte Ziel des NaNo sind 50.000 Wörter an einem neuen Roman) mit Spaß kombinieren. Klang nach einer guten Idee, bis mein lieber Arrion immer mehr Ecken und Kanten bekam, ein Ego entwickelte, das für zwei Kerle seiner Größe reichte (mindestens!), und der Roman unvermutet einen Schwenk in Richtung Dunkelheit unternahm.
Erklärend sollte ich hinzufügen, dass ich Bauchschreiberin bin, also nicht groß und vor allem nicht feinteilig im Voraus plane. Ich kenne mein Heldenpaar, die Ausgangslage, den Konflikt und das Ende. Stehe ich also am Anfang des Schreibens, tut sich vor mir ein wunderschönes, meist mit Nebel – oder in Arrions Fall mit Dunst von den Wasserfällen – gefülltes Tal auf. Aus dem weißen Wogen ragen Felsspitzen oder Türme. Und ich darf mich von einem zum anderen hangeln und meinen Helden verfolgen, der mir an körperlicher Fitness natürlich weit voraus ist.
Ich entdeckte Arrions andere Seite, die er mit Selbstbewusstsein, Charmeoffensive und Kriegsaxt zu verbergen sucht. Ab da lief der Roman wie ein Flächenbrand voran.

Tina: Und wie kamst Du auf diese … scheußlich schöne Nebenwirkung beim Küssen?
Tanja: Daran ist Arrion selbst schuld. Wer eine Geistersängerin fünf Minuten nach dem ersten Treffen angräbt, als ob es keinen Morgen gäbe, muss damit rechnen, dass die liebende Autorin dem überbordenden Selbstbewusstsein des Helden eine Grube gräbt.
Was ich mache, mache ich gründlich.

Tina: Wenn Du Arrion persönlich treffen würdest, was würdest Du ihm sagen? Und was er Dir?
Tanja: Ähm. Muss das sein? So gerne ich den Charmebolzen aus der Ferne beobachte und ihm begeistert zusehe, wie er ein Schlachtfeld aufrollt … Nein, ehrlich, ich würde ihm sagen, wie stolz ich auf ihn bin und dass ich ihn wirklich lieb habe.
Und Arrion? Oh, er würde mir jede an ihm begangene Gemeinheit (auch die eingebildeten, die er sich selbst zuzuschreiben hat) und Grausamkeit vorrechnen. Nein, nicht gut!

Tina: Ich weiß, dass „Arrion“ nicht Dein einziger Roman ist. Magst Du ein bisschen darüber plaudern, was Du sonst noch so in der Schublade hast?
Tanja: Die entkommen gerade alle der Schublade, habe ich das dumpfe Gefühl. „Cajan“ – mein Halbelf mit der Höhenangst und einem schier unlösbaren Auftrag – und „Roveon“ – seines Zeichens Feuermagier und Egoist reinsten Wassers – haben schon einen Schritt getan, und der Rest lauert nur auf eine Chance.
Was habe ich alles dabei? Einen frömmelnden Mönch, der nicht mit dem Herzen mit seinem Kloster verbunden ist, sondern lieber wieder Marschall wäre. Eine Mumie. Mit knackigem Hintern und grünem Feuer in den Iriden. Zwei Kriegsgötter – ein echter, einer nur dem Namen nach. Ein gefallener Paladin, ein Kardinal, der erleben muss, dass Magie lebendig ist und überaus besitzergreifend. Ein wenig wie ein Rudel verspielter Welpen. Und ebenso rücksichtslos.

Tina: Heroic Romantasy ist eine Seite der Tanja Rast. Was schreibst Du sonst noch?
Tanja: Schleswig-Holstein prunkt nicht nur mit dem Bungsberg, sondern auch mit Haithabu und dem Danewerk, mit Runensteinen und einer Geschichte als Wikingerland. Ausflüge in die Mythologie der Nordmannen gehören für mich einfach dazu.
Sonst schreibe ich hin und wieder sehr gerne Kurzgeschichten, wobei meine Bandbreite da von zuckersüß bis schauderlich-gruselig reicht. Nachdem ich mir jahrelang eingeredet habe, keine Kurzgeschichten schreiben zu können, empfinde ich mittlerweile einen solchen Kurztrip in eine andere Welt als sehr erfrischend und mitunter auch als Abwechslung zu ausgewachsenen Romanen.

Tina: Hast Du andere Autoren als Vorbilder? Wenn ja, wen? Was magst Du an ihm/ihr ganz besonders?
Tanja: Als Vorbilder wage ich sie kaum zu bezeichnen.
Georgette Heyer, Autorin einer ganzen Reihe von Liebesromanen gesetzt in der britischen Regency-Epoche. Ich bewundere die absolut saubere Recherche, die diesen Werken zugrunde liegt. Ernährung, Kleidung, gesellschaftliche Konventionen. Dazu kommen die unverwechselbaren Heyer-Helden und –Heldinnen. Aber was mich wirklich begeistert, sind der ungemeine Witz und die Leichtigkeit der Dialoge, die versteckten Spitzen, die mit kulleräugiger Unschuld oder betont nonchalanter Miene ausgeteilt werden. Von Lächeln bis lautem Lachen ist wirklich alles dabei, dazu die Kunst, zwischen den Zeilen oder auch nur mit zwei, drei Wörtern so viel zu transportieren. Ganz besonders große Klasse.
William Shakespeare. Während mein Deutschlehrer uns durch Die Jammereien des jungen Weicheis quälte, trumpfte mein Englischlehrer mit Macbeth auf. Und es war um mich geschehen. Hier gibt es nur Dialog, keine Beschreibungen, keine Landschaft, keine (naja, kaum) Innensicht. Nur das gesprochene Wort charakterisiert Figuren, ihre Beziehungen zueinander. Und das mit einer Wortgewalt, die mich auch heute noch begeistert und staunen lässt. Zu meinem besonderen Glück konnte ich kurz nach der Lektüre von Macbeth Kenneth Branaghs Henry V im Kino sehen. Da kam dann das Szenenbild dazu, die blutige, schlammige Schlacht von Azincourt …

Tina: Hast Du einen (oder auch zwei…) Tipps für Autorinnen/Autoren, die darüber nachdenken, ihr Werk zu veröffentlichen?
Tanja: Schreibt, was Euch Spaß macht, wofür ihr im Herzen brennen könnt. Als ich meiner Lektorin gegenüber eingestand, dass ich bei der und der Szene besonders viel Spaß beim Schreiben gehabt und laut gelacht hätte, meinte sie, dass dies spürbar wäre und deswegen auch dem Leser so viel Freude bereitet und ihn in die Geschichte zieht.
Wer nur auf den Markt schielt und überlegt, was wohl gut verkäuflich wäre, verliert vielleicht die Seele des Schreibens aus den Augen. Ich schreibe, weil ich sonst platze! Die Geschichten wollen erzählt werden. Es sind meine Geschichten, die nur ich so erzählen kann, die mich mit Wärme erfüllen.
Sucht Euch Betaleser, die den Text auf Herz und Nieren prüfen, die Euch helfen, euren Stil zu entwickeln, die Logiklöcher finden und notfalls auch bei der Korrektur mit unter die Arme greifen. Ich wiederhole das gebetsmühlenartig immer wieder: Ein Manuskript, das vor Fehlern strotzt, macht niemanden glücklich. Ein Autor sollte die Grundlage seines Handwerks beherrschen. Das mag bei Spannungsbogen und Charakterentwicklung noch lange nicht aufhören, aber es beginnt mit Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Tina: Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?
Tanja: Dass ich aufgeregt bin? Dass ich das Cover als Bildschirmhintergrund eingerichtet habe?
Ich hoffe, dass Arrion meinen Lesern so viel Freude bereitet, wie ich beim Schreiben empfand.

Liebe Tanja, ich danke Dir für dieses Interview und wünsche Dir ganz viel Erfolg mit „Arrion“!

Hier schaltet sich der Werbekater ein und brüllt ganz laut: Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Eileen Raven Scott: Feuerküsse

Feuerkuss Wasser trifft Feuer. Halbdämonin aus der Hölle trifft Meerelf. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber sie scheint chancenlos: Aruni, Tochter einer Höllendämonin und eines Menschen, wird von ihrem Halbbruder Lierd in die Hölle zurückgescheucht, noch bevor sie und der sexy Meerelf Ilvio überhaupt etwas aufbauen können. Dennoch ist Ilvio sicher: er will keine andere Frau als Aruni, die ihn auf einer Halloweenparty mit ihrem Tanz und ihren Küssen bezaubert hat. Ilvio, der eigentlich in die Menschenwelt gekommen war, um sich für neue Musik für die Tänze der Meerelfen inspirieren zu lassen, jagt nun nicht die Töne, sondern Lierd und seine geliebte Aruni. Hilfe erhält er dabei von Arunis Katze Ash, die sich bei näherem Hinsehen als eine Gestaltwandlerin entpuppt.
Eileen Raven Scott erzählt ihre Geschichte temporeich, ohne sich mit zu vielen Beschreibungen aufzuhalten. Einerseits hält das den Roman spannend, andererseits hätte ich mir gerade bei Aruni und Ilvio etwas mehr Charaktertiefe gewünscht und einen etwas intensiveren Blick auf die unterschiedlichen Welten, aus denen sie stammen, denn Aruni und Ilvio haben durchaus das Potential, mehr zu sein als das, was sie im Roman von sich preisgeben.
Dennoch habe ich das Buch gern gelesen und war schon nach knapp zwei Tagen komplett durch. Ich frage mich, ob eine Fortsetzung geplant ist, in der man mehr über Aruni und Ilvio und Hölle und Meer erfährt – ich würde mich freuen.

D. Fries: Chroniken des Lichts 2: …und der Spaß geht in Venedig weiter

Lichtkrieger2 Venedig, Stadt der Gondeln, Brücken und Kanäle. Hierher verschlägt es die frischgebackenen Lichtkrieger Rafe und Jenny, die dort Seelen von Verstorbenen helfen sollen, ihren Weg ins Jenseits zu finden. Doch wie schon fast erwartet, kommt es erstens anders und zweitens, als man denkt. Das Chaos beginnt, als Jennys chaotische Schwester auftaucht und Jenny und Rafe kurzerhand als Baby-und Hundesitter engagiert. Von jetzt auf gleich haben die Lichtkrieger nicht nur die rastlosen Seelen an der Backe, sondern auch ein Baby namens Cola und Fanta, den gemütlichen Bernhardinder, der immer irgendwo im Weg steht oder liegt. Und es kommt noch schlimmer, als Vampire auftauchen, die genau wie die Lichtkrieger die Gabe haben, sich von einem Ort zum anderen zu teleportieren, was die Jagd auf die Blutsauger natürlich erschwert. Es dauert nicht lange, und die Lichtkrieger finden sich mitten in einem bösen Konflikt zwischen Vampiren und Werwölfen wieder. Die Tatsache, dass Rafe sich in eine Polizistin und Jenny in einen Werwolfanführer verliebt, macht die Sache nicht einfacher, im Gegenteil – die Beziehungen sind das Sahnehäubchen auf dem ganzen Chaos und führen zu zusätzlichen Verwicklungen.
Wieder ist D. Fries die Verbindung einer eigentlich düsteren Geschichte mit einem humorvoll-lockeren Erzählstil gelungen, aber man muss als Leser diese Mischung schon mögen, sonst könnte es sein, dass einem gerade der kodderschnauzige Macho Rafe nach einer Weile ziemlich auf den Keks geht.
Ein gelungener Nachfolger zum ersten Chroniken des Lichts-Band für Leser, die Spaß an Urban-Fantasy-Geschichten haben, die sich selbst nicht ganz so todernst nehmen. Ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Folge.

EBook-Serie: Romy Wolf – Die Spione von Edinburgh

spione01 Die Spione von Edinburgh – inzwischen sind drei Episoden der spannenden Reihe meiner Autorenkollegin und Freundin Romy Wolf erschienen und eine ist spannender als die andere. Das Cover der ersten Episode „Thimble House“ steht hier stellvertretend für die Reihe. Die weiteren bisher erschienenen Episoden tragen die Titel „Metamorphose“ und „Nachtmahr“.

Geheimdienste haben ein Faible für Abkürzungem, so ist es nicht verwunderlich, dass auch das Royale Institute of the Paranormal seinen Namen nicht immer vollständig ausschreibt und sich mit der Buchstabenkombination „R.I.P.“ begnügt.
Ada und Ollie hatten nie vor, Agenten zu werden. Beide stammen aus bescheidensten Verhältnissen. Ollie ist Kind einer Arbeiterfamilie, arm und durch Lähmung und Krankheit ans Bett gefesselt, Ada eine Waise, das Mädchen ohne Vergangenheit, die von Ollies Familie wie eine Tochter aufgezogen wird. Als Ada eine Anstellung in dem geheimnisumwitterten Thimble House annimmt, ahnt sie nicht, auf was sie sich einlässt. Wer ist der seltsame junge Mann, den die beiden ältlichen Schwestern im Dachgeschoss gefangen halten, warum ist er wahnsinnig, und was hat er mit der verstorbenen Tochter einer der Schwestern auf sich? Als Ada und Ollie immer häufiger von eigenartigen Todesfällen rund um Thimbe House in der Zeitung lesen, beginnen die jungen Leute, nachzuforschen -und decken ein grausiges Geheimnis auf. Ungeklärt bleibt allerdings die Frage: Wer ist die mysteriöse „Professorin“, von der der wahnsinnige Thaddeus spricht? Und warum sagt er, er kenne Ada aus dem Waisenhaus?
Adas und Ollies Aktivitäten und der Spuk von Thimble House gehen nicht an Laurence Mayfair, dem Leiter des R.I.P., vorbei. Die Episode „Thimble House“ endet damit, dass Mayfair den beiden jugendlichen Detektiven eine Stelle anbietet- im Institut. Ada und Ollie nehmen an.

In „Metamorphose“ sind die beiden jungen Helden aus Thimbe House bereits einige Zeit am R.I.P. Während Ollie sich hervorragend integriert fühlt, hat Ada trotz ihrer übersinnlichen Gabe nicht das Gefühl, wirklich dazuzugehören, vor allem nicht, als sie merkt, dass sich Ollie anscheinend zu der hochintelligenden Technikerin Maggie hingezogen fühlt, und Institutsmitarbeiter Finley sie allem Anschein nach nicht ausstehen kann. Dennoch stellt Ada auf Mayfairs Anweisung hin gemeinsam mit Finley Nachforschungen im Hafen an, nachdem Finley eine Kreatur, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, aus einer misslichen Lage befreit hat: den Meermann Lear, halb Mensch, halb Robbe. Bei dem Versuch, Lears geheimnisvolle Herkunft aufzudecken, stoßen Ada und Finley auf ein grauenhaftes Experiment, vielfachen Mord, und wieder stolpern sie über die geheimnisvolle „Professorin“.
Finley, der sich freundschaftlich zu Lear hingezogen fühlt, ermöglicht es dem Meermann, im Institut zu bleiben, und verspricht ihm, weitere Meermenschen zu suchen, von denen Lear glaubt, dass sie noch leben könnten.

„Nachtmahr“ beginnt einem mysteriösen Telegramm und den verstörenden Eindrücken eines Menschen, der sich offensichtlich nicht mehr an Dinge erinnern kann, die er des Nachts treibt. Etta, ehemaliges Mitglied des Instituts und Empfängern des Telegramms, vermutet hinter dem Absender ihren verschwundenen Mann Richard und bittet Mayfair um Hilfe. Während sich die Agenten der Suche nach dem „Nachtmahr“ widmen, der nachts Frauen überfällt, kommen Finley und Lear einander immer näher, während die Spannungen zwischen Ada, Ollie und Maggie wachsen – und auch zwischen Etta und Maifair scheint mehr zu sein als auf den ersten Blick offensichtlich. „Nachtmahr“ ist die bisher düsterste Episode und endet mit einem sehr bösen Cliffhanger, der Lust auf mehr macht.

Als Leser merke ich, wie sehr Romy Wolf Serien liebt und dass sie sich am Beispiel von Fernsehserien wie Supernatural oder Lost orientiert haben mag, als sie ihre „Spione“ plante. Mir gefällt der spannende Schreibstil, der Gefühle transportiert, ohne jemals ins Kitschige abzugleiten (ganz besonders gut haben mir da in „Nachtmahr“ die Szenen zwischen Lear und Finley gefallen). Dazu beherrscht Romy Wolf die Kunst, jeder Episode einen eigenen Spannungsbogen zu geben und dazu noch einen weiteren Spannungsbogen aufzubauen, der sich über die Episodengrenzen erstreckt, indem sie ihre Leser immer weiter anfüttert und man schließlich nur noch fingernägelkauend wissen möchte, was es mit diesem Waisenhaus auf sich hat und wer zum Henker denn nun diese „Professorin“ ist.
Daher meine inständige Bitte an Romy und den Weltenschmiede-Verlag: Bitte macht weiter mit den Spionen, ihr habt einen Fan. *schwenkt ein R.I.P.-Fähnchen*

Helen B. Kraft: Höllenjob hoch zwei – wunderbar respektlos!

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Man hat’s nicht leicht, wenn man ein Dämon ist, schon gar nicht so ein gutaussehender wie Shati… pardon, Shatan. Höllenfürstin Luzifer hat es in jeder Hinsicht auf ihn abgesehen. Und dann bekommt er auch noch die undankbare Aufgabe, in die Welt der Menschen zu gehen und Luzifers Tochter zu suchen – die zugleich auch noch Tochter des Allmächtigen ist. Die bildhübsche Evangelina führt ein ganz normales Erdenmenschenleben und hat keine Ahnung von ihrer göttlich-höllischen Verwandtschaft – eine Tatsache, die sich schnell ändert, als auf einmal nicht nur Shatan, der muskulöse Dämon mit dem sexy Quastenschwanz, in ihrer Wohnung auftaucht, sondern auch noch der etwas tumbe Erzengel-Kraftprotz Gavarel mit seinem Flammenschwert. der Erzengel nämlich denkt pragmatisch – tötet er Evangelina, ist sie für immer sicher vor ihre höllischen Mutter, denn dann landet sie schließlich direkt im Himmel.
Herrlich respektlos und humorvoll jongliert Hellen B. Kraft mit Gott und der Welt, Dämonen und Engeln, taxifahrenden Kali-Jüngern und einem immer noch unter uns weilenden Gottessohn samt passenden Latschen und Gras in der Tasche, wenn sie Shatan und Evangelina durch ihre abenteuerliche Flucht vor dem Zorn Gottes und einer aus den Ohren qualmenden Luzifer führt. Herrlich dabei die staubtrockenen Kommentare der körperlosen Stimme Gottes, Metatron, der sich immer wieder andere menschliche Wirte suchen muss, durch deren Mund er dann spricht – was häufiger mal zu Verwirrung führen kann.
Der Schreibstil ist flüssig und gespickt mit Humor und Wortwitz. „Höllenjob für einen Dämon“ ist eine rasante, skurrile, romantische Komödie für alle, die ihren Sinn für Spaß nicht vollkommen verloren haben und auch mit dem sehr augenzwinkernden Umgang mit Kirche und christlicher Mythologie umgehen können. Ein Höllenjob für einen Dämon, aber ein Höllenspaß für den Leser!

Hollenjob-fur-einen-Seraph
Und es geht weiter.
Nachdem Evangelina und Shatan es zum ersten himmlich-höllischen Liebespaar geschafft haben, bekommt diesmal eine wirklich höllische junge Dame Probleme. Lilith, Tochter von Luzifer und Asmodeus und indirekt Schuld daran, dass Luzifer wegen Ehebruchs aus den himmlichen Gefilden flog, wird beschuldigt, Hamit-Häpächät, das erste Wächterschwert, gestohlen zu haben. Lilith, die für ihre Intrigen aus dem ersten „Höllenjob“-Band in den Himmel verbannt wurde und dort nun im weißen Seidenkleidchen unter der Aufsicht des Seraphen Ravael Harfe üben muss, ist sich keiner Schuld bewusst. Dennoch: Lilith muss es gelingen, das Wächterschwert innerhalb von drei Tagen zurückzubringen, sonst rollt ihr Kopf. Ravael wird an ihre Seite gestellt – gestraft mit kleinen rosa Puschelflügelchen. Seine bronzenen Seraphenschwingen hat der Allmächtige einbehalten, da er denkt, Rave hätte nicht ordnungsgemäß auf die kleine Chaotin Lilith aufgepasst. Auf der Erde schließen sich Lilith und dem wirklich sexy Ravael der schon bekannte Shatan an, sowie der gefallene Engel Elegoth und ein flammender, sprechender Kaktus namens Ingo. Sorry. Inglorius.
Ob diese Chaostruppe, begleitet von Metatron, es schaffen kann, das Wächterschwert wiederzufinden, und wer nun tatsächlich an diesem niederträchtigen Diebstahl Schuld ist, das sollte man besser selbst lesen, denn keine Zusammenfassung kann Helen B. Krafts humorige Schreibe wirklich wiedergeben.
Die Frage, ob es gelungen ist, nach dem „Höllenjob für einen Dämon“ einen würdigen Nachfolger zu bringen, kann man nur mit Ja beantworten – Höllenjob für einen Seraph ist mehr als das. Dieses Buch ist düsterer, bissiger, respektloser und dabei ebenso witzig, spannend, romantisch und sexy wie sein Vorgänger. Helen B. Kraft ist es gelungen, eine dichte, spannende Geschichte zu weben und einen ganz neuen Blickwinkel auf Himmel und Hölle zu werfen.
Und am Ende stellen wir fest: Dämonen und Seraphen, Götter und Höllenfürstinnen sind irgendwie auch nur Menschen. Ein Höllenspaß, wieder einmal.

Yann Martel: Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger

Der Inder Pi ist ein ungewöhnlicher Junge.
Dank seines schwimmwütigen Onkels wurde er nach einem Pariser Schwimmbad mit dem Vornamen „Piscine Molitor“ bedacht.
Dank seiner Offenheit, seiner Neugier, seinem Interesse für Religion und seiner „Warum denn nicht“-Einstellung wurde er schon als Kind gläubiger Hindu, Christ und Moslem. Alles zugleich. Kompromisslos, ehrlich und auf seine Art gottesfürchtig.
Dank der Tatsache, dass sein Vater, ein Zoobesitzer, eines Tages beschließt, mit der Familie und den Zootieren nach Kanada auszuwandern, findet er sich schon bald in misslicher Lage. Der Tanker, der die Familie Patel und den halben Zoo mitnimmt über den großen Teich, kentert, und Piscine „Pi“ Patel ist schiffbrüchig. Zusammen mit einem ausgewachsenen bengalischen Tiger namens „Richard Parker“. Anfangs teilt er sein Rettungsboot zusätzlich mit einem Zebra mit gebrochenem Bein, einem Orang-Utanweibchen, das auf einem Netz voller Bananen schwimmend das Boot erreichte, und einer missgelaunten Hyäne. Doch nachdem die Hyäne das Zebra gefressen, die Orang-Dame mit der Hyäne kurzen Prozess gemacht und der Tiger schließlich über den Orang hergefallen ist, sind sie tatsächlich allein: der Inder und der Tiger, mitten auf dem Pazifik. „Life of Pi“ schildert die skurrile, herrlich schräge, tragikomische Geschichte der beiden ungleichen Schiffbrüchigen, tiefsinnig und philosophisch, spannend und voller Fragen, von denen die Interessanteste am Ende des Buches aufkommt. Wenn nämlich der gerettete Pi im Krankenhaus in Mexiko von zwei Angestellten der japanischen Reederei über den Untergang des Tankers befragt wird, und Pi nicht nur die Geschichte seines Schiffbruchs mit Tiger erzählt, sondern auch noch eine andere, sehr viel bitterer und traurigere.
Der Leser entscheidet am Ende selbst, welche Version der Geschichte über Pis Schiffbruch er lieber glauben möchte.
Lest selbst. Und findet vielleicht eine erstaunliche Antwort auf die Frage nach der Wahrheit.
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Sabrina Zelezný: Kondorkinder – die Suche nach den verlorenen Geschichten

Wenn man Bücher hören könnte, dann klänge „Kondorkinder“ nach dem Wind, der über die Hochplateaus der Anden weht, und nach dem Flügelschlag eines mächtigen Vogels. Wenn ein Buch nach etwas riechen würde, dann röche „Kondorkinder“ nach Staub und Sonnenlicht, nach Mais und Lamawolle. Wenn ein Buch nach etwas schmecken würde, dann schmeckt „Kondorkinder“ ganz sicher nach Maisbier und Karamell, und auch ein bisschen nach Salz und Tränen, bittersüß und geheimnisvoll. „Kondorkinder“ erzählt von lebendigen Geschichten, von Gegensätzen und Vorurteilen, von Welten, die aufeinanderprallen und von dem Versuch, beide Welten auf friedliche Weisemiteinander zu verbinden. Es erzählt von einer Reise, die niemals endet und von einer Aufgabe, die mit jedem Schritt auf dem Weg ihrer Erfüllung größer wird.
„‚Bücher sind schön, Herr‘, heißt es im Klappentext, ‚Sie erzählen Geschichten. Sie sagen uns, wer wir sind. Sie sind gut, um nicht zu vergessen. Bücher sind unsere Seelen aus Papier. Aus Tinte. Darum ist Büchermachen gut, es ist Leben. Darum will ich Büchermachen lernen.‘ So bittet Yawar um eine Lehrstelle beim Meisterbuchbinder. Er sollte der Hüter des Spiegelbuches sein, das Zuflucht der Geschichten des Hochlandes ist. Doch dann wurde das Spiegelbuch zerstört, und die Geschichten streifen nun heimatlos umher. Im Auftrag der Berggötter muss Yawar ein neues Spiegelbuch schaffen. Bald ist das Ziel zum Greifen nah, aber er hat einen mächtigen Fluch auf den Fersen.“
Yanakachi hat nur ein Ziel – ihren Sohn Yawar zu beschützen, vor der Vergangenheit, vor einer möglichen Zukunft und vor der Macht des geschriebenen Wortes. Doch auch Yanakachi kann ihrer Vergangenheit nicht entfliehen. Als sie eines Nachts den verletzten Kondor vor ihrer Hütte findet, beginnt eine Geschichte, der weder Yanakachi, noch Yawar entkommen können. Yawar soll der Yuyaq sein, der Hüter des Spiegelbuches, in dem die alten Geschichten der Andenvölker aufgeschrieben stehen und wie ein Schatz gehütet werden, damit sie niemals in Vergessenheit geraten. Denn wer seine Geschichte verliert, das wissen die Rebellen, die sich Kondorkinder nennen, der verliert sich selbst. Yawar will sich der Aufgabe stellen – doch es kommt alles ganz anders. Das Buch wird zerstört, ein Fluch beginnt sein dunkles Leben und das einzige, was den Fluch abwenden kann, ist die Erschaffung eines neuen Spiegelbuches für die Geschichten, die in dem Augenblick, in dem das Buch vernichtet wurde, heimatlos wurden.
„Kondorkinder“ ist ein Roman voller Poesie. Er entführt den Leser in die Anden, in das Peru der spanischen Kolonialherrschaft, in der die Welt der Indios und die Welt der spanischen Macht aufeinanderprallen und gegensätzlicher nicht sein können. Er erzählt von dem Streben der Hochlandbewohner, sich selbst nicht zu verlieren unter dem Einfluss der Spanier, vom Bewahren alter Geschichten und dem Bewahren der eigenen Identität. Sabrina Zelezný schreibt so, dass man vom ersten Augenblick an in die Geschichte hineingesogen wird, so als sei „Kondorkinder“ selbst so eine lebendige Geschichte, die in das Spiegelbuch gehört. Man merkt der Autorin an, wie sehr sie die Andenwelt liebt und wie intensiv sie sich mit ihr befasst hat. „Kondorkinder“ ist spannend und poetisch, romantisch und bittersüß, zum Heulen traurig und zum Schreien komisch. Die Figuren schleichen sich in das Herz des Lesers, jede einzelne plastisch und lebendig – und in ihrem Handeln, so bitter es manchmal auch sein mag, nachvollziehbar. Der Abschied von Yanakachi, Yawar und Isabel, von Mismi und Sabancaya und vor allem von „Tschakka Alpaka“ Chaski fiel mir richtig schwer. „Kondorkinder – die Suche nach den verlorenen Geschichten“ ist ein Buch, das ich sicherlich nicht nur einmal lesen werde. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie es mit dem Spiegelbuch weitergeht. In „Kondorkinder – der Fluch des Spiegelbuches“.
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