Buchsatz und Betriebsblindheit

Immer wieder ein Quell der Freude für jede*n Selfpublisher*in: Der Buchsatz. Denn mit dem durchkorrigierten Manuskript ist es ja noch nicht getan. Ein EBook muss gebastelt werden – dafür habe ich zurzeit noch Hilfe, auch wenn ich mich schon ein wenig in ein sehr praktisches, nach einigem reinfuchsen sogar recht intuitives EBook-Satz-Programm einarbeite: Sigil ist wirklich was Feines und auch für Anfänger*innen geeignet, die ein wenig Plan von Html und CSS haben.

Aber mit dem EBook ist es ja noch nicht getan, ich möchte ja auch für die Liebhaber*innen des gedruckten Buchs, die den Duft von Papier lieben und gern ein echtes Buch anfassen, das leise Rascheln der Seiten beim Umblättern hören und im wahrsten Sinne des Wortes die Nase in ein Buch stecken wollen (mal ehrlich, was riecht besser als ein neues Buch?) eine Print-Ausgabe vorhalten. Also her mit dem Rohskript und alles fitmachen, damit ein hübsch aussehendes Buch daraus wird. So eben auch für Meeresträume 3 – Fisch zwischen den Fronten.

Da werden akribisch überflüssige Leerzeichen aufgespürt, geschützte Leerzeichen hinter Auslassungspünktchen geklebt und alle Anführungszeichen durch die hübschen Chevrons ersetzt. Und dann natürlich: jedes Kapitel beginnt auf einer ungeraden Seite, damit die neuen Kapitel mit ihren Headergrafiken immer die rechte Seite bekommen – denn die springt jedem Lesenden zuerst ins Auge. Achtet mal drauf, wenn ihr einen Katalog anschaut – der Blick wandert garantiert immer zuerst auf die rechte Seite. Und da nahm das Drama dann seinen Lauf. Natürlich hatte ich die Seitenzahlen im Blick und ließ Kapitel 1 brav auf Seite 1 beginnen – ungerade Seite, ist immer rechts. Dachte ich zumindest. Nur – warm sah das ganze dann plötzlich in der Vorschau auf KDP so – sorry – kacke aus? Und warum zum Henker trieb sich das Inhaltsverzeichnis auf einer linken Seite herum? Ich hatte doch so darauf geachtet, dass es auf einer Seite mit ungerader Zahl landete, denn die sind doch immer auf der rechten Seite…

Pustekuchen.

Ist ja nicht so, dass ich nur Seitenzahlen habe. Ich habe ja auch eine bestimmte Anzahl von Seiten, die sich nicht mit der eigentlichen Nummerierung deckt, denn die fängt mit dem ersten Kapitel an, das auf Seite 1 stehen soll. Die Nummerierung fing also brav bei Kapitel 1 mit Seite 1 an – aber davor hatte ich nicht auf die tatsächliche SeitenANZAHL geguckt, und die hatte sich nun aufgrund von Schmutzblatt, Widmung, Impressum und all dem Geblubber, was in ein Buch vorn nun mal so reingehört, und wegen der vorangestellten Zusammenfassungen der Bände 1 und 2 so hingerückselt, dass das Inhaltsverzeichnis und der Beginn des ersten Kapitels zwar auf von der Nummerierung her ungeraden Seitenzahlen befanden – aber faktisch war Seite 1, auf der Kapitel 1 beginnen sollte, eine gerade Seite – nämlich die zehnte des Gesamtmanuskriptes.

Ohne den kritischen Blick einer lieben Kollegin von Außen wäre ich nie darauf gekommen, woran es gelegen hat, dass das alles so „falsch“ war – manchmal ist man wirklich betriebsblind. Aber JETZT ist es geschafft (nach insgesamt dreimal hochladen): Der Buchsatz des Trilogie-Abschlusses ist korrekt. Wer dennoch beim Lesen über Fehlerchen stolpert, darf sie mir gern melden, damit ich sie korrigieren und das Buch neu hochladen kann. Ist ja fix gemacht. Wenn man weiß, wie’s geht.

Jahres-Ausblick 2019

Hallo ihr Lieben,

ja, mich gibt’s auch noch. Da es inzwischen für einen Jahresrückblick schon viel zu spät ist und ich 2018 auch nur einen Bruchteil von dem geschafft habe, was ich mir vorgenommen habe, gibt es jetzt eben einen Ausblick auf das, was euch in diesem Jahr erwartet – und das ist eine ganze Menge. So viel, das mir davor tatsächlich selber ein bisschen graust, aber irgendwie schaffe ich das schon. Vielleicht hat ja der eine oder die andere ein paar Popmpoms übrig, um selbige für mich zu wedeln, damit ich schneller schreibe. 😉

 Von meinen 2018 gemachten Plänen habe ich einiges umgeschmissen. So wird die Meeresträume-Reihe erst mal nur ein Dreibänder bleiben. Ich schreibe gerade am Ende von Band 3, der Ende Februar unter dem Titel „Fisch zwischen den Fronten“ erscheinen soll und den Abschluss der Geschichten um Sayain und Alvar bildet. Eine weitere Staffel zu machen habe ich erst einmal auf Eis gelegt, denn diese Trilogie hat mich eines gelehrt: ich bin nicht der Mensch für Trilogien oder mehrbändige Serien, es sei denn, ich habe alle Bände bereits akribisch geplottet – und so ein Plotter bin ich einfach nicht. Es wird weitere gay fantasy-Romane mit Bezug zum Meer geben, aber vermutlich eher als Einbänder als als Serie.

Im abschließenden Band der Geschichte sehen sich Sayain, Alvar und Wasserdrachenfrau Sashiru uralten Geheimnissen gegenüber, die so schrecklich sind, dass sie unter keinen Umständen ans Licht kommen dürfen. Doch diese Geheimnisse haben auch unmittelbar mit Sayains Vergangenheit zu tun. Ob der Fischwandler und seine Freunde den Mut haben, diese Geheimnisse zu lüften, erfahrt ihr Ende Februar, wenn „Fisch zwischen den Fronten“ erscheint – wie immer als EBook und Taschenbuch.

 

 

Eine Reihe, die weiter fortgesetzt wird: die Kurzromanreihe „Liebesflammen“, kurze Lesehäppchen für Zwischendurch mit um die 80-120 Seiten, jeder Kurzroman mit einem anderen Heldenpaar, aber immer mit knisternder Erotik und einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte. Im zweiten Band der Reihe verschlägt es Fürst Venaro Traverra, einigen vielleicht noch bekannt aus meinem gay fantasy-Roman Das Geheimnis der Flammenden Rose, auf der Suche nach einem Liebesabenteuer mitten in den verbrecherischen Intrigensumpf einer Diebesbande. und auf einmal will der Fürst nicht nur zwei Männer retten, die ihm in einer Nacht sein Herz gestohlen haben, sondern auch einer Diebesbande das Handwerk legen. Sehr zum Missfallen seines Beraters und seiner Leibwächter. Aber immerhin ist Venaro der Fürst – und als der gibt er einen Dreck auf die Aufforderungen, seinen knackigen Hintern doch bitte zuhause in seinem Palast zu lassen, während andere für ihn die Drecksarbeit übernehmen.

 

 

Was sonst noch passiert? das Autorenkollektiv Die Uferlosen, denen ich seit einem Jahr angehöre, veröffentlicht in diesem Frühjahr eine mehrbändige Reihe unter dem Titel „Seelengefährten“. Der erste Band, das Mondmal von Regina Mars ist bereits erschienen und ein absoluter Kracher – ich kann es euch nur empfehlen, lest dieses Buch und erlebt dasselbe wie ich: eine hammertolle, spannende, erotische Geschichte, die euch zu brüllenden Lachkrämpfen, bebendem Fingernägelkauen und vielleicht auch zum Heulen bringen wird. Weitere Bände sind bereits in Arbeit – Tanja Rast und Kaye Alden schreiben schon fleißig, und ich werde mich auch bald dransetzen, meinen Beitrag für die Reihe zu schreiben, der als Band 4 der Reihe erscheinen soll – voraussichtlich spätestens im Juni.
Und dann sind da ja auch noch diese Schubladengeschichten, die jede/r Autor/in so herumfliegen hat. In meiner Schublade tummelt sich ein gay fantasy-Krimi, der vor einiger Zeit einmal als Auftakt zu einer Reihe geplant war. Aber ich habe es euch ja schon gebeichtet – ich habe ein Reihenproblem, und dass ich es einmal geschafft habe, einen halbwegs logischen Krimi mit „whodunnit“-Plot zu stricken, bedeutet ja nicht, dass mir das noch mal gelingt. Langer Rede kurzer Sinn, ich werde dieses Romänchen überarbeiten, so dass es allein und für sich stehen kann, und den „Schattenpanther“ in die freie Wildbahn entlassen, sobald alle notwendigen Umbauarbeiten abgeschlossen sind. Ob es am Ende wirklich dieses Cover werden wird, steht auch noch in den Sternen, aber als Platzhalter finde ich es schon mal ganz nett. Wenn ihr mögt, schreibt mir doch auf Facebook in die Kommentare, ob euch das Bildchen neugierig macht.

Worum es geht? Da kommt man nach einer halben Ewigkeit in seine Heimatstadt zurück, in die man eigentlich nie wieder einen Fuß setzen wollte, weil der eigene Vater (mit dem man im Krach auseinandergegangen ist) die Frechheit hatte, einen plötzlichen Anfall von Tod zu erleiden, hat ein Erbe an der Backe und wird dann auch noch in der Herberge überfallen und aller Papiere beraubt, die einen als einzigen Erben von Guthaben und Ländereien ausweisen. In dieser absolut wunderbaren Situation befindet sich Jorin, als er den mysteriösen Socar kennenlernt. Socar erweist sich nicht nur als Helfer in der Not – sondern auch als ein faszinierender Liebhaber, der es mit katzenhafter Geschmeidigkeit schafft, Jorins Herz zu rauben. Doch schafft er es auch, dem Beraubten sein Erbe zurückzubringen? Das erfahrt ihr … wenn es soweit ist, dass ich dieses Buch auf die Menschheit loslassen kann. 🙂

Soweit zu meinem Jahresplan. Jetzt darf nur nichts mehr dazwischenkommen.

 

Bratäpfel – eine Meeresträume-Weihnachtsgeschichte

Alvar wischte Wassertropfen von der winzigen Scheibe im einzigen Fenster der Hütte und spähte hinaus. Es hatte geschneit, wieder, die ganze Nacht hindurch. Der Schnee hatte den Strand in eine bizarre Traumlandschaft verwandelt. Alles war weiß, es glitzerte im Schein der aufgehenden Sonne. Eiskristalle funkelten an den Halmen des Strandgrases, das tapfer der Kälte trotzte und sich leicht im Wind wiegte. Spuren im Schnee führten hinunter zum Wasser. Spuren nackter Füße.

Alvar schlang fröstelnd die Arme um den Körper und warf noch ein paar Scheite auf das kleine Kochfeuer. Allein bei dem Gedanken, dass Sayain barfuß und vermutlich nackt zum Meer hinuntergelaufen war, um in seinen unendlichen, eisigen Tiefen zu jagen, ließ Gänsehaut auf seinem Körper sprießen. Natürlich, seinen Geliebten störte die Kälte nicht. Fische frieren nicht, hatte Sayain mit einem Augenzwinkern gesagt, als er das erste Mal an einem verschneiten Wintertag zum Meer gegangen war, um zu jagen. Alvar hatte am Strand gewartet, war von einem Fuß auf den anderen gehüpft und hatte sich beinahe die Finger abgefroren. Er war Kälte gewohnt, aber auch Nordmänner gingen im Winter nicht so ohne weiteres im Meer baden.

Die Erinnerung an das, was nach Sayains erster winterlicher Fischjagd gewesen war, ließ Alvar dennoch einen wohligen Schauer über den Rücken rinnen. Vergessen war der Gedanke an Schnee, Eis und lausig kaltes Wasser, vertrieben von den Gedanken an kühle Haut, die unter seinen Händen langsam wieder warm wurde. An Küsse auf weiche Lippen, die nach Salz und Meer schmeckten, die Erinnerung an langes silbernes Haar, das nach Wind duftete. An einen eisigen Körper, der neben ihm auftaute und irgendwann alles andere als kalt gewesen war. Die Erinnerung an die Liebesnacht ließ Alvar leise aufseufzen.

„Sayain“, flüsterte er in die Stille der kleinen Hütte hinein. Er liebte ihn so sehr. Seit sie gemeinsam vor den Sklavenjägern geflohen und sich hier in dieser einsamen Hütte am Strand niedergelassen hatten, war er so glücklich wie noch nie in seinem Leben. Sayain, sein Gestaltwandler, sein geliebter, wunderschöner Meeresjäger. Alvar wurde niemals müde, Sayain zuzusehen, wenn er als mächtiges Fischwesen wie eine scharfe Klinge das Wasser durchschnitt, wenn er ausgelassen wie ein Delfin über die Wellen sprang. Silfri. Er nannte ihn immer noch so, weil er sich an Sayains wahrem Namen immer wieder die Zunge verrenkte. Silfri, Silberner.

Mit einem Lächeln beugte Alvar sich über den Tontopf im Feuer und schaute kurz hinein. Darin lagen in geschmolzener Butter goldbraun gebackene Äpfel, die er vor einigen Tagen zusammen mit der Butter, Honig, Gewürzen und einigen Händen voll Nüsse und Mandeln gegen frischen Fisch auf dem Markt im nahen Dorf eingetauscht hatte. Sayain wusste nichts davon, es sollte eine Überraschung werden. Immerhin war heute das Mittwinterfest. Das ganze Dorf war geschmückt worden, überall hingen immergrüne Zweige und Misteln.  Alvar lächelte und kramte den Mistelzweig aus der Ecke, wo er ihn versteckt hatte, und hängte ihn über der Tür auf.  Dann wandte er sich wieder den heißen Äpfeln zu und ließ ein wenig Honig darüber rinnen. Sie dufteten nach vergangenem Herbst, nach Zimt und der Süße von Honigwein. Durch die Hitze war ihre pralle Schale aufgeplatzt und das weiße Fruchtfleisch schimmerte hindurch, vollgesogen mit Butter und Honig. Alvar leckte sich die Lippen. Eine süße Verführung. Er dachte an Sayains Lippen, an seine weiße Haut, sein seidiges Haar. Daran, dass sie bald Süßes essen und danach Süßes tun würden. Der Gedanke daran badete seinen Körper in wohliger Wärme. Alvar zog den Tontopf an den Rand des Feuers, damit die Äpfel nicht verbrannten, dann nahm er seinen Mantel und ging an den Strand hinunter. Er folgte Sayains Spuren bis zu einem Felsen, auf dem er den Umhang seines Geliebten fand, mit winzigen Schneekristallen bedeckt. Er nahm den Mantel, schüttelte ihn aus und klemmte ihn unter den Arm, damit der Stoff wieder warm wurde. Dann setzte er sich auf den Felsen und schaute auf das Meer hinaus. Es dauerte nicht lange, und er sah den mächtigen Fisch aus dem Wasser schnellen, schneeweiß und schimmernd. Ausgelassen tobte er durch die Wellen dem Strand entgegen, überließ sich der Brandung, die ihn immer näher an den Felsen herantrieb. Noch einmal verschwand der Fisch unter Wasser, und mit der nächsten Welle hob sich Sayain als Mann aus dem Meer. Silbern und schön wie eine Gestalt aus einem Märchen. Er zog ein Netz hinter sich her, in dem glitzernde Fische lagen. Sie zappelten nicht mehr – Alvar wusste, dass sie bereits tot waren, schnell und sauber getötet durch den Biss des Jägers. Er kletterte vom Felsen und breitete den Umhang aus. Mit einem Lächeln auf den Lippen kam Sayain ihm entgegen.

„Du solltest doch drinnen bleiben!“

Sayain schmiegte sich in den Umhang und in Alvars Arme, das Netz hatte er in den Schnee fallen lassen. Alvar umarmte ihn und rubbelte ihn mit dem Umhang trocken.

„Ich weiß. Aber ich liebe es, zu sehen, wenn du an Land kommst, mein Schöner.“ Er küsste ihn, küsste ihm das Salz von den Lippen. „Ich liebe es, wie du schmeckst, wenn du aus dem Wasser kommst. Ich liebe es, wie du duftest. Komm. Ich habe etwas für dich!“

Sayain erwiderte den Kuss und ließ die Zunge leicht über Alvars Lippen huschen. „Das trifft sich gut. Ich habe nämlich auch etwas für dich. Immerhin ist doch heute Mittwinter. Er zwinkerte, dann löste er sich von Alvar, griff nach dem Netz und stieg den Strand zur Hütte hinauf. Alvar lächelte in sich hinein und folgte ihm.

Fröstelnd huschte er in die Hütte, während Sayain die Fische in den angrenzenden kleinen Schuppen brachte.  Alvar war froh, dass Sayain seine Beute gleich draußen fertigmachte und in der Schneetonne vergrub, wo der Fisch gefrieren und frisch bleiben würde.

Alvar zog den Topf mit den Äpfeln aus dem Feuer. Ein Duft nach Gewürzen und Sünde breitete sich in der kleinen Hütte aus, als er den Deckel abnahm. Die Äpfel waren knusprig überkrustet von Honig und Nussmehl, vollgesogen mit ihrem eigenen Saft, das weiße Fleisch unter der rotbraunen, aufgeplatzten Schale schimmerte wie Schnee.

Die Tür öffnete sich, Wind wehte Schneeflocken und Sayain herein, der seinen Umhang abwarf und splitternackt vor Alvar stand und die Arme ausbreitete.

„Ich bin zuhause, Geliebter! Wärme mich!“ Er grinste und schlang die Arme um Alvar, der mit einem leisen Schaudern die Umarmung erwiderte. Alvar küsste ihn und linste zu dem Mistelzweig hoch.

„Jetzt gehörst du mir für ein weiteres Jahr“, sagte er mit einem Schnurren in der Stimme. Sayain betrachtete den Zweig und grinste. „Nordmannzauber?“

„Ja. So könnte man es nennen!“ Alvar küsste ihn noch einmal.

„Sayain schmiegte sich an ihn und schnupperte.

„Du bist wunderbar warm. Was duftet hier so? Ich habe es schon am Strand gerochen, der Duft ist überall an dir, in deinem Haar, in deinen Kleidern. Und dein Mund schmeckte nach Honig…“ Sayains Lippen suchten die seinen und pressten sich auf Alvars Mund. Alvar vergaß die Kälte um sie herum, küsste Sayain tief und hungrig, kostete den Geschmack nach Meer und Salz. Er wehrte sich nicht, als Sayain begann, die Schnürungen seiner Kleider zu lösen. Vergessen war der Topf, als Sayain ihn vor den Kamin dirigierte und ihn auf den Wollteppich vor dem Feuer niederdrückte. Er wehrte sich nicht, als er Sayains kühle Hände auf der Haut spürte. Und als Lippen und Zunge diesen Händen zu folgen begannen, vergaß er alles um sich herum. Da waren nur noch Sayain und dieser Duft nach Salz und Wind, der sich mit dem Duft süßer, nach allen fernen Ländern der Welt riechenden Gewürzen und Früchten mischte. Honig. Zimt. Nüsse und Mandeln. Äpfel. Sayain. Salz und Meer. Sayain.

Alvar ertrank in Sayains Küssen, in seinen Umarmungen, in seiner Lust und seiner Liebe. Als ihre Körper vor dem Feuer eins wurden, fühlte sich Sayains schneeweißer Körper alles andere als kalt an. Wogen der Lust spülten alles Denken fort und ließen nur noch Platz für das Fühlen und das Feuer. Sie brannten beide.

„Mein unmöglicher, verführerischer Fisch!“ Alvar küsste Sayain auf die Nasenspitze und strich ihm das schweißfeuchte Haar aus dem Gesicht. Noch immer rann ein Echo der Lust durch seinen Körper. Wie immer, wenn er und Sayain einander geliebt hatten. Es war, als würde das Feuer bleiben und jedes Mal stärker nachwirken. Sayain lächelte.

„Hat es dir etwa nicht gefallen?“

„Dumme Frage.“ Alvar küsste ihn noch einmal. Sayain seufzte tief und schmiegte sich an ihn.

„Was ist denn nun mit der Überraschung?“ Seine Augen funkelten wie die eines Kindes, das ein Geschenk erwartete. „Und was riecht hier so gut?“

„Die –  oh, Mist. Jetzt sind sie wohl kalt.“

„Die was? Was ist jetzt kalt?“ Sayain erhob sich, trat an den Tisch und schnupperte.

„Bratäpfel. Wir haben sie immer zu Mittwinter gegessen, als ich noch ein kleines Kind war. Das einzige, woran ich mich gern erinnere.“ Er nahm einen Löffel, tauchte ihn in einen der beiden inzwischen deutlich abgekühlten Äpfel und hielt Sayain den Bissen vor die Lippen. Sayain nahm ihn, kaute, und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Das ist gut!“

Alvar nickte. „Heiß sind sie noch besser.“

„Dann sollten wir sehen, dass sie wieder heiß werden.“ Sayain nahm den Tontopf und schob ihn an den Kamin.

„Und die Zeit, die sie brauchen, um wieder heiß zu werden, können wir sinnvoll nutzen!“

Er zog Alvar zu sich auf den Wollteppich zurück, griff unter den weichen Stoff und holte etwas hervor, das er Alvar reichte.

„Was ist das?“

„Ein Geschenk des Meeres. Und meine Mittwintergabe für dich.“

Alvar betrachtete das Ding genauer – es war eine Muschel, außen unscheinbar, rau überkrustet von Kalk und Schalenresten anderer Muscheln. Doch die Innenseite schillerte in allen möglichen Blau-und Grüntönen, an einigen Stellen ein wenig Violett, Rosa und Silber.

„Wunderschön.“ Alvar hauchte Sayain einen Kuss auf die Lippen. „So wunderschön wie du. Ich werde sie immer bei mir tragen.“

Sayain lächelte. „So wie ich die andere Hälfte.“ Er erwiderte Alvars Kuss. „Ich liebe dich“, flüsterte er, dann begannen seine Finger, erneut auf Wanderschaft zu gehen. „Wir haben noch Zeit, viel Zeit.“

Alvar schloss die Augen und ergab sich den sanften Fingern seines Geliebten. Seine Welt versank in einem Traum aus Sayain, blau schillernden Muscheln, brennendem Feuer und dem Duft von Bratäpfeln. 

Monatsrückblick Mai/Juni

Ruhig war es hier die letzten zwei Monate, was unter anderem daran lag, dass diese Autorin einiges um die Ohren hatte, was mit Schreiben nichts zu tun hatte, und wenn es was mit schreiben zu tun hatte, dann war es in erster Linie mal alles eine Riesenbaustelle.

Baustelle Nummer 1: Fisch und Wasserdrache. Wenn ein Buch nicht geschrieben werden will, dann liegt es meist daran, dass mein Unterbewusstsein irgendwas an diesem Buch doof findet und ich eine Stimme von außen brauche, die mir sagt, was denn daran nun doof ist. Bei Fisch und Wasserdrache fühlte sich vieles doof und nur weniges richtig an, was in letzter Konsequenz dazu führte, dass ich das ganze Ding in die Tonne kloppte und noch mal ganz von vorn anfing. Diesmal mit Plotplan und einem neuen Titel, unter dem es im Herbst nun endlich erscheinen wird: Fisch zwischen den Fronten soll nach Möglichkeit noch im August, realistischer aber im September das Licht der Welt erblicken und auf die Leserschaft losgelassen werden. Damit ist der erste Teil der Meeresträume-Reihe dann abgeschlossen. Aber keine Sorge, es wird weitere Meeresträume-Bände geben, dann aber nicht mehr als Serie, sondern als Reihe unabhängig voneinander lesbarer und nur lose miteinander zusammenhängender Romane mit den zwei Oberthemen „Gay Romance und Me(h)er“.

Baustelle Nummer 2: „Irgendwas mit Katzen“. Seit über zwei Jahren lag nun dieses Cover für eine Katzenanthologie auf meiner Festplatte herum und begann, Staub anzusetzen, daran musste sich endlich etwas ändern. Schubladengeschichten wurden hervorgezogen und abgestaubt, in eine Anthologie gepackt und in EBook-Form gebracht. Unter erheblichem Schimpfwortaufwand und mit Telefonsupport von der wunderbaren Tanja Rast begann ich, mich in das EBooksatzprogramm „Sigil“ einzufuchsen (es tat nicht so weh, wie befürchtet), und konnte zum Anfang des neuen Monats (Juli) die „Seidenpfoten“ veröffentlichen.

 

 Und dann war da ja auch noch die UniCon in Kiel. Zum schreiben kommt man bei solchen Veranstaltungen ja irgendwie nie, aber Spaß hatten wir trotzdem. Viele nette Besucher kamen an unseren Stand, viele nette Standnachbarn besuchten uns zu einem Plausch, ich durfte Autorennachwuchs im Arm halten und einige unserer Bücher über den Ladentisch reichen.

Eine nette gemütliche Con, gut organisiert und extrem ausstellerfreundlich – Fazit: gern wieder.

 

 

Monatsrückblick März

Der März stand ganz im Zeichen von „Meeresträume 2 – Fisch in der Falle“. Letzte Nacht wurde das Rohmanuskript fertig und wanderte gleich in die Hände meiner vertrauenswürdigen Betaleserinnen. Einer Veröffentlichung zum ersten Maiwochenende steht damit nichts mehr im Wege. Es sei denn, die Welt geht unter, und das wollen wir doch nicht hoffen.
Damit ist die Fisch-Trilogie natürlich noch nicht beendet, ein Band fehlt noch, und der wird mich durch die Frühjahrsausgabe des Camp NaNoWriMo begleiten. Angepeilt sind 30.000 Wörter, die Fische brauchen erfahrungsgemäß etwas mehr, aber der größte Batzen dürfte damit geschafft sein.

 

Der März war aber nicht nur ein Monat des Schreibens, ich habe auch an der Reduzierung meines SUB gearbeitet – was dank einiger Wanderbücher aber eher dazu führte, dass die Menge ungelesener Bücher wuchs, anstatt zu schrumpfen. Kommentiert habe ich die gelesenen Bücher natürlich auch: einmal Die stille Seite der Musik von Svea Lundberg und Tochter des dunklen Waldes von Katharina Seck. Aktuell fräse ich mich noch einmal durch Sternensturm (Das Herz der Quelle 1) von Alana Falk, damit ich danach umgehend mit der Fortsetzung „Sternenfinsternis“ anfangen kann, die mich schon den ganzen Tag auffordernd angrinst.

 

Was noch los war? Ich wurde interviewt, einmal von den Uferlosen und einmal von Lina Franken, bzw. ihrem zauberhaft-frechen Protagonisten Keren, der mir mit seinen herrlich anzüglichen Bemerkungen einige Male rote Ohren verpasst hat. Und weil ich immer wieder danach gefragt werde und mich im Uferlosen-Podcast auch ein kleines Bisschen um Kopf und Kragen geredet habe und ziemlich rumgeeiert bin, habe ich auch noch eine kleine Zusammenfassung geschrieben, warum ich eigentlich gay romance schreibe.

 

Und was kommt noch? Irgendwas mit Katzen! Ebenfalls im Mai, wenn alles klappt, parallel zu „Fisch in der falle“ erscheint für die Katzenliebhaber unter euch eine kleine Anthologie mit vier katzigen Kurzgeschichten von niedlich über abgedreht bis nachdenklich. Freut euch auf „Seidenpfoten“ – natürlich melde ich mich, wenn sie da sind und losschleichen.
Und nun – auf in den April.

Warum ich gay romance schreibe

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich Gay Romance schreibe. Eigentlich könnte die Frage auch lauten, warum ich überhaupt schreibe, oder warum ich über Beziehungen, Pärchen und Liebe schreibe.
Ich habe schon in einigen Interviews versucht, darauf eine Antwort zu finden, ohne mich dabei um Kopf und Kragen zu reden oder zu schreiben und, was noch viel wichtiger ist, mit meiner Antwort niemandem auf die Füße zu treten. Und da ich das Gefühl nicht loswerde, auf diese Frage mehr als eine Antwort zu haben, werde ich einfach mehrere Antworten geben und weiterhin hoffen, damit niemandem zu nahe zu treten.

Antwort 1: Weil ich es kann. Und weil es mir Spaß macht. Und warum macht es mir Spaß? Weil ich schon im Pen & Paper-Rollenspiel sehr experimentierfreudig war und nicht nur Frauenfiguren, sondern auch und sogar überwiegend Männer gespielt habe (hey, Frau bin ich mein ganzes Leben lang, da war es spannend, abends in der Spielrunde mal jemand GANZ anderes zu sein). Weil ich mich gern mit Psychologie beschäftige und verstehen möchte, wie andere Menschen ticken. Wo sich Frauen und Männer bei gleicher Problemstellung eben doch unterschiedlich verhalten. Weil ich herausfinden wollte, ob Frauen tatsächlich von der Venus und Männer vom Mars kommen.

Antwort 2: Weil ich ebensogut über Hetero-oder lesbische Paare, Dreiecks-oder Poly-Beziehungen oder grüne Marsmenschen schreiben könnte. Denn eigentlich schreibe ich Geschichten über Abenteuer und Liebe, und dabei ist es mir im Grunde fast wurscht, wer sich da in wen und warum und wieso verliebt – es geht um Liebe, und Liebe sollte, wunderbar utopisch gedacht, doch eigentlich frei davon sein, auf das Geschlecht des anderen zu schauen, wenn denn die Chemie stimmt und die Verbundenheit und Vertrautheit da ist. Ich schreibe über Paare und Beziehungen, die gleichberechtigt sind, auf Augenhöhe, einander ebenbürtig und doch verschieden. In denen jeder seinen eigenen Kopf hat und diesen manchmal auch durchsetzen will. In denen jeder nein sagen kann und auch soll, wenn ihm etwas gegen den Strich gibt. In denen keiner den anderen unterdrückt oder kleinmacht/kleinhält.
Ich versuche, über ganz normale Beziehungskisten (naja, so normal, wie sie in einer Fantasywelt voller Monster, Gefahren und Magie eben sein kann) zu schreiben, mit all ihren Höhen und Tiefen, Missverständnissen und Klischees. Weil ich glaube, dass alle Beziehungen in allen Konstellationen genau das wünschen: als etwas ganz normales wahrgenommen zu werden, weil es, egal, welche Facette des LGBTQ+-Spektrums ich beleuchte, immer nur um eins geht: Um Liebe.
Warum dann trotzdem gay romance? Weil ich das Gefühl habe, dass schwule Paare in Büchern immer noch unterrepräsentiert sind.

Aber objektifiziere/fetischisiere ich dann nicht schwulen Sex, weil ich explizite Sexszenen in meine Geschichten integriere? Andere Frage: objektifizieren und fetischisieren dann nicht auch AutorInnen, die über Hetero-Paare schreiben? Kann ich überhaupt Erotik schreiben, ohne dabei an Grenzen zu gehen? An Grenzen von Fetischisierung, von Objektifizierung? Wo hört knisternde Erotik oder eine ästhetische Beschreibung von Sex auf, und wo fangen all die anderen, die bösen Dinge an? Und wer kann oder darf sich anmaßen, eine Grenze zu ziehen, die doch für jeden und jede anders ist, weil jeder Mensch anders ist und für den einen schon zu viel ist, was für die andere gerade erst zu knistern beginnt?
Bisher hat mir noch kein Testleser, weder männlich noch weiblich (und ich weiß, dass Schwule meine Bücher gelesen haben, ich habe auch schon mit einem schwulen Lektor zusammengearbeitet bei einer Gay Romance) darüber beschwert, dass meine erotischen Szenen die Protagonisten zu Objekten oder Fetischen herabwürdigt oder ich den Sex als fetischisierend und objektifzierend darstelle. Ich behandle meine Romanfiguren wie lebende Menschen mit Respekt. Natürlich finde ich es anregend und erregend, was sie im stillen Kämmerlein treiben. Das täte ich aber auch, wenn es Heteropärchen wären. Vielleicht nicht unbedingt bei Marsmenschen, es sei denn, ihre Anatomie ist der unseren ähnlich genug. Auf Tentakelporn stehe ich nämlich so gar nicht.

Frauen, die gay romance schreiben, werden oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie den Sex zwischen Männern nicht realistisch beschreiben können, weil sie ja eben keine Männer sind. Platt gesagt: ich kann nicht zaubern und beschreibe in meinen Büchern Magie, ich war auch noch nie im Orient und traue mir nach ausreichender Recherche trotzdem zu, märchenhafte 1001-Nacht-Fantasy zu schreiben. Ich habe über schwangere Frauen geschrieben und will selbst niemals Mutter werden. Ich habe Morde auf Buchseiten begangen und werde hoffentlich niemals zur wirklichen Mörderin. Ich schreibe über Helden, die sich zielsicher in der Wildnis zurechtfinden und weiß im wirklichen Leben nie, wie herum ich die Wanderkarte zu halten habe.

Ich gebe zu, die Recherche zum Thema Sex zwischen Männern war extrem interessant, fand hinter verschlossenen Türen statt und hat meine Ohren in der Farbe eines Feuerwehrwagens glühen lassen – aber ich habe sie durchgeführt. Ich habe Webseiten zu diesem Thema studiert (es gibt tatsächlich einen gay-sex-Führer für Slash-Fanfiction-Autorinnen). Ich habe Slash-Fanfiction und gay romance von namhaften AutorInnen gelesen und …öhm… ja… ich geb’s zu, ich habe Pornos für Homosexuelle geguckt. Und ich höre nicht auf, zu recherchieren und zu lesen, zu gucken, wie andere AutorInnen schreiben und beschreiben. Man lernt nie aus, schon gar nicht als AutorIn. Lesen bildet bekanntlich, und nur durch üben und machen wird man besser.

Monatsrückblick Februar

Der Februar stand zuerst einmal ganz im Zeichen der Veröffentlichung von Meeresträume 1 – Fisch im Netz. Die Geschichte von Fisch-Gestaltwandler Sayain und Ex-Sklaven und Seefahrer Alvar ist immer noch eines meiner Herzprojekte und wird nun endlich die schon lange geplanten, aber bisher nie geschriebenen Fortsetzungen bekommen, in denen Sayains geheimnisvolle Herkunft aufgeklärt werden soll. „Meeresträume 2 – Fisch in der Falle“ ist für Mai geplant, der dritte Band „Fisch und Drache“ soll im August erscheinen.

 

 

 Neben dem Schreiben habe ich natürlich auch wieder einiges gelesen und rezensiert. Meine aktuellen Buchbesprechungen findet ihr wie immer unter Rezensionen, im Februar mit Büchern von Katharina Seck, Julia Fränkle und Helen B. Kraft.

 

 

 Wie auch im vergangenen Jahr liefere ich mir im Tintenzirkel-Autorenforum wieder den Marienkäferpunkte-Schreibwettkampf mit Tanja Rast und Kaye Alden, in der Hoffnung, dass wir es wieder schaffen, uns gegenseitig zu motivieren, anzutreiben und aus Schreibtiefs herauszuholen. Neben der Schreiberei laufen diverse Con-Vorbereitungen. Wo ich mich in diesem Jahr überall herumtreiben werde, findet ihr unter „Termine“. Dort informiere ich euch auch über die Kindle Unlimited-Laufzeiten meiner Selfpublishing-Romane und über neue Veröffentlichungen.

Start ins Selfpublishing – erste Erfahrungen

Eine knappe Woche ist Meeresträume 1 – Fisch im Netz jetzt draußen. Zeit, mal zu berichten und ein kleines Fazit zu ziehen. Bisher verzeichne ich 60 verkaufte und bezahlte „Einheiten“, auf nicht-KDP-Deutsch verbergen sich dahinter 57 EBooks und drei Taschenbücher. Dazu kommen auf die Sekunde genau 16.372 über Kindle Unlimited gelesene Seiten, die ja auch ein bisschen was abwerfen. Ein Blick auf die Tantiementabelle macht gute Laune. Ich habe nach einer Woche die Hälfte der Kosten für das Cover eingespielt. Was leider noch komplett fehlt: Bewertungen. Aber da bin ich optimistisch, nach einer Woche kann ich noch nicht viel erwarten. Wird also noch kommen.

Ein bisschen mehr ins Detail:
Wie halte ich es mit dem Lektorat? Nach langem Überlegen habe ich für mich beschlossen, beim Selfpublishing auf ein professionelles Lektorat zu verzichten und stattdessen mit mehreren handverlesenen Betalesern zu arbeiten, deren Arbeitsweise ich kenne und von denen ich weiß, dass sie mit meinem Manuskript und mir nicht zimperlich umgehen. Und sollte von meinen Stammbetalesern jemand mal keine Zeit haben, werde ich ganz sicher im Kreis der Uferlosen fündig. Auch das Korrektorat finde ich im Uferlosen-oder Freundeskreis, und ich revanchiere mich meinerseits mit Beta-Arbeit oder testlesen und Rezensionen. Eine Hand wäscht da zuverlässig die andere.

Selfpublishing ist aufwändig. Klar. Denn ich mache fast alles alleine. Beim Buch-und EBooksatz hatte ich Hilfe, aber in Zukunft möchte ich auch da selbständiger werden und mehr allein machen. Das Hochladen der Buchinhalte und Covergrafiken über KDP ist im Grunde einfach und weitgehend intuitiv, dennoch war ich froh darüber, beim ersten Mal eine erfahrene Selfpublisherin an der Hand zu haben, die mich am Telefon durch die einzelnen Schritte geführt hat. Bim nächsten Mal werde ich auch das allein hinbekommen – ich kann mich an den Angaben fürs erste Buch entlanghangeln und alles genau so eingeben, dann passt das schon. Sehr niedlich: Zwischendurch prüft KDP Buchinhalte und Grafiken, damit am Ende auch alles passt und gut aussieht. Das kann ein bisschen dauern. Zwischendurch aufpoppende Fenster mit der Aufforderung, sich doch mal eben einen Kaffee zu holen oder ein Sandwich zu schmieren, finde ich schon sehr knuffig.

Und wieder mal habe ich gelernt: wenn etwas nicht klappt, auch mal in die Emails gucken, denn KDP sagt einem sehr deutlich, was hakt, wenn denn etwas hakt. Nachdem wir uns zu dritt zum x-ten Mal darüber gewundert hatten, dass die Printausgabe dauernd von „wird geprüft“ auf „Entwurf“ zurückspringt, und die nette Infomail von KDP etwas von einem Coverfehler murmelte, dauerte es zwar noch ein wenig, bis der Fehler tatsächlich aufgespürt war (in diesem Fall waren es Ä-Pünktchen, die auf dem Buchrücken zu weit über eine „Sicherheitslinie“ hinausragten – da komm mal drauf!), aber dann lief auch alles reibungslos.

Was macht man, wenn alles hochgeladen ist und tatsächlich den Status „wird geprüft“ beibehalt: warten, rumhibbeln und Nägelkauen und die Zeit schon mal nutzen, die Werbung vorzubereiten, denn auch damit sitzt man als Selfpublisher natürlich allein da. Also ran an den Speck, Blogbeiträge und Facebookmeldungen vorbereiten, vielleicht ein Gewinnspiel posten. Wer mag, bereitet vielleicht eine Leserunde bei den üblichen verdächtigen Portalen vor oder kündigt schon mal Vorab-Exemplare für mögliche RezensentInnen an.
Meist ist das Ebook schon nach relativ kurzer Zeit auf Amazon sichtbar. Es kann durchaus sein, dass es auf KDP noch im Prüfungsstatus hängt, wird dann aber relativ bald auf „live“ springen. Und dann ist es wirklich da. Beim Taschenbuch dauert die Prüfung deutlich länger. Hochgeladen haben wir es irgendwann in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar, und irgendwann mittags war es dann sichtbar und auf Amazon bestellbar.
Was dann noch mal ein bisschen dauert, ist die Verknüpfung von EBook und Taschenbuch. Wenn das nicht klappt, hilft erst mal ein Blick in die Angaben auf KDP: sind die Buchinformationen bei beiden Ausgaben gleich? Dann sollte die Verknüpfung automatisch passieren, wenn nicht, hilft eine Mail an den KDP-Service, der in der Regel extrem schnell und superfreundlich reagiert. Falls nicht, sollten erst mal die Angaben für beide Ausgaben angepasst werden. Und wenn es dann immer noch nicht klappt: KDP ist wirklich sehr hilfsbereit.

Und dann? Tja, dann ging das Stalken los. KDP zeigt genau an, wie viele Kindle-Unlimited-Seiten gelesen wurden, wie viele Taschenbücher und EBooks über den virtuellen Ladentisch gingen und wie viele Rückgaben zu verzeichnen sind. Und natürlich werden Tantiemen angezeigt.
Abgerechnet wird alle zwei Monate nach Erscheinen des Buches, und sobald 20 Euro an Einnahmen überschritten wurden, wird ausgezahlt.

Was ich merke: SP macht Spaß, und irgendwie macht es süchtig. Ich erlebe sozusagen live und sehr unmittelbar, dass mein Buch ankommt, dass es gesehen und gelesen wird. Das motiviert, an der Fortsetzung der Reihe zu arbeiten, und führt dazu, dass ich anfange, meine Festplatte nach Schubladengeschichten zu durchwühlen, die es wert sind, ebenfalls das Licht der Welt zu erblicken, auch wenn sie es vielleicht bei Anthologie-Ausschreibungen nicht geschafft haben.

Ich werde auf jeden Fall weitermachen mit „Gay fantasy für Erwachsene – und irgendwas mit Katzen“.

Monatsrückblick Januar und ein bisschen Werbung

 Der Januar stand ganz im Zeichen der Arbeit an „Fisch im Netz“, ursprünglich „Im Fischernetz“, das spätestens am 5. Februar in neuem Gewand und in komplett überarbeiteter Fassung den Buchmarkt neu erobern soll – und mein Debüt als Selfpublisherin darstellt. Fragt mich mal, ob ich hibbelig bin. Mit dem schicken neuen Cover von Cover für Dich ist dieser kleine Roman nicht nur ein Hingucker geworden, sondern auch endlich das, was er schon immer sein sollte: der Auftakt einer Reihe. Unter dem Reihentitel „Meeresträume“ wird es mehrere Staffeln mit jeweils einem Heldenpaar pro Staffel geben, und den Anfang machen Sayain und Alvar. Unverwechselbares Kennzeichen dieser ersten Staffel: Sayain wird immer der Coverboy bleiben und mit seinem entzückenden Rücken für den nötigen Wiedererkennungswert sorgen. Was unter Anderem der Tatsache geschuldet ist, dass Alvars Aussehen sich in meinem Kopf als „Viggo Mortensen als Aragorn, aber mit roten Haaren“ eingebrannt hat, und so ein Bild finde mal auf Shutterstock und Co. – Fehlanzeige. Also wird Sayain der Job als knackige Rückansicht auf dem Cover bis zum Ende der ersten Staffel erhalten bleiben. „Meeresträume“ gibt es dann ab kommenden Montag, 5.2.2018, als Print und als EBook über Amazon, später ist auch noch eine Veröffentlichung als Tolino-EBook geplant.

Uaaaahhh. Habt ihr eine Ahnung, wie *aufregend* diese Selfpublishing-Sache ist? Wenn nicht, probiert es aus. Um Tanja Rasts gemeinsam mit dem ersten Meeresträumeband erscheinenden Heroen, den Feuermagier Roveon, zu zitieren: „Es wird euch gefallen.“

 

 

 

 Noch etwas ganz Tolles ist in diesem Januar passiert – ich wurde uferlos und darf mich von nun an als Mitglied des coolsten, nettesten und verrücktesten Kollektivs von Gay Romance-AutorInnen bezeichnen, das dieser Planet zu bieten hat, und darüber freue ich mich ganz besonders.
Den Uferlosen-Blog findet ihr hier, wenn ihr mal gucken wollt, wer noch alles mit von der Partie ist. Im Mai werdet ihr Tanja Rast und mich in Kiel auf der Unicon finden, wo wir die Uferlosen hoffentlich würdig (muaaahahaha, würdig? *hust*) vertreten und natürlich auch eine Auswahl unserer Bücher mitbringen werden.

 

Und sonst so? Ich habe eine ultrageheime Geheimkurzgeschichte in Arbeit, die ich hoffentlich bald beenden kann, und den ersten Betadurchgang vom Winterkater zurückbekommen, um den ich mich langsam mal kümmern sollte, da er bereits vom Machandel Verlag erwartet wird. Und natürlich schreibe ich brav weiter am zweiten Band der Meeresträume-Reihe, der unter dem Titel „Fisch in der Falle“ sehr wahrscheinlich noch vor der Unicon erscheinen soll – wenn nicht dann, dann auf jeden Fall kurz danach.

Und weil das ja alles noch nicht genug ist, bin ich auch noch unter die Art Journal-Nutzer gegangen und habe damit begonnen, ein unschuldiges Blano-Notizbuch mit farblichen Ergüssen in Aquarell, Fineliner, Ölkreiden und  Wachsstiften zu füllen. Dazu dann in einem eigenen Eintrag bald mehr!

Das Bulletjournal: meine externe Festplatte

Inspiriert von Sabrina Zelezny, die vor einiger Zeit auch schon mal zum Thema Bullet Journal gebloggt hat (und wir beide aus zumindest einem gemeinsamen Grund das Bullet Journal nutzen), möchte ich heute meine Version dieses praktischen kleinen Erinnermichs vorstellen. Ich nutze es privat, für meinen Schreibkram, im Job, und gehe nicht mehr ohne dieses Buch aus dem Haus.

Meine Variante ist kein klassisches Bulletjournal mit von Tag zu Tag neu gestalteten Tages-oder Wochenübersichten. Ich bin ein fürchterlich unorganisiertes Flusenhirn und brauche Struktur, von Anfang an. Also habe ich mir Mitte des vorletzten und auch des letzten Jahres ein Notizbuch geschnappt und ihm ein Kalendarium verpasst. Eine Jahresübersicht, dann für jeden Monat eine Monatsübersicht mit zwei Spalten für Job und Privates/Selbständiges und eine Übersicht für jede Woche. Zwischen den einzelnen Monaten lasse ich eine oder zwei Doppelseiten Platz. Das hat sich im letzten Jahr bewährt, und da ich neben einem Flusenhirn auch noch ein Gewohnheitstier bin, mache ich es in diesem Jahr wieder so.

PLATZ ist etwas, was mir in fertig kaufbaren Kalenderbüchern immer gefehlt hat. Dafür hatten diese Kalenderbücher von allem anderen meistens zu viel, nämlich von Listen zu Dingen, die ich nie im Leben brauche. Dafür fehlte mir immer der Platz für Listen, die ich führen wollte, und Platz für Notizen. Das führte dazu, dass ich den gekauften Buchkalender irgendwann gar nicht mehr benutzte und Termine entweder auf rumfliegenden Zetteln notierte oder versuchte, sie mir zu merken. Ihr ahnt, wohin sowas führt.

 

Mein persönliches Bulletjournalkalenderdings ist anders. Ich habe zu diesem Notizbuch, das ich wirklich überall mit mir herumschleppe, ein ganz anderes Verhältnis, weil ich schon vor dem Beginn des neuen Jahres jede Seite in diesem Buch berührt, beschrieben und umgeblättert habe, während ich angefangen habe, ihm die Struktur zu geben, die ich brauche. Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnis, Kalendarium, Listen. Während ich überlegte, was ich an Listen brauche, wie ich meine Wocheneinteilung gestalte und wo ich wie viel Platz freilasse für Notizen, hatte ich das Buch in der Hand oder es lag vor mir auf dem Schreibtisch. Wir haben uns aneinander gewöhnt, dieses Buch und ich, ich sehe es an und weiß, wie der Einband sich anfühlt, wie das Papier, wie das Lesebändchen.

Das Buch ist mehr als „nur“ ein Kalender oder ein Notizbuch. Es ist nicht nur meine Gedankenstütze, mein Erinnermich und mein Hirnentfluser. Es ist ein Alltagsbegleiter und eine tägliche kleine Achtsamkeitsübung, die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, mir aber trotzdem ein wenig bei der Frage hilft, wo denn verdammt noch mal der Tag schon wieder abgeblieben ist.

Was notiere ich?
Termine. Klar. Und weil sich Termine eben manchmal schon im alten Jahr für das kommende Jahr anschleichen, habe ich zwei Jahresübersichten in meinem aktuellen Buch. 2018 und 2019. Termine kommen in die Monatsübersichten und von dort in die Wochenübersichten, wenn die Woche angebrochen ist. Oder sie landen, wenn sie erst für 2019 relevant sind, in der 2019er Jahresübersicht.

Tägliche ToDo-Listen. Jeder Tag hat seine eigene kleine To-Do-Liste, die kann aus nur einem einzigen Punkt bestehen (Post wegbringen!) oder vielen – je nach dem, was gerade so anliegt. Was geschafft wurde, wird abends abgehakt oder auf den nächsten Tag geschoben. Da trennt sich automatisch wichtiges von dringendem und weniger wichtiges von total unwichtigem.

Zitate. In meinem BuJo gibt es zwei Doppelseiten unter der Überschrift „Wortbegegnungen“. Manchmal stolpert man unterwegs über einen coolen Spruch, ein berührendes Zitat, eine Weisheit, bei dem man stutzt und dann „Ja! Genau!“ sagt. Vielleicht möchte ich diese Zitate irgendwann einmal wiederfinden oder sie besonderen Menschen schenken. Erst mal wandern sie ins BuJo, damit ich sie nicht vergesse.

Zentangle. Ich lasse mir Seiten zum tanglen frei. BuJo und Stifte habe ich immer bei mir, also kann gar keine Langeweile aufkommen, wenn ich mal irgendwo warten muss.

Ideen. Auf meinen „Kreative Ecke“-Seiten ist Platz für alle möglichen und unmöglichen Ideen für neue Schreibprojekte und Zeugs, über das ich vielleicht mal bloggen könnte.

Geschenklisten und Wunschlisten für andere und für mich. Kennt ihr das? Ohhhhgottogott, XY hat ja nächste Woche Geburtstag, was soll ich ihm bloß schenken? Vielleicht hat XY irgendwann bei einem Treffen ja mal dieses oder jenes Buch, einen bestimmten Film, ein Spiel, einen Gegenstand erwähnt, irgendwas, was er gern mal haben möchte? Im BuJo notiert bleiben die Wünsche gesammelt und ich kann schnell nachgucken, ob ich mir für XY nicht doch schon mal was aufgeschrieben habe. Und wenn mich jemand fragt, was ich mir wünsche (außer nicht dickmachender Schokolade), kann ich auch eben fix nachsehen.

Und noch etwas gibt es in meinem BuJo: diverse „Tracker“, in denen ich mir Dinge notiere, die ich über das Jahr angehen möchte.

Gewichts-Tracker: spricht für sich. Ich gehe mehrmals im Monat auf die Waage und notiere das peinliche Ergebnis, in der Hoffnung, dass es irgendwann mal nicht mehr ganz so peinlich ist.

Ausmist-Tracker: ja, genau. Ich entrümple meinen Krempel und möchte am Jahresende sehen, was ich alles geschafft habe. Schwarz auf weiß.

Dankbarkeits-Tracker: Dinge, für die ich besonders dankbar bin, notiere ich mir in meinem BuJo. Es ist erstaunlich, wie sehr es hilft, über Dinge nachzudenken, für die ich dankbar bin, wenn ich mal wieder im „ist ja doch alles Mist“-Modus durch die Gegend schleiche.

Bücher/Lese-Tracker: Alles, was ich so lese im Laufe des Jahres, landet dort.

Schreib-und Veröffentlichungs-Tracker: an was ich so arbeite, was ich in diesem Jahr auf den Markt werfe oder an den Verlag bringe – das alles notiere ich mir, um mich am Jahresende darüber zu freuen, was ich alles geschafft habe.

Im letzten Jahr habe ich versucht, einen monatlichen Habit-Tracker zu führen, um mir zu notieren, wie oft im Monat ich es schaffe, Sport zu machen, mich gesund zu ernähren, mein Blog und meine Facebookseiten zu pflegen und noch so einiges andere mehr, aber das artete mir dann doch schnell in zu viel Arbeit aus, ich vergaß es dauernd und habe es Mitte des Jahres aufgegeben. Für dieses Jahr habe ich die Idee des „Year in Pixels“ übernommen. In einem Raster, in dem Monate und Tage aufgetragen sind, markiere ich jeden Tag in einer der Grundstimmung des Tages zugewiesenen Farbe. Was das wird, kann ich nach einem halben Monat noch nicht sagen. Wahrscheinlich wird es aber bunt.

Bunt ist ein gutes Stichwort. Mein BuJo ist nicht so unglaublich hübsch und elaboriert, wie es vielleicht einige von den Bildern auf Pinterest oder Instagram zum Thema BuJo-Gestaltung kennen, aber es ist bunt. Ich arbeite mit Finelinern in verschiedenen Farben, Washi-Tape, bunten Klebefähnchen und Textmarkern in Neonfarben, benutze Aufkleber und Post-Its. Das ist das Schöne am BuJo – jede/r kann es gestalten, wie es ihm oder ihr gefällt, von extrem minimalistisch bis extrem elaboriert.

Für mich hat sich das System bewährt. Auch wenn ich immer noch zusätzlich Onlinekalender führe, um meine Termine mit denen des Gatten oder der Arbeitsgruppe abzugleichen. Aber einen Vorteil hat die Notizbuchvariante doch: sie funktioniert immer. Auch bei Naturkatastrophen, leerem Handyakku und Stromausfall.