Interview: Tanja Rast über Selfpublishing und „Königsmacher“

Danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!
1. Liebe Tanja, wer hier regelmäßig mitliest, kennt Dich ja schon – vielleicht magst Du dich trotzdem noch mal kurz vostellen?

Ich glaube, in einem früheren Leben wäre ich Barde oder Skalde geworden. Ich lebe mit Geschichten, fühle mich von kleinen, wild plappernden Ideen umzingelt und versuche eigentlich beständig, schnell genug zu schreiben, um keine von ihnen zu enttäuschen.
Sonst bin ich Schleswig-Holsteinerin aus Überzeugung, lebe auf dem wirklich platten Land umgeben von Äckern, Wiesen und Wäldern. Nachts höre ich Rehböcke bellen, und auf unseren schmalen Straßen kann einem schon mal ein renitentes Wildschwein die Weiterfahrt verbieten.

2. Du bist neuerdings unter die Selfpublisher gegangen. Was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Ich schreibe zu viel?
Ich arbeite hauptsächlich mit zwei wundervollen, engagierten Kleinverlegern zusammen. Deren Programm ist natürlich mengenmäßig begrenzt. Und da ich als neues Genre für mich Gay Fantasy Romance entdeckt habe, bot es sich nahezu an, mit diesem neuen Genre die für mich neuen Möglichkeiten des Selfpublishing zu probieren. Ich möchte gerne zu jenen gehören, die niemals nie sagen. Ich möchte Neues wagen. Wenn ich etwas nicht ausprobiert habe, kann ich mir kein Urteil dazu gestatten.

3. Dein erstes im Selbstverlag erschienenes Buch ist „Königsmacher“, eine turbulente, spannende und witzige Gay-Romance-Fantasygeschichte. Wie bist Du dazu gekommen, Gay Romance zu schreiben? Was fasziniert dich daran?

Das war für mich nicht unbedingt ein Quantensprung. Ich war schon immer ein Genre-Hüpfer. Ich habe mit High Fantasy angefangen, eine Zeitlang US-Agententhriller geschrieben (bis ich Klaxdonnersbüll und somit Dorf Fantasy für mich entdeckte), bevor ich dreizehn Vampirromane, diverse Kurzgeschichten aller möglichen Fantasyspielarten und zehn Heroic-Romantic-Fantasy-Romane schrieb. Immer wieder kamen dabei auch schwule Nebenfiguren vor.
Wer „Arrion“ und „Cajan“ gelesen hat, weiß, dass ich meine Helden gerne anschmachte, beziehungsweise sie von meinen Heldinnen anschmachten lasse. Oftmals gibt es wichtige Nebenfiguren, die schwul sind. Mich auf Gay Romance einzulassen, das Genre auszuprobieren und viel Spaß dabei zu haben, war eigentlich nur ein logischer Schritt.
Abenteuer im phantastischen Setting mit (manchmal) Elfen, Magie, Geistern, Explosionen und zwei wundervollen jungen Männern – klasse!

4. Selfpublishing macht vielen Autoren ein bisschen Angst. Der Aufwand, die Formatierungen, Steuerliches. Ist das alles wirklich so schwierig? Wie sind deine Erfahrungen?

So fürchterlich erfahren bin ich ja noch nicht. Aber ich war aufgeregt. Drei Formate – drei Portale. Die Portale, die die Veröffentlichungsarbeit unterstützen, werden zwar immer besser und autorenfreundlicher, trotzdem neige ich zur Panik „Ein falscher Klick, und das Internet explodiert“. Zum Glück hatte ich tatkräftige Hilfe, nicht nur durch meine wundervollen Betaleserinnen, meine Lektorin, meine Endkorrektorin und meine Coverfee. Sondern auch beim Erstellen der E-Books; den Buchsatz für die Taschenbücher kann ich alleine, und das macht mir auch sehr viel Spaß. Dann ging es um die drei Portale, und glücklicherweise wurde ich an die Hand genommen. Sehr schwer ist es eigentlich nicht, aber beim ersten Mal stellte eine hilfreiche Stimme im Kopfhörer eine große Erleichterung dar. Weiterlesen →

Interview: Katharina Seck über „Die Silberne Königin“ und andere Dinge

 

Liebe Kati, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast! (Foto: JB_Photographie)

 

Kati: Sehr gern! Vielen Dank für die Möglichkeit!

  1. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?

Kati: Ich bin gebürtige Westerwälderin und lebe in einer kleinen, mittelalterlichen Stadt mit sehr viel Atmosphäre und Wald. Dort arbeite ich im öffentlichen Dienst. Wenn ich nicht gerade arbeite oder schreibe, verbringe ich ganz viel Zeit mit Freunden, Familie, meinem Windhund, Netflix, Büchern, Büchern und Büchern. So oft es geht, versuche ich, Zeit am Meer zu verbringen, wo mein Hund, der ein ebenso passionierter Meerliebhaber ist wie ich, und ich durch Watt und Wasser spazieren.

 

  1. Was schreibst du am liebsten?

Kati: Die letzten Jahre habe ich mich vor allem auf meine Fantasy-Projekte konzentriert. Ich mag es, Welten zu erschaffen, mit Magie zu spielen und der Fantasie freien Lauf lassen zu können. Als Jugendliche habe ich mich selbst am liebsten mit Frodo, Harry Potter, Eragon und Sonea auf Lesereise begeben, daher hat sich für mich schon früh herauskristallisiert, dass die Phantastik auch eins meiner liebsten Schreib-Genre werden wird.

Neben Phantastik schreibe ich auch sehr gern realistische Stoffe, in denen es um Entwicklung, Vergangenheitsbewältigung, Liebe und vor allem um Lebensfreude geht. Im Herbst diesen Jahres wird also mein erster realistischer Roman erscheinen, der mir ganz besonders am Herzen liegt (Anmerkung der Redaktion: das freut mich ganz besonders, denn ich glaube, ich kenne diesen Roman, und er ist wirklich etwas ganz Besonderes, auf das sich alle Leser freuen dürfen).

 

  1. Wo schreibst du? Gibt es Orte, die dich inspirieren?

Kati: Tatsächlich entstehen 95 Prozent meiner Bücher in meiner Wohnung. Mein Zuhause ist mein ganz privater Rückzugsort, in dem ich ungestört und so auch am kreativsten sein kann. Die restlichen fünf Prozent schreibe ich dann dort, wo mein zweites Zuhause liegt: Am Meer.

Ich glaube, es gibt kaum etwas, das mich so sehr inspirieren kann, wie wildes Wellentreiben, Wind, eine salzige Brise und das ozeanblaue Wasser.

 

  1. Aktuell erobert gerade „Die silberne Königin“ aus Deiner Feder den Buchmarkt – ein wunderbares, verzauberndes und poetisches Buch, das, wie ich finde, auch einen klaren Bezug zu unserer eigenen immer mehr erkaltenden Welt hat. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Kati: Meine Romane entstehen immer mit einem Bild, das sich in meinem Kopf formt. Oft ist es eine atmosphärische Landschaft, ein besonderer Ort, ein magisches Setting. Dazu entwickeln sich dann die Figuren, die in eben dieses Setting passen und in kein anderes. Erst dann baue ich den Plot und die eigentlich Geschichte auf. Silberglanz, also die Stadt, in der „Die silberne Königin“ angesiedelt ist, hat eine winzige Ähnlichkeit mit dem historischen, liebevoll gepflegten Stadtkern meiner Heimatstadt im tiefsten Winter.

 

  1. Du schreibst Fantasy – Was fasziniert dich gerade am Phantastischen?

Kati: Die Möglichkeit, tausend neue Welten zu erschaffen. Tausend neue Welten, die jeder bereisen kann, ganz gleich, wo er sich gerade befindet. Es gibt keine Grenzen, nur Möglichkeiten.

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Interview: Alana Falk

Alana Falk

Alana Falk

Tina quatscht mal wieder. Heute mit Alana Falk, der Autorin mit den drei Namen und den drei Genres. Was sich dahinter verbirgt, was Alana schreibt und wie sie arbeitet, das erzählt sie euch am besten selbst. Viel Spaß!

Liebe Alana, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!

1. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
Ich bin eine total verrückte, chaotische Münchnerin. Wenn ich nicht schreibe oder an einem Buch arbeite, dann sehe ich zu viel Netflix, ich bin ein furchtbarer Serienjunkie. Meine absolute Lieblingsserie ist Doctor Who. Oder ich gehe in die Berge. Ich liebe es, wenn sich die Alpen vor mir auftürmen, da kann ich sofort freier atmen. Gelegentlich nähe ich auch, ich habe vor, mir für die Doctor Who Convention im Oktober ein Kostüm zu nähen.

2. Was schreibst du am Liebsten?
Ich schreibe am liebsten Liebesgeschichten aller Art. Egal, ob das Buch gerade Fantasy, Erotik oder ein zeitgenössischer Liebesroman ist, ich brauche eine gute Liebesgeschichte mit viel Konflikt, sonst entsteht beim Schreiben kein Sog. Abgesehen davon schreibe ich alle meine Genres gleich gerne, ich brauche die Abwechslung und könnte mich nie auf eins festlegen. Der ständige Wechsel tut meiner Kreativität sehr gut, die Genres befruchten sich gegenseitig. Ich nenne es die schriftstellerische Dreifelderwirtschaft.

3. Wo schreibst du? Gibt es Orte, die dich inspirieren?
Oh ja, das passiert sogar sehr häufig. Orte mit Atmosphäre geben mir Ideen ein oder wecken den Wunsch, als Setting benutzt zu werden. Wenn ich keine passende Geschichte dafür habe, muss ich eben eine erfinden. Zu meiner Seelenmagie-Reihe hat mich ein schmiedeeisernes Tor inspiriert, das scheinbar nirgendwohin führte. Die Frage, was wohl dahinterliegt, hat mich eine Autofahrt lang beschäftigt und am Ende hatte ich die Grundzüge von Unendlich – Seelenmagie 1 im Kopf.

4. Demnächst erscheint dein Buch „Die Tage, die ich dir verspreche“. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?
Ich glaube, das Thema Organtransplantation beschäftigt mich unterbewusst schon sehr lange. Ich hatte mal über das Internet Kontakt mit einer Mutter, deren Sohn ein neues Herz bekam und habe mitbekommen, dass nach der Transplantation meistens ein ganz neuer Leidensweg für die Menschen beginnt. Als ich dann nach einer Idee für den Schreibwettbewerb von Droemer Knaur suchte, sah ich zufällig eine Folge einer Fernsehserie bei der die Organtransplantation wieder einmal als Happy End dargestellt wurde und der Patient nach 3 Tagen gesund durch die Gegend sprang. Diese Darstellung findet man leider häufig und ich wollte gerne mal darüber schreiben, wie es wirklich ist. Ich hatte dann recht schnell Gwen im Kopf, die nach einer Herztransplantation nicht mit den Schuldgefühlen und dem Erwartungsdruck zurechtkommt, und ihr neues Herz wieder verschenken möchte. Zuerst dachte ich, die Idee wäre viel zu durchgeknallt, um irgendwen zu interessieren, aber meine Lektorin bei Knaur hatte sofort Interesse und hat glaube ich von Anfang an viel mehr als meine Idee geglaubt als ich.

5. Du schreibst gern romance – was fasziniert Dich daran, Liebesgeschichten zu schreiben?
In meinen Geschichten stehen die Beziehungen zwischen den Figuren und die persönliche Entwicklung meiner Protagonisten im Vordergrund. Ich finde, dass Liebesgeschichten sich für so eine intime Darstellung besonders gut eignen, da man sehr nah an den Figuren ist. Die Liebe bringt uns dazu, uns völlig zu entblößen, uns zu verändern und hoffentlich irgendwann einander zu vertrauen. Den Weg dahin finde ich faszinierend und spannend. Außerdem mag ich persönlich Herzschmerz sehr gerne. Ich mag deswegen auch Bücher am liebsten, die richtig in der Seele wehtun. Vielleicht weil ich privat zum Glück kaum Herzschmerz kriege. Es ist eben meine Art der Realitätsflucht. 😉

6. Eins meiner Lieblingsbücher aus deiner Feder ist „Bis ins Herz der Ewigkeit“. Wie bist Du auf die Idee zu den „Gaben“ gekommen, die darin eine große Rolle spielen?
Oh danke, das ist nett von dir! Es ist auch eines meiner Lieblingsbücher. Ich mag besonders das Magiesystem und hoffe, dass ich irgendwann eine weitere Geschichte damit schreiben kann. Ich habe dafür auch schon Ideen und habe die Figur der Friedhofswächterin von Anfang an so angelegt, dass sie irgendwann ihre eigene Geschichte bekommt. Wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, vielleicht schon relativ bald. Also … in drei oder vier Jahren. *g* Wie ich genau auf die Idee gekommen bin, weiß ich ehrlich gesagt schon nicht mehr, aber es ist auf jeden Fall eine Idee, die ihren Ursprung in der Medizin hat, da die Magie der Gabe sich ja sozusagen als drittes Kreislaufsystem im Körper manifestiert.

7. Wenn Du Sarah einmal persönlich treffen würdest, was würde sie dir sagen?
Puh, das ist echt schwer. Vielleicht: Was fällt dir ein, mir so was anzutun? *lach*

8. Du schreibst unter verschiedenen Pseudonymen. Magst du uns verraten, als „wer“ Du auf dem Buchmarkt noch anzutreffen bist?
Klar. Außer als Alana Falk schreibe ich noch Erotik als Emilia Lucas und zeitgenössische Liebesromane, die in Richtung Jojo Moyes gehen, als Lily Oliver.

9. Gibt es ein Genre, das du niemals schreiben würdest? Warum nicht?
Ach, ich würde niemals wirklich nie sagen. Ich merke jetzt schon, dass sich mein Geschmack beim Schreiben ändert und ich Interesse und Lust an Themen entwickle, die mich früher nie interessiert hätten. Zum Beispiel merke ich immer mehr, wie interessant ich nicht nur romantische Beziehungen, sondern zwischenmenschliche Beziehungen im Allgemeinen finde. In Seelenmagie habe ich viel Platz auf die Beziehung zwischen Cay und seinen Brüdern verwendet, weil ich das als Dynamik unheimlich spannend finde und es für die Liebesbeziehung auch eine große Rolle spielt. Aber ich merke auch immer wieder: ohne Liebesgeschichte geht es nicht. Oder jedenfalls nicht gut. Ich denke daher, dass ich alles ausschließen würde, was ohne Liebe ist. Im Moment reizen mich Thriller und Horror nicht, ich glaube auch nicht, dass das jemals kommt, aber wer weiß das schon. Immerhin habe ich seit Langem einen kleinen Traum, der genretechnisch ein ziemlicher Ausreißer wäre: ich würde unheimlich gerne mal eine Folge für Die drei Fragezeichen schreiben. Und zwar ganz ohne Liebe. 😉 Denn ich bin ein ganz großer Fan.

10. Hast Du Vorbilder, wenn es ums Schreiben geht?
Joanne K. Rowling. Klingt witzig, weil ihre Bücher im Prinzip ohne Liebe auskommen. Aber für mich ist Harry Potter eines der größten literarischen Meisterwerke aller Zeiten. Die Bücher sind handwerklich unglaublich gut gemacht, die Darstellungen der einzelnen Figuren sind zum Niederknien. Die Plots sind unfassbar komplex, aber so genial simpel erzählt, dass man sie sofort versteht. Ich höre Harry Potter ungefähr einmal im Jahr komplett durch und es ist für mich eine nie enden wollende Quelle der Inspiration und Motivation. Der beste Schreibratgeber der Welt, in jedem Absatz steckt eine Lektion. Jedes Mal, wenn ich die Bücher höre, entdecke ich etwas Neues, was handwerklich genial gut gemacht ist, dann überlege ich, warum das so gut funktioniert und wie ich das für mich nutzen kann.
Ein weiteres Vorbild ist für mich auf jeden Fall Anna Campbell. Ihr Roman „Claiming the courtesan“ ist für mich das Paradebeispiel eines genialen Liebesromans. Düster, romantisch, schmerzhaft, sexy, ohne einfache Lösung. Wunderschön. Den habe ich auch schon ganz oft gelesen. Besonders ihre ersten Bücher sind grenzwertig und sehr gewagt, aber gerade deshalb so gut. Sie ist die Königin der schrecklichen Backstorys, die die Figur definieren und ihre Handlungen erklären, ohne übertrieben oder gewollt zu wirken. Besonders in ihrem Buch Captive of Sin hat sie mich richtig geschockt. Ich glaube, danach habe ich ein paar Tage kein anderes Buch angefasst, weil es mich einfach nicht losgelassen hat. Und genauso mag ich es.

11. Hast Du einen (oder auch zwei…) Tipps für Autorinnen/Autoren, die darüber nachdenken, ihr Werk zu veröffentlichen?
Ich glaube, dass man heute als Autor viel mehr Möglichkeiten hat als früher. Deswegen rate ich jedem, der mich fragt: sei selbstbewusst, verkauf dich nicht unter Wert. Das bezieht sich allerdings nicht unbedingt auf Geld. Beinahe jedes Veröffentlichungsszenario hat seine Daseinsberechtigung und kann für den Autor eine tolle Erfahrung sein. Ich habe selbst mein Debüt „Die blutroten Schuhe“ ein einem Kleinstverlag veröffentlicht und habe es nie bereut, weil die Zusammenarbeit großartig ist und wir ein wunderschönes Buch zusammen gemacht haben. Aber man sollte sich genau bewusst machen, was man sich von einem bestimmten Weg erwartet und wie wahrscheinlich es ist, dass man das bekommt. Ich bin zum Beispiel der festen Überzeugung, dass sich nicht alle Bücher fürs Selfpublishing eignen und Selfpublishing keineswegs der leichte Weg zum Erfolg ist. Für bestimmte Genres kann es aber der beste Weg sein. Deswegen sollte man sich sehr gut überlegen, wohin das eigene Buch am besten passt. Wenn man sich für die Veröffentlichung in einem Verlag entscheidet, sollte man sich sehr genau schlau machen, was das bedeutet, was für ein Verlag das ist und wie dort gearbeitet wird. Verträge sollte man sich genau durchlesen, Kollegen befragen und sich auf keinen Fall auf schlechte Konditionen einlassen, nur damit ein Verlagsname auf dem Buchcover steht. Man sollte es sich als Autor wert sein, nur mit solchen Partnern zusammen zu arbeiten, die einen auch wertschätzen und einem das zeigen, indem sie faire Verträge anbieten. Heutzutage ist Selfpublishing so eine gute Option geworden, die nicht nur zu großem Erfolg führen, sondern auch Türen öffnen kann, dass wir Autoren es nicht mehr hinnehmen sollten, Verträge abzuschließen, die uns Bauchschmerzen machen.

12. Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?
So ungefähr 5 kg? Nein, im Ernst, ich freue mich, dass du an mich gedacht hast und danke dir sehr für die interessanten Fragen.

Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview!
Mehr über Alana erfahrt ihr auf ihrer Webseite.

Interview: Leann Porter („Die Sturmfalken von Olbian“)

IMG_7273 Liebe Leann, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!

1. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
Eigentlich heiße ich Stefanie, reagiere mittlerweile aber auch auf Leann, und wohne in einem Dorf im Münsterland. Wenn ich mal nicht schreibe, jogge ich gerne durch den Wald (wobei ich meistens über meine Geschichten nachdenke) oder lese. Außerdem spiele ich unglaublich schlecht Klavier, aber es macht Spaß. Ich reise gerne durch die Welt und liebe es, (für mich) neue Länder zu entdecken, zur Zeit besonders gerne Asien. Dort gehe ich auch gerne Tauchen. Mindestens ein Mal im Jahr fahre ich nach Irland, das ist für mich einfach das schönste Land der Welt und ich kann mich nirgendwo sonst so gut erholen.

2. Was schreibst du am Liebsten?
Alles, was ich gerne lese. Ich mag es, verschiedene Genre auszuprobieren. An einen reinen Krimi habe ich mich noch nicht herangewagt, da ich dafür sorgfältig planen und plotten müsste, was mir nicht so liegt. Allerdings sind in einigen meiner Romane Krimielemente enthalten, wie in „Die Sturmfalken von Olbian“ und „Küss mich, Bodyguard“. Genau wie beim Lesen brauche ich beim Schreiben Abwechslung. Nach einem Fantasyroman schreibe ich dann z.B. gerne eine Liebesgeschichte ohne Fantasy. Ich muss allerdings zugeben, dass in all meinen Geschichten Liebe vorkommt. Ohne geht es bei mir nicht. Also am liebsten über Liebe.

3. Wo schreibst du? Gibt es Orte, die dich inspirieren?
Ich schreibe im Sommer am liebsten mit Netbook auf dem Balkon und im Winter am Schreibtisch, da kann ich dann meine tolle mechanische Tastatur benutzen, oder auf dem Sofa. Inspirierende Orte sind für mich vor allem Orte draußen in der Natur (Ausnahme Bangkok, diese Stadt fasziniert mich). Besonders in Irland habe ich immer viele Ideen und erlebe eine Klarheit und Ruhe, die mir im Alltag oft fehlt.

sturmfalken_4. Aktuell erobert gerade „Die Sturmfalken von Olbian“ aus Deiner Feder den Buchmarkt. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?
Der Roman spielt in meiner Fantasywelt Danu, zu der mich irische Legenden über die Sidhe inspiriert haben. Meinen ersten Ausflug dorthin machte ich Ende 2012 und schrieb eine Geschichte, in der eine Frau aus unserer Welt durch ein Portal unfreiwillig nach Danu gelangt. Mit ihr zusammen habe ich einen Teil der Welt entdeckt und wollte für einen längeren Aufenthalt zurückkehren, was ich dann mit den „Sturmfalken“ getan habe. Als ich anfing, die „Sturmfalken“ zu schreiben, hatte ich nicht viel mehr als die Geschichte eines Jungen, der einem Falken das Leben rettet. Die spukte mir schon seit Jahren im Kopf herum. Bei mir beginnt immer alles mit meinen Helden. Die schicke ich dann auf Abenteuerreise und bin selbst gespannt, was sie alles erleben. Für die „Sturmfalken“ habe ich Jawed und Kaylin in die Goldene Stadt Sanka fahren lassen, das war mein Grundgerüst, und ich hatte beim Schreiben richtig viel Spaß mit ihnen.

5. Du schreibst gern gay romance – was fasziniert Dich daran?
Den Begriff „Gay Romance“ mag ich nicht besonders. Mir ist schon klar, dass viele Leser Etiketten auf Büchern haben möchten, damit sie wissen, was sie erwartet. Aber Romanzen mit heterosexuellen Paaren brauchen ja auch keinen „Warnhinweis“. Ich schreibe über Menschen. Die sind homo-, hetero-, intersexuell etc., aber das sind nur Teile ihrer Persönlichkeiten. Ich hoffe, dass irgendwann nicht-heterosexuelle Figuren in Romanen so alltäglich und selbstverständlich sind, dass man keine speziellen Hinweise mehr benötigt. Ich schreibe gerne über Liebe in all ihren Facetten, und manchmal sind meine Helden gay.

6. Wenn Du Jawed einmal persönlich treffen würdest, was würde er dir sagen?
Da ich gegenüber Jawed einen für mich untypischen Beschützerinstinkt entwickelt habe, würde er mir bestimmt versichern, dass er gut auf sich aufpassen kann und zurechtkommt. Und mir erzählen, dass er ja schließlich jetzt ein wilder D’Enai-Kämpfer ist. Naja … ich werde ihn im Auge behalten.

7. Ich mag dein Konzept der „sidhe metra“. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?
Tatsächlich war ich der Meinung, dass ich mit den Sidhe Metras eine total innovative Idee hatte. Gleichzeitig war mir klar, dass ich dank ihnen vermutlich nie einen Verlag für meine Danu-Roman finden würde. Ich bin sehr froh, dass der Dead Soft Verlag es trotzdem gewagt hat. Mein Verleger hat mir zu meinem Erstaunen erzählt, dass es sogar schon Bücher mit ähnlichen Figuren wie den Sidhe Metra gibt! Also von wegen innovativ …
Wie so oft weiß ich nicht mehr genau, wie ich auf die Idee gekommen bin. Da ich sehr figurenzentriert schreibe, hat sich vermutlich irgendwann jemand in meine Geschichten geschlichen, der ein Sidhe Metra ist. Ich finde es spannend, unterschiedliche Gesellschaftsformen zu beleuchten, besonders den Umgang mit dem, was auf den ersten Blick fremd und ungewöhnlich ist. Die Sidhe Metra haben in vielen Ländern Danus keinen leichten Stand, in einigen werden sie jedoch respektiert und wertgeschätzt, z.B. in Sanka. Doch auch dort bahnen sich Konflikte an, die ich in weiteren Romanen ausloten möchte. Mir gefällt das Konfliktpotential, dass die Sidhe Metra bergen und auch Fragen wie „Was wird als typisch männlich und weiblich angesehen und was passiert, wenn die Grenzen verschwimmen?“

8. Die „Sturmfalken“ sind nicht deine einzige Veröffentlichung. Magst Du ein bisschen darüber plaudern, was Du sonst noch geschrieben bzw. in der Schublade hast?
Ich habe bisher auch einige Liebesromane ohne Fantasy geschrieben, z.B. „Sleepless in Bangkok“, wozu mich meine Reisen inspiriert haben, „Cooler als Caipirinha“, das an der Nordsee spielt, oder meinen Liebling „Fleckenteufel und Drachentöter“, aber mein Herz gehört der Fantasy, besonders meinen Danu-Romanen. Zur Zeit schreibe ich an einem weiteren Danu-Roman, dessen Handlung sich direkt an „Die Sturmfalken von Olbian“ anschließt. In der Schublade habe ich unter anderem einen Liebesroman, den ich sehr mag, mit dem ich mich aber noch nicht auf Verlagssuche begeben habe. Es ist eine Liebesgeschichte im Road-Movie-Stil, die in Irland spielt.

9. Gibt es ein Genre, das du niemals schreiben würdest? Warum nicht?
Spontan fällt mir da „Horror“ ein. Ich schreibe das, was ich auch gerne lese, und Horror ist nicht mein Fall.

10. Hast Du Vorbilder, wenn es ums Schreiben geht?
Für mich ist jeder Autor ein Vorbild, der mit seinen Geschichten die Herzen der Leser berührt, unabhängig vom Genre oder kommerziellen Erfolg.

11. Hast Du einen (oder auch zwei…) Tipps für Autorinnen/Autoren, die darüber nachdenken, ihr Werk zu veröffentlichen?
Ich setze mal voraus, das Werk ist fertig und überarbeitet. Damit ist schon ein wichtiger Schritt getan. Mir ist es jahrelang nicht gelungen, ein Manuskript zu beenden. Ich empfehle, die Verlagsprogramme genau anzusehen und wenn möglich ein paar Bücher der Verlage zu lesen, die in die engere Wahl gekommen sind. So bekommt ihr ein ganz gutes Gefühl dafür, ob euer Roman zu dem Verlag passt. Und sucht Kontakt zu anderen Menschen, die gerne schreiben, z.B. über Internetforen. Ich bin z.B. Mitglied im „Tintenzirkel“ und habe dort nicht nur viel gelernt, sondern vor allem viele liebe Gleichgesinnte getroffen, die mir über so manche Zweifelphase hinweghelfen und mir Mut machen, nicht aufzugeben. Gebt nicht auf, liebt eure Geschichten!

12. Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?
Danke für die Einladung zum Interview! Es hat Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten. Und was ich noch loswerden möchte: Ein ganz großes Dankeschön an meine Leser. Eure Rückmeldungen bedeuten mir sehr viel und es macht mich glücklich, meine Geschichten mit euch zu teilen.

Liebe Leann, ich danke Dir für dieses Interview und wünsche Dir ganz viel Erfolg mit den „Sturmfalken“!

Interview: Svea Lundberg („Kristallschnee“)

Letzte Woche habe ich euch Svea Lundbergs Roman „Kristallschnee“ vorgestellt, jetzt meldet sich Svea hier im Blog selbst zu Wort.

Profilbild_Svea_(800_x_600) Liebe Svea, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!
1. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
Die Frage nach dem Wer beantworte ich zunächst mal mit „ich bin Julia Fränkle und Svea Lundberg ist mein Pseudonym“. Aber egal ob Julia oder Svea, ich lebe zusammen mit meinem Mann in der Nähe von Stuttgart. Wenn ich nicht am Laptop sitze, verbringe ich Zeit auf dem Pferderücken oder lasse bei ausgedehnten Spaziergängen, beim Backen oder beim Yoga die Seele baumeln.
2. Was schreibst du am Liebsten?
In Bezug auf das Genre bin ich nicht genau festgelegt, von Contemporary bis Fantasy ist fast alles dabei. Was sich aber in beinahe jeder meiner Geschichten widerfindet, ist eine nicht geradlinig verlaufende Liebesgeschichte. Emotionen aller Art sind ein Muss.
3. Wo schreibst du? Gibt es Orte, die dich inspirieren?
Der Schreibprozess an sich sieht bei mir ganz unspektakulär aus: Ich sitze mit meinem Laptop am Schreibtisch im Büro. Vorab lasse ich mich aber gerne inspirieren – beim Reiten, beim Yoga, draußen in der Natur oder bei einem schönen Schaumbad.
4. Aktuell erobert gerade „Kristallschnee“ aus Deiner Feder den Buchmarkt. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?
kristallschneeDa ich mit einem Polizisten verheiratet bin, wollte ich schon immer mal einen Roman schreiben, in dem es viel um realitätsnahe Polizeiarbeit geht. Mit diesem Ziel im Hinterkopf habe ich die Figur Jannis entwickelt. Und dann war da noch dieses kleine, blonde Mädchen in meinen Gedanken und ein einzelner Satz: „Daddy liebt den Kristallschnee mehr als mich.“
5. Du schreibst gern gay romance – was fasziniert Dich daran?
Es ist gar nicht so sehr die Faszination für dieses bestimmte Genre, sondern vielmehr geht es mir darum, interessante Figuren zu entwickeln. In vielen Fällen kommen dabei dann eben schwule Männer heraus. Ich finde, dass queere Figuren in allen Facetten in der Literatur noch viel selbstverständlicher thematisiert werden sollten, als es momentan der Fall ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mich mit dem Gedanken an ein neues Projekt setze, ich müsse jetzt unbedingt über ein schwules Paar schreiben. Genauso oft sind meine Protas hetero oder lesbisch oder … Ich entwerfe einfach Figuren und sehe dann, in welche Richtung es geht. Dabei spielt die sexuelle Orientierung nur eine untergeordnete Rolle.
6. Wenn Du Felix einmal persönlich treffen würdest, was würde er dir sagen?
Dass ich aufhören soll, ständig sein Seelenleben analysieren zu wollen. Und ich bräuchte mich gar nicht in seine Beziehung einmischen, er wisse schon, was er da tut.
7. Magst Du ein bisschen darüber plaudern, was Du sonst noch geschrieben bzw. in der Schublade hast?
Gerne. Wie schon angedeutet, schreibe ich auch sehr gerne Fantasy. Der erste Teil eines Fantasy-Zweiteilers (oder vielleicht werden es doch drei Bände) erscheint im Juli diesen Jahres beim dead-soft-Imprint „tensual publishing“. Der Roman ist eine Mischung aus politischer Intrige und Liebesgeschichte (übrigens hauptsächlich mit Hetero-Pärchen), angereichert mit einer Portion Magie und Blut. Ansonsten arbeite ich gerade an einer Fortsetzung zu „Kristallschnee“ und warte darauf, dass meine Testleser mir das Go für mein Gay-Drama geben, welches ich vor kurzem beendet habe.
8. Gibt es ein Genre, das du niemals schreiben würdest? Warum nicht?
Es gibt sogar drei: historischer Roman, Horror und Thriller. Nicht, weil ich die Genres nicht mag – ich lese sehr gerne mal einen Thriller – aber mir fehlt schlichtweg das Talent für diese Art der Literatur. Und reine Erotik ist ebenfalls nicht mein Ding. Ich spare nicht mit expliziten Inhalten, aber im Vordergrund sollten doch immer ein interessanter Plot und die Charakterentwicklung stehen.
9. Hast Du Vorbilder, wenn es ums Schreiben geht?
Ganz klar: J.R.R. Tolkien und Bernhard Hennen im Fantasy-Bereich. Sie sind in gewisser Weise Schuld an meiner Liebe zu Elfen. Ansonsten lese ich gerne mal Klassiker wie Kafka oder Döblin, würde diese jedoch nicht als literarische Vorbilder bezeichnen.
10. Hast Du einen (oder auch zwei…) Tipps für Autorinnen/Autoren, die darüber nachdenken, ihr Werk zu veröffentlichen?
Sucht euch Testleser! Und zwar niemanden aus der Familie, sondern unabhängige Leser, die sich nicht scheuen, euer Werk auseinanderzunehmen. Derartige Kritik tut am Anfang weh, hilft aber in den meisten Fällen weiter. Außerdem finde ich Autorenforen sehr hilfreich, weil man dort wichtige Infos zum Verlagswesen, zum ersten Exposé etc. abstauben kann. Mir selbst hat der „Tintenzirkel“ auf dem Weg zur Veröffentlichung sehr weitergeholfen.
11. Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?
Ja, vielen Dank, dass du mich zum Interview eingeladen hast! Ich freue mich immer sehr, mit anderen Autoren, Bloggern und natürlich Lesern in Kontakt zu kommen.

Liebe Svea, ich danke Dir für dieses Interview und wünsche Dir ganz viel Erfolg mit „Kristallschnee“!

Zum Erscheinen des Romans „Arrion“: Ein Interview mit Autorin Tanja Rast

Tanja Rast Bild 2Die erste Romanveröffentlichung ist immer etwas ganz Besonderes. Ich möchte hier ein bisschen feiern, werben und Fähnchen schwenken, denn Tanja Rasts „Arrion“ ist ein ganz und gar außergewöhnlicher und im wahrsten Sinne des Wortes großer Held, dem ich eine ebenso große Leserschaft wünsche. Mit Wortwitz, feinem Humor und einem grandiosen Gefühl für die richtige Mischung aus Action und Gefühl entführt „Arrion“ in eine Fantasywelt voller faszinierender Mystik und wildem Schlachtengetümmel. 11120961_1140977132595440_1054655630_n Liebe Tanja, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!

Tina: Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
Tanja: Ich bin ein Landei. Ich wohne da, wo kaum jemand hinfindet, weil die Leute nach dem Hintern der Welt aufgeben. Da kann niemand mehr wohnen. Doch, noch einen Kilometer weiter. Ich bin Schleswig-Holsteinerin aus Leidenschaft und stolz auf den Bungsberg – die höchste Erhebung dieses Bundeslandes. Ich bin sogar so tapfer, die immense Gipfelhöhe von 168 Metern ohne Sherpa zu bezwingen. Natürlich hat Schleswig-Holstein es auch in einige meiner Kurzgeschichten geschafft.
Auf meinem Hof wuseln Hunde, Katzen und Pferde bevorzugt durcheinander, und sie haben alle auf die eine oder andere Weise schon für Recherche herhalten müssen. Ohnehin ist angewandte Recherche eines meiner Hobbys. Kommt man mit Handschellen eine Leiter hinauf? Wie funktioniert eigentlich Geheimtinte? Und was macht ein Streitkolben mit einem Kohlkopf?

Tina: Dein Genre ist „Heroic Romantasy“. Du fasst das mit den schönen Worten „Schlachten und Schmachten“ zusammen. Was genau dürfen Deine Leserinnen und Leser sich darunter vorstellen? Und überhaupt: Romantasy. Das klingt, als würdest Du in erster Linie ein weibliches Publikum ansprechen. Ist das so?
Tanja: Ich habe schon immer gerne das Brachiale mit dem Romantischen verknüpft. Ich mag Helden, die sich in die Bresche werfen und auch mal etwas auf die Nase bekommen, die schwitzen, bluten und fluchen. Über die man durchaus auch einmal lachen darf, wenn das gewaltige Ego einen Tiefschlag erleidet. Doch geben meine Helden selbst dabei freundlicherweise eine wundervolle Projektionsfläche für die Bewunderung meiner Heldin ab. Das heißt aber nicht, dass meine Heldinnen verzweifelte Jungfrauen in Not sind, die händeringend in Gefahr herumsitzen und sich retten lassen. Sie stellen ein vollwertiges Pendant zu meinem Helden dar und retten durchaus auch mal sich selbst – oder den Helden.
Ich versuche, die Balance zwischen rosarot und blutrot zu finden, und ja: Ich denke, dass meine Romane vorwiegend Frauen ansprechen, nicht umsonst nenne ich meinen Genremix auch „Conan für Frauen“, obwohl ich auch begeisterte männliche Testleser hatte. Deswegen ist mir die Gratwanderung so wichtig. Und sie macht (nicht nur) mir Spaß!
Und ganz ehrlich? Ein Kuss, wenn der Held blutbeschmiert, verschwitzt und noch ziemlich atemlos ist (und der Muskelkater schon seine Vorhut schickt) – hat was!

Tina: „Arrion“ ist der erste wirklich „große“ Roman, den Du veröffentlichst. Was war das für ein Gefühl, als Jürgen Eglseer vom Amrûn-Verlag Dir die Zusage schickte?
Tanja: Jürgen macht keine Schnörkel, Schleifen oder bunte Girlanden. Die Zusage kam erfrischend knackig bei mir an. Ich habe trotzdem die Mail an die viermal gelesen, bis mein Verstand diese Nachricht wirklich annahm. Ein unglaubliches Gefühl. Eine Mischung aus Euphorie, tiefster Zufriedenheit und … Mutterglück, fürchte ich.

Tina: Wie bist Du auf die Idee zu „Arrion“ gekommen?
Tanja: Arrion ist im NaNoWriMo 2010 entstanden. Ich hatte vorher fröhlich an meiner 13bändigen Vampirreihe geschraubt und wurde von zwei Autorenfreundinnen zum NaNo überredet. Ich habe die beiden als irrsinnig bezeichnet und mich trotzdem überreden lassen. Dann wurde mir klar, dass ich mit einem nagelneuen Projekt starten will und muss. Ein Genrewechsel erschien mir reizvoll, und da ich auch in der Vampirreihe schon Romantik mit spontanen Gewaltausbrüchen kombiniert hatte, lag Heroic Romantic Fantasy zum Greifen nahe.
Eigentlich wollte ich nur einen lustigen Roman schreiben, der mich zum Lachen mit und vor allem über meinen Helden bringt. Ein Monat Schreibwahnsinn (das erklärte Ziel des NaNo sind 50.000 Wörter an einem neuen Roman) mit Spaß kombinieren. Klang nach einer guten Idee, bis mein lieber Arrion immer mehr Ecken und Kanten bekam, ein Ego entwickelte, das für zwei Kerle seiner Größe reichte (mindestens!), und der Roman unvermutet einen Schwenk in Richtung Dunkelheit unternahm.
Erklärend sollte ich hinzufügen, dass ich Bauchschreiberin bin, also nicht groß und vor allem nicht feinteilig im Voraus plane. Ich kenne mein Heldenpaar, die Ausgangslage, den Konflikt und das Ende. Stehe ich also am Anfang des Schreibens, tut sich vor mir ein wunderschönes, meist mit Nebel – oder in Arrions Fall mit Dunst von den Wasserfällen – gefülltes Tal auf. Aus dem weißen Wogen ragen Felsspitzen oder Türme. Und ich darf mich von einem zum anderen hangeln und meinen Helden verfolgen, der mir an körperlicher Fitness natürlich weit voraus ist.
Ich entdeckte Arrions andere Seite, die er mit Selbstbewusstsein, Charmeoffensive und Kriegsaxt zu verbergen sucht. Ab da lief der Roman wie ein Flächenbrand voran.

Tina: Und wie kamst Du auf diese … scheußlich schöne Nebenwirkung beim Küssen?
Tanja: Daran ist Arrion selbst schuld. Wer eine Geistersängerin fünf Minuten nach dem ersten Treffen angräbt, als ob es keinen Morgen gäbe, muss damit rechnen, dass die liebende Autorin dem überbordenden Selbstbewusstsein des Helden eine Grube gräbt.
Was ich mache, mache ich gründlich.

Tina: Wenn Du Arrion persönlich treffen würdest, was würdest Du ihm sagen? Und was er Dir?
Tanja: Ähm. Muss das sein? So gerne ich den Charmebolzen aus der Ferne beobachte und ihm begeistert zusehe, wie er ein Schlachtfeld aufrollt … Nein, ehrlich, ich würde ihm sagen, wie stolz ich auf ihn bin und dass ich ihn wirklich lieb habe.
Und Arrion? Oh, er würde mir jede an ihm begangene Gemeinheit (auch die eingebildeten, die er sich selbst zuzuschreiben hat) und Grausamkeit vorrechnen. Nein, nicht gut!

Tina: Ich weiß, dass „Arrion“ nicht Dein einziger Roman ist. Magst Du ein bisschen darüber plaudern, was Du sonst noch so in der Schublade hast?
Tanja: Die entkommen gerade alle der Schublade, habe ich das dumpfe Gefühl. „Cajan“ – mein Halbelf mit der Höhenangst und einem schier unlösbaren Auftrag – und „Roveon“ – seines Zeichens Feuermagier und Egoist reinsten Wassers – haben schon einen Schritt getan, und der Rest lauert nur auf eine Chance.
Was habe ich alles dabei? Einen frömmelnden Mönch, der nicht mit dem Herzen mit seinem Kloster verbunden ist, sondern lieber wieder Marschall wäre. Eine Mumie. Mit knackigem Hintern und grünem Feuer in den Iriden. Zwei Kriegsgötter – ein echter, einer nur dem Namen nach. Ein gefallener Paladin, ein Kardinal, der erleben muss, dass Magie lebendig ist und überaus besitzergreifend. Ein wenig wie ein Rudel verspielter Welpen. Und ebenso rücksichtslos.

Tina: Heroic Romantasy ist eine Seite der Tanja Rast. Was schreibst Du sonst noch?
Tanja: Schleswig-Holstein prunkt nicht nur mit dem Bungsberg, sondern auch mit Haithabu und dem Danewerk, mit Runensteinen und einer Geschichte als Wikingerland. Ausflüge in die Mythologie der Nordmannen gehören für mich einfach dazu.
Sonst schreibe ich hin und wieder sehr gerne Kurzgeschichten, wobei meine Bandbreite da von zuckersüß bis schauderlich-gruselig reicht. Nachdem ich mir jahrelang eingeredet habe, keine Kurzgeschichten schreiben zu können, empfinde ich mittlerweile einen solchen Kurztrip in eine andere Welt als sehr erfrischend und mitunter auch als Abwechslung zu ausgewachsenen Romanen.

Tina: Hast Du andere Autoren als Vorbilder? Wenn ja, wen? Was magst Du an ihm/ihr ganz besonders?
Tanja: Als Vorbilder wage ich sie kaum zu bezeichnen.
Georgette Heyer, Autorin einer ganzen Reihe von Liebesromanen gesetzt in der britischen Regency-Epoche. Ich bewundere die absolut saubere Recherche, die diesen Werken zugrunde liegt. Ernährung, Kleidung, gesellschaftliche Konventionen. Dazu kommen die unverwechselbaren Heyer-Helden und –Heldinnen. Aber was mich wirklich begeistert, sind der ungemeine Witz und die Leichtigkeit der Dialoge, die versteckten Spitzen, die mit kulleräugiger Unschuld oder betont nonchalanter Miene ausgeteilt werden. Von Lächeln bis lautem Lachen ist wirklich alles dabei, dazu die Kunst, zwischen den Zeilen oder auch nur mit zwei, drei Wörtern so viel zu transportieren. Ganz besonders große Klasse.
William Shakespeare. Während mein Deutschlehrer uns durch Die Jammereien des jungen Weicheis quälte, trumpfte mein Englischlehrer mit Macbeth auf. Und es war um mich geschehen. Hier gibt es nur Dialog, keine Beschreibungen, keine Landschaft, keine (naja, kaum) Innensicht. Nur das gesprochene Wort charakterisiert Figuren, ihre Beziehungen zueinander. Und das mit einer Wortgewalt, die mich auch heute noch begeistert und staunen lässt. Zu meinem besonderen Glück konnte ich kurz nach der Lektüre von Macbeth Kenneth Branaghs Henry V im Kino sehen. Da kam dann das Szenenbild dazu, die blutige, schlammige Schlacht von Azincourt …

Tina: Hast Du einen (oder auch zwei…) Tipps für Autorinnen/Autoren, die darüber nachdenken, ihr Werk zu veröffentlichen?
Tanja: Schreibt, was Euch Spaß macht, wofür ihr im Herzen brennen könnt. Als ich meiner Lektorin gegenüber eingestand, dass ich bei der und der Szene besonders viel Spaß beim Schreiben gehabt und laut gelacht hätte, meinte sie, dass dies spürbar wäre und deswegen auch dem Leser so viel Freude bereitet und ihn in die Geschichte zieht.
Wer nur auf den Markt schielt und überlegt, was wohl gut verkäuflich wäre, verliert vielleicht die Seele des Schreibens aus den Augen. Ich schreibe, weil ich sonst platze! Die Geschichten wollen erzählt werden. Es sind meine Geschichten, die nur ich so erzählen kann, die mich mit Wärme erfüllen.
Sucht Euch Betaleser, die den Text auf Herz und Nieren prüfen, die Euch helfen, euren Stil zu entwickeln, die Logiklöcher finden und notfalls auch bei der Korrektur mit unter die Arme greifen. Ich wiederhole das gebetsmühlenartig immer wieder: Ein Manuskript, das vor Fehlern strotzt, macht niemanden glücklich. Ein Autor sollte die Grundlage seines Handwerks beherrschen. Das mag bei Spannungsbogen und Charakterentwicklung noch lange nicht aufhören, aber es beginnt mit Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Tina: Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?
Tanja: Dass ich aufgeregt bin? Dass ich das Cover als Bildschirmhintergrund eingerichtet habe?
Ich hoffe, dass Arrion meinen Lesern so viel Freude bereitet, wie ich beim Schreiben empfand.

Liebe Tanja, ich danke Dir für dieses Interview und wünsche Dir ganz viel Erfolg mit „Arrion“!

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