Katharina Seck: Die silberne Königin

Katharina Secks Debütroman „Die silberne Königin“ ist ein Buch, auf das ich mich von der ersten Ankündigung an gefreut habe wie der sprichwörtliche und sehr passende Schneekönig. Katharinas zauberhaften Schreibstil kannte ich bereits von meiner Arbeit als Testleserin für ein anderes Projekt aus ihrer Feder, umso gespannter war ich, wie sie diesen Stoff angeht, der zerbrechlich und schön wie eine Eisblume ist, kalt wie der Frost der vergangenen Tage und so voller Hoffnung wie ein Sonnenstrahl nach einem düsteren Regentag.

Zum Inhalt: Für Emma verändert sich ihr ganzes Leben, als sie Arbeit in der Chocolaterie der leicht verschrobenen Madame Weltfremd findet. Die Madame, die mit Schokolade und Plätzchenteig zaubert, kann noch auf eine andere, in Emmas Welt schon lange bei Strafe verbotene Art und Weise Zauber wirken: mit Worten, denn die Madame ist eine begnadete Erzählerin. Als sie beginnt, ihren Helferinnen Emma und Ophelia das Märchen von der silbernen Königin zu erzählen, sieht Emma immer mehr Parallelen des Lebens der märchenhaften Königin zu ihrem eigenen. Zufall? Ab einem bestimmten Augenblick kann Emma nicht mehr an Zufall glauben. Und mutig wie die silberne Königin der Geschichte betritt Emma schließlich das Schloss aus Eis, in dem der grausame Casper als tyrannischer König herrscht. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Wänden aus Eis und der kalten Unnahbarkeit des so gefühllosen Herrschers? Und welche Geheimnisse waren innerhalb der Mauern des kalten Palastes darauf, dass Emma sie lüftet? Verbirgt sich dort vielleicht sogar die Lösung des Mysteriums ihrer eigenen Herkunft?

Katharina Seck zaubert mit Worten wie Madame Weltfremd und zieht mich als Leserin von der ersten Seite hinein in Emmas in Eis erstarrte Welt. Ich kann nicht umhin, Parallelen zu unsere eigenen Realität zu sehen, wenn ich von dieser Welt des ewigen Winters lese, in der Menschen einander nicht mehr vertrauen können, in der jeder gehetzt ist und um das letzte Bisschen Wärme kämpft. In der Hoffnung und Liebe eigentlich keinen Platz mehr haben, weil alle Hoffnung von Kälte erstickt wird. Doch da ist Emma, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt, die kämpft und andere Menschen in ihren Kampf hineinzieht. Die aufbegehrt und damit Hoffnung weckt. Die weiß, dass ihr Weg in den sicheren Tod führen kann, aber ihn dennoch ohne zu zögern weitergeht, ganz einfach, weil sie weiß, dass sie es tun muss.
Katharina Seck erzählt Emmas Gesichte in gefühlvollen, poetischen Worten, eine zarte und doch starke Geschichte mit einer sympathischen Heldin, in der ich mich ohne Probleme wiederfinden kann.

„Die silberne Königin“ ist eine phantastische Geschichte gegen die Angst und die Hoffnungslosigkeit dieser Welt. Jeder, der sich fragt, was er allein schon erreichen kann, der sollte dieses Buch lesen. Ich hoffe, dass es dazu führt, dass sich in unserer realen Welt immer mehr Emmas erheben, um der Kälte die Stirn zu bieten.

Helen B. Kraft: Duft des Sturms

Mit „Der Duft des Sturms“ bringen uns Helen B. Kraft und der Machandel-Verlag den dritten Band der Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“.  Und wieder entführt die Autorin ihre LeserInnen in die Welt der Bestien – eine Welt voller Kämpfe, Intrigen, animalischer Triebe, Kriege und knisternder Erotik.

Bestienkönigin Natayla, Enkelin des legendären Cruth (wir erinnern uns an den inzwischen in der Ebene der Nichtexistenz gefangenen und von den Bestien Selas als Gott verehrten Herrscher) versucht alles, den Frieden zwischen den Bestienclans zu bewahren – doch ihre Bestie hat andere Pläne. Sie will einen Partner. Also macht sich Natayla auf eine 20 Jahre währende Suche, an deren Ende sie auf den auf den ersten Blick sehr charmenten Regenten Lucasz und dessen ebenso charmanten Bodyguard Daemyan trifft. Als klar wird, welcher der beiden Männer den karamelligen Whiskeyduft an sich trägt, der Nataylas Bestie zum Schnurren bringt, findet sich die Königin schon zutiefst verstrickt in Intrigen und jahrhundertealte Geheimnisse – Taten schon beinahe vergessener Zeiten, deren ganze Tragweite sich Natayla erst nach und nach komplett erschließt. Natayla steht eine schwere Prüfung bevor, deren Ausgang am Ende darüber entscheidet, ob sie ihren Geliebten halten kann oder nicht – und ob sie am Ende vielleicht sogar ihr Reich verliert.

„Duft des Sturms“ ist mein bisheriger Bestienliebling, und das nicht nur, weil endlich eine intrigante Mistbestie wohlverdient ins Gras beißt, der ich schon seit spätestens Band 2 ein unrühmliches Ableben gönne. Der dritte Band der „Erbe der Sieben Wüsten“-Reihe besticht durch eine drama-und actionreiche Handlung und die wie immer herrlich spritzigen Dialoge – vor allem, wenn sich die Bestien wieder einmal mit dem Kobold Barrique herumschlagen müssen, der sehr viel mehr ist als einfach nur ein comic relief. Faszinierend, wie in diesem Buch nach und nach Fäden zusammengeführt werden und sich Puzzleteile zu einem Bild zusammenfügen, das man anfangs nur ahnen konnte.

Helen B. Krafts Schreibstil ist wie immer sicher und angenehm flüssig zu lesen. Wieder einmal beweist sie, dass sie beides kann: die schnelle, harte Action ebenso wie die leisen Töne und das Knistern von heißer Erotik. Ein echter Hingucker auch das Cover aus der Feder von Cover für Dich.

Fazit: Absolut empfehlenswert. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch der Bestienreihe.

Julia Fränkle: Elfendiener I – Der Krieger und die Mätresse

elfendiener „Nach Wochen voller Briefe und Geschenke erhört Saihra endlich die Avancen des Königs und wird zu seiner Mätresse. Ein Skandal am Hofe, denn sie ist nur die Tochter eines Handwerkers und muss schnell erkennen, dass sie kaum mehr als eine Trophäe ist. Doch erst die Begegnung mit dem Elfenkrieger Ranvé weckt in Saihra den Wunsch nach wahrer Liebe und Freiheit.

Ranvé indessen sucht in der Königsstadt nach Antworten auf eine undurchsichtige Einladung von Seiten des Königs. Seine Nachforschungen treiben ihn mitten in das Intrigenspiel des Hofes und in das Visier des Königs, der um jeden Preis das Geheimnis der Unsterblichkeit der Elfen lüften will.

Die Liebe zwischen Ranvé und Saihra liefert dem Menschenherrscher schließlich nicht nur die Rechtfertigung für einen persönlichen Rachefeldzug, sondern auch einen Grund, durch dunkle Magie die Macht der Elemente zu entfesseln.“

Der Klappentext verspricht eine Geschichte voller Liebe, Leidenschaften, Abenteuer, Verwirrungen, mystischer Geheimnisse und Intrigen – und ich als Leserin wurde nicht enttäuscht. Schon nach wenigen Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn die Geschichte um Saihra und Ranvé, das Geheimnis der Unsterblichkeit und die mysteriösen Elementarherrscherinnen hatte mich schnell in ihren Bann gezogen. Der Schreibstil ist märchenhaft, zuweilen episch, gleitet dabei aber nie ins Schwülstige oder Kitschige ab und lässt hier und da einiges an Humor durchschimmern.

Geschickt versteht Julia Fränkle es, die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu verweben und bei der Vielfalt der Figuren und Schauplätze nie den Überblick zu verlieren. Die Figuren sind allesamt lebendig ge-und beschrieben. Ihr Handeln ist auf den ersten Blick nicht immer ganz logisch, im Nachhinein aber doch immer nachvollziehbar. Faszinierend ist die Welt, die Julia Fränkle erschaffen hat, mit ihren Welteninseln, Weltentoren, die durch das Meer führen, Menschen, Elfen, Trollen, Zentauren und geheimnisvollen Wesen wie dem Totenerwecker, der seine ganz eigene tragische Geschichte hat und über den ich hier nichts weiter verraten werde.

Das einzige Problem dieses Buches: es ist viel zu schnell zuende und hört an einer Stelle auf, an der man schreien möchte, weil es den zweiten Band noch nicht gibt. Ich freue mich jetzt schon darauf, zu erfahren, wie die Geschichte von Saihra und Ranvé weitergeht.

Zum Schluss ein dickes Dankeschön an Autorin Julia Fränkle und dem Deadsoft-Verlag/Imprint tensual publishing für das Rezensionsexemplar. Ich hatte wirklich Spaß!

Tanja Rast: Cajan

CAJAN FINAL Als Junge verkleidet verlässt die junge, ungekrönte Königin Rebby ihr Exil, um sich endlich dem Thronräuber zu stellen, der bereits ihre gesamte Familie ausgelöscht hat. Ihr einziger Verbündeter ist der Paladin Cajan von Crollan, der gelobt, sie bis in die Herrscherstadt Torons Hald und auf den Thron zu bringen. Cajan ist uneingeschränkt loyal – dennoch hat die ganze Sache einen Haken, denn Cajan ist zur Hälfte ein Elf und damit kaum mehr als ein Straßenköter. Denn seit der Thronräuber seine Schreckensherrschaft angetreten hat, werden Elfen versklavt und gelten nicht mehr als Vieh. Und doch verteidigt Cajan seine Königin gegen alle Bedrohungen – auch die, die der Thronräuber aus anderen Welten herbeibeschwört.

 

Mit „Cajan“ stellt Tanja Rast den zweiten ihrer heroic romantasy-Romane vor, liebevoll „Schmachten und Schlachten“ oder „Conan für Frauen“ genannt – Begriffe, die das Genre passend umschreiben, denn Cajans und Rebbys Welt ist nur in den Palästen sauber – draußen müssen sich Tanja Rasts Heldinnen und Helden mit widrigem Wetter, unkomfortablen Mittelaltercamping-Situationen und der Tatsache herumschlagen., dass Gegner nun mal bluten, wenn man mit Stilett und Streitkolben auf sie eindrischt.

 

Mit einem humorvollen Augenzwinkern und doch immer dem notwendigen Ernst führt Tanja Rast ihre Figuren durch eine Welt voller Gefahren, Intrigen, Verrat und Vorurteilen, in der sich zwischen dem verachteten Halbelfen und der anfangs auch nicht ganz von Vorurteilen freien Königin nach und nach Zuneigung und Liebe entwickelt. Ist Cajan auch für Rebby anfangs nicht mehr als ein halbes Tier, so muss sie doch zugeben, dass die Loyalität und Treue des Halbelfen ebenso ihren Respekt fordern wie sein Geschick im Kampf.

 

„Cajan“ ist nicht einfach nur eine abenteuerlich-phantastische Liebesgeschichte und nicht nur ein Roman um politische Intrigen, unrechtmäßige Tyrannen und rechtmäßige Herrscherinnen, keine Geschichte um einen blutigen Kampf und dem Thron. „Cajan“ ist eine Geschichte um das Überwinden von Vorurteilen, über das „mit anderen Augen sehen“ und darüber, wie eine Königin herrschen sollte. Rebby erkennt ganz richtig, dass sie nicht nur eine Königin der Menschen sein kann, wenn sie von ihrem gesamten Reich anerkannt werden will – sondern eine Königin aller Völker. Tanja Rast versteht es, diese Erkenntnis ohne erhobenen Zeigefinger darzustellen – verpackt in einen wunderbaren Roman, den ich immer wieder lesen könnte.

Helen B. Kraft: Schwarzstein und Königin – Erbe der Sieben Wüsten 2

schwarzstein-Cover Mit „Schwarzstein und Königin“ stelle ich euch hier den zweiten Band der Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“ von Helen B. Kraft vor.

Diesmal geht es um Cruths und Nereys Tochter Zeynda, die eines Tages Königin der Bestien sein wird, und Daeon, den Schwarzsteiner. Beider Schicksale sind miteinander verwoben, und dennoch scheint es so widersprüchlich, dass sie ein Paar werden, ja, sogar unmöglich, bei allem, was Zeynda und Daeon geschieht – auch wenn Zeyndas Bestie davon überzeugt ist, dass Daeon der Richtige für sie ist. Doch zuerst muss Zeynda sich Verrat, Verlust und Krieg stellen – und beweisen, dass sie wirklich die Königin ist, zu der sie ihr Leben lang ausgebildet wurde.

„Schwarzstein und Königin“ steht dem ersten Band der „Sieben Wüsten“-Reihe („Aus Verrat geboren“) an Tempo, Spannung, Drama und Erotik um nichts nach. Im Gegenteil, in diesem Buch setzt Helen sogar noch einen drauf, so sehr habe ich beim Lesen mit Zeynda, Daeon und Cruth mitgefiebert. Es ist fast unmöglich, das Buch beiseite zu legen, wenn man erst einmal angefangen hat, zu lesen.
Auch hier kommt der typische Helen-Humor in Gestalt des Koboldkanzlers Barrique nicht zu kurz – und wieder schafft die Autorin es, auch einer humorig angelegten Figur so viel Tiefe zu verleihen, dass sie nicht eine Sekunde albern oder zu sehr wie ein comic relief wirkt. Ohne die Kobolde wären die Bestien einfach nicht, was sie sind.

Die Bestien werden gebeutelt in diesem zweiten Band, und das nicht zu knapp. Aber sie wären keine Bestien, wenn sie sich nicht mit gefletschten Zähnen und ausgefahrenen Hörnern ihrem Schicksal stellen würden. Bei allem, was „Schwarzstein und Königin“ mit sich bringt, darf man gespannt sein, wie es mit den Bestien und ihren erbsengrünen Verbündeten weitergeht. Ich jedenfalls kann es gar nicht abwarten, dass Band 3 sich im Verlagsprogramm von Machandel zeigt.

Leann Porter: Die Sturmfalken von Olbian

sturmfalken_ Phantastische Gay Romance vom Feinsten!

Mit ihrem Roman „Die Sturmfalken von Olbian“ entführt Leann Porter ihre Leser in die phantastische Welt der Sidhe. Irisches Flair und an Gladiatorenkämüpfe erinnernde Kampfspiele – kann so eine Mischung gutgehen?

Sie kann. „Die Sturmfalken von Olbian“ ist vom ersten bis zum letzten Satz spannend, mitreißend und wunderbar geschrieben, so dass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen, wenn man erst einmal in die Geschichte um Jawed, Kaylin und Caron eingetaucht ist.

Nicht ganz freiwillig folgt der junge Sidhe Jawed dem Kämpfer Caron nach Sanka, wo die berühmten Sankanischen Spiele stattfinden. Während Jawed von einem mysteriösen Falkenmann träumt, dem er in seiner Jugend einst begegnete, kann er nicht leugnen, dass Caron eine unglaubliche Anziehungskraft auf ihn ausübt.

Auch Kaylin, Jaweds Jugendfreundin, die ihm als Junge verkleidet nach Sanka folgt, fühlt sich zu jemandem hingezogen, ohne es wirklich zu wollen – denn der Krieger Thore, der sie als „Knappe“ fordert, ist zwar durchaus ansehnlich und kann extrem charmant sein, ist aber zuweilen auch eine sehr von sich überzeugte und dem Alkohol mehr als nur ein wenig zugetane Nervensäge.

Es wird abenteuerlich, als Kaylin und Thore in Sanka über die Leiche eines Mannes stolpern, der als Wagenlenker an den Spielen teilnehmen wollte. Als sich die Todesfälle häufen und es sich zeigt, dass die Ermordeten allesamt Kämpfer sind, die zu den Spielen angemeldet sind, wollen sowohl Kaylin als auch Jawed Licht in das Dunkel der Verbrechen bringen. Denn sie beide lieben einen Kämpfer…

Welche Rolle das mysteriöse Orakel von Sanka in der ganzen Sache spielt oder der berühmte „Goldene“, das sei hier nicht verraten – ich empfehle, das Buch selbst zu lesen, denn für alle Liebhaberinnen und Liebhaber von gut geschriebener gay romance, knisternd erotischen Schlafzimmerszenen,  phantastischem Setting mit einem Hauch von Krimi und Humor und überaus lebendigen Romanfiguren ist dieses Buch ein Muss. Ebenso für Liebhaberinnen und Liebhaber ästhetisch schön gestalteter Cover – das „Gesicht“ der Sturmfalken ist ein echter Hingucker.

Ich freue mich schon sehr darauf, mehr von Leann Porter zu lesen. Vor allem, wenn wieder die Sidhe eine Rolle spielen. Denn die Hauptfiguren der „Sturmfalken“ sind eine so faszinierende und liebenswerte Bande, dass man sie nur schwer ziehen lassen mag, wenn die letzte Seite gelesen ist.

Svea Lundberg: Kristallschnee

kristallschnee Mit dem im Dead Soft-Verlag erschienenen Roman „Kristallschnee“ stellt Svea Lundberg ihren sehr gelungenen Debütroman vor. Gekonnt verwebt die Autorin einen spannenden Krimi um Drogen, einen gewalttätigen Vater und ein Kind, das unter allen Umständen geschützt werden muss, mit der turbulenten Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Sozialarbeiter Felix und dem Polizisten Jannis entspinnt.

Während Felix versucht, die kleine Amelia vor ihrem trinkenden, koksenden Vater in Sicherheit zu bringen, rollt Jannis mit seinen Kollegen von der Kripo den Drogenfall auf. Schon beim ersten Blickwechsel zwischen Polizist und Sozialarbeiter funkt es – und das nicht zu knapp. Doch Felix ist zur Zeit nicht bereit für eine Beziehung und hat das Gefühl, dass Jannis mehr will, als er geben kann. Svea Lundberg beschreibt all die kleinen und großen Missverständnisse zwischen den beiden Männern auf eine Weise, dass es nicht schwerfällt, beide Männer zu verstehen, auch wenn man ihnen hin und wieder einfach nur in den Hintern treten und „Jungs!“ stöhnen möchte.

Sehr schön geschrieben empfinde ich die Liebesszenen – ach, nennen wir das Kind doch beim Namen, die Sexszenen zwischen Felix und Jannis. Aufregend, knisternd, gefühlvoll und unverschämt erotisch, einfach nur genau richtig für Freunde und Freundinnen von gay romance-Literatur.

Die Kriminalgeschichte entwickelt sich als Parallelhandlung ebenso spannend wie die Liebesgeschichte – der kleinen Amelia wird ihr Teddy gestohlen, Felix am Abend auf offener Straße überfallen – und was hat Amelias Tante, die nach außen so korrekte Alexandra, zu verbergen?

„Kristallschnee“ ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte, wenn man erst einmal angefangen hat, zu lesen. Für Liebhaber spannender, gefühlvoller gay romance, nicht ganz so unkomplizierten Liebesgeschichten, kleinen Einblicken in menschliche Abgründe und spannender Krimis ist der Roman uneingeschränkt zu empfehlen.

Helen B. Kraft: Aus Verrat geboren

9783939727903_1442920356000_xxlSpannendes Leseabenteuer mit aufregenden Helden, starken Frauen und knisternder Erotik

„Mit harter Hand herrscht König Crothar über sein Reich. Hart genug, dass sein Sohn Cruth es vorzieht, in der Menschenwelt zu leben. Dort allerdings muss er die Bestie, seine zweite Natur, zügeln, denn die Menschen fürchten seinesgleichen. Zu Recht, wie Cruth sehr genau weiß.
Dann trifft er auf Nerey. Die atemberaubend schöne junge Hexe, zu der er sich sofort hingezogen fühlt, könnte sich allerdings für ihn als Katastrophe herausstellen. Denn zum einen fürchtet Nerey die Bestien, zum anderen hütet sie ein Geheimnis, das nicht nur Cruths Welt zu erschüttern droht. Doch ausgerechnet diese Frau wünscht sich Cruths Bestie als Partnerin.“

So der neugierig machende Klappentext. Helen B. Kraft ist es wieder einmal gelungen, ihren einmaligen Humor mit einem spannenden Abenteuer und einem Hauch knisternder Erotik zu verbinden. Mit ihrem Roman „Aus Verrat geboren“ eröffnet sie die Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“ und nimmt ihre Leser mit in die geheimnisvolle Welt der Bestien. Nach Außen menschlich, brodelt in ihren Inneren die Leidenschaft – mit Klauen und Zähnen, Hörnern und feinen Nasen für den einen wahren Duft, der den einzig wahren Partner anzeigt. Oder die einzig wahre Partnerin.

Dass das auch hin und wieder zu Schwierigkeiten führen kann, erfahren Cruth, der Bestienprinz, der in seinem Exil in der Menschenwelt seinen eigenen Bestienhofstaat führt, und Nerey, die Morrow-Hexe, am eigenen Leibe. Bis Cruth und Nerey ihre Zukunft kennen und wissen, wohin sie wollen, müssen sie sich mit Bestien und Hexen gleichermaßen herumschlagen, einem hartnäckigen erbsengrünen Problem auf den Grund gehen – und einen Verräter in den eigenen Reihen fürchten.

Mein erklärter Liebling dieses Bestienromans ist Nerey, die für mich wieder einmal zeigt, dass Frauen in Fantasy-Geschichten nicht nur schmückendes Beiwerk und Rettungs-und Anschmachtobjekt für den Helden sein müssen. Nerey ist schön, leidenschaftlich und stark. Sie weiß, was sie will – und sie weiß, was sie nicht will. Und es gefällt mir, wie Cruth sich zuweilen an ihrem Dickkopf die Zähne ausbeißt. Solche Frauenfiguren habe ich gern!
„Aus Verrat geboren“ macht Lust auf mehr Bestien, mehr Zähne und Klauen, mehr trockenen Helen-Humor. Auch klar als Comic Relief angelegte Figuren gleiten nie ins Lächerliche ab. Das Buch liest sich so flüssig, das man am Ende staunend und ein bisschen enttäuscht auf die letzte Seite starrt. Wie, schon zuende?

Aber nein. Die Geschichte der Bestien geht weiter mit dem Folgeband „Schwarzstein und Königin“, den ich jetzt aufschlagen werde, damit ich möglichst schnell zu den Bestien zurückkehren kann.

Fazit: Sehr zu empfehlen, wenn man es spannend und ein wenig erotisch mag!

(Diese Rezension wurde auch auf Amazon gepostet)

Tanja Rast: Arrion

Arrion-250Liebe bis über den Tod hinaus
Tanja Rasts Romandebüt „Arrion“ erzählt von Geistersängerinnen und Geisterrittern, schwarzer Magie, Liebe, Leidenschaft und einem skrupellosen Herrscher. Geistersängerinnen durchstreifen die Welt, um mit ihrem Gesang verlorenen Seelen den Weg ins Totenreich zu weisen. Als die junge Sängerin Neve dies für die Seele des Ritters Arrion tun will, muss sie feststellen, dass Arrion anders ist als jeder Geist, mit dem sie es zuvor zu tun hatte – und dass er sich trotz ihrer Lieder schlichtweg weigert, aus der Welt der Lebenden in die der Toten zu verschwinden, wie es sich für einen braven Geist gehört.

Nein, Arrion ist alles andere als brav. Er schickt sich an, Neve zu folgen, beschützt sie vor Gefahren und wird dabei zusehends realer. Und nicht nur das – er flirtet auch, als gäbe es kein Morgen mehr, und Neve stellt fest, dass der charmante Ritter ihr immer sympathischer wird. Doch Liebe über die Grenzen der Welten hinweg gestaltet sich schwierig. Nicht nur, dass Neve lebt und Arrion bei aller steigenden Nähe zur realen Welt noch immer ein Geist ist – selbst küssen können die beiden Verliebten sich nicht ohne Probleme.

Doch diese Probleme rücken in den Hintergrund, als Neve und Arrion herausfinden, warum Neves Macht stetig steigt und Arrion bald auch für Menschen, die keine Geistersänger sind, sichtbar ist – Schwarze Sänger versuchen, im Namen des skrupellosen Herrschers alle Geistersängerinnen gefangenzunehmen, um sie daran zu hindern, Seelen in die Totenwelt zu singen. Denn sie wollen diese Seelen selbst – und aus ihnen willenlose Kampfmaschinen machen, die im Namen des Herrschers alle Welt unterdrücken sollen.

Tanja Rast erzählt die Geschichte um Arrion und Neve auf humorvolle Weise. Ihre Figuren sind lebendig, haben bei aller Attraktivität Ecken und Kanten und haben auf ihre Weise mit den Problemen ihrer Welt zu kämpfen. Die Autorin versteht es, Kämpfe mit Kriegsäxten und Schwertern, Pfeilen und Streitkolben so realistisch darzustellen, dass das Kopfkino anspringt und ich als Leserin auch schon mal den einen oder anderen nicht ganz so angenehmen Geruch in der Nase hatte. Aber so ist das – Schlachtfelder sind nun mal nicht sauber, und Krieg ist immer schrecklich. Da gibt‘s kein ehrenhaftes Mann-gegen-Mann mit klar abgesprochenen Regeln. Da wird schmutzig gekämpft, und das einzig Wichtige ist das eigene Leben – und das des Menschen, den man liebt.

Neve und Arrion sind ein Traumpaar. Er beschirmt und beschützt sie, ohne dass Neve dabei zu einem Püppchen wird, das ständig gerettet werden will. Nein, Neve ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst ist und weiß, wie sie sie einsetzen muss, um an der Seite ihres Geisterritters zu einer gleichberechtigten Partnerin zu werden.

Wer Romantik liebt, einer Prise Humor nicht abgeneigt ist und damit umgehen kann, dass Schlachtfelder nun einmal nicht mit Perwoll gewaschen werden, wird an Arrion seinen Spaß haben. Tanja Rast bezeichnet ihren heroic romantasy-Roman selbst als „Conan für Frauen“ oder „Schlachten und Schmachten“. Und genau das trifft es.

Ein wirklich gelungenes Debüt und sehr zu empfehlen.

(Diese Rezension wurde auch auf Amazon gepostet)

Helen B. Kraft: Victorian Secrets – Verbotene Sünden

victorian_(640_x_480)Träume lügen nicht.

Niemand weiß das besser, als die Traumgängerin und Scotland Visional Yard Agentin Emma St.Claire. Während einer Mordserie in London wird sie auf Sir Ian Connery angesetzt, der in den Fokus der Ermittlungen gerückt ist. Um dessen Schuld zu beweisen, muss sie seine Träume analysieren, und schon bald wird klar, dass der Lord etwas zu verbergen hat. Etwas, das schwerer wiegt, als die Gefühle, die seine Berührungen in ihr wachrufen. Kann Liebe über Vernunft siegen?“ – so der Klappentext des bei Romance Edition erschienenen Steampunk-Romans von Helen B. Kraft. Schon von der ersten Seite an wurde ich als Leserin hineingesogen in dieses so andere, von einer Umweltkatastrophe gezeichnete und veränderte London. Battersea veränderte nicht nur das Stadtbild, es veränderte auch die Menschen, machte viele von ihnen zu Besonderheiten, gab ihnen Fähigkeiten, die Fluch und Segen zugleich sind – wie Emmas Gabe, die Träume anderer besuchen zu können und damit zu helfen, verbrechen aufzuklären. Doch wer ist dieser Lord Connery, auf den das SVY sie angesetzt hat? was verbirgt er in seinen Träumen und welche dunklen Geheimnisse hütet er in seinem Keller? Emma ist hin-und hergerissen zwischen Faszination und Furcht, zwischen Leidenschaft und Zurückhaltung und schließlich zwischen Wahrheit und Lüge. Ein spannend erzählter Krimi mischt sich hier mit einer von knisternder Erotik durchzogenen, leidenschaftlichen Liebesgeschichte, bei der man am Ende nur darauf lauert, dass Emma und Ian sich endlich „kriegen“.
Gekonnt versteht es Helen B. Kraft, Hinweise zu streuen und ihre Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken, bis er schließlich resigniert und selbst schon beinahe glaubt, was auch der geplagte Ermittler Shawn Whiting so gern wahrhaben will – dass Ian Connery ein brutaler Killer ist.
Helen B. Kraft erzählt die Geschichte um Ian, Emma und den Van-Grummel-Zylinder mit dem ihr eigenen Charme und dem ihr eigenen herrlich trockenen Humor, der mir schon bei ihren Romanen „Höllenjob für einen Dämon“ und „Höllenjob für einen Seraph“ so gefallen hat.
„Victorian Secrets – verbotene Sünden“ ist ein spannendes und packendes Steampunk-Krimi-Lesevergnügen, das ich uneingeschränkt empfehle.