Tanja Rast: Elfenstein (Der Magie verfallen II)

 Mit „Elfenstein“ legt Tanja Rast den zweiten Band ihrer gay romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor und entführt ihre Leser in eine raue Bergwelt, in der Bergführer Noriv sich wie zuhause fühlt. Nicht so der Elf Terez und sein menschlicher Ziehvater, die Noriv als Führer angeheuert haben, damit er sie sicher durch das unwegsame Gelände geleitet.

Der Klappentext verspricht ein romantisches Abenteuer: Wieder einmal soll der erfahrene Bergführer Noriv Reisende über das Gebirge leiten. Doch zu dieser Gruppe gehört Terez, ein junger Elf. Aufgewachsen bei einem menschlichen Ziehvater lässt Terez keine Spur der Wildheit erkennen, die man seinem Volk nachsagt – stattdessen Charme und atemberaubende Schönheit. Immer wieder muss Noriv sich ins Gedächtnis rufen, dass der reizvolle Elf unter seinem Schutz steht und damit unberührbar ist. Er kann nicht ahnen, dass Terez sich zu seinem Beschützer ebenso hingezogen fühlt wie umgekehrt. Ein Steinschlag bringt beide einander näher. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse, und Terez muss beweisen, dass in seiner Brust ein wahres Elfenherz schlägt …

Noriv und Terez könnten unterschiedlicher nicht sein – der erste groß, breit und kräftig, ein wenig eigenbrötlerisch, manchmal brummig, aber immer wie ein starker Fels, letzterer klein, zierlich, bildhübsch und ziemlich weltfremd, bis auf die Affären, die er heimlich und ohne das Wissen seines Ziehvaters immer wieder gehabt hat. Durch einen Steinschlag von der Reisegruppe getrennt kommen sich Terez und Noriv sehr schnell näher. Zurück bei der Reisegruppe müssen sie sich alle Mühe geben, Terez‘ Ziehvater nichts von der gegenseitigen Leidenschaft merken zu lassen.

Doch dann zeigt der Ziehvater plötzlich ein ganz anderes Gesicht als das des liebevoll-besorgten Vormundes, und die geruhsame Reise wird zu einem gefährlichen Abenteuer, das ihr am besten selbst lest.

Tanja Rast schafft es, dem schon oft überstrapazierten Elfenvolk ein ganz eigenes Gesicht zu geben. Ihre Elfen sind keine ätherisch-durchscheinenden Unsterblichen, die in gelangweilter Überheblichkeit ihr Dasein fristen und auf die Menschen herabsehen. Sie sind wild, trinkfest, angriffslustig und zäh wie altes Leder. Terez, der als Findelkind unter Menschen aufgewachsen ist, saugt die Geschichten über sein Volk in sich auf wie ein Schwamm. Glaubhaft schildert Tanja Rast seine Entwicklung vom weltfremden Jüngling zu einem jungen Mann, der seinen eigenen Kopf hat – und das wie immer mit dem ihr typischen Humor. Wer „Königsmacher“ mochte, wird auch mit „Elfenstein“ seinen Spaß haben.

Tanja Tast: Runenschicksal

 Tanja Rasts Wikingerroman „Runenschicksal“ ist eine kleine feine Geschichte der etwas anderen Art, und damit etwas ganz Besonderes. Welche phantastische Geschichte kommt schon mit in die Jahre gekommenen Helden daher?

Grima und Ragnvald leben gebunden an das Runenschicksal schon viele Jahre, von denen sie die meisten mit der Suche nach einander verbracht haben, haben doch Skalden beiden prophezeiht, dass sie für den jeweils anderen bestimmt sind. Und nicht nur das – haben sie sich einst gefunden, dann müssen sie eine von den Göttern gestellte Aufgabe erfüllen, für die sie von Geburt an ausersehen sind.

Als Grima endlich ihren Ragnvald findet, ist sie bereits um die Siebzig und sicherlich keine junge Hüpferin mehr, dennoch strahlt sie Humor, Kraft und innere Ruhe aus, was sie sofort sympathisch macht. Ebenso Ragnvald, der alternde Krieger, der inzwischen eher mit Worten als mit Waffen kämpft, aber immer noch genug Stärke in sich trägt, um sich Riesen, Zwergen und Elfen entgegenzustellen.

Schnell zeigt sich, dass jugendlicher Übermut und Kampfgeist tatsächlich nicht das ist, was die Götter suchen und was Ragnvald und Grima zur Erfüllung des Auftrags benötigen, den ihnen Hel und Odin zu Füßen der Weltenesche erläutern. Ein Friedenspakt zwischen Elfen und Zwergen soll geschlossen werden, auf dem neutralen Boden Midgards, mit Grima und Ragnvald als Gastgeber und Vermittler. Ihnen zur Seite stehen die Götterwölfe Freki und Garm, die sie auf ihrer Reise zu Zwergen und Elfen begleiten und die die Wächter des Friedenstreffens sind.

Doch alle diplomatischen Kniffe nützen nichts mehr, wenn Mächte von Außerhalb den keimenden Frieden zunichte zu machen drohen. Ob Grima und Ragnvald das Ruder noch herumreißen können, sollte jeder selbst lesen, denn so wie diese Geschichte erzählt werden muss, kann sie nur Tanja selbst erzählen – mit dem ihr eigenen feinen Humor und den so menschlichen, so lebendigen Figuren.

 

Kaye Alden: NuR – Nel und Rin Sammelband 1/NuR 4 – In Sklaverei

NuR – das steht für Nel und Rin, die Protagonisten dieser Reihe von gay romance-Kurzromanen, und ebenso für das kleine Wörtchen „nur“. Denn darum geht es in diesen Geschichten: um Nel und Rin, nur, ausschließlich.

Kaye Alden versetzt ihre Protagonisten in immer andere Settings, dann erzählt sie immer wieder dieselbe und doch immer wieder eine andere Geschichte – wie Nel von Rin gefunden wird und der eigenbrötlerische Rin sich nach und nach dem sanften, tierlieben Nel öffnet, ihn in sein Leben lässt und feststellt, dass er ihn nicht mehr gehen lassen möchte.

Der erste Sammelband des NuR-Zyklus enthält die Einzelbände „Die Hütte im Schnee“, „Stockwerk No. 15“ und „In der Wüste“.

„Die Hütte im Schnee“ erzählt die Geschichte des Einsiedlers Rin, dem die Bewohner der nächsten Ortschaft dämonische Kräfte nachsagen. Als er Nel halb erfroren im Wald findet und erfährt, dass der junge Mann auf dem Weg zu ihm war, nehmen Geschehnisse ihren Lauf, die weder Nel noch Rin aufhalten können.

In „Stockwerk No. 15“ begegnen sich Nel und Rin in einer postapokalyptischen Welt. Rin lebt in einem der wenigen noch intakten Hochhäuser außerhalb der nächstgrößeren Stadt. Nachts wütet die Dunkle Pest und vernichtet alles Leben – ein Glück für Nel, dass Rins Bewegungsmelder anschlagen. Im buchstäblich letzten Moment rettet Rin Nel das Leben – und muss erkennen, dass der hübsche Blondschopf ihm auf eine Weise gefährlich wird, die rein gar nichts mit der Dunklen Pest zu tun hat.

„In der Wüste“ führt die Leser in eine Welt wie aus 1001 Nacht. Magisch begabte Menschen werden zum Tod in der Verfluchten Stadt verurteilt. Nel ist so ein Mensch – und Rin einer, der selbst über Magie verfügt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, so viele der Verurteilten zu retten, wie er kann. Eigentlich sollte auch Nel nach seiner Rettung und genesung irgendwann weiterziehen – doch es kommt ganz anders.

Nach dem Sammelband hatte ich noch nicht genug von „NuR“, also musste umgehend der vierte Band her. „In Sklaverei“ befindet sich Nel, als der freiheitsliebende Fischer Rin auf dem Sklavenmarkt auf ihn stößt – und ihn kurzerhand kauft, nur, um ihn nach Ablauf der 100 Tage, die ein Sklave mindestens im Besitz seiner Herrschaft bleiben muss, freizulassen. Was das Ganze deutlich verkompliziert, ist, dass Rin sich Hals über Kopf in den sanften, hübschen Nel verliebt. Denn wie echt kann eine Liebe schon wirken, wenn sich ein Herr in einen Sklaven verliebt? Wer wissen möchte, ob Nel und Rin auch diese Hürde nehmen können, sollte auf jeden Fall weiterlesen.

 

NuR – immer dieselbe Geschichte, und doch immer wieder anders. Ich war anfangs skeptisch – kann das funktionieren, oder wird es nicht doch irgendwann langweilig? Nein, auf gar keinen Fall, denn Kaye Alden versteht es, die immer neuen Schauplätze, an denen sich Nel und Rin begegnen, so individuell zu beschreiben und zu zeigen, dass die einzigen Konstanten tatsächlich Nel und Rin sind, und die Tatsache, dass sie sich auf jeden Fall ineinander verlieben und am Ende zusammen bleiben. Doch wie ihre Liebe ihren Weg findet, welche Hürden die beiden Männer auf ihrem Weg nehmen müssen, welchen gefahren sie sich gegenübersehen – das ist jedes Mal anders, jedes Mal neu.

Für Freunde zärtlicher gay romance mit happy ending auf jeden Fall bestes Lesefutter!

Markus Heitz: Wédôra – Staub und Blut

 Wédôra – mächtige Metropole in der Wüste, eine eigene Welt, zusammengehalten von Stadtmauern, in der jede Bevölkerungsgruppe nach ihren eigenen Gesetzen lebt. An diesen faszinierenden und zugleich lebensgefährlichen Ort verschlägt ein Zauber die Gefährten Tomeija und Liothan.

Klappentext: Lebensspendend oder todbringend, geheimnisvoll oder verkommen – Juwel der Wüste oder Ende aller Hoffnung? Willkommen in Wédōra, dem Schauplatz von Markus Heitz‘ neuem Dark-Fantasy-Roman „Wédōra – Staub und Blut.
Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Sandsee zum Sturm auf die mächtige Stadt.
Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.

Eigentlich wolle Liothan und Tomeija nach ihrer unfreiwilligen Reise nach Wédôra nur eins: zurück nach Hause, Liothan, um seine Familie zu schützen, Tomeija, um den Zauberer dingfest zu machen, dem sie ihre Dimensionsreise zu verdanken haben. Doch die Stadt saugt die Gefährten geradezu in sich auf, und sie können nicht anders, als in Wédôra und mit ihr und ihren Bewohnern zu leben, zu verhandeln, zu arbeiten – denn zu kooperieren scheint der einzige Weg zu sein, wie sie doch noch wieder zurück in ihre Heimat kommen können.

Doch am Ende wird alles ganz anders.

Markus Heitz präsentiert mit Wédôra ein Setting, das ursprünglich für ein Rollenspiel geplant war, offen für jede Art von Abenteuer und Idee. Aus dem Rollenspiel wurde nichts, aber aus der Idee wurde ein Buch voll von spannenden und interessanten Charakteren, Schauplätzen und Abenteuern. Genau wie Liothan und Tomeija lernt der Leser Wédôra mit all ihren Besonderheiten nach und nach kennen und ist dabei den Gefährten gegenüber noch im Vorteil, denn Markus Heitz streut gekonnt immer wieder fiktive Tagebucheintragungen oder historische Schriften ein, die dem Leser Dinge über Wédôra zeigen, die Liothan und Tomeija verschlossen bleiben.

Mich hat Wédôra ebenso schnell in seinen Bann gezogen wie Liothan und Tomeija. Es war gar nicht so leicht, aus der Geschichte wieder aufzutauchen, wenn der Alltag rief. Die Geschichte ist spannend erzählt, schwungvoll geschrieben und gewürzt mit einer Prise Humor, die die Figuren echt und lebendig macht.

Auf jeden Fall eine Empfehlung für jeden Freund spannender, düsterer Fantasy. Ich freue mich schon sehr auf geplante Fortsetzungen.

Helen B. Kraft: Gefährliche Lügen

Mit „Gefährliche Lügen“ setzt Helen B. Kraft ihre Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“ fort – und es geht genauso spannend, knisternd und mit dem typischen Helen-Humor weiter. Im Fokus des vierten Bestien-Bandes stehen Kanzler Barriques Sohn Calliou und die Bestienprinzessin Naya, Tochter von Daemyan und Natayla, die wir schon aus Band 3 kennen.

Klappentext: Prinzessin Naya hat ein gewaltiges Problem, ebenso wie Calliou, der Sohn des Kanzlers. Beide haben Mühe, dem Einfluss ihrer überdominanten Väter zu entkommen. Da hilft es auch nicht wirklich, dass Naya sich immer in die falschen Männer verliebt, oder dass Calliou im Geheimen als Assassine für die Königin arbeitet.
Sie proben den Aufstand, doch der Zeitpunkt könnte ungünstiger nicht sein. Ein Feind bedroht die Bestien, entschlossen, sie alle auszurotten. Wenn Kobolde und Bestien es nicht schaffen, als Freunde und Familie zusammenzuhalten, könnte es das Ende für das Reich der Sieben Wüsten bedeuten.

In gewohnt spannender Weise, gewürzt mit sinnlich-knisternder Erotik und einer guten Portion Humor erzählt Helen B. Kraft die Geschichte von Nayla und Calliou, in der wir einige interessante Fakten über Kobolde und ihr Verhältnis zum Lügen erfahren und mit einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen Bestie und Erbsenpüree … entschuldigung, Kobold konfrontiert werden. In den ersten Bänden gesponnene noch lose Fäden verweben sich zu einem Bild, in dem plötzlich alles zusammenpasst. Zu viel will ich nicht verraten, denn wie Helen das schafft, sollte jeder Bestienfan selbst lesen.

Ich hatte mit „Gefährliche Lügen“ jedenfalls wieder viel Spaß und einige spannende Lesestunden, und ich empfehle jedem, der mit den Bestien liebäugelt, auf jeden Fall alle Bücher der Reihe zu lesen. Und natürlich freue ich mich schon auf Band 5.

Kai Meyer: Die Krone der Sterne

Zu diesem Buch bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind – vollkommen ungeplant überfiel es mich auf dem Buchmesse Convent 2016, wo Kai Meyer persönlich aufgetaucht war, um aus dem zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal erschienenen Werk zu lesen. Vielleicht war es die Lesungsatmosphäre, vielleicht die Tatsache, dem Autor in die Augen zu sehen, während er aus seinem Buch las und von der Entstehung der Geschichte berichtete – auf jeden Fall war es für mich und die „Krone“ Buchliebe auf den ersten Blick und Mitfiebern mit sympathischen, schrulligen, vielschichtigen Charakteren.
Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht.
Schon der Klappentext verspricht Geheimnisse, Mythen und eine faszinierende Welt: Das galaktische Reich von Tiamande wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Regelmäßig werden ihr Mädchen von fernen Planeten als Bräute zugeführt. Niemand weiß, was mit ihnen geschieht.
Als die Wahl auf die junge Adelige Iniza fällt, soll sie an Bord einer Weltraumkathedrale auf die Thronwelt gebracht werden. Ihr heimlicher Geliebter Glanis, der desillusionierte Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern tun alles, um den Plan der Hexen zu vereiteln. Im Laserfeuer gewaltiger Raumschiffe kämpfen sie um ihre Zukunft – und gegen eine kosmische Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt.
Mit „Die Krone der Sterne“ entführt Kai Meyer seine LeserInnen in eine ferne Galaxis, zu Weltraumkathedralen, gottgleich angebeteten schwarzen Löchern, geheimnisvollen Maschinen, die einst alle Zivilisationen bedrohten, zu Raumschiffen und Weltraumabenteurern, ohne dabei in „Tech-Speak“ zu verfallen. Er zeichnet seine Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten, ihren Leidenschaften, dunklen Geheimnissen , Vorlieben und Abneigungen. Iniza hatte mich vom ersten Satz an in der Hand – sie trage die Sterne in ihren Augen, wie schön ist das? Ich wusste von ihrer ersten Szene an, dass ich Shara mögen würde und Kranit am liebsten abwechselnd küssen und an die Wand klatschen möchte.
Es gefällt mir, wie Kai Meyer gerade seine weiblichen Figuren zeichnet – Frauen mit Frauenwünschen und Frauensehnsüchten, doch ohne Prinzesschengehabe und ohne das Bedürfnis, sich beschützen lassen zu müssen. Iniza hätte allen Grund dazu, nach Schutz suchen, doch auch sie greift beherzt nach dem Blaster und schießt sich den Weg frei, wenn es sein muss.
Natürlich, „Die Krone der Sterne“ ist kein einfaches Buch. Es aufzuschlagen bedeutet, sich auf eine fremde Galaxis einzulassen, der Leser wird mit einem ganzen Haufen von Namen und Bezeichnungen beworfen, muss sich zurechtfinden in der ein wenig nach Steam-und Cyberpunk duftenden Raumfahrerwelt. Doch das Buch selbst hilft schon dabei, indem es im Inneren der Klappbroschur mit wunderbaren, detailreichen Zeichnungen aufwartet, die es dem Leser erleichtert, sich ein Bild des Universums um Tiamande, Koryantum und die geheimnisumwobene Piratenwelt Noa zu machen.
Fazit: „Die Krone der Sterne“ ist für mich Science Fiction für LeserInnen, die Science Fiction bisher wegen zu viel Technobabbel gemieden haben, es ist ein Buch für Freunde epischer Fantasy, die gern auch einmal einen Ausflug ins Weltall machen wollen.
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band, der gerüchteweise im Februar 2018 erscheinen soll. Hoffentlich!

Leann Porter: Die Fährte der Wandler

„Die Fährte der Wandler“ ist der neueste Danu-Roman aus der Feder von Leann Porter, erschienen im Deadsoft-Verlag. Wieder entführt Leann ihre Leser in die phantastische Welt der Sidhe von Danu. Dieses Mal lernen wir die D’elen näher kennen, ihre faszinierende Stadt Elenia und die weltberühmten Heiler, die gerade mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben: denn der Magode von Sanka hat sie nicht nur aus ihrer Stadt verbannt, nein, plötzlich verschwinden Heiler, werden getötet oder durch Tore geschleust, die längst schon ihre Macht verloren haben sollten.

Und auch die Wandler haben in Sanka keinen leichten Stand. Als Gebannte leben sie in den Wäldern oder arbeiten als Wächter für die sagenhafte Stadt Elenia.
Klappentext: Als Goran mit seinem Wolfsgefährten Arion die Goldene Stadt Sanka besucht, hat er nichts weiter im Sinn, als sich von einer unangenehmen Pflicht zu befreien. Aber das Schicksal hat andere Pläne für ihn: Er läuft dem jungen Taschendieb Juri über den Weg. Verwaist, seitdem seine Eltern von Wolfswandlern getötet wurden, ist Juri auf sich alleingestellt. Außerdem macht ihm eine geheimnisvolle Krankheit zu schaffen, für die niemand eine Kur oder auch nur eine Erklärung zu kennen scheint. Daher ist ihm jedes Mittel recht, um Goran zu überzeugen, ihn in das ferne Tal der D’Elen-Heiler zu bringen. An Gorans und Arions Seite bricht er auf, um sich der Wahrheit über sein Anfallsleiden zu stellen. Sie verlangt ihm alles ab – und öffnet gleichzeitig neue Wege, nicht zuletzt die der Liebe.
Doch seine neuen Gefährten sind in weit größere Vorkommnisse verstrickt, als er oder sie selbst ahnen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Sidhe.

Mit ihrer ganz eigenen, humorvollen Stimme erzählt Leann Porter die Geschichte von Juri, die so viel mehr ist als nur die Geschichte eines Waisen, der zum einen nach einem Heilmittel gegen seine seltsame Anfallskrankheit sucht und zum anderen nicht mehr will, als Licht in das Dunkel seiner Herkunft zu bringen. Dabei helfen ihm Goran, der legendäre Wolfsmann, und Arion, der so viel mehr ist als ein einfacher Wolf. Juri findet neue Freunde und Verbündete, er findet Liebe – aber auch einen ganzen Sack voller neuer Feinde. In einem Netz aus Intrigen und unangenehmen Wahrheiten muss Juri sich seiner Vergangenheit stellen.

„Die Fährte der Wandler“ ist ein spannender, humorvoller Roman voller wunderbarer Details, interessanter und charaktervoll gezeichneter Figuren und so wunderbar beschriebenen Bildern, dass man beim Lesen ständig herrliches Kopfino erlebt und bald schon das Gefühl hat, Goran, Juri, Arion und all die anderen auf einer Leinwand zu sehen, statt „nur“ ein Buch zu lesen.

Ein wirklich empfehlenswertes Leseabenteuer für Freunde spannender Geschichten, Gestaltwandlern und eine Prise knisternder Homoerotik.

 

Alana Falk: Sternensturm – Das Herz der Quelle

Unsere Welt – und auch wieder nicht. Denn Alana Falk entführt ihre Leser mit „Sternensturm – Das Herz der Quelle“ in eine alternative Welt, in der Magie existiert  und eine Gesellschaft von Magiern im Geheimen operiert und ihre ganz eigenen Ziele verfolgt.

Klappentext: Es ist der größte Moment in Lilianas Leben und sie fürchtet ihn genauso sehr, wie sie ihn herbeisehnt. Endlich soll sie in die Gemeinschaft des Hohen Rates aufgenommen und mit ihrer Quelle verbunden werden. Denn jeder Magier braucht eine menschliche Energiequelle, um zaubern zu können. Doch es ist ausgerechnet Chris, der Liliana zugeordnet wird. Chris, der sich der Gemeinschaft verweigert und dessen früherer Magier auf ungeklärte Weise ums Leben kam. In seinen Augen sieht Liliana nichts als Hass. Es bleibt nicht viel Zeit, um sein Vertrauen zu gewinnen, denn in den Tiefen unter Neuseeland braut sich eine schreckliche Katastrophe zusammen und nur Liliana und Chris können sie aufhalten.

Mehr als den Klappentext möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen, denn jedes Wort mehr würde zu viel vorwegnehmen und zu viel verraten, was jeder Leser selbst herausfinden sollte. Für mich war „Sternensturm“ ein Buch, mit dem ich erst warm werden musste und das ich nach der letzten Seite mit großem Bedauern wieder ins Regal stellte, weil es dann doch viel zu schnell zu Ende war.
In der ersten Hälfte transportiert Alana Falk auf subtile Weise die Idee ihrer magischen Welt, zeigt die Gesellschaft der Magier und wie sie arbeitet. Wir folgen Liliana durch die Hürden und Tücken ihrer Ausbildung, erfahren, was es mit den Menschen auf sich hat, die Magiern als Quellen dienen, lernen, dass Magier nur mithilfe ihrer Quellen zaubern können und erkennen die Gefahren, die die Verbindung zwischen Magier und Quelle birgt. In der zweiten Hälfte nimmt dann auch die Handlung Fahrt auf, als Liliana ihre Quelle zugewiesen bekommt – und feststellt, dass sie sich schwertut, sich mit Chris zusammenzuraufen. Doch nach und nach wächst das Vertrauen zwischen beiden, und Liliana erkennt, wie perfekt Chris zu ihr passt, auch wenn er es nicht lassen kann, Lilianas ehemaligem Lehrmeister übelste Intrigen zu unterstellen. Und gegen Ende explodiert die Handlung wie der drohende Vulkanausbruch, vor dem die Magier die Stadt Auckland retten sollen – und plötzlich konnte ich nicht mehr aufhören, zu lesen.

Alana Falk zeichnet eine spannende, interessante, gefahrenvolle Welt und schickt ihre Leser auf eine Reise mit Figuren, die sich im Lauf der Geschichte wunderbar entwickeln. Sie schreibt so, dass man mit Liliana und Chris fiebert und leidet und ihre Gefühle beinahe wie die eigenen spürt. Ein ganz und gar wunderbares Buch, nicht nur wegen der Geschichte, die es erzählt, sondern, weil es wirklich ein ganz und gar wunderschön gemachtes Buch ist. Hardcover mit leicht erhabenem Titel in Hochglanz, Glitzersterne, Lesebändchen – da schlägt das bibliophile Herz höher. Und für einen so wunderbar gestalteten Band greife ich auch gern etwas tiefer in die Tasche.

Fazit: Rundum empfehlenswert. Und sollte es jemandem gehen wie mir, dass er denkt, er würde mit der Geschichte nicht warm: Weiterlesen. Einfach nur weiterlesen! Denn irgendwann packt diese magische Story jeden.

Ich freue mich schon darauf, zu erfahren, wie es mit dem magischen Neuseeland von „Sternensturm“, den Magier und vor allem mit Liliana weitergeht.

Tanja Rast: Königsmacher

Mit „Königsmacher“ stellt Tanja Rast (bekannt durch Arrion und Cajan) den ersten Band ihrer im Selbstverlag erscheinenden Gay-Romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor.

Schon der Klappentext macht neugierig und verspricht eine romantisch-humoristische, turbulente Mischung aus Abenteuer und Liebesgeschichte: Jiras und Belac sind Spitzel und Saboteure – und Meister ihres Fachs. Ausgesandt von verfeindeten Fürsten, die nur darauf lauern, die Nachfolge eines erbenlosen Königs an sich zu reißen, prallen die grundverschiedenen Männer inmitten des Intrigenspiels aufeinander. Aus augenblicklicher Faszination füreinander wird rasch mehr. Doch zwischen Verschwörungen, zerstörerischer Magie und einer schier unlösbaren Aufgabe scheint die verbotene Liebe zum Scheitern verurteilt. Können Belac und Jiras angesichts des drohenden Thronfolgekriegs tatsächlich Diensteide und Loyalität über Bord werfen, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen?

Ich will nicht vorwegnehmen, ob sie es können, das sollte jede Freundin und jeder Freund romantischer gay fantasy am besten selbst lesen. Für „Königsmacher“ findet Tanja Rast ihre ganz eigene charakteristische Erzählstimme, ihren eigenen Humor und ihre ganz eigene Weise, knisternste Erotik zu schreiben, ohne dabei auch nur ein einziges Mal expliziten Sex zu beschreiben. Doch was sie in ihren Knisterszenen andeutet, läuft schnell in der Phantasie ihrer Leser als ohrenrötendes Kopfkino ab – so ging es jedenfalls mir, als ich dem ungleichen Paar Jiras und Belac in die Welt von „Königsmacher“ folgte.
Die Aussicht auf weitere Romane in ähnlichem Stil macht mich ausgesprochen glücklich, denn „Königsmacher“ hat einen klitzekleinen Nachteil: Dieses hübsche Buch mit dem ansehnlichen Jiras-Konterfei auf dem von Cover für dich gestalteten Titelbild ist einfach zu schnell zu Ende. denn einmal angefangen, fällt es einem ausgesprochen schwer, es wieder aus der Hand zu legen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Folgebände zu „Der Magie verfallen“.

Katharina Seck: Die silberne Königin

Katharina Secks Debütroman „Die silberne Königin“ ist ein Buch, auf das ich mich von der ersten Ankündigung an gefreut habe wie der sprichwörtliche und sehr passende Schneekönig. Katharinas zauberhaften Schreibstil kannte ich bereits von meiner Arbeit als Testleserin für ein anderes Projekt aus ihrer Feder, umso gespannter war ich, wie sie diesen Stoff angeht, der zerbrechlich und schön wie eine Eisblume ist, kalt wie der Frost der vergangenen Tage und so voller Hoffnung wie ein Sonnenstrahl nach einem düsteren Regentag.

Zum Inhalt: Für Emma verändert sich ihr ganzes Leben, als sie Arbeit in der Chocolaterie der leicht verschrobenen Madame Weltfremd findet. Die Madame, die mit Schokolade und Plätzchenteig zaubert, kann noch auf eine andere, in Emmas Welt schon lange bei Strafe verbotene Art und Weise Zauber wirken: mit Worten, denn die Madame ist eine begnadete Erzählerin. Als sie beginnt, ihren Helferinnen Emma und Ophelia das Märchen von der silbernen Königin zu erzählen, sieht Emma immer mehr Parallelen des Lebens der märchenhaften Königin zu ihrem eigenen. Zufall? Ab einem bestimmten Augenblick kann Emma nicht mehr an Zufall glauben. Und mutig wie die silberne Königin der Geschichte betritt Emma schließlich das Schloss aus Eis, in dem der grausame Casper als tyrannischer König herrscht. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Wänden aus Eis und der kalten Unnahbarkeit des so gefühllosen Herrschers? Und welche Geheimnisse waren innerhalb der Mauern des kalten Palastes darauf, dass Emma sie lüftet? Verbirgt sich dort vielleicht sogar die Lösung des Mysteriums ihrer eigenen Herkunft?

Katharina Seck zaubert mit Worten wie Madame Weltfremd und zieht mich als Leserin von der ersten Seite hinein in Emmas in Eis erstarrte Welt. Ich kann nicht umhin, Parallelen zu unsere eigenen Realität zu sehen, wenn ich von dieser Welt des ewigen Winters lese, in der Menschen einander nicht mehr vertrauen können, in der jeder gehetzt ist und um das letzte Bisschen Wärme kämpft. In der Hoffnung und Liebe eigentlich keinen Platz mehr haben, weil alle Hoffnung von Kälte erstickt wird. Doch da ist Emma, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt, die kämpft und andere Menschen in ihren Kampf hineinzieht. Die aufbegehrt und damit Hoffnung weckt. Die weiß, dass ihr Weg in den sicheren Tod führen kann, aber ihn dennoch ohne zu zögern weitergeht, ganz einfach, weil sie weiß, dass sie es tun muss.
Katharina Seck erzählt Emmas Gesichte in gefühlvollen, poetischen Worten, eine zarte und doch starke Geschichte mit einer sympathischen Heldin, in der ich mich ohne Probleme wiederfinden kann.

„Die silberne Königin“ ist eine phantastische Geschichte gegen die Angst und die Hoffnungslosigkeit dieser Welt. Jeder, der sich fragt, was er allein schon erreichen kann, der sollte dieses Buch lesen. Ich hoffe, dass es dazu führt, dass sich in unserer realen Welt immer mehr Emmas erheben, um der Kälte die Stirn zu bieten.