Buchsatz und Betriebsblindheit

Immer wieder ein Quell der Freude für jede*n Selfpublisher*in: Der Buchsatz. Denn mit dem durchkorrigierten Manuskript ist es ja noch nicht getan. Ein EBook muss gebastelt werden – dafür habe ich zurzeit noch Hilfe, auch wenn ich mich schon ein wenig in ein sehr praktisches, nach einigem reinfuchsen sogar recht intuitives EBook-Satz-Programm einarbeite: Sigil ist wirklich was Feines und auch für Anfänger*innen geeignet, die ein wenig Plan von Html und CSS haben.

Aber mit dem EBook ist es ja noch nicht getan, ich möchte ja auch für die Liebhaber*innen des gedruckten Buchs, die den Duft von Papier lieben und gern ein echtes Buch anfassen, das leise Rascheln der Seiten beim Umblättern hören und im wahrsten Sinne des Wortes die Nase in ein Buch stecken wollen (mal ehrlich, was riecht besser als ein neues Buch?) eine Print-Ausgabe vorhalten. Also her mit dem Rohskript und alles fitmachen, damit ein hübsch aussehendes Buch daraus wird. So eben auch für Meeresträume 3 – Fisch zwischen den Fronten.

Da werden akribisch überflüssige Leerzeichen aufgespürt, geschützte Leerzeichen hinter Auslassungspünktchen geklebt und alle Anführungszeichen durch die hübschen Chevrons ersetzt. Und dann natürlich: jedes Kapitel beginnt auf einer ungeraden Seite, damit die neuen Kapitel mit ihren Headergrafiken immer die rechte Seite bekommen – denn die springt jedem Lesenden zuerst ins Auge. Achtet mal drauf, wenn ihr einen Katalog anschaut – der Blick wandert garantiert immer zuerst auf die rechte Seite. Und da nahm das Drama dann seinen Lauf. Natürlich hatte ich die Seitenzahlen im Blick und ließ Kapitel 1 brav auf Seite 1 beginnen – ungerade Seite, ist immer rechts. Dachte ich zumindest. Nur – warm sah das ganze dann plötzlich in der Vorschau auf KDP so – sorry – kacke aus? Und warum zum Henker trieb sich das Inhaltsverzeichnis auf einer linken Seite herum? Ich hatte doch so darauf geachtet, dass es auf einer Seite mit ungerader Zahl landete, denn die sind doch immer auf der rechten Seite…

Pustekuchen.

Ist ja nicht so, dass ich nur Seitenzahlen habe. Ich habe ja auch eine bestimmte Anzahl von Seiten, die sich nicht mit der eigentlichen Nummerierung deckt, denn die fängt mit dem ersten Kapitel an, das auf Seite 1 stehen soll. Die Nummerierung fing also brav bei Kapitel 1 mit Seite 1 an – aber davor hatte ich nicht auf die tatsächliche SeitenANZAHL geguckt, und die hatte sich nun aufgrund von Schmutzblatt, Widmung, Impressum und all dem Geblubber, was in ein Buch vorn nun mal so reingehört, und wegen der vorangestellten Zusammenfassungen der Bände 1 und 2 so hingerückselt, dass das Inhaltsverzeichnis und der Beginn des ersten Kapitels zwar auf von der Nummerierung her ungeraden Seitenzahlen befanden – aber faktisch war Seite 1, auf der Kapitel 1 beginnen sollte, eine gerade Seite – nämlich die zehnte des Gesamtmanuskriptes.

Ohne den kritischen Blick einer lieben Kollegin von Außen wäre ich nie darauf gekommen, woran es gelegen hat, dass das alles so „falsch“ war – manchmal ist man wirklich betriebsblind. Aber JETZT ist es geschafft (nach insgesamt dreimal hochladen): Der Buchsatz des Trilogie-Abschlusses ist korrekt. Wer dennoch beim Lesen über Fehlerchen stolpert, darf sie mir gern melden, damit ich sie korrigieren und das Buch neu hochladen kann. Ist ja fix gemacht. Wenn man weiß, wie’s geht.

Start ins Selfpublishing – erste Erfahrungen

Eine knappe Woche ist Meeresträume 1 – Fisch im Netz jetzt draußen. Zeit, mal zu berichten und ein kleines Fazit zu ziehen. Bisher verzeichne ich 60 verkaufte und bezahlte „Einheiten“, auf nicht-KDP-Deutsch verbergen sich dahinter 57 EBooks und drei Taschenbücher. Dazu kommen auf die Sekunde genau 16.372 über Kindle Unlimited gelesene Seiten, die ja auch ein bisschen was abwerfen. Ein Blick auf die Tantiementabelle macht gute Laune. Ich habe nach einer Woche die Hälfte der Kosten für das Cover eingespielt. Was leider noch komplett fehlt: Bewertungen. Aber da bin ich optimistisch, nach einer Woche kann ich noch nicht viel erwarten. Wird also noch kommen.

Ein bisschen mehr ins Detail:
Wie halte ich es mit dem Lektorat? Nach langem Überlegen habe ich für mich beschlossen, beim Selfpublishing auf ein professionelles Lektorat zu verzichten und stattdessen mit mehreren handverlesenen Betalesern zu arbeiten, deren Arbeitsweise ich kenne und von denen ich weiß, dass sie mit meinem Manuskript und mir nicht zimperlich umgehen. Und sollte von meinen Stammbetalesern jemand mal keine Zeit haben, werde ich ganz sicher im Kreis der Uferlosen fündig. Auch das Korrektorat finde ich im Uferlosen-oder Freundeskreis, und ich revanchiere mich meinerseits mit Beta-Arbeit oder testlesen und Rezensionen. Eine Hand wäscht da zuverlässig die andere.

Selfpublishing ist aufwändig. Klar. Denn ich mache fast alles alleine. Beim Buch-und EBooksatz hatte ich Hilfe, aber in Zukunft möchte ich auch da selbständiger werden und mehr allein machen. Das Hochladen der Buchinhalte und Covergrafiken über KDP ist im Grunde einfach und weitgehend intuitiv, dennoch war ich froh darüber, beim ersten Mal eine erfahrene Selfpublisherin an der Hand zu haben, die mich am Telefon durch die einzelnen Schritte geführt hat. Bim nächsten Mal werde ich auch das allein hinbekommen – ich kann mich an den Angaben fürs erste Buch entlanghangeln und alles genau so eingeben, dann passt das schon. Sehr niedlich: Zwischendurch prüft KDP Buchinhalte und Grafiken, damit am Ende auch alles passt und gut aussieht. Das kann ein bisschen dauern. Zwischendurch aufpoppende Fenster mit der Aufforderung, sich doch mal eben einen Kaffee zu holen oder ein Sandwich zu schmieren, finde ich schon sehr knuffig.

Und wieder mal habe ich gelernt: wenn etwas nicht klappt, auch mal in die Emails gucken, denn KDP sagt einem sehr deutlich, was hakt, wenn denn etwas hakt. Nachdem wir uns zu dritt zum x-ten Mal darüber gewundert hatten, dass die Printausgabe dauernd von „wird geprüft“ auf „Entwurf“ zurückspringt, und die nette Infomail von KDP etwas von einem Coverfehler murmelte, dauerte es zwar noch ein wenig, bis der Fehler tatsächlich aufgespürt war (in diesem Fall waren es Ä-Pünktchen, die auf dem Buchrücken zu weit über eine „Sicherheitslinie“ hinausragten – da komm mal drauf!), aber dann lief auch alles reibungslos.

Was macht man, wenn alles hochgeladen ist und tatsächlich den Status „wird geprüft“ beibehalt: warten, rumhibbeln und Nägelkauen und die Zeit schon mal nutzen, die Werbung vorzubereiten, denn auch damit sitzt man als Selfpublisher natürlich allein da. Also ran an den Speck, Blogbeiträge und Facebookmeldungen vorbereiten, vielleicht ein Gewinnspiel posten. Wer mag, bereitet vielleicht eine Leserunde bei den üblichen verdächtigen Portalen vor oder kündigt schon mal Vorab-Exemplare für mögliche RezensentInnen an.
Meist ist das Ebook schon nach relativ kurzer Zeit auf Amazon sichtbar. Es kann durchaus sein, dass es auf KDP noch im Prüfungsstatus hängt, wird dann aber relativ bald auf „live“ springen. Und dann ist es wirklich da. Beim Taschenbuch dauert die Prüfung deutlich länger. Hochgeladen haben wir es irgendwann in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar, und irgendwann mittags war es dann sichtbar und auf Amazon bestellbar.
Was dann noch mal ein bisschen dauert, ist die Verknüpfung von EBook und Taschenbuch. Wenn das nicht klappt, hilft erst mal ein Blick in die Angaben auf KDP: sind die Buchinformationen bei beiden Ausgaben gleich? Dann sollte die Verknüpfung automatisch passieren, wenn nicht, hilft eine Mail an den KDP-Service, der in der Regel extrem schnell und superfreundlich reagiert. Falls nicht, sollten erst mal die Angaben für beide Ausgaben angepasst werden. Und wenn es dann immer noch nicht klappt: KDP ist wirklich sehr hilfsbereit.

Und dann? Tja, dann ging das Stalken los. KDP zeigt genau an, wie viele Kindle-Unlimited-Seiten gelesen wurden, wie viele Taschenbücher und EBooks über den virtuellen Ladentisch gingen und wie viele Rückgaben zu verzeichnen sind. Und natürlich werden Tantiemen angezeigt.
Abgerechnet wird alle zwei Monate nach Erscheinen des Buches, und sobald 20 Euro an Einnahmen überschritten wurden, wird ausgezahlt.

Was ich merke: SP macht Spaß, und irgendwie macht es süchtig. Ich erlebe sozusagen live und sehr unmittelbar, dass mein Buch ankommt, dass es gesehen und gelesen wird. Das motiviert, an der Fortsetzung der Reihe zu arbeiten, und führt dazu, dass ich anfange, meine Festplatte nach Schubladengeschichten zu durchwühlen, die es wert sind, ebenfalls das Licht der Welt zu erblicken, auch wenn sie es vielleicht bei Anthologie-Ausschreibungen nicht geschafft haben.

Ich werde auf jeden Fall weitermachen mit „Gay fantasy für Erwachsene – und irgendwas mit Katzen“.