Kati Seck: Sie Stille zwischen Himmel und Meer

Selten habe ich auf das Erscheinen eines Buches so sehr gewartet wie bei diesem. Ich gehörte zu einem kleinen Kreis von Testlesern, die die erste Hälfte des Buches, das damals noch unter dem Arbeitstitel „Edda“ gehandelt wurde, lesen durfte. Und ich war sofort verliebt. Verliebt in diese Liebe zum Meer, die Kati Secks Roman in jeder Zeile atmet, verliebt, weil ich selbst das Meer so liebe und verstehen konnte, warum es sowohl die Protagonistin Edda als auch die Autorin Kati Seck immer wieder anzieht.
Als Edda – bzw. „Die Stille zwischen Himmel und Meer“ dann endlich den Buchmarkt eroberte, dauerte es dann doch noch ein Weilchen, bis ich zum lesen kam, und dann dauerte es noch einmal ein Weilchen, bis ich es ausgelesen hatte – denn dieser Roman ist keiner, den man mal eben schnell zwischendurch liest. Dieses Buch braucht Zeit, genau wie Edda, denn sonst kann es seinen zarten Zauber nicht weben.

Zum Roman: Im Spätsommer, fast schon Herbst, kommt Edda an die Nordsee, um dort ganz besondere Ferien zu machen. Denn Edda ist keine einfache Touristin. Sie fürchtet die Weite des Himmels und des Meeres, und die Freiheit eines fliegenden Vogels erschreckt sie. Edda ist ans Meer gekommen, um sich ihren Ängsten zu stellen, um ihnen eines Tages ins Gesicht lachen zu können. Doch erst muss sie lernen, die Stille zwischen Himmel und Meer zu ertragen, die Weite und das Freisein. Und dann ist da noch Sebastian, der in Eddas Leben und ihren sorgsam geplanten Urlaub platzt, weil das Ferienhaus, in dem Edda untergekommen ist, versehentlich doppelt vermietet wurde. Edda lernt schnell, dass auch Sebastian ein Gefangener seiner Vergangenheit ist und ebenfalls eine tiefe seelische Wunde mit sich herumträgt. Behutsam kommen beide einander näher – und sind sich doch immer fern.

„Die Stille zwischen Himmel und Meer“ ist ein Buch, das mich berührt, denn ich finde mich in der Widmung wieder. Kati Seck hat ihren Roman für die geschrieben, die manchmal verloren gehen. Verloren in der Welt, in ihrer Vergangenheit, in ihren Ängsten, Sorgen und Nöten. Eddas Geschichte ist kein Patentrezept dafür, wie man es schafft, nicht verloren zu gehen. Aber sie zeigt, wie man sich wiederfinden kann, ohne zu zerbrechen. Und wie man am Ende seinen Ängsten ins Gesicht lachen kann.

 

Julia Fränkle: Elfenrache – Flammen im Wind

Manchmal glaubt eine Autorin, dass eine Geschichte zu Ende erzählt wurde. Doch dann kommen auf leisen Sohlen Figuren zurück, schleichen sich in die Gedanken und wispern den Wunsch nach ihrer eigenen Geschichte. Für Julia Fränkle waren es Vilmos, Nîfra und Reifalas aus ihrem Doppelbänder Elfendiener, die auf der Matte standen und ihre eigene Geschichte erzählt haben wollten. Das Ergebnis: Elfenrache – Flammen im Wind, eine Fortsetzung, die den Vorgängerbänden um nichts nachsteht.

Wir folgen dem Feuerelfen-Assassinen Reifalas zurück in die Königsstadt Boatna, in der noch immer König Thakeno herrscht, voller Hass auf die Elfen, denn der Elf Ranve nahm ihm seine Mätresse Saihra, die inzwischen eine mächtige Feuermeisterin geworden ist. Mit dem Befehl, den König zu Fall zu bringen, verbündet Reifalas sich mit Vilmos und der Ildyr-Blutmagierin Nîfra. Doch Reifalas muss feststellen, dass er nicht der einzige Elf ist, der auf Befehl seines Fürsten in Boatna weilt. Auch Leyunar befindet sich dort, ein mächtiger Magier der Luftelfen und Lustdiener des Fürsten Deluwar. Schon bei der ersten Begegnung der beiden so unterschiedlichen Elfen knistert es gewaltig, und es dauert nicht lange, und aus dem Knistern wird unwiderstehliche Anziehungskraft.

In bildgewaltiger Sprache erzählt Julia Fränke eine Geschichte um Macht und Intrigen, Leidenschaft und Liebe, spinnt die Fäden weiter, die in den Vorgängerbänden ihren Anfang nahmen, und lässt ihre LeserInnen bis zum Ende mitfiebern. Nicht nur einmal führte sie mich mit Nîfras Blutmagie und der damit verbundenen Fähigkeit, die Gestalt eines anderen Wesens anzunehmen, so sehr aufs Glatteis, dass ich mit offenem Mund meinen Kindle anstarrte und die drei Buchstaben „WTF??“ in meinem Hirn einen wilden Reigen aufführten.

Wer Spaß an epischer, wildromantischer, knisternd erotischer Fantasy voller Wirren und Intriegen hat, dem kann ich „Elfenrache – Flammen im Wind“ nur ans Herz legen.

Tanja Rast: Stollenblut

Mit „Stollenblut“ eröffnet Tanja Rast die zweite Staffel ihrer gay romance-Reihe Der Magie verfallen, und es geht gleich so fulminant weiter, wie es in der ersten Staffel nebst Kurzgeschichtenband aufgehört hat.
Als begleitendes Arbeitstier landet der junge (und ausgesprochen schnuckelige) Schreiber Enris mit seinem Magister in einer Minenkolonie, in der zum einen das für die Herstellung magischer Edelsteine wichtige Stollenblut gewonnen wird, und in der es zum anderen nicht mit rechten Dingen zugeht. Enris und der Magister waren der Meinung, gerufen worden zu sein, um einen Mordfall aufzuklären, doch sind es derer bereits drei, und während Schreiber und Magister nach Spuren suchen, kommt sogar noch ein weiterer dazu, und sofort gibt es einen Verdächtigen: den Minenarbeiter Arev, mit dem Enris schon nach kurzer Zeit im Bett gelandet ist – und den er, koste es was es wolle, von jedem Verdacht reinwaschen will.
Ob es Enris, Arev und der geheimnisvollen, resoluten Deye gelingt, die Morde aufzuklären? Und ob aus Enris und Arev ein Paar wird? Das sollte jede/r selbst lesen!

„Stollenblut“ führt die Reihe „Der Magie verfallen“ in gewohnt knisternder, spannender und humorvoller Weise fort. Vielleicht ist dieser Roman ein kleines Bisschen düsterer als seine Vorgänger, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch, sondern verstärkt nur noch Stimmung und Spannung. Wieder gelingt es Tanja, mit wenigen Worten und Beschreibungen Bilder im Kopf heraufzubeschwören und den Lärm der Stollenblutmine in den eigenen Gedanken hörbar zu machen. Was den Bergbau angeht, ist der Roman gut recherchiert, auch dafür gibt es einen Pluspunkt. Alles in allem ein kleines Juwel, das sich Liebhaber der Reihe und die, die es werden wollen, nicht entgehen lassen sollten.

Tanja Rast: Ein Ritter für Beriz

Bisher kannte ich Tanja Rast als Autorin heroischer Fantasy wie Cajan oder Arrion und als Verfasserin hinreißender Gay Romance- Romane ihrer Reihe Der Magie verfallen. Mit „Ein Ritter für Beriz“ betritt sie ein ganz anderes Terrain und präsentiert uns einen humorvoll-spannenden Fantasykrimi um gruselige Giftanschläge, eine Serie ungeklärter Wintermorde und den königlichen Ritter Derron, der eine Vorliebe für saftige Flüche und eine Abneigung gegen sabbernde Kleinkinder mit vollen Windeln hat. Dass ausgerechnet die kleine Beriz Derrons größte Hilfe bei der Aufklärung der Morde wird – daran muss der Ritter sich erst einmal gewöhnen. Und überhaupt sind der Ritter und das Mädchen ein eher ungewöhnliches Gespann – warum, das möchte ich hier nicht verraten, denn sonst nehme ich den Witz, auf dem der ganze Roman aufbaut, schon voraus.

Trotz des etwas anderen Genres ist auch „Ein Ritter für Beriz“ ein echter „Rast“, erzählt mit dem ihr eigenen Humor, den zum Teil herrlich schrulligen Figuren und sprechenden Bildern, die einem beim Lesen sofort das Kopfkino anspringen lassen und in die Geschichte hineinziehen. Ich hatte sehr viel Spaß mit Beriz und ihrem Ritter und wünsche diesem Buch, dass es noch viele weitere Leser erreicht. Denn es ist seine Lesestunden wirklich wert. Und eines ist sicher: Kotzbrocken kriegen keine Kekse.

Deborah Feldman: Unorthodox

Vorweg: dies ist keine Rezension. Ich wüsste gar nicht, wie ich ein Buch wie „Unorthodox“ überhaupt rezensieren sollte. Kann ich als Leserin das Leben der Autorin, das sie in ihrem Buch so schonungslos ehrlich, unaufgeregt sachlich und in einer Weise, dass das Weiterlesen manchmal schmerzt, rezensieren? Ich denke nicht. Trotzdem möchte ich einige meiner Gedanken zu diesem Buch teilen, das mich schon nach wenigen Seiten unglaublich beeindruckt hat.

In „Unorthodox“ beschreibt Deborah Feldman ihre Kindheit, Jugend und ihr Leben als junge Erwachsene als Satmarer Chassidin in Williamsburg, New York. Im engen Korsett religiöser Regeln, denen sich chassidische Juden unterwerfen, sehnt sich Deborah Feldman nach Freiheit, nicht nur im Sinne von Freiheit, hinzugehen, wohin man will und zu tun und zu lassen, was man selbst für gut und richtig hält, sondern vor allem auch nach einer Freiheit des Geistes. So schleicht sie sich schon als kleine Kind in die Bibliothek und schmuggelt nicht-koschere, also unerlaubte, unzensierte weltliche Literatur in ihr Zimmer, liest heimlich und verbirgt die Bücher unter ihrer Matratze. Sie stellt als Mädchen nicht die Religion an sich infrage, sucht aber immer wieder Fluchtwege aus den strengen Regeln der Satmarer Chassiden. In der Schule lebt sie für den Englischunterricht und wird nach ihrem Schulabschluss Lehrerin für Englisch in den Unterstufenklassen. Mit Siebzehn wird sie nach einem aufwändigen, von Ehevermittlerin und Familien arrangierten mehrstufigen Kennenlernen mit einem jungen Mann verheiratet und muss sich nun den Regeln der verheirateten Frauen ihrer Gemeinde unterwerfen. Weder sie noch ihr Mann sind sexuell aufgeklärt, dennoch wird von ihnen erwartet, dass sie in der Hochzeitsnacht die Ehe vollziehen. ZU beschreiben, was das für die junge Deborah nach sich zieht an Qual, Peinlichkeiten, Arztbesuchen und Therapien, möchte ich hier gar nicht wiedergeben, ich denke, jede/r, der/die davon liest, wird sich eigene Gedanken dazu machen können.

Trotz aller Widrigkeiten – Deborah wird schwanger, bringt einen gesunden Sohn zur Welt, sieht sich nun nicht mehr nur in der Rolle einer chassidischen Ehefrau, sondern einer chassidischen Mutter eines Sohnes, der nach chaissidischem Glauben aufgezogen werden und aufwachsen soll. Immer mehr sieht Deborah Feldman sich als Gefangene ihrer Welt, und immer wieder bricht sie ein Stückchen mehr aus. Heimlich schreibt sie sich Sarah Lawrence College ein und studiert Literatur. Anonym beginnt sie, über ihr Leben zu bloggen, schreibt offen über ihre Probleme mit Sex und stößt auf große Resonanz, sowohl von außerhalb als auch von innerhalb ihrer Gemeinde. Schließlich gelingt ihr der Ausbruch – sie lässt sich von ihrem Mann scheiden und zieht schließlich mit ihrem Sohn nach Berlin, wo sie als freie Schriftstellerin lebt und arbeitet. Zu ihrer Gemeinde in Williamsburg und zu ihrer Familie hat sie keinen Kontakt mehr – sie gilt dort als Verräterin.
„Ich bin machthungrig“, schreibt sie in „Unorthodox“, „aber nicht, um über andere zu herrschen; nur, um mir selbst zu gehören.“ An anderer Stelle, als sie über eine Verwandte schreibt, die große Eigeninitiative zeigte, als ihre Tochter an Diphtherie erkrankte und zu sterben drohte: „Ich möchte auch eine solche Frau sein, die sich ihr eigenes Wunder erkämpft, anstatt auf Gott zu warten, damit er es vollbringe.“

Offizielle Webseite von Deborah Feldman. Unter „Meinung“ finden sich Artikel und Interviews.

Valerie Colberg: Talvars Schuld

Der Roman „Talvars Schuld“ von Valerie Colberg entzieht sich jeder Genre-Einordnung, und gerade das macht ihn so faszinierend. Er ist spannend wie ein Krimi, intensiv wie ein Entwicklungsroman, wirkt wie ein historischer Roman und spielt doch in einer vollkommen eigenen, akribisch durchdachten und perfekt gebauten Welt. Wer sich an das antike Rom mit seinem Senat, seiner Rednertribüne auf dem Forum Romanum und die ausgefeilten Rhetorikkämpfe, die dort stattfanden, erinnert fühlt, liegt nicht falsch, denn Valerie Colbergs „Kessel“ ist an eben diesen historischen Schauplatz angelehnt.
In die Stadt Kessel mit all ihren Intrigen, politischen Ränkespielen und Prozessen, die über Aufstieg oder Niedergang entscheiden, landet der junge Kadevis bei seinem Mentor Malkar, um von ihm zu lernen und in die politische Gesellschaft eingeführt zu werden. Doch Kadevis ist nicht nur an seiner Ausbildung interessiert – vor vielen Jahren fand in Kessel ein Prozess gegen den einflussreichen Talvar statt, der angeblich Kadevis‘ Eltern während eines Feldzugs gegen die Inselreiche ermordet und wertvolle Kriegsbeute unterschlagen haben soll. Als Kadevis merkt, dass Malkar nach ganz eigenen Regeln spielt, während er ihn bei der Suche nach Beweisen für Talvars Schuld unterstützt, ist es um die naive Unschuld des jungen angehenden Politikers schon beinahe geschehen. Und dann ist da noch Lerina, Talvars hübsche und ausgesprochen kluge Tochter, die Kadevis sein Herz stiehlt …

„Talvars Schuld“ beschreibt nicht nur die Suche eines jungen Mannes nach Informationen über den Tod seiner Eltern. Vor allem beschreibt er die Entwicklung eines jungen, naiven Menschen, der unter den Fittichen eines skrupellosen Mentors, der mit Menschen wie mit Karten spielt und ein Meister der Intrigen und Ränke des Adels und der Politiker von Kessel ist, seine Unschuld zu verlieren droht. Der Leser erlebt, wie Kadevis immer mehr zu denken lernt wie sein Meister und sich dabei immer mehr von sich selbst entfremdet, bis er schließlich seine eigene Stärke findet und lernt, seinem Herzen zu folgen.
Valerie Colberg schreibt mitreißend, spickt ihre Geschichte mit spritzigen Dialogen und Wortgefechten, zeigt beeindruckend Kadevis‘ Entwicklung. Nur einen einzigen Nachteil hat dieses Buch – es ist viel zu schnell zu Ende gelesen, und ich als Leser würde gern mehr über Kessel und seine durchtriebenen Politiker erfahren. Vielleicht gelingt es Valerie Colberg, weitere Kessel-Romane an den Verlag zu bringen. Ich würde es ihr (und mir) sehr wünschen.

Dahlia von Dohlenburg: Meermänner küsst Mann nicht

Als Dahlia im Tintenzirkel-Fantasyautorenforum ihre gay romance-Märchenadaption „Meermänner küsst Mann nicht“ vorstellte, war sofort klar: dieses Buch muss ich haben. Die Vorlage, Andersens „Kleine Meerjungfrau“ hat mich schon zu meiner Kinderzeit in ihren Bann geschlagen. Ich schaute die tschechische Filmversion jedes Mal, wenn sie mir im Fernsehen über den Weg lief, ich besaß das Märchen als Hörspiel und natürlich in Buchform, ich liebe die Disney-Version ebenso wie das Original (weil ich Andersen trotz allem „es passt und so traurig ist es letztendlich ja irgendwie doch nicht“ sein eher tragisches Märchenende nie so richtig verziehen habe).
Und ich bin absolut verliebt in Dahlias schnuckeligen Meermann Iain, der wie die kleine Meerjungfrau im Märchen mit seiner Stimme einen finsteren Zauberer bezahlt, um an Land gehen, ein Mensch werden und das Herz des angebeteten Königs Flint gewinnen zu können. Sehnsüchtig wartet Iain auf den Kuss der wahren Liebe von Flints Lippen – doch der junge König hat ganz andere Pläne.
Aber da ist noch jemand, der Iain schon seit Jahren heimlich liebt: Prinz Lennard, des Königs Bruder, dem einst Iain den Schmuck seiner Mutter ans Ufer brachte – in der irrigen Meinung, Lennard sei sein Bruder Flint. Seit diesem Tag begehrt Iain den König – und Lennard ist bis über beide Ohren in Iain verliebt.
Bis Geheimnisse gelüftet und Meermänner endlich erlösend geküsst werden können, vergeht viel Zeit, in der man den armen leidenden Iain einfach nur in den Arm nehmen und knuddeln möchte.

Geschickt bringt Dahlia von Dohlenburg alle Elemente des Märchens in ihre Version der Geschichte ein: den Meerkönig, der in den Menschen nur Feinde sieht, den bösen Zauber, Iains Furcht, zu Meerschaum zu werden, sollte er nicht binnen vier Tagen den erlösenden Liebeskuss erhalten, und den Dolch, der das Leben des Königs beenden soll, damit Iain ins Meer zurückkehren kann.
Bei Dahlia wird im Gegensatz zur Vorlage am Ende alles gut – für alle, aber auf welchen verschlungenen Wegen, das soll hier nicht verraten werden. Das lest lieber selbst. Wenn ihr gay romance mögt und in die „Kleine Meerjngfreu“ genauso verliebt seid wie ich, dann werdet ihr dieses romantische, süße Märchen nicht mehr aus der Hand legen können und danach selbst über Meermänner schreiben wollen.
Ich fahre dann mal an die Küste und suche in den Wellen nach einem Gesicht mit grünen Augen und langem schwarzen Haar.

Tanja Rast: Magiefunken I (Der Magie verfallen V)

Wer kennt das nicht? Da hat man eine Reihe Romane mit sympathischen Helden geschrieben und kann sich irgendwie nicht wirklich von den Herrschaften lösen. Wenn dann auch noch Anfragen von LeserInnen kommen, die fragen, wie es denn mit diesem oder jenem Heldenpaar weitergeht, dann kommt man als AutorIn ja fast nicht darum herum, anzufangen, zu denken, herumzuspinnen und schließlich zu plotten. Genau das hat Tanja Rast gemacht und ihrer gay romance-Reihe „Der Magie verfallen“ einen Kurzgeschichtenband hinzugefügt, der die Heldenpaare noch einmal in den Fokus nimmt, nachdem sie ihre großen Abenteuer bravourös bestanden haben.

Und so begegnen wir Belac und Jiras aus Königsmacher wieder, die wir bei ihrem ersten Auftrag als Ritter der neu gekrönten Königin begleiten und wieder einmal Zeugen sein dürfen, wie sich Jiras gekonnt in Frauenkleidern bewegt. Es gibt ein Wiedersehen mit Terez und Noriv aus Elfenstein in einer abenteuerlichen Geschichte um Terez‘ nicht ganz so einfache Schritte in die Gesellschaft der Elfen. Livan und Torik aus Klosterschatz haben die Wirren des Krieges hinter sich gelassen – denken sie zumindest, haben dabei aber nicht mit der genialen Fiesigkeit ihrer Autorin gerechnet, die die beiden immer noch entsetzlich verliebten Helden zusammen mit Nonne Pelev in eine garstige Verschwörung stolpern lässt. Und nicht zuletzt treffen wir Griv und Talon aus Feuerzauber wieder, und wieder (das darf ja wohl nicht wahr sein!) hat Talon vor Griv ein Geheimnis – was dieser so gar nicht verknusen kann.

In ihrer unnachahmlichen Art lässt Tanja Rast ihre LeserInnen noch einmal mit den liebgewonnenen Helden bangen und hoffen – und nicht nur einmal auch herzlich lachen. „Magiefunken“ ist ein gelungenes Bonbon zur ersten Staffel von „Der Magie verfallen“, und ich verrate sicherlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir uns auf noch viel mehr spannende gay romance-Abenteuer aus ihrer Feder freuen dürfen.
Wer die Romane mochte, wird auch an den Kurzgeschichten zur Reihe Spaß haben.

Ju Honisch: Seelenspalter

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite: Ju Honischs Roman „Seelenspalter“, dessen weiterer Titel „Geheimnisse der Klingenwelt“ eine Reihe verspricht – was mich hochgradig freut, denn „Seelenspalter“ ist ein echtes Juwel.

Das Mädchen Maleni landet bei den Schemenjägern der Xyi, einem geheimnisumwobenen Assassinenorden, nachdem sie mit ansehen musste, wie marodierende Soldaten ihr Haus plünderten und ihre Familie grausam ermordeten. Aufgegabelt von der Schemenjägerin Niccela wird Maleni von Schemenjäger zu Schemenjäger weitergereicht, bis sie schließlich ihre Ausbildung im „Berg“ beginnt – einem Ort, der ebenso sagenumwoben ist wie die mysteriösen Xyi selbst.
Ihre Seele wird geteilt in Maleni, die unscheinbare Magd, und Taryah, die verführerische Tänzerin, die mit Gift auf den Lippen tötet.

Als Maleni nach einem von Taryahs Aufträgen eine Entscheidung trifft, die sie den Anschluss an ihre Karawane verpassen lässt, sieht sie sich Schwierigkeiten gegenüber. Sie muss fliehen, wird verfolgt, angegriffen – und auf mysteriöse Weise gerettet. Sie findet sich in der Gesellschaft zweier Wanderschmiede wieder, mit denen sie seit ihrer Rettung ein gemeinsames Schicksal verbindet – bis zu dem Punkt, an dem Maleni sich entscheiden muss, und ihr größter Feind plötzlich sie selbst ist: der Taryah-Anteil in ihr.

Ju Honisch erzählt Malenis Geschichte mit dem ihr eigenen feinen Humor, den ich schon bei ihren anderen Romanen so sehr mochte. Intensiv beschreibt sie Malenis Zwiespalt und ihre wachsende Beziehung zu den beiden Schmieden, die so viel mehr sind als nur einfache Handwerker.

Bis zum Ende spannend, ein Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Ich freue mich schon auf weitere Romane aus Ju Honischs Feder, die in der Welt von „Seelenspalter“ spielen.

Tina liest: Feuerzauber von Tanja Rast

„Der Magie verfallen“, die gefühlvoll-spannende gay romance-Serie von Tanja Rast hat vom ersten Band an Spaß gemacht. Ich bin mit Jiras und Belac durch Intrigenspiele gehüpft, war mit Terez und Noriv auf der Suche nach dem Elfenstein und habe mit Livan und Torik einen Klosterschatz gehoben. Das alles war spannend, lustig, romantisch. Aber mit dem letzten Band, Feuerzauber, setzt Tanja noch mal einen drauf. Für Griv und Talon, den kleinen, drahtigen Stadtwachenhauptmann und den großen Magier, brenne ich. Der Feuerzauber hat Funken geschlagen, die sich lange nicht löschen ließen.

Zum Inhalt: Noch vor kurzem waren Griv, Kommandant der Stadtwache, und der Feuermagier Talon ein Paar – doch ein Streit über die Geheimnisse der Magie entzweite sie. Als ein Notfall Griv jedoch eines Nachts dazu treibt, Talon aus dem Bett zu klopfen, verfliegt dessen Wut über den Besuch rasch. Denn Griv bringt ihm ein magisches Artefakt, das Talon nur aus jahrhundertealten Theorien kennt und von dem es heißt, dass es nicht existieren könne.

Talon wittert nicht nur eine magische Katastrophe, sondern auch eine persönliche, denn die Umstände zwingen ihn, mit Griv zusammenzuarbeiten. Und Streit hin oder her, Talon fühlt sich immer noch magisch von dem aufbrausenden jungen Mann angezogen.

Griv kann es nicht leiden, wenn Talon Geheimnisse vor ihm hat. Und dann auch noch diese Quittenmarmelade im Küchenschrank! Doch das alles tritt in den Hintergrund, als die beiden Ex-Geliebten sich einer viel größeren Gefahr gegenübersehen, als sie in Sofaecken und Küchenkabuffs lauern könnte: Magischer Abfall, hoch giftig und extrem unangenehm, und eine Art und Weise, damit umzugehen, die Talon bisher nur aus grauer Theorie kennt und die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Während Giv und Talon sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammenraufen, um dem Geheimnis des magischen Abfalleimers auf den Grund zu gehen, knistert es immer wieder höchst gefährlich zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern. Da fliegen nicht nur die Fetzen, da fliegen auch die Funken, und das in Form von Tanjas schon so oft von mir gelobten spritzigen Dialogen und knisternden Erotikszenen, die so ganz ohne explizite Darstellung auskommen und einem dennoch das Blut in die Wangen schießen lassen.

Ein perfekt gelungener Abschluss der ersten Staffel „Der Magie verfallen“!