Tanja Rast: Magiefunken I (Der Magie verfallen V)

Wer kennt das nicht? Da hat man eine Reihe Romane mit sympathischen Helden geschrieben und kann sich irgendwie nicht wirklich von den Herrschaften lösen. Wenn dann auch noch Anfragen von LeserInnen kommen, die fragen, wie es denn mit diesem oder jenem Heldenpaar weitergeht, dann kommt man als AutorIn ja fast nicht darum herum, anzufangen, zu denken, herumzuspinnen und schließlich zu plotten. Genau das hat Tanja Rast gemacht und ihrer gay romance-Reihe „Der Magie verfallen“ einen Kurzgeschichtenband hinzugefügt, der die Heldenpaare noch einmal in den Fokus nimmt, nachdem sie ihre großen Abenteuer bravourös bestanden haben.

Und so begegnen wir Belac und Jiras aus Königsmacher wieder, die wir bei ihrem ersten Auftrag als Ritter der neu gekrönten Königin begleiten und wieder einmal Zeugen sein dürfen, wie sich Jiras gekonnt in Frauenkleidern bewegt. Es gibt ein Wiedersehen mit Terez und Noriv aus Elfenstein in einer abenteuerlichen Geschichte um Terez‘ nicht ganz so einfache Schritte in die Gesellschaft der Elfen. Livan und Torik aus Klosterschatz haben die Wirren des Krieges hinter sich gelassen – denken sie zumindest, haben dabei aber nicht mit der genialen Fiesigkeit ihrer Autorin gerechnet, die die beiden immer noch entsetzlich verliebten Helden zusammen mit Nonne Pelev in eine garstige Verschwörung stolpern lässt. Und nicht zuletzt treffen wir Griv und Talon aus Feuerzauber wieder, und wieder (das darf ja wohl nicht wahr sein!) hat Talon vor Griv ein Geheimnis – was dieser so gar nicht verknusen kann.

In ihrer unnachahmlichen Art lässt Tanja Rast ihre LeserInnen noch einmal mit den liebgewonnenen Helden bangen und hoffen – und nicht nur einmal auch herzlich lachen. „Magiefunken“ ist ein gelungenes Bonbon zur ersten Staffel von „Der Magie verfallen“, und ich verrate sicherlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir uns auf noch viel mehr spannende gay romance-Abenteuer aus ihrer Feder freuen dürfen.
Wer die Romane mochte, wird auch an den Kurzgeschichten zur Reihe Spaß haben.

Ju Honisch: Seelenspalter

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite: Ju Honischs Roman „Seelenspalter“, dessen weiterer Titel „Geheimnisse der Klingenwelt“ eine Reihe verspricht – was mich hochgradig freut, denn „Seelenspalter“ ist ein echtes Juwel.

Das Mädchen Maleni landet bei den Schemenjägern der Xyi, einem geheimnisumwobenen Assassinenorden, nachdem sie mit ansehen musste, wie marodierende Soldaten ihr Haus plünderten und ihre Familie grausam ermordeten. Aufgegabelt von der Schemenjägerin Niccela wird Maleni von Schemenjäger zu Schemenjäger weitergereicht, bis sie schließlich ihre Ausbildung im „Berg“ beginnt – einem Ort, der ebenso sagenumwoben ist wie die mysteriösen Xyi selbst.
Ihre Seele wird geteilt in Maleni, die unscheinbare Magd, und Taryah, die verführerische Tänzerin, die mit Gift auf den Lippen tötet.

Als Maleni nach einem von Taryahs Aufträgen eine Entscheidung trifft, die sie den Anschluss an ihre Karawane verpassen lässt, sieht sie sich Schwierigkeiten gegenüber. Sie muss fliehen, wird verfolgt, angegriffen – und auf mysteriöse Weise gerettet. Sie findet sich in der Gesellschaft zweier Wanderschmiede wieder, mit denen sie seit ihrer Rettung ein gemeinsames Schicksal verbindet – bis zu dem Punkt, an dem Maleni sich entscheiden muss, und ihr größter Feind plötzlich sie selbst ist: der Taryah-Anteil in ihr.

Ju Honisch erzählt Malenis Geschichte mit dem ihr eigenen feinen Humor, den ich schon bei ihren anderen Romanen so sehr mochte. Intensiv beschreibt sie Malenis Zwiespalt und ihre wachsende Beziehung zu den beiden Schmieden, die so viel mehr sind als nur einfache Handwerker.

Bis zum Ende spannend, ein Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Ich freue mich schon auf weitere Romane aus Ju Honischs Feder, die in der Welt von „Seelenspalter“ spielen.

Tina liest: Feuerzauber von Tanja Rast

„Der Magie verfallen“, die gefühlvoll-spannende gay romance-Serie von Tanja Rast hat vom ersten Band an Spaß gemacht. Ich bin mit Jiras und Belac durch Intrigenspiele gehüpft, war mit Terez und Noriv auf der Suche nach dem Elfenstein und habe mit Livan und Torik einen Klosterschatz gehoben. Das alles war spannend, lustig, romantisch. Aber mit dem letzten Band, Feuerzauber, setzt Tanja noch mal einen drauf. Für Griv und Talon, den kleinen, drahtigen Stadtwachenhauptmann und den großen Magier, brenne ich. Der Feuerzauber hat Funken geschlagen, die sich lange nicht löschen ließen.

Zum Inhalt: Noch vor kurzem waren Griv, Kommandant der Stadtwache, und der Feuermagier Talon ein Paar – doch ein Streit über die Geheimnisse der Magie entzweite sie. Als ein Notfall Griv jedoch eines Nachts dazu treibt, Talon aus dem Bett zu klopfen, verfliegt dessen Wut über den Besuch rasch. Denn Griv bringt ihm ein magisches Artefakt, das Talon nur aus jahrhundertealten Theorien kennt und von dem es heißt, dass es nicht existieren könne.

Talon wittert nicht nur eine magische Katastrophe, sondern auch eine persönliche, denn die Umstände zwingen ihn, mit Griv zusammenzuarbeiten. Und Streit hin oder her, Talon fühlt sich immer noch magisch von dem aufbrausenden jungen Mann angezogen.

Griv kann es nicht leiden, wenn Talon Geheimnisse vor ihm hat. Und dann auch noch diese Quittenmarmelade im Küchenschrank! Doch das alles tritt in den Hintergrund, als die beiden Ex-Geliebten sich einer viel größeren Gefahr gegenübersehen, als sie in Sofaecken und Küchenkabuffs lauern könnte: Magischer Abfall, hoch giftig und extrem unangenehm, und eine Art und Weise, damit umzugehen, die Talon bisher nur aus grauer Theorie kennt und die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Während Giv und Talon sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammenraufen, um dem Geheimnis des magischen Abfalleimers auf den Grund zu gehen, knistert es immer wieder höchst gefährlich zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern. Da fliegen nicht nur die Fetzen, da fliegen auch die Funken, und das in Form von Tanjas schon so oft von mir gelobten spritzigen Dialogen und knisternden Erotikszenen, die so ganz ohne explizite Darstellung auskommen und einem dennoch das Blut in die Wangen schießen lassen.

Ein perfekt gelungener Abschluss der ersten Staffel „Der Magie verfallen“!

Tanja Rast: Klosterschatz (Der Magie verfallen III)

Von Kriegsschaufeln, selbstbewussten Nonnen und Klosterschätzen

Mit „Klosterschatz“ stellt Tanja Rast den dritten Roman ihrer Gay Romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor und vereint darin wieder eine humorvoll-romantische Liebesgeschichte mit einem bis zuletzt spannenden Plot um politische Wirren in einem kriegsgebeutelten Land.

Wie der Bote der Göttin Anide erscheint dem verletzten und von Wundfieber geplagten Rebellen Torik der hochgewachsene, verflucht gutaussehende Livan, der mit einer Schaufel bewaffnet im exakt richtigen Moment auftaucht, um Torik und einer Handvoll Nonnen nebst Mutter Oberin das Leben zu retten. Mit Livans Hilfe gelingt die Flucht vor den königlichen Soldaten – doch das ist erst der Anfang einer Geschichte, in der nicht jeder das ist, was er zu sein scheint.

Wer sind die resoluten Nonnen, die so viel mehr durchstehen, als Livan ihnen zugetraut hat? Und welche Geheimnisse verbirgt Livan selbst unter seinem Mönchsgewand? Was lag in den alten Katakomben des verfallenen Klosters, in dem Livan Nonnen und Torik aus der Gewalt der Königlichen befreite – und welches Mysterium umweht die Nonne Meni, mit der sich Livan auf ihrer Flucht plötzlich allein in einem matschigen Schlammloch wiederfindet?

All diese Fragen beantwortet die Lektüre von „Klosterschatz“, die ich euch dringend empfehlen möchte. Tanja Rast hat es wieder geschafft, eine romantisch-abenteuerliche Geschichte zu schreiben, die ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite packt. Wir immer ausgestattet mit einem Coverbild von Cover für Dich heißt dieses Buch nicht nur „Schatz“, es ist auch einer.

Ich hoffe, dass Tanja noch lange nicht genug hat von ihrer Gay Romance-Reihe, und freue mich schon auf weitere Romane aus ihrer Feder.

Tanja Rast: Elfenstein (Der Magie verfallen II)

 Mit „Elfenstein“ legt Tanja Rast den zweiten Band ihrer gay romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor und entführt ihre Leser in eine raue Bergwelt, in der Bergführer Noriv sich wie zuhause fühlt. Nicht so der Elf Terez und sein menschlicher Ziehvater, die Noriv als Führer angeheuert haben, damit er sie sicher durch das unwegsame Gelände geleitet.

Der Klappentext verspricht ein romantisches Abenteuer: Wieder einmal soll der erfahrene Bergführer Noriv Reisende über das Gebirge leiten. Doch zu dieser Gruppe gehört Terez, ein junger Elf. Aufgewachsen bei einem menschlichen Ziehvater lässt Terez keine Spur der Wildheit erkennen, die man seinem Volk nachsagt – stattdessen Charme und atemberaubende Schönheit. Immer wieder muss Noriv sich ins Gedächtnis rufen, dass der reizvolle Elf unter seinem Schutz steht und damit unberührbar ist. Er kann nicht ahnen, dass Terez sich zu seinem Beschützer ebenso hingezogen fühlt wie umgekehrt. Ein Steinschlag bringt beide einander näher. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse, und Terez muss beweisen, dass in seiner Brust ein wahres Elfenherz schlägt …

Noriv und Terez könnten unterschiedlicher nicht sein – der erste groß, breit und kräftig, ein wenig eigenbrötlerisch, manchmal brummig, aber immer wie ein starker Fels, letzterer klein, zierlich, bildhübsch und ziemlich weltfremd, bis auf die Affären, die er heimlich und ohne das Wissen seines Ziehvaters immer wieder gehabt hat. Durch einen Steinschlag von der Reisegruppe getrennt kommen sich Terez und Noriv sehr schnell näher. Zurück bei der Reisegruppe müssen sie sich alle Mühe geben, Terez‘ Ziehvater nichts von der gegenseitigen Leidenschaft merken zu lassen.

Doch dann zeigt der Ziehvater plötzlich ein ganz anderes Gesicht als das des liebevoll-besorgten Vormundes, und die geruhsame Reise wird zu einem gefährlichen Abenteuer, das ihr am besten selbst lest.

Tanja Rast schafft es, dem schon oft überstrapazierten Elfenvolk ein ganz eigenes Gesicht zu geben. Ihre Elfen sind keine ätherisch-durchscheinenden Unsterblichen, die in gelangweilter Überheblichkeit ihr Dasein fristen und auf die Menschen herabsehen. Sie sind wild, trinkfest, angriffslustig und zäh wie altes Leder. Terez, der als Findelkind unter Menschen aufgewachsen ist, saugt die Geschichten über sein Volk in sich auf wie ein Schwamm. Glaubhaft schildert Tanja Rast seine Entwicklung vom weltfremden Jüngling zu einem jungen Mann, der seinen eigenen Kopf hat – und das wie immer mit dem ihr typischen Humor. Wer „Königsmacher“ mochte, wird auch mit „Elfenstein“ seinen Spaß haben.

Tanja Tast: Runenschicksal

 Tanja Rasts Wikingerroman „Runenschicksal“ ist eine kleine feine Geschichte der etwas anderen Art, und damit etwas ganz Besonderes. Welche phantastische Geschichte kommt schon mit in die Jahre gekommenen Helden daher?

Grima und Ragnvald leben gebunden an das Runenschicksal schon viele Jahre, von denen sie die meisten mit der Suche nach einander verbracht haben, haben doch Skalden beiden prophezeiht, dass sie für den jeweils anderen bestimmt sind. Und nicht nur das – haben sie sich einst gefunden, dann müssen sie eine von den Göttern gestellte Aufgabe erfüllen, für die sie von Geburt an ausersehen sind.

Als Grima endlich ihren Ragnvald findet, ist sie bereits um die Siebzig und sicherlich keine junge Hüpferin mehr, dennoch strahlt sie Humor, Kraft und innere Ruhe aus, was sie sofort sympathisch macht. Ebenso Ragnvald, der alternde Krieger, der inzwischen eher mit Worten als mit Waffen kämpft, aber immer noch genug Stärke in sich trägt, um sich Riesen, Zwergen und Elfen entgegenzustellen.

Schnell zeigt sich, dass jugendlicher Übermut und Kampfgeist tatsächlich nicht das ist, was die Götter suchen und was Ragnvald und Grima zur Erfüllung des Auftrags benötigen, den ihnen Hel und Odin zu Füßen der Weltenesche erläutern. Ein Friedenspakt zwischen Elfen und Zwergen soll geschlossen werden, auf dem neutralen Boden Midgards, mit Grima und Ragnvald als Gastgeber und Vermittler. Ihnen zur Seite stehen die Götterwölfe Freki und Garm, die sie auf ihrer Reise zu Zwergen und Elfen begleiten und die die Wächter des Friedenstreffens sind.

Doch alle diplomatischen Kniffe nützen nichts mehr, wenn Mächte von Außerhalb den keimenden Frieden zunichte zu machen drohen. Ob Grima und Ragnvald das Ruder noch herumreißen können, sollte jeder selbst lesen, denn so wie diese Geschichte erzählt werden muss, kann sie nur Tanja selbst erzählen – mit dem ihr eigenen feinen Humor und den so menschlichen, so lebendigen Figuren.

 

Kaye Alden: NuR – Nel und Rin Sammelband 1/NuR 4 – In Sklaverei

NuR – das steht für Nel und Rin, die Protagonisten dieser Reihe von gay romance-Kurzromanen, und ebenso für das kleine Wörtchen „nur“. Denn darum geht es in diesen Geschichten: um Nel und Rin, nur, ausschließlich.

Kaye Alden versetzt ihre Protagonisten in immer andere Settings, dann erzählt sie immer wieder dieselbe und doch immer wieder eine andere Geschichte – wie Nel von Rin gefunden wird und der eigenbrötlerische Rin sich nach und nach dem sanften, tierlieben Nel öffnet, ihn in sein Leben lässt und feststellt, dass er ihn nicht mehr gehen lassen möchte.

Der erste Sammelband des NuR-Zyklus enthält die Einzelbände „Die Hütte im Schnee“, „Stockwerk No. 15“ und „In der Wüste“.

„Die Hütte im Schnee“ erzählt die Geschichte des Einsiedlers Rin, dem die Bewohner der nächsten Ortschaft dämonische Kräfte nachsagen. Als er Nel halb erfroren im Wald findet und erfährt, dass der junge Mann auf dem Weg zu ihm war, nehmen Geschehnisse ihren Lauf, die weder Nel noch Rin aufhalten können.

In „Stockwerk No. 15“ begegnen sich Nel und Rin in einer postapokalyptischen Welt. Rin lebt in einem der wenigen noch intakten Hochhäuser außerhalb der nächstgrößeren Stadt. Nachts wütet die Dunkle Pest und vernichtet alles Leben – ein Glück für Nel, dass Rins Bewegungsmelder anschlagen. Im buchstäblich letzten Moment rettet Rin Nel das Leben – und muss erkennen, dass der hübsche Blondschopf ihm auf eine Weise gefährlich wird, die rein gar nichts mit der Dunklen Pest zu tun hat.

„In der Wüste“ führt die Leser in eine Welt wie aus 1001 Nacht. Magisch begabte Menschen werden zum Tod in der Verfluchten Stadt verurteilt. Nel ist so ein Mensch – und Rin einer, der selbst über Magie verfügt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, so viele der Verurteilten zu retten, wie er kann. Eigentlich sollte auch Nel nach seiner Rettung und genesung irgendwann weiterziehen – doch es kommt ganz anders.

Nach dem Sammelband hatte ich noch nicht genug von „NuR“, also musste umgehend der vierte Band her. „In Sklaverei“ befindet sich Nel, als der freiheitsliebende Fischer Rin auf dem Sklavenmarkt auf ihn stößt – und ihn kurzerhand kauft, nur, um ihn nach Ablauf der 100 Tage, die ein Sklave mindestens im Besitz seiner Herrschaft bleiben muss, freizulassen. Was das Ganze deutlich verkompliziert, ist, dass Rin sich Hals über Kopf in den sanften, hübschen Nel verliebt. Denn wie echt kann eine Liebe schon wirken, wenn sich ein Herr in einen Sklaven verliebt? Wer wissen möchte, ob Nel und Rin auch diese Hürde nehmen können, sollte auf jeden Fall weiterlesen.

 

NuR – immer dieselbe Geschichte, und doch immer wieder anders. Ich war anfangs skeptisch – kann das funktionieren, oder wird es nicht doch irgendwann langweilig? Nein, auf gar keinen Fall, denn Kaye Alden versteht es, die immer neuen Schauplätze, an denen sich Nel und Rin begegnen, so individuell zu beschreiben und zu zeigen, dass die einzigen Konstanten tatsächlich Nel und Rin sind, und die Tatsache, dass sie sich auf jeden Fall ineinander verlieben und am Ende zusammen bleiben. Doch wie ihre Liebe ihren Weg findet, welche Hürden die beiden Männer auf ihrem Weg nehmen müssen, welchen gefahren sie sich gegenübersehen – das ist jedes Mal anders, jedes Mal neu.

Für Freunde zärtlicher gay romance mit happy ending auf jeden Fall bestes Lesefutter!

Markus Heitz: Wédôra – Staub und Blut

 Wédôra – mächtige Metropole in der Wüste, eine eigene Welt, zusammengehalten von Stadtmauern, in der jede Bevölkerungsgruppe nach ihren eigenen Gesetzen lebt. An diesen faszinierenden und zugleich lebensgefährlichen Ort verschlägt ein Zauber die Gefährten Tomeija und Liothan.

Klappentext: Lebensspendend oder todbringend, geheimnisvoll oder verkommen – Juwel der Wüste oder Ende aller Hoffnung? Willkommen in Wédōra, dem Schauplatz von Markus Heitz‘ neuem Dark-Fantasy-Roman „Wédōra – Staub und Blut.
Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Sandsee zum Sturm auf die mächtige Stadt.
Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.

Eigentlich wolle Liothan und Tomeija nach ihrer unfreiwilligen Reise nach Wédôra nur eins: zurück nach Hause, Liothan, um seine Familie zu schützen, Tomeija, um den Zauberer dingfest zu machen, dem sie ihre Dimensionsreise zu verdanken haben. Doch die Stadt saugt die Gefährten geradezu in sich auf, und sie können nicht anders, als in Wédôra und mit ihr und ihren Bewohnern zu leben, zu verhandeln, zu arbeiten – denn zu kooperieren scheint der einzige Weg zu sein, wie sie doch noch wieder zurück in ihre Heimat kommen können.

Doch am Ende wird alles ganz anders.

Markus Heitz präsentiert mit Wédôra ein Setting, das ursprünglich für ein Rollenspiel geplant war, offen für jede Art von Abenteuer und Idee. Aus dem Rollenspiel wurde nichts, aber aus der Idee wurde ein Buch voll von spannenden und interessanten Charakteren, Schauplätzen und Abenteuern. Genau wie Liothan und Tomeija lernt der Leser Wédôra mit all ihren Besonderheiten nach und nach kennen und ist dabei den Gefährten gegenüber noch im Vorteil, denn Markus Heitz streut gekonnt immer wieder fiktive Tagebucheintragungen oder historische Schriften ein, die dem Leser Dinge über Wédôra zeigen, die Liothan und Tomeija verschlossen bleiben.

Mich hat Wédôra ebenso schnell in seinen Bann gezogen wie Liothan und Tomeija. Es war gar nicht so leicht, aus der Geschichte wieder aufzutauchen, wenn der Alltag rief. Die Geschichte ist spannend erzählt, schwungvoll geschrieben und gewürzt mit einer Prise Humor, die die Figuren echt und lebendig macht.

Auf jeden Fall eine Empfehlung für jeden Freund spannender, düsterer Fantasy. Ich freue mich schon sehr auf geplante Fortsetzungen.

Helen B. Kraft: Gefährliche Lügen

Mit „Gefährliche Lügen“ setzt Helen B. Kraft ihre Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“ fort – und es geht genauso spannend, knisternd und mit dem typischen Helen-Humor weiter. Im Fokus des vierten Bestien-Bandes stehen Kanzler Barriques Sohn Calliou und die Bestienprinzessin Naya, Tochter von Daemyan und Natayla, die wir schon aus Band 3 kennen.

Klappentext: Prinzessin Naya hat ein gewaltiges Problem, ebenso wie Calliou, der Sohn des Kanzlers. Beide haben Mühe, dem Einfluss ihrer überdominanten Väter zu entkommen. Da hilft es auch nicht wirklich, dass Naya sich immer in die falschen Männer verliebt, oder dass Calliou im Geheimen als Assassine für die Königin arbeitet.
Sie proben den Aufstand, doch der Zeitpunkt könnte ungünstiger nicht sein. Ein Feind bedroht die Bestien, entschlossen, sie alle auszurotten. Wenn Kobolde und Bestien es nicht schaffen, als Freunde und Familie zusammenzuhalten, könnte es das Ende für das Reich der Sieben Wüsten bedeuten.

In gewohnt spannender Weise, gewürzt mit sinnlich-knisternder Erotik und einer guten Portion Humor erzählt Helen B. Kraft die Geschichte von Nayla und Calliou, in der wir einige interessante Fakten über Kobolde und ihr Verhältnis zum Lügen erfahren und mit einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen Bestie und Erbsenpüree … entschuldigung, Kobold konfrontiert werden. In den ersten Bänden gesponnene noch lose Fäden verweben sich zu einem Bild, in dem plötzlich alles zusammenpasst. Zu viel will ich nicht verraten, denn wie Helen das schafft, sollte jeder Bestienfan selbst lesen.

Ich hatte mit „Gefährliche Lügen“ jedenfalls wieder viel Spaß und einige spannende Lesestunden, und ich empfehle jedem, der mit den Bestien liebäugelt, auf jeden Fall alle Bücher der Reihe zu lesen. Und natürlich freue ich mich schon auf Band 5.

Kai Meyer: Die Krone der Sterne

Zu diesem Buch bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind – vollkommen ungeplant überfiel es mich auf dem Buchmesse Convent 2016, wo Kai Meyer persönlich aufgetaucht war, um aus dem zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal erschienenen Werk zu lesen. Vielleicht war es die Lesungsatmosphäre, vielleicht die Tatsache, dem Autor in die Augen zu sehen, während er aus seinem Buch las und von der Entstehung der Geschichte berichtete – auf jeden Fall war es für mich und die „Krone“ Buchliebe auf den ersten Blick und Mitfiebern mit sympathischen, schrulligen, vielschichtigen Charakteren.
Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht.
Schon der Klappentext verspricht Geheimnisse, Mythen und eine faszinierende Welt: Das galaktische Reich von Tiamande wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Regelmäßig werden ihr Mädchen von fernen Planeten als Bräute zugeführt. Niemand weiß, was mit ihnen geschieht.
Als die Wahl auf die junge Adelige Iniza fällt, soll sie an Bord einer Weltraumkathedrale auf die Thronwelt gebracht werden. Ihr heimlicher Geliebter Glanis, der desillusionierte Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern tun alles, um den Plan der Hexen zu vereiteln. Im Laserfeuer gewaltiger Raumschiffe kämpfen sie um ihre Zukunft – und gegen eine kosmische Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt.
Mit „Die Krone der Sterne“ entführt Kai Meyer seine LeserInnen in eine ferne Galaxis, zu Weltraumkathedralen, gottgleich angebeteten schwarzen Löchern, geheimnisvollen Maschinen, die einst alle Zivilisationen bedrohten, zu Raumschiffen und Weltraumabenteurern, ohne dabei in „Tech-Speak“ zu verfallen. Er zeichnet seine Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten, ihren Leidenschaften, dunklen Geheimnissen , Vorlieben und Abneigungen. Iniza hatte mich vom ersten Satz an in der Hand – sie trage die Sterne in ihren Augen, wie schön ist das? Ich wusste von ihrer ersten Szene an, dass ich Shara mögen würde und Kranit am liebsten abwechselnd küssen und an die Wand klatschen möchte.
Es gefällt mir, wie Kai Meyer gerade seine weiblichen Figuren zeichnet – Frauen mit Frauenwünschen und Frauensehnsüchten, doch ohne Prinzesschengehabe und ohne das Bedürfnis, sich beschützen lassen zu müssen. Iniza hätte allen Grund dazu, nach Schutz suchen, doch auch sie greift beherzt nach dem Blaster und schießt sich den Weg frei, wenn es sein muss.
Natürlich, „Die Krone der Sterne“ ist kein einfaches Buch. Es aufzuschlagen bedeutet, sich auf eine fremde Galaxis einzulassen, der Leser wird mit einem ganzen Haufen von Namen und Bezeichnungen beworfen, muss sich zurechtfinden in der ein wenig nach Steam-und Cyberpunk duftenden Raumfahrerwelt. Doch das Buch selbst hilft schon dabei, indem es im Inneren der Klappbroschur mit wunderbaren, detailreichen Zeichnungen aufwartet, die es dem Leser erleichtert, sich ein Bild des Universums um Tiamande, Koryantum und die geheimnisumwobene Piratenwelt Noa zu machen.
Fazit: „Die Krone der Sterne“ ist für mich Science Fiction für LeserInnen, die Science Fiction bisher wegen zu viel Technobabbel gemieden haben, es ist ein Buch für Freunde epischer Fantasy, die gern auch einmal einen Ausflug ins Weltall machen wollen.
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band, der gerüchteweise im Februar 2018 erscheinen soll. Hoffentlich!