Tina liest: Flammensturm von Tanja Rast

Mit Spannung erwartet habe ich den zweiten Band der Uferlos-Reihe „Seelengefährten“, in der verschiedene Autorinnen das Thema „Seelengefährten“ aufgreifen und ihre eigene Interpretation in Buchform bringen. Nach „Das Mondmal“ von Regina Mars, das mir schon ausnehmend gut gefallen hat, setzt Tanja Rast die Reihe nun mit „Flammensturm“ fort. Tanja Rast bedient zwei Genres:

Schlachten und Schmachten oder auch „Conan für Frauen“ und Gay Fantasy Romance. „Flammensturm“ ist die perfekte Mischung dieser beiden Genres – es gibt ein wunderbares Männerpaar, epische Schlachten, fiese Monster, Blut – aber auch zarte und romantische Momente voller großer Gefühle.

Ich bin begeistert von diesem Roman. Ich habe schon einiges von Tanja Rast gelesen, aber „Flammensturm“, die Geschichte um die Seelengefährten Curan und Zeriac, hat mich so begeistert, dass ich behaupte, dies ist das bisher beste Rast-Buch. Zumindest für mich.

Worum geht’s?  – Das Autorenkollektiv „Die Uferlosen“ präsentiert: „Seelengefährten“. In jedem Buch wird das Thema neu interpretiert, aber eins haben alle Bände gemeinsam: Sie gehen direkt ins Herz.

Der Klappentext: Geschichte neigt dazu, sich zu wiederholen. Aus gutem Grund bewahren die Elfen die Geschichten über ein Krieger- und Liebespaar, das einst die Albtraumgespinste zurückgeschlagen hat.

Mit Lobpreisung hat Elfenkrieger und Hitzkopf Zeriac gerechnet, als er einen der verhassten menschlichen Soldaten als Gefangenen ins Lager schleppt. Aber es kommt anders: Ein Blick auf den sanften und allzu höflichen Hünen Curan genügt der Stammesältesten, um den beiden jungen Männern Scheußliches zu eröffnen. Dabei stellt die Rückkehr der monströsen Albtraumgespinste das kleinste Problem dar, findet Zeriac. Schlimmer ist das, was die Alte da über ein mystisches Paar faselt …

Zeriac kennt die Legende natürlich, sieht aber gar nicht ein, sich sein Leben von einer angeblichen Schicksalsmacht vorschreiben zu lassen – und wen er gefälligst zu lieben hat! Doch die Armeen der Albtraumkönigin rücken unaufhaltsam vor, und Zeriac und Curan stehen vor ihrer größten Schlacht. Denn den monströsen Kreaturen ist es gleich, ob sie Mensch, Zwerg oder Elf zerfleischen …

Temporeich, spannend, humorvoll und voller großer Gefühle erzählt Tanja Rast die Geschichte der Seelengefährten Curan und Zeriac, die als Einzige die finstere Albtraumkönigin besiegen können. Deren Gespinste, Monster geboren aus den Albträumen von Menschen, Zwergen und Elfen, bevölkern mehr und mehr das Land und rotten sich dort zusammen, wo viele Träumende auf einem Haufen sitzen: der Garnisonsstadt Barinne. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Liebesgeschichte zwischen dem Soldaten Curan und dem Elfen Zeriac, der einst als Kriegsgeisel bei einem menschlichen Ziehvater unter Menschen aufgewachsen ist. Noch immer herrschen Spannungen zwischen Elfen und Menschen, doch Curan verfällt Zeriacs wilder Schönheit und Anmut vom ersten Augenblick an. Etwas zieht die Beiden zueinander – ein Seelenband, wie sie erfahren, und wie es bisher in der Geschichte nur zwischen Zwergen zustande gekommen ist.

Während beide noch damit hadern, ob ihre Gefühle füreinander echt sind oder nur dem Wirken des Seelenbandes geschuldet, müssen sich Curan und Zeriac der Aufgabe stellen, die den Seelengefährten seit jeher bestimmt ist: nur sie können die Albtraumkönigin besiegen. So wie vor vielen Jahren ein anderes Seelengefährtenpaar: die Zwerge Kal und und Ten, deren Geschichte Tanja Rast gekonnt mit den Geschehnissen in Curans und Zeriacs Zeit verwebt. Im Grunde erzählt Flammensturm zwei Geschichten: Kals und Tens und Curans und Zeriacs, und wie sich die Geschehnisse im Zeitenlauf wiederholen. Damit transportiert sie eine wichtige Botschaft: Geschichte wiederholt sich. Und es braucht manchmal echte Helden, um den Lauf der Geschichte zu stoppen oder zumindest die Monster zu vernichten, wenn diese wieder ihre Köpfe erheben.

Fazit: ich konnte dieses Buch einfach nicht weglegen, es hat mich vom ersten Moment an gefesselt. Zudem hat Tanja Rast es diesmal wirklich drauf, jedes Kapitel so zu beenden, dass man sofort weiterlesen möchte. Eine ganz klare 5-Sterne-Empfehlung für alle, die dramatische High Fantasy, ein charmantes Männerpaar und epische Schlachten schätzen.

Tina liest: „Neun Leben, achtzehn Krallen“ von Andrea Weil

Ein Katzenroman! Natürlich kann eine, die sich selbst auf die Fahne schreibt, hin und wieder auch mal „irgendwas mit Katzen“ zu schreiben, nicht an einem neuen Katzenroman vorbeigehen, schon gar nicht, wenn er so detailverliebt und katzennah geschrieben wurde. „Neun Leben, achtzehn Krallen“ ist ein Buch, das mir als bekennende crazy catlady sehr viel Spaß gemacht hat.

Der Klappentext: Tod liebt Katzen. Deshalb hat sie ihnen als einzigen Wesen neun Leben gegeben. Und die kann Mrri, der unzähmbare Straßenkater, auch brauchen. Er ist der Herrscher des Aikenwegs, bezirzt die halbe Nachbarschaft und ist vor der anderen Hälfte auf der Flucht, wenn er ihre Goldfischteiche leer angelt oder Bettlaken ruiniert. Weil ihn seine Familie einst aussetzte, hat er sich geschworen, nie wieder sein Herz an einen Menschen zu hängen. Ausgerechnet der grimmige Witwer Benno bringt diesen Entschluss ins Wanken. Doch dann taucht Tod wieder auf und verlangt ein weiteres Leben.

Allein beim Aikenweg schlug mein Katzenbuchliebhaberherz schon höher, ist dieser Straßenname doch eine liebevolle Hommage an ein ganz besonderes Katzenbuch, das ich ebenso wie Autorin Andrea Weil sehr liebe: „Solos Reise“ von Joy Smith Aiken. Ein weiteres persönliches Highlight: die Namen der tierischen Protagonisten. Natürlich nicht die Namen, die die im Buch vorkommenden Menschen ihnen geben, sondern die, unter denen sie sich selbst kennen und benennen: Mrri, Meo, Nau oder Roa, diese Namen klingen doch alle wie die Laute, die alle Katzenhalter so gut von ihren Tieren kennen.

Auch bei den Beschreibungen bleibt Andrea Weil ganz und gar in Katzenperspektive. Ihre Katzen lächeln nicht, sondern blinzeln, sie reiben zum Gruß ihre Nasen aneinander, und ein Schwanzschlenker sagt mehr als tausend Worte es je ausdrücken können. Gerade diese kleinen, aber wie ich finde für einen Tierroman so wichtigen Details haben mir sehr viel Spaß gemacht. Andrea Weil erzählt Mrris Geschichte, ohne die Katzen zu vermenschlichen. Katergesänge und fliegende Fellbüschel beim Revierkampf gehören dazu genauso wie die Beschreibung eines in der Sonne dösenden Mrri auf dem Garagendach.

Und dann die Namen für die Menschen! Einfach herrlich, denn Mrri bezeichnet die Menschen nicht mit ihren menschlichen Namen. Da gibt es Familie Wilddose, bei denen es immer besagtes Dosenfutter abzustauben gibt, oder Oma Milch – aus Gründen. Dann den Herrn Scharrecke, bei dem ich erst mal überlegen musste. Ja, klar, Scharr-Ecke. Klar, wozu Mrri dessen Blumenbeete missbraucht, oder?

Der einzige Mensch, der einen Namen hat und in Mrris Perspektive auch immer einen Namen hat, ist Benno. Benno, der einsame alte Mann, der sich über den Besuch eines Katers freut, nachdem Tod seine Frau mitgenommen hat.

Tod ist in dieser Geschichte ein Wesen mit vielen Gesichtern – mal erscheint sie als liebevolle, sanfte Frau, mal als knurriger großer Hund, aber immer ist sie freundlich und auch ein bisschen traurig über das, was sie tun muss. Doch als sie Mrri vor die alles entscheidende Wahl stellt, weiß der Kater ganz genau, was er will. Was das ist? Am besten lest ihr das selbst!

Miau!

„Neun Leben, achtzehn Krallen“ kaufen

Tina liest: „Feuerschwingen“ von Sabrina Železný

Was wäre wenn? Das ist eien Frage, mit der sich Autor*innen immer wieder beschäftigen. Für Sabrina Železný  lautete die Frage: Was wäre, wenn die Kultur der Inka nicht untergegangen wäre? Was wäre, wenn es in einer fernen Zukunft einer anderen Erde noch immer Iberer und Inka geben würde, wenn der alte Konflikt zwischen den Völkern noch immer schwelen würde und sich immer noch alles um dieses eine verlockende Etwas drehen würde, von dem der Mensch einfach die Finger nicht lassen kann?

Klappentext: Gold! Für Inka und Iberer der wichtigste Rohstoff ihrer Weltraumflotten, seit sie die Erde verließen – und ein Zankapfel, der die alte Feindschaft ihrer Völker neu befeuert.

Umso verbissener suchen zwei ungleiche Männer nach dem sagenhaften Eldorado. Manco, Sonnenstaffelpilot der Inka, wittert ein Abenteuer, während Gonzalo, suspendierter Kommandant einer iberischen Sterngaleone, den eigenen Ruf retten will. Doch als Manco und Gonzalo auf der Erde stranden, müssen sie zähneknirschend zusammenarbeiten. Plötzlich steht mehr auf dem Spiel als Rätsel und Reichtum, aber kann das Zweckbündnis der beiden anders als mit Verrat enden?

Liebe Leser*innen, fragt mich bitte nicht, wie oft ich bei der Lektüre davor war, Gonzalo abwechselnd zu knuddeln und an die nächste Wand zu klatschen. Da denkt man, dieser Iberer bekommt endlich die Kurve und ist ja eigentlich doch ein ganz netter Kerl, und dann setzt er sich wieder sowas von in die Nesseln, dass man sich fragt, wie Sabrina Železný das noch wieder zu einem guten Ende bringen will.

„Feuerschwingen“ ist ein spannendes, kurzweiliges und dabei sehr tiefgründiges Lesevergnügen, das die Frage berührt, wie diese zwei vollkommen unterschiedliche Kulturen in einer Parallelzukunft nebeneinander existieren könnten und welche Motive Gonzalo und Manco antreiben, immer wieder zwischen tiefer Freundschaft und Verrat hin und her zu balancieren, bis sie schließlich doch die wohlverdiente Kurve kriegen. Wie sie das schaffen, sollte allerdings jede/r selbst lesen, denn es ist wie immer eine Freude, von Sabrina Železnýs Erzählstil, ihren poetischen Bildern und ihrer wunderbaren Sprache in ein Buch einfach hineingesaugt zu werden. „Feuerschwingen“ hat nur einen einzigen Nachteil: es ist viel zu schnell zuende.

Fazit: auf jeden Fall lesen!

Feuerschwingen kaufen

Tina liest: „Das Mondmal“ von Regina Mars

Das Mondmal von Regina Mars eröffnet die Reihe „Seelengefährten“ des Autor*innenkollektivs Die Uferlosen.

Klappentext:
Das Autorenkollektiv „Die Uferlosen“ präsentiert: „Seelengefährten“. In jedem Buch wird das Thema neu interpretiert, aber eins haben alle Bände gemeinsam: Sie gehen direkt ins Herz.
Zwei Herzen, ein Zeichen. Wer das Mondmal eines anderen trägt, ist mit ihm verbunden – für immer. Doch was, wenn dein Zeichen jemandem gehört, den du hasst?
Nach einer harten Kindheit im Waisenhaus geht es für Ridley endlich aufwärts. Als »Zukal der Zerstörer« ist er der beste Käfigkämpfer der Arena, und bald wird er auch der beste Heiler der Akademie sein. Jemand wie er glaubt nicht an Mondmale. Keine Göttin kann ihm vorschreiben, wen er zu lieben hat. Sein einziges Problem ist dieser Idiot von der Tempelwache, der sein gesamtes Geld in den Kanal geworfen hat. Und nur, weil Ridley ein winziges Boot geklaut hat … während darauf eine Trauerzeremonie stattfand

Slar wird den feigen Dieb finden, der ihn vor seinem besten Freund lächerlich gemacht hat. Nicht nur, weil er heimlich in diesen besten Freund verliebt ist. Sondern auch, weil Gesindel wie Ridley Zukal nicht frei herumlaufen darf. Selbst wenn dieses Gesindel den Körper eines Kriegsgottes und ein überaus anziehendes Lächeln hat …

Wenn ich „Das Mondmal“ in einem Wort kommentieren müsste, würde dieses Wort, paron my french, „geil“ lauten. In jeder Hinsicht. Ich habe gelacht, geheult, geflucht, rote Ohren bekommen und Fingernägel gekaut. Ach ja, und eine Menge neuer Schimpfwörter gelernt. Regina Mars erzählt die Geschichte von Slar und Ridley temporeich, zum Brüllen komisch, abartig spannend und so intensiv, dass es mir schwerfiel, das Buch aus der Hand zu legen (wirklich doof, dass man irgendwann dann doch mal schlafen muss). Reginas Figuren sind nicht einfach nur Figuren in einer Geschichte. Sie leben, und als Leser*in war ich ganz dicht bei ihnen. Manchmal hätte ich sie am liebsten mit ihren Dickköppen gegeneinandergeschlagen, damit sie endlich merken, was los ist. Und Slars bester Freund ist der süßeste, hinreißendste, liebenswürdigste Sidekick, der mir seit langem über den Weg gelaufen ist.

Fazit: „Das Mondmal“ ist ein kurzweiliges, spannendes und mitreißendes Lesevergnügen, ein Buch, bei dm das Weglegen und Pause machen schwerfällt. Ein echter „Mars“ eben. Absolut zu empfehlen für alle, die Gay Romance mögen und nicht vor einer zweitweilig etwas derben Sprache zurückschrecken. Mir hat’s Spaß gemacht und ich hatte die ganze Zeit einen Song im Kopf: „Dirty Old Town“. Passt zur Halbmondstadt, die ich ganz sicher nicht nur einmal betreten habe, um Slar und Ridley auf ihren Abnteuern zu begleiten.

Buch kaufen

Svea Lundberg: Die stille Seite der Musik

Einfühlsam, romantisch, gefühlvoll, bittersüß und sehr lebendig – lauter Worte, die Svea Lundbergs coming-of-age/gay romance-Roman beschreiben und ihm doch alle nicht gerecht werden.
Worum geht es? Bei einem Autounfall wird Valentins Hand so schwer verletzt, dass der aufstrebende Stern am Pianistenhimmel seine Karriere an den Nagel hängen muss, sehr zum Leidwesen seiner Mutter, die nichts lieber gewollt hätte, als den Sohn in die Fußstapfen des berühmten Vaters treten zu sehen. Doch auch Valentin kämpft – gegen seinen Frust, gegen seine Ängste, seine Sorgen, manchmal auch seine Mutter. Als die ihn in die Ferien nach Fehmarn zu ihrer Schwester auf einen Reiterhof schickt, ist Valentin erst einmal alles andere als begeistert – doch dann begegnet er dem jungen Florian, der auf dem Reiterhof arbeitet, ein begnadeter Horseball-Spieler ist, dazu zuckersüß und absolut Valentins Beuteschema – und gehörlos. Zunächst erscheint Flos Gehörlosigkeit Valentin als fast unüberwindbare Barriere. Doch dann erkennt Valentin, wie scheinbar mühelos Flo sich mit seiner Beeinträchtigung abzufinden scheint, und erkennt, dass er selbst an seiner Einstellung zu seiner kaputten Hand ebenfalls etwas ändern kann – wenn er nur will.

„Die stille Seite der Musik“ ist ein Buch voller Dur und Moll und voller Zwischentöne. Sensibel und gut recherchiert präsentiert Svea Lundberg den gehörlosen Florian, ohne dass der Leser sich gezwungen sieht, Mitleid mit ihm zu haben. Die Autorin beschreibt einfühlsam und zugleich vollkommen normal den Alltag eines Gehörlosen und auf humor-und liebevolle Weise, wie sich die Beziehung zwischen dem hörenden Valentin und dem tauben Flo entwickelt. Eigentlich sind Bücher mit Protagonisten unter 30 gar nicht so mein Ding, da mir so junge Romanhelden oft zu kindisch und zu albern be-und geschrieben werden, aber Svea Lundbergs Erzähstimme und Valentin und Flo haben mich sofort in ihren Bann gezogen und um den Finger gewickelt.
Ich hatte sehr viel Freude an diesem wunderbaren Roman und habe immer noch ein wenig den Duft von Seewind und Pferdestall in der Nase.

Katharina Seck: Tochter des dunklen Waldes

Dass Fantasy nicht nur leichte Kost ist, sondern tiefsinnig sein kann und sehr aktuelle Probleme anpackt, zeigt Katharina Seck mit ihrem phantastischen Roman „Tochter des dunklen Waldes“.

Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Lilah, die sich ihrem friedlichen Dorf Grünweite zwar verbunden weiß, aber immer das Gefühl in sich trägt, nicht wirklich, nicht ganz und vollkommen dazuzugehören zur Gemeinschaft der Handwerker, Bauern Händler und Schankwirte. Vor allem dann nicht, wenn die Geschichten über den unheimlichen Morgenwald erzählt werden, wo der Legende nach ein Mädchen in ihren Träumen gefangen an das Herz einer schwarzen Eiche gebunden ist und nun den Wald mit den Schreckensvisionen ihrer Träume verseucht und verflucht. Für die Menschen von Grünweite ist der Morgenwald unheimlich, voller Schrecken, eine einzige Bedrohung, von der Gefahr ausgeht – doch Lilah fühlt sich wie magisch angezogen von diesem Wald, ohne zu wissen, warum. Damit ist sie nicht allein: auch der Erntehelfer Dorean, der immer wieder im Dorf auftaucht, um dort zu arbeiten, und dann von einem auf den anderen Tag wieder verschwindet, spürt eine eigenartige Verbundenheit zum Morgenwald. Und eines Tages verschwindet er dort hin, hinterlässt Lilah, die ihn heimlich liebt, nur eine kryptische Nachricht. Und Lilah, verwundert über ihren eigenen Mut, lässt alles stehen und liegen und will ihrem Geliebten folgen in das dunkle Grün, das zugleich so einladend und so bedrohlich wirkt.
Was hat es auf sich mit der toten jungen Frau mit sen seltsamen Malen auf der Haut, auf die Lilah auf dem Weg in den Wald stößt? Und welche Geheimnisse erwarten sie, wenn sie es wirklich wagt, den Wald zu betreten?

In poetischer und zugleich moderner, mitreißender Sprache erzählt Katharina Seck eine Geschichte vom Sich-selbst-finden, vom Nach hause kommen und von Gegensätzen, die aufeinanderprallen wie Tag und Nacht. Sie webt ihre Leser ein in die Geheimnisse des dunklen Waldes, dessen mysteriöse Bewohner die Menschen draußen in den Dörfern ebenso fürchten, wie die Menschen in den Dörfern sich vor den Waldwesen ängstigen. Und am Ende zwingt Katharina Seck uns, ihre Leser, Lilah bei der Lösung der schwersten aller Fragen zu begleiten: was ist wichtiger, das Wohl von vielen oder das Wohl Einzelner? Wie kann es gelingen, Mauern aus Angst vor dem „Anderen“ einzureißen? Und am Ende erfahren wir, was ein Mensch, der mutig genug ist, bewegen kann, indem er erst sich selbst bewegt und dann andere dazu bringt, zu vertrauen und zu folgen. Und wir lernen, welche Geheimnisse und welche Schönheit sich im Fremden, das so gefürchtet anders erscheint, verbergen kann, wenn man nur bereit ist, Grenzen von Vorurteilen und Hörensagen zu überwinden und ganz genau hinzuschauen.

Ein märchenhaftes, wunderbares Buch mit einer hoch aktuellen Botschaft. Absolut lesenswert.

Helen B. Kraft: Geheimnisse der Macht

Mit „Geheimnisse der Macht“ bringt Helen B. Kraft ihre Reihe „Erbe der sieben Wüsten“ zu einem gelungenen Abschluss. Im letzten Band der „Bestien“-Reihe spielt Lorin die Hauptrolle, Oberhaupt der Morrow-Hexen und mit den Bestien auf geradezu katastrophale Weise verbunden. Denn Lorin ist der Sohn der Hexe, die einst von Cruth getötet wurde – woraufhin Cruth als Verbannter zwischen den Welten landete und Lorin und seine Schwester Tezza nicht mehr altern konnten und als hoch magisch begabte Kinder weiter existierten.
Inzwischen ist Cruth wieder frei, der Fluch, der Auf Lorin lag, gebrochen, so dass er als erwachsener Mann leben kann. Doch das ist gar nicht so einfach, denn sein Körper mag der eines Erwachsenen sein, sein Innenleben doch oft noch das eines pubertierenden Teenagers, was Lorin in so manche unangenehme Situation bringt.
Und dann ist da auch noch Dia, die junge Bestienfrau, die gegen ihre ganz eigenen Dämonen zu kämpfen versucht und dabei die Hilfe einer Hexe braucht. Und diese Hexe ist Lorin. Auf beiden Seiten ist sofort das Begehren da, und Dia ist sich sicher: Lorin ist der Mann, den ihre Bestie will. Doch kann eine Liebe, die gebeutelt und auf die Probe gestellt wird von dunklen Geheimnissen und finsteren Zaubern, von inneren wie äußeren Dämonen, eine Zukunft haben?

Helen B. Kraft bringt mit „Geheimnisse der Macht“ die Bestienreihe zu einem fulminanten und für den Leser höchst zufriedenstellenden Abschluss. Alle aus den Vorgängerbänden noch offenen Fragen werden geklärt, alle losen Fäden finden ihren Gegenpart und bilden so ein gut durchdachtes Geschichtengewebe mit einem alle Bände der Reihe übergreifenden Spannungsbogen. Dazu sorgen Helen B. Krafts bekannt humoriger Schreibstil und ihre knisternden Erotikszenen wie immer für ein Lesevergnügen der ganz besonderen Art.

Ich hatte mit der Bestienreihe sehr viel Spaß und kann sie allen empfehlen, die nach nur einem Band einer Geschichte noch nicht genug haben und noch ein wenig länger in der Welt der Bestien verweilen wollen.
Auch sehr zu empfehlen sind die die Reihe wunderbar ergänzenden Kurzgeschichtenbände Zwischen Verrat und Hoffnung und Die Hoffnung ist stärker, in denen weitere Fäden aus den Bestien-Romanen weitergesponnen werden. Wer Spaß an den Bestien hatte, sollte sich diese spannenden Kurzgeschichtenhappen nicht entgehen lassen!

 

 

Kati Seck: Sie Stille zwischen Himmel und Meer

Selten habe ich auf das Erscheinen eines Buches so sehr gewartet wie bei diesem. Ich gehörte zu einem kleinen Kreis von Testlesern, die die erste Hälfte des Buches, das damals noch unter dem Arbeitstitel „Edda“ gehandelt wurde, lesen durfte. Und ich war sofort verliebt. Verliebt in diese Liebe zum Meer, die Kati Secks Roman in jeder Zeile atmet, verliebt, weil ich selbst das Meer so liebe und verstehen konnte, warum es sowohl die Protagonistin Edda als auch die Autorin Kati Seck immer wieder anzieht.
Als Edda – bzw. „Die Stille zwischen Himmel und Meer“ dann endlich den Buchmarkt eroberte, dauerte es dann doch noch ein Weilchen, bis ich zum lesen kam, und dann dauerte es noch einmal ein Weilchen, bis ich es ausgelesen hatte – denn dieser Roman ist keiner, den man mal eben schnell zwischendurch liest. Dieses Buch braucht Zeit, genau wie Edda, denn sonst kann es seinen zarten Zauber nicht weben.

Zum Roman: Im Spätsommer, fast schon Herbst, kommt Edda an die Nordsee, um dort ganz besondere Ferien zu machen. Denn Edda ist keine einfache Touristin. Sie fürchtet die Weite des Himmels und des Meeres, und die Freiheit eines fliegenden Vogels erschreckt sie. Edda ist ans Meer gekommen, um sich ihren Ängsten zu stellen, um ihnen eines Tages ins Gesicht lachen zu können. Doch erst muss sie lernen, die Stille zwischen Himmel und Meer zu ertragen, die Weite und das Freisein. Und dann ist da noch Sebastian, der in Eddas Leben und ihren sorgsam geplanten Urlaub platzt, weil das Ferienhaus, in dem Edda untergekommen ist, versehentlich doppelt vermietet wurde. Edda lernt schnell, dass auch Sebastian ein Gefangener seiner Vergangenheit ist und ebenfalls eine tiefe seelische Wunde mit sich herumträgt. Behutsam kommen beide einander näher – und sind sich doch immer fern.

„Die Stille zwischen Himmel und Meer“ ist ein Buch, das mich berührt, denn ich finde mich in der Widmung wieder. Kati Seck hat ihren Roman für die geschrieben, die manchmal verloren gehen. Verloren in der Welt, in ihrer Vergangenheit, in ihren Ängsten, Sorgen und Nöten. Eddas Geschichte ist kein Patentrezept dafür, wie man es schafft, nicht verloren zu gehen. Aber sie zeigt, wie man sich wiederfinden kann, ohne zu zerbrechen. Und wie man am Ende seinen Ängsten ins Gesicht lachen kann.

 

Julia Fränkle: Elfenrache – Flammen im Wind

Manchmal glaubt eine Autorin, dass eine Geschichte zu Ende erzählt wurde. Doch dann kommen auf leisen Sohlen Figuren zurück, schleichen sich in die Gedanken und wispern den Wunsch nach ihrer eigenen Geschichte. Für Julia Fränkle waren es Vilmos, Nîfra und Reifalas aus ihrem Doppelbänder Elfendiener, die auf der Matte standen und ihre eigene Geschichte erzählt haben wollten. Das Ergebnis: Elfenrache – Flammen im Wind, eine Fortsetzung, die den Vorgängerbänden um nichts nachsteht.

Wir folgen dem Feuerelfen-Assassinen Reifalas zurück in die Königsstadt Boatna, in der noch immer König Thakeno herrscht, voller Hass auf die Elfen, denn der Elf Ranve nahm ihm seine Mätresse Saihra, die inzwischen eine mächtige Feuermeisterin geworden ist. Mit dem Befehl, den König zu Fall zu bringen, verbündet Reifalas sich mit Vilmos und der Ildyr-Blutmagierin Nîfra. Doch Reifalas muss feststellen, dass er nicht der einzige Elf ist, der auf Befehl seines Fürsten in Boatna weilt. Auch Leyunar befindet sich dort, ein mächtiger Magier der Luftelfen und Lustdiener des Fürsten Deluwar. Schon bei der ersten Begegnung der beiden so unterschiedlichen Elfen knistert es gewaltig, und es dauert nicht lange, und aus dem Knistern wird unwiderstehliche Anziehungskraft.

In bildgewaltiger Sprache erzählt Julia Fränke eine Geschichte um Macht und Intrigen, Leidenschaft und Liebe, spinnt die Fäden weiter, die in den Vorgängerbänden ihren Anfang nahmen, und lässt ihre LeserInnen bis zum Ende mitfiebern. Nicht nur einmal führte sie mich mit Nîfras Blutmagie und der damit verbundenen Fähigkeit, die Gestalt eines anderen Wesens anzunehmen, so sehr aufs Glatteis, dass ich mit offenem Mund meinen Kindle anstarrte und die drei Buchstaben „WTF??“ in meinem Hirn einen wilden Reigen aufführten.

Wer Spaß an epischer, wildromantischer, knisternd erotischer Fantasy voller Wirren und Intriegen hat, dem kann ich „Elfenrache – Flammen im Wind“ nur ans Herz legen.

Tanja Rast: Stollenblut

Mit „Stollenblut“ eröffnet Tanja Rast die zweite Staffel ihrer gay romance-Reihe Der Magie verfallen, und es geht gleich so fulminant weiter, wie es in der ersten Staffel nebst Kurzgeschichtenband aufgehört hat.
Als begleitendes Arbeitstier landet der junge (und ausgesprochen schnuckelige) Schreiber Enris mit seinem Magister in einer Minenkolonie, in der zum einen das für die Herstellung magischer Edelsteine wichtige Stollenblut gewonnen wird, und in der es zum anderen nicht mit rechten Dingen zugeht. Enris und der Magister waren der Meinung, gerufen worden zu sein, um einen Mordfall aufzuklären, doch sind es derer bereits drei, und während Schreiber und Magister nach Spuren suchen, kommt sogar noch ein weiterer dazu, und sofort gibt es einen Verdächtigen: den Minenarbeiter Arev, mit dem Enris schon nach kurzer Zeit im Bett gelandet ist – und den er, koste es was es wolle, von jedem Verdacht reinwaschen will.
Ob es Enris, Arev und der geheimnisvollen, resoluten Deye gelingt, die Morde aufzuklären? Und ob aus Enris und Arev ein Paar wird? Das sollte jede/r selbst lesen!

„Stollenblut“ führt die Reihe „Der Magie verfallen“ in gewohnt knisternder, spannender und humorvoller Weise fort. Vielleicht ist dieser Roman ein kleines Bisschen düsterer als seine Vorgänger, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch, sondern verstärkt nur noch Stimmung und Spannung. Wieder gelingt es Tanja, mit wenigen Worten und Beschreibungen Bilder im Kopf heraufzubeschwören und den Lärm der Stollenblutmine in den eigenen Gedanken hörbar zu machen. Was den Bergbau angeht, ist der Roman gut recherchiert, auch dafür gibt es einen Pluspunkt. Alles in allem ein kleines Juwel, das sich Liebhaber der Reihe und die, die es werden wollen, nicht entgehen lassen sollten.