Jahresrückblick (natürlich mit Kater) und ein kleiner Blick in die Zukunft

Und wieder ist ein Jahr zu Ende, und wieder einmal fragen der Herr Kater und ich uns, wo dieses Jahr so schnell hin ist. 2016 hat viel genommen, aber auch viel gegeben und mich vieles gelehrt, sowohl, was das schreiben angeht, aber auch, was das Leben angeht. Für mich persönlich war es ein gutes, erfolgreiches Jahr. Auch wenn ich nicht so vieles geschafft habe, wie ich schaffen wollte.

 

 Ich wollte zum Beispiel viel mehr und viel häufiger bloggen. Den Kater wirklich wöchentlich zu Wort kommen lassen und nicht nur hin und wieder mal. Ja, er sitzt hier neben mir und beschwert sich, denn er hat wirklich viel zu erzählen. Der Herr im schwarzen Pelz und ich haben uns fest vorgenommen, uns im kommenden Jahr öfter zu melden. Vielleicht nicht als Kater der Woche, aber doch als Kater des Monats, und wenn es gut läuft, vielleicht auch als Vierzehntagekater. Dazu sollen auch im kommenden Jahr natürlich auch Buchbesprechungen und Schreibartikel nicht fehlen, und mit den Zwielichtigen wird es auch weitergehen.

2016 durfte ich mich über mehrere Veröffentlichungen und die immer noch ganz hervorragende Zusammenarbeit mit dem Machandel-Verlag freuen. Als „Schmiedefeuer“ und „Schattenfluch“ erblickte der gute alte Feuersänger das Licht der Welt in überarbeiteter Fassung neu. Eine Zusage für eine Kurzgeschichte flatterte ins Haus. Und ein Vertrag mit dem wunderbaren Verlag ohneohren kam zustande. Noch ist das Projekt geheim, noch darf ich nichts erzählen, also bleibt es spannend und ich falle hier vor lauter Hibbeln fast von meinem Stuhl, weil das alles so aufregend ist und es um ein echtes Herzprojekt geht.

Geschrieben wurde natürlich auch, viele neue Ideen tauchten auf und einige davon sind inzwischen zu zwar noch nicht ausgewachsenen Projekten, aber immerhin zu Projektkindergartenkindern ausgewachsen, einige wollen auch schon Abitur machen. Dass ich auf ein so produktives Jahr zurückblicken kann, liegt zum großen Teil an einer Idee meiner lieben Autorenkollegin Tanja Rast, die mich zum Kampf um die Marienkäferpunkte herausforderte und damit immer wieder mit kleinen, überschaubaren Zielen am schreiberischen Ball bleiben ließ. In diesem Jahr werden wir diese liebgewonnene Trasdition fortführen und haben uns einen weiteren Käfer ins Boot geholt: Sylvia Ludwig, die nicht nur schicke Cover zaubern, sondern auch ganz wunderbar zauberhafte Geschichten schreiben kann. Ich freue mich jetzt schon auf den freundschaftlichen, motivierenden Kampf um die Punkte.

Kein Jahresrück-und Ausblick ohne Kater. denn wie wie alle Katzenhalter wissen, müssen unsere bepelzten Freunde immer das letzte Wort haben. Herr Kater: Bitteschön, hier ist die Tastatur, Sie sind dran.

„Oh, ich bin dran? Mimimi. Miau. Ich durfte so lange nicht an die Tastatur, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie das mit dem Tippen eigentlich geht, also bitte ich darum, kleine Fehler zu verzeihen. Und überhaupt, was ist schon ohne Fehler? Ich habe nur einen einzigen guten Vorsatz für das kommende Jahr gefasst: den, dass ich es in Zukunft vermeiden möchte, zu versuchen, perfekt zu sein. Denn wer kann das schon? Und wer will das schon? Perfekt sein? Ohne Makel, ohne Ecken und Kanten, glatt wie Eis und genauso kalt in all dieser Perfektion? Nein, das ist nichts für mich. ich weiß, was ich bin, ich weiß, was ich kann, und ich weiß, was ich will. Vor allem weiß ich aber, was ich nicht mehr will: mich verbiegen. Immer nur anschmiegsam sein und anderen nach der Pfeife tanzen. 2017 wird mein (oh, pardon… unser) Jahr, ein Jahr voller Schnurren, mit Platz für Gemütlichkeit und Ruhepausen, mit Familie, Wahlverwandtschaften und Freunden. Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, denn eins wird 2017 auf jeden Fall bringen: Katzen. Bleibt gespannt!“

 

Von Schneeflockenplottern und Bauchschreibern

kreativchaosVorweg: Dies ist kein Schneeflockenbashing. Es gibt Autoren, die mit der Schneeflockenmethode wunderbar zurechtkommen und denen sie wirklich hilft. Diesen Autoren möchte ich ihr Plotwerkzeug auf keinen Fall madig machen.
Mir geht es darum, dass die Schneeflocke nicht für jeden – und auch nicht für mich – das richtige Werkzeug ist.
Kurz und knapp: Schneeflockenmethode – was ist das eigentlich?
Ein Plotwerkzeug, das einem Autor hilft, Struktur in seine Ideen zu bringen und nach einem durchlaufenden roten Faden zu plotten. Dabei erweitert sich das Konzept wie eine sich immer mehr verzweigende Schneeflocke von einem zentralen Punkt aus. Randy Ingmarson beschreibt die Methode ausführlich in diesem Artikel. Eine deutsche Übersetzung findet sich z.B. hier.

Schneeflocke in der Nussschale –  In vielen kleinen Schritten zum ausgefeilten Romankonzept
Schritt 1: Fasse deinen Roman in einem Satz zusammen
Schritt 2: Erweitere den Satz aus Schritt 1 zu einem Absatz
Schritt 3: Charakterisiere kurz und knapp deine Hauptfigur
Schritt 4: Erweitere jeden Satz deiner Zusammenfassung aus Schritt 2 zu einem weiteren Absatz – fasse deinen Roman auf einer Seite zusammen
Schritt 5: Beschreibe jede deiner Hauptfiguren ausführlich. Eine Seite pro Figur!
Schritt 6: Erweitere deine einseitige Romanzusammenfassung auf vier Seiten. Details, bitte!
Schritt 7: Arbeite deine Figuren weiter aus. Schreibe komplette Charakterbeschreibungen. Aussehen, Alter, Familienhintergrund, Augenfarbe, Blutgruppe. Details. Viele Details.
Schritt 8: Erstelle aus dem Dokument aus Schritt 6 eine Szenenübersicht. Am besten tabellarisch.
Schritt 9: Verfasse eine erzählende Beschreibung deiner Geschichte mit den Informationen aus Schritt 4 bzw. 6. Wenn du es machst, hast du gleich die Basis für ein Exposé.
Schritt 10: So. Jetzt darfst du endlich schreiben.

Und ich?
Ich habe es versucht. Ich habe es wirklich versucht, nach dieser Methode zu arbeiten. Und festgestellt, es ist nicht meins. Was nicht bedeutet, dass ich meine Gedanken und Ideen nicht ordnen muss.
Im Gegenteil.
Ich bin bekennende Chaos-Jüngerin und brauche nichts mehr als Struktur und Ordnung in meinen Ideen, damit ich produktiv arbeiten kann – aber nicht so.

Wenn ich eine Idee habe, dann möchte ich schreiben. Jetzt. Aus dem Bauch raus. Mit Gefühl. Mit Leidenschaft. Ich starte mit einer groben Idee und groben Figurenmustern und beginne, eine Geschichte zu erzählen, die ich selbst noch nicht in allen Facetten kenne.
Genau das macht für mich den Reiz des Schreibens aus. Und darum habe ich mir für meine Arbeitweise brauchbare Elemente aus der Schneeflocke herausgepickt, aber mache mir nicht die Arbeit, das komplette Modell durchzuackern.

Denn damit kenne ich meinen Roman dann schon so gut, dass mich an ihm nichts mehr überraschen kann. Und das nimmt mir viel am Schreibspaß und den Grund, warum ich (nicht nur. Aber auch.) schreibe: Ich will mir Neugier bewahren. Mich von meiner eigenen Geschichte und meinen eigenen Romanfiguren überraschen lassen. Mit ihnen in Dialog treten. Mich mit ihnen streiten. Es spannend halten. Details entwickeln, während ich schreibe, und nicht vorher. Auch wenn das bedeutet, dass ich hin und wieder zurückspringen und eben diese Details anpassen muss.

Ich gehe Schritt 1 und habe meinen Romanpitch. Super, denn das spart Arbeit für eventuelle verlags-oder Agenturbewerbungen.
Ich mache die Schritte 4 und 6, manchmal auch 8, bastele daraus ein Exposé.
Notiere mir wichtige Details zu meinen Figuren, damit ihre Namen immer gleich lauten und ihre Augenfarbe auf Seite 259 noch immer dieselbe ist wie auf Seite 1.

Und dann – dann gehe ich schreiben. Und lasse mich überraschen.

Und ihr? Wie plottet ihr?

Manuskriptnekromantie – 4 Tipps zum Wiederbeleben von Schubladenmanuskripten

typewriterSchubladenmanuskripte und halbfertige Romanzombies – welcher Autor kennt das nicht?
Da ist der nicht fertige Roman aus dem NaNoWriMo. Die im ersten Moment so genial wirkende Jugendbuch-Idee. Das voller Enthusiasmus begonnene und dann nie wieder angefasste High-Fantasy-mit-Aliens-Projekt.

Hand aufs Herz – jeder hat ihn, diesen Ordner namens „zu beenden“ oder „halbfertig“, diese Festplattenbücher. Und jeder kennt das – diese Scheu, sich wieder an lange nicht bearbeitete Manuskripte zu setzen.

Ich auch.

Und darum teile ich hier mit euch ein paar meiner Tricks, wie du dich motivieren kannst, so einen Romanzombie wieder zum richtigen Leben zu erwecken.
#1 Lesen

Ja, auch wenn es viel ist, auch wenn du denkst, du kommst einfach so wieder rein und kannst einfach so weiterschreiben. Lies das alte Zeug noch einmal. Wenn du magst, lass den inneren Lektor mitlesen. Korrigiere Tippfehler. Beobachte Handlungsstränge, Figuren und Stil. Wie fühlt sich das Buch an, wie lebendig sind die Figuren, was fühlst du beim Lesen – und kannst du dir vorstellen, beim Schreiben dasselbe wieder zu fühlen? Riechst, siehst, schmeckst du etwas beim Lesen? Springt das Kopfkino an?

 

#2 Check: Ist noch genug Liebe da?

Ein kritischer Blick. Gefällt dir das Manuskript noch? Oder gab es einen Grund, warum es damals in der Schublade verschwand? Springt beim Lesen der Funke über? Fragst du dich, warum du gerade dieses Buch damals unbedingt schreiben wolltest? Denkst du vielleicht sogar: Wow. Das habe ICH geschrieben?

Wenn nicht mehr genug Liebe da ist, sorge dafür, dass das Manuskript aus deinem direkten Sichtbereich verschwindet. Magst du es nicht löschen, dann speichere es auf einer Wechselplatte, brenne es auf eine CD oder schiebe es auf einen USB-Stick. Oder schicke es an Freunde und bitte sie, es für dich aufzubewahren. So ist es nicht „weg“, aber es steht dir auch nicht ständig vor Augen und kann dich nicht mehr belasten oder dir ein schlechtes Gewissen machen.

Und wenn du weißt, warum du genau dieses Buch damals schreiben solltest: dann verliebe dich neu. Und schreib das Ding.

 

#3 Plotten – mach es spannend

Hast du es nicht schon getan, plotte. Wenigstens grob. Nach meiner eigenen Erfahrung verschwinden die meisten Manuskripte in der Versenkung, weil ich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Weil mich der berühmte Mid-Book-Blues gepackt hat. Geht es dir genauso?

Dann überlege dir, wie es weitergehen soll, bevor du dich wirklich aufs Schreiben stürzt. Wo willst du mit deiner Hauptfigur hin, was plant der fiese Bösewicht? Wo stecken Konflikte? Wendepunkte?

Vielleicht war es auch ein Mangel an Spannung und/oder Konfliktpotential, was dein Manuskript in die Schublade verbannte. Suche nach Stellen im Manuskript, an denen du mehr Spannung und mehr Konflikte integrieren kannst. Mach es spannend! Für deine Leser. Aber vor allem für dich.

 

#4 Schreib!

Genau. Schreib. Setz dich dran. Nimm dir vor, jeden Tag wenigstens einen Satz an dem Ausgrabungsobjekt zu schreiben. Meist bedingt ein Satz den nächsten. Fürchtest du, wieder nicht am Ball bleiben zu können, sorge für Motivation von Außen.
Suche dir Romanpaten oder Betaleser, die in regelmäßigen Abständen nach „mehr“ brüllen. Stell schon mal den Sekt kalt, den du köpfen wirst, sobald du das Wort „Ende“ getippt hast. Schick den inneren Kritiker zum Haitauchen auf die Malediven und verliebe dich neu in dein Buch. Wenn du bis hierher gekommen bist, dann hat es das verdient.

 

Und nun: viel Erfolg!

Hilfe – ein Logikloch!

kreativchaos Ihr erinnert euch. Die „Zwielichter“ machen Pause. Schuld daran sind zwei Dinge. Zum einen ist das Manuskript noch nicht komplett fertig. Es fehlen noch Die Böse Wendung kurz vor Schluss und natürlich Das Tolle Ende mit ganz viel Drama und Heldentränen.
Zum anderen – und das ist ein viel größeres Problem – hat eine meiner Betaleserinnen ein Logikloch im Manuskript entdeckt und mir liebevoll eingepackt rübergereicht.

Ein Logikloch.

Panik.

Erste Reaktion: „Oh nein, ich werde das gesamte Manuskript in die Tonne treten udn nie wieder daran schreiben, alle Bolgeinträge dazu löschen und noch mal ganz von Vorn anfangen.“

Zweite Reaktion: Okay. Nachdenken. Fragen wir doch mal nach, wo sich das böse Logikloch befindet.

Und die große Erleichterung: auf den letzten Seiten, und es lässt sich ausbügeln, ohne dass ich alles, was schon geschrieben wurde, umbauen und umbasteln muss.

Trotzdem wird es bis April dauern, bis es wieder Zwielichtschnipsel gibt.

Logiklöcher und ich – eine ewige Hassliebe. Ich bin Wenigplotter und Bauchschreiber. Fixe Ideen nisten sich beim Schreiben im Kopf ein und ploppen dann plötzlich zu Unzeiten wieder auf. Meistens bringen sie auch noch einen ganzen Wurf kleiner Ideenwelpen mit, die mir kläffend um die Füße rennen und alle zur gleichen Zeit Aufmerksamkeit wollen.

Und ich denke: Ach, du bist aber eine niedliche Idee, komm her, dich verarbeite ich jetzt zu einer tollen Szene. Das wird super.
Die Idee grinst, frisst meine Schokolade,  schlürft meinen Kaffee und setzt sich auf meine Tastatur.
Und ich schreibe so wild drauflos, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, was vorher gewesen ist. Es zählt, was jetzt passiert. Die tollen Szenen, die mir diese niedliche kleine Idee einflüstert, die inzwischen vollgefresen auf dem Rücken liegt und immer noch grinsend dabei zusieht, wie ich mich um Kopf und Kragen schreibe.

Und schon ist es passiert. Der nächste, der die Ausgeburt meiner Kreativität liest, findet das Logikloch.
Was lernen wir daraus? Erst denken. Dann schreiben.

Und vielleicht doch mal plotten. Es muss ja nicht gleich die Schneeflockenmethode sein.

Warum die (und überhaupt ausgiebigstes Plotten) nicht so meins ist, erzähle ich euch in einem meiner nächsten Einträge zum Thema „Schreiben“.

 

Und ihr so? Plotten, nicht plotten? Was war euer dickster Logik-Klops? Erzählt mir etwas!

 

Nicht massentauglich: Schubladengeschichten gegen den Mainstream

typewriterIch gehöre normalerweise zu den Lesern, die Vor-und Nachwörter eher langweilig finden und überspringen. Aber das Nachwort von Patrick Rothfuss zu seiner Novelle „Die Musik der Stille“ (Originaltitel „The slow regard of silent things“) hat mich dort gepackt, wo jede Autorin und jeder Autor sich hin und wieder packen lässt: An den eigenen Zweifeln. Wer kennt das nicht, diese Fragen nach der Markttauglichkeit, nach der „Veröffentlichbarkeit“, nach dem „Liest das überhaupt jemand?“ „Interessiert das überhaupt jemanden außer mir?“ „Wer würde denn das lesen?“
In einem Gespräch mit seiner Freundin Vi Hart berichtet Patrick Rothfuss ihr von seinen Zweifeln an der Veröffentlichbarkeit von „Die Musik der Stille“. Spoilerfreie Erklärung: Die Novelle erzählt von einer nicht ganz unwichtigen Nebenfigur aus den Kingkiller Chronicles. Ich sage absichtlich „erzählt von ihr“, nicht „erzählt ihre Geschichte“, denn das tut sie nicht und sie lässt den neugierigen Leser am Ende mit mehr fragen zurück als am Anfang. Aber das liegt wohl auch in der Natur der Figur „Auri“ – Auri selbst ist und bleibt ein Myterium. Und ich finde das gut so. Aber ihr Erfinder Patrick Rothfuss hatte so seine Zweifel an einer Novelle über Auris Leben in der Unterwelt der Universität, an dieser leisen, ungewöhnlichen Geschichte, die selbst in den Augen ihres Autors keine Gesichte ist.

Patrick Rothfuss schreibt:
I shook my head, not even looking up at her. „Readers expect certain things. People are going to read this and be disappointed. It doesn’t do what a normal story is supposed to do.“
Then Vi said something I will always remember: „Fuck those people“, she said. „Those people have stories written for them all the time. What about people like me? Where’s the story for people like me?“ […] „Let those other people have their normal stories“, Vi said, „This story is not for them. This is my story. This story is for peoplelike me.“
(Patrick Rothfuss, aus dem Nachwort zu Nachwort „The slow regard of silent things“)

Mir geht es wie Rothfuss: ich will nicht vergessen, was Vi Hart da zu ihm gesagt hat. Nicht jede Geschichte ist für jeden Leser. So unterschiedlich die Geschmäcker beim Essen sind, sind sie es auch beim Lesen. Es mag Schubladengeschichten geben, die wirklich nur für die Schublade geschrieben wurden. Aber wenn ich so darüber nachdenke, was für Schätze vielleicht noch in Autorenschubladen schlummern, weil sie nicht mainstream genug sind, nicht für die breite Masse, nicht für jeden, dann macht mich das traurig. Ich wünsche mir Chancen für diese Schubladengeschichten. Ich wünsche mir mutige Autoren, die Selfpublishing-Experimente wagen. Noch mehr mutige Kleinverlage, die sich wagen, die auf den ersten Blick nicht massentauglichen Kleinode zu veröffentlichen – und dann, wer weiß, vielleicht große Erfolge damit zu feiern und zu wachsen, zusammen mit ihren Autoren.

Habt ihr Schubladengeschichten? Warum, denkt ihr, sind sie nicht massentauglich oder unveröffentlichbar?
Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Was ist eigentlich ein „gutes Buch“? Meine fünf Cent zur Lektoratsdiskussion

booksIm Netz kocht die Diskutiersuppe auf Hochtouren. Fronten verhärten sich. Der Begriff „Zweiklassengesellschaft“ fällt. Es wird von Arroganz gesprochen, von Selbstverliebtheit, von Talent und Nichtkönnen. Von guten und von schlechten Büchern.

Das Thema: Lektorat. Braucht ein Buch ein Lektorat und/oder ein Korrektorat, um ein gutes Buch zu sein?

Ich möchte das Pferd mal von hinten aufzäumen und die Frage in den Raum werfen, was denn eigentlich ein gutes Buch ist. Wenn ich diese Frage für mich beantworte (meine persönliche Meinung, die sich niemand zu teilen verpflichtet sehen soll!), dann ist ein gutes Buch ein Buch, das mich gut unterhält.
Gut unterhalten kann mich der nachdenklich-romantische Provenceroman ebenso wie ein auf Suspense getrimmter Thriller, ich fühle mich ebenso durch eine leidenschaftliche Romanze unterhalten wie durch ein Fantasymärchen oder ein episches Werk wie Game of Thrones. Ich möchte in sich stimmige Bücher lesen, mit gut ausgearbeiteten Protagonisten, denen ich ihr fiktives Leben abkaufe und bei deren Geschichten ich mir vorstellen kann, dass es so in diesem Setting wirklich geschehen sein könnte. Und das am liebsten noch fehlerfrei, ohne Längen, ohne Perspektivverrutscher, ohne unfreiwillig komisch wirkende Stilblüten.

Und wie mache ich nun so ein „gutes“ Buch?
Erst mal: ich schreibe. Ohne Rücksicht auf Verluste schreibe ich meine Geschichte, so wie sie mir vom Kopf in die Finger fließt, nach mehr oder weniger ausführlichen Vorbereitungen wie Plotten und Weltenbau – je nachdem, was für ein schriftstellerischer Arbeitstyp ich bin.
Und dann? Das Wort „Ende“ ist geschrieben, die schreibprogrammeigene Rechtschreibkorrektur ist über das Dokument geflitzt und hat alle Vertippsler ausgemerzt. Hoffentlich. Da ich diesen automatisierten Dingern nicht traue, lese ich lieber noch einmal selber von vorn bis hinten und von hinten nach vorn, den virtuellen Rotstift in der Hand, den Blick geschärft, der innere Korrektor arbeitet auf Hochtouren.
Der Text bekommt also ein erstes Korrektorat.
Und dann? Bin ich dann fertig? Habe ich dann schon ein „gutes Buch“ geschrieben?
Ich meine: nein. Ich habe ein Buch geschrieben, das zu 99% frei von Tipp-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehlern ist. Aber würde ich für dieses Buch in diesem Zustand bereits Geld verlangen wollen?

Ich sage: nein. Denn ich fühle mich als Autorin noch nicht so sicher im Sattel, dass ich eine solche Manuskriptfassung schon in die Welt entlassen möchte, sei es in einem Verlag oder als Selfpublisher. Ich brauche den kritischen Blick von außen.

Bisher habe ich nicht selbst veröffentlicht, sondern mit verschiedenen Kleinverlagen zusammengearbeitet, in denen ich Anthologiebeiträge und Romane veröffentlicht habe. In den meisten Fällen habe ich das Lektorat als sehr bereichernd empfunden, sowohl für mein Buch als auch für mich als Autorin. Ich lerne bei jedem Lektorat etwas dazu. Ja, mein eigener innerer Lektor ist durch die Zusammenarbeit mit realen menschlichen Lektorinnen und Lektoren kritischer, mein eigener Blick auf Selbstgeschriebenes kritischer geworden.
Ob ich mir daher zutrauen würde, ein Buch vollkommen in Eigenregie zu machen? Schreiben, korrigieren, editieren (im Sinne von „verbessern“, im Sinne von „veröffentlichungsreif machen“) und zu veröffentlichen?

Ich sage noch einmal: nein. Ich habe als Leserin meinen ganz eigenen Anspruch an ein „gutes Buch“. Ich zahle gern einen angemessenen Preis für meinen Lesestoff, aber dafür erwarte ich dann auch, dass das, was ich mir auf meinen eReader lade oder zwischen realen Buchdeckeln in der Hand halte, meinem Anspruch gerecht wird. Ich habe bereits wunderbare Bücher von Selfpublishern gelesen, bei denen ich mich einen feuchten Kehricht darum geschert habe, ob dieses Buch lektoriert worden ist oder nicht, ich fühlte mich gut unterhalten, ich mochte den Erzählstil, es waren einfach in meine Sinne „gute Bücher“. Im Gegensatz dazu habe ich auch schon Bestseller renommierter Publikumsverlage beiseitegelegt, weil mich Dinge, die ich als stilistische Fehler empfand, so sehr gestört haben, dass mir das Lesevergnügen schon auf Seite 3 von 300 abhandenkam. Und bei einem renommierten Publikumsverlag gehe ich einfach mal davon aus, dass da ein Lektor am Werk war.

Fazit: ein Lektorat allein macht noch kein „gutes Buch“. Ein Buch kann auch ohne Lektorat „gut“ sein. Wer sicher ist, dass er oder sie es im Alleingang schafft, ein „gutes“ Buch herauszubringen, soll das tun. Ich persönlich halte mich für noch nicht so weit, dass ich ohne den kritischen Blick von außen ein wirklich „gutes“ Buch erschaffen kann. Aber das bin nur ich. Das kann und darf jeder und jede anders sehen. Wäre es nicht einfach schön, wenn jede und jeder so arbeiten könnte, wie er oder sie es am besten kann, ohne dass wir uns in dem Zwang sehen, uns für unsere Arbeitsweise rechtfertigen zu müssen? Wäre es nicht schön, wenn jeder und jede sagen könnte: Ich mache das so-und-so, du machst es anders, und es ist GUT so?
Ich würde mich freuen, wenn wir von diesem Schubladendenken wegkämen, das Verlagsautoren und Selfpublisher auf unterschiedlich hohe Podeste stellt. Sind wir nicht im Grunde alle nur Menschen, die eine Leidenschaft teilen – die für das geschriebene Wort, den Wunsch, die Geschichten zu erzählen, die sich in unseren Köpfen herumtreiben und die uns wahnsinnig machen würden, würden wir sie nicht aufschreiben? Ganz gleich ob Verlagsautor oder Selfpublisher, Kleinverlagsveröffentlicher oder Blogromanschreiber – wir sind Autoren. Und wir wollen am Ende doch alle nur eins: „gute“ Bücher schreiben.

Nithyara Weihnachts-Special

Die Nithyara wünschen frohe Weihnachten. Viel Spaß mit dieser kleinen Geschichte aus dem Feuersänger-Universum!

Mittwinter

Feuersänger starrte aus dem winzigen Fenster und traute seinen Augen nicht. Der Wald hatte sich über den Tag hinweg in ein weißes Kleid gehüllt. Dick und schwer lag das helle, schimmernde Zeug auf den Ästen der Silberbäume, hatte die Wiese unter sich begraben und bedeckte die Sitzbänke am Versammlungsplatz. Jedes Baumhaus war von einer im Sternenlicht bläulichweiß glitzernden Kappe bedeckt. Kalter Wind pfiff um Sängers Nase. Er schauderte und ließ den schweren Ledervorhang schnell wieder vor die kleine Öffnung fallen. Brr. Wenn ein Nithyara etwas verabscheute, dann die Kälte des Winters – auch wenn dieses weiße Zeug eine seltsame Faszination auf Sänger ausübte. Leise kroch er wieder zur Schlafstatt, auf der sein Lehrmeister Sternenglanz noch tief und fest schlief. Neben ihm lag zusammengerollt Silbersang, der Legendenbewahrer. Feuersänger betrachtete ihn mit einem liebevollen Blick – Silbersang war mehr als ein Freund, mehr als ein Geliebter für ihn. Er war sein Ta’nesha, sein Seelengefährte. Das Beste, was ihm je passieren konnte.
Mit einem Lächeln ließ Sänger seine Hand in Silbersangs weiches Haar kriechen und kraulte ihn hinter einem spitzen Ohr. Silbersang seufzte im Halbschlaf, gab ein leises Grummeln von sich, dann öffnete er träge die Augen.
„Ta’nesha! Was ist los, warum schläfst du nicht?“
Sänger grinste. „Ich war wach, und weil es sowieso bald Zeit für das Frühstück ist, wollte ich mich nicht noch einmal umdrehen. Silbersang, es ist etwas merkwürdiges passiert, draußen ist alles weiß!“
Zu Sängers Überraschung nickte Silbersang nur. „Der erste Schnee, das war zu erwarten.“
„Sch…nee? Zu erwarten?“ Sänger merkte, dass er seinen Ta’nesha aus großen Augen angesehen haben musste, denn Silbersang grinste, richtete sich auf und strich ihm durchs Haar.
„Ja. Schnee. Sag bloß, du hast noch nie Schnee gesehen, Ta’nesha!“ Weiterlesen →

Die Nithyara sind los: „Harfenzorn“ kommt im Oktober!

Harfenzorn-cover-finale „Ein todbringender Fluch liegt über dem Land. Durch Verrat und schwarze Magie konnten die Dunkelelfen den Clan der Hainhüter auslöschen. Nur den Barden Silbersang haben die Dunklen verschont, damit sein Bericht Angst und Schrecken zu den anderen Clans bringt.
Silbersang ist allein. Allein mit einer zerbrochenen Harfe, seinen Erinnerungen und seiner Verzweiflung.
Aber muss nicht auch eine zerbrochene Klinge durch das Schmiedefeuer gehen, um eine neue, hervorragende Waffe zu werden?“

Bald ist es soweit – zum BuCon erscheint mein neuer Nithyara-Roman „Harfenzorn“ als Auftakt der dreibändigen „Feuersänger“-Reihe. „Harfenzorn“ ist die Geschichte des Legendensängers Silbersang,in den sich in den folgenden Bänden ein Kundschafter namens Feuersänger unsterblich verlieben wird. Ich freue mich unglaublich, dass der Machandel-Verlag meinen Nithyara ein neues Zuhause gegeben hat und auch noch einen weiteren Roman mit meinen nachtaktiven Mondanbetern haben wollte.

Erwählte des Zwielichts 38

zwielichtbild„Wenn du etwas sagen willst, Liandras, warum tust du es dann nicht?“ Flammenstern sah ihn an, seine Wut war verraucht.
Liandras atmete tief durch. „Es ist so viel geschehen, dass ich es nicht einfach so annehmen kann. Ihr behauptet, die zu sein, die ihr immer wart und doch seid ihr vollkommen verändert.“
„Das ist wahr. Aber wenn du ein anderes Gewand anlegst, bist du doch immer noch Liandras, nicht wahr?“ Flammenstern sah Liandras in die Augen. „Wenn eine Schlange sich häutet, ist sie danach dieselbe Schlange. Wir haben unser altes Leben abgestreift. Aber unsere Seelen sind noch immer die, die ihr kennt.“
Rhian erhob sich, trat hinter Flammenstern und Nebelstreif und legte beiden eine Hand auf die Schulter.
„Ich glaube ihnen, ich will ihnen und ihren neuen Wegen eine Chance geben. Ein neues Leben kann man nur lernen, wenn man es lebt. Iloyon und Cianthara waren meine Freunde. Nebelstreif und Flammenstern sollen meine Freunde werden. Ich bleibe bei ihnen. Das hätte ich auch getan, hätten sie sich ohne diese Verwandlung vom Heer getrennt.“
Flammenstern legte seine Hand über Rhians.
„Danke“, flüsterte er.
Die nächsten, die sich erhoben, waren Naeve und Veannan.
„Rhian spricht weise Worte. Auch wir wären mit Iloyon gezogen. Nun ziehen wir mit Flammenstern.“ Veannan ließ sich neben Amayas nieder, der neben Flammenstern saß, und zog Naeve an seine Seite. „Ich glaube, ich sehe, was diese neuen alten Götter vorhaben. Wenn selbst Götter den Krieg nicht mit Gewalt beenden können, dann müssen auch sie subtiler vorgehen und Sand zwischen eingeschliffenen Räder werfen. Ich wäre gern ein Sandkorn, das die Welt, so wie wir sie bisher kennen, aus den alten Fugen gleiten lässt.“
Naeve grinste. „Wenn ich den neuen Weg auch mit einem Auge beschreiten kann, dann gehe ich mit.“
„Du wirst lernen, mit der Seele zu sehen.“ Nebelstreif zwinkerte ihr zu. „Dann wird alles ganz einfach.“
Malika sah zwischen den beiden Gruppen hin und her. Ihr Blick glitt zu Liandras, der ihn geradezu bittend erwiderte. Sie nickte ihm kaum merklich zu.
„Ich bleibe, was ich bin“, sagte sie mit fester Stimme. „Dunkelelfe und Soldatin des dunklen Heeres. Ich werde für mein Volk und für meine Seite streiten, wenn nötig, bis zu meinem Tod. Aber ich werde nicht meine alten Freunde verraten. Wenn ich zum Heer zurückkehre, werde ich den Generälen und Heerführern sagen, dass Iloyon und Cianthara tot sind und alle anderen aus ihrer Truppe versprengt, vermutlich gefallen. Das wird sie davon abhalten, euch zu suchen und zu jagen. Zumindest für eine Weile.“ Sie nahm Liandras‘ Hand und sah ihn an, eine stumme Bitte in ihrem Blick. Er schnaubte, dann nickte er, widerwillig.
„Ich schließe mich Malika und ihrem Versprechen an. Tote kann man nicht verraten.“
Flammenstern spürte, dass er es anders meinte als Malika, aber er schwieg. Eine Weile war es still, dann erhob sich Amon und trat zu Sirisa.
„Ich will bei der bleiben, die ich liebe. Also werde ich euch folgen.“
Sirisa starrte ihn mit offenem Mund an. „Amon, du… sag das noch einmal!“ Weiterlesen →

Erwählte des Zwielichts 31

zwielichtbild War dies noch immer dieselbe Nacht? Wie lange waren sie in der Welt der Götter gewesen? Angefühlt hatte es sich wie höchstens drei Tage und Nächte. Aber was waren ein Tag und eine Nacht in der Welt der Götter? Fast war ihm, als höre er den Nachtschatten in seinen Gedanken leise lachen.
Finde es heraus!
Wie Schatten huschten sie durch Unterholz und Buschwerk. Flammenstern fand die Spuren, die er auf seinem Weg zur Lichtung hinterlassen hatte. Er wunderte sich. Hatte er wirklich so tiefe Fußabdrücke im Moos verursacht? Hatte er wirklich so viele kleine Zweige geknickt, war er so auffällig gewesen?
//Sieh dir das an. Diese Spuren. War ich denn vor dieser Verwandlung ein Pferd, dass ich so durch den Wald getrampelt bin?//
Er hörte Nebelstreif in seinen Gedanken lachen.
//Du hast dich verändert. Wir haben uns verändert. Unsere Wahrnehmung, unsere Art, uns zu bewegen. Spürst du nicht, wie du auf einmal eins mit dem Wald bist? Du bewegst dich wie ein Waldwesen, wie eine große Katze. Katzen hinterlassen auch keine Spuren im Wald!//
Flammenstern spürte es, ja. Aber es fühlte sich dennoch alles fremd und neu und so anders an.
Was sich nicht fremd anfühlte, war das sanfte Prickeln auf der Haut, als er Sirisas Schutzkreis durchschritt, nur dass er auch die Magie des Kreises viel intensiver spüren konnte als zuvor. Einen Moment zögerte er, dann trat er aus dem magischen Bann heraus in den Kreis seiner schlafenden Gefährten. Nebelstreif verharrte neben ihm.
//Sie schlafen alle…//
Flammenstern setzte sich ans Feuer, das mit bläulich schimmernder Flamme brannte, und ließ seine Hand durch die glühende Hitze gleiten.
//Sternenfeuer. Der Schutz der Sternenherrin. Sie hat ihr Versprechen gehalten und über die anderen gewacht.// Flammenstern ließ seinen Blick über das Lager schweifen. Malika und Liandras lagen dicht nebeneinander am Feuer, Rhian war an Veannans Lager eingenickt, sie lag halb über dem Körper des Kriegers. Neben ihnen lag Amayas, zusammengerollt, ein Stück weiter von ihm entfernt hatten Naeve, Dirian und Amon ihre Schlaflager ausgerollt. Nidhan und Luath saßen am Feuer, Rücken an Rücken, wie sie miteinander Wache zu halten pflegten, aber auch sie schliefen.
//Sollen wir sie wecken?// Flammenstern zögerte. Er sah die Schlafenden an und auf einmal fühlte er sich fremd zwischen seinen Gefährten. Würden sie sie wirklich erkennen? Würden sie noch Cianthara und Iloyon in ihren maskierten, zeichenübersäten Gesichtern erkennen?
//Vielleicht nicht alle auf einmal. Rede zuerst mit Amayas. Überzeuge ihn, und du hast alle anderen überzeugt, ich bin mir sicher. Geh. Ich halte Wache.//
Flammenstern erhob sich lautlos und schob sich die Kapuze seines Umhanges über den Kopf. Dann schlich er zu Amayas und legte sanft eine Hand auf dessen Mund, die andere auf die Schulter. Amayas erwachte sofort, er zuckte zusammen, sein Körper spannte sich. Noch bevor er schreien konnte, drückte Flammenstern ihm seine Hand auf die Lippen. Sofort spürte er Zähne, die sich in seine Handfläche gruben.
„Ich bin es, Iloyon! Hör auf, mich zu beißen!“
Amayas entspannte sich und wandte sich ihm zu.
„Bist du wahnsinnig geworden, dich so anzu…“
„Still! Kannst du aufstehen? Ich muss mit dir reden. Allein.“
Flammenstern blieb so sitzen, dass sein Gesicht im Schatten lag. Amayas richtete sich mit einem leisen Ächzen auf.
„Was ist denn los? Und warum sollen die anderen nicht hören, was du zu sagen hast?“
„Weil ich es zuerst mit dir allein bereden muss, Bruder. Bitte.“
Amayas zuckte mit den Schultern, wickelte sich in seinen Umhang, richtete sich auf und kam schwankend auf die Beine. Flammenstern griff nach seinem Arm und stützte ihn, er sah zu Boden, damit Amayas sein maskiertes Gesicht nicht sehen konnte. Langsam führte er ihn ein Stück vom Lager weg, zu einer kleineren Lichtung, die ihm auf dem Rückweg von der Lichtung mit dem Stein aufgefallen war.
„Mach dir keine Sorgen. Ne… Cianthara hält Wache, Sirisas Schutzbann ist stark. Wir sind in Sicherheit. Setz dich.“ Er ließ sich auf einem umgestürzten Baum nieder und wartete, bis Amayas neben ihm saß.
„Also gut. Was ist so wichtig, Bruder? Ich spüre, dass etwas auf dir lastet. Etwas ist anders. Was ist passiert? Ist dir etwas begegnet, als du allein warst?“
Flammenstern atmete tief durch. Das kann man wohl sagen.
„Ich weiß nicht, wie ich in wenigen Worten beschreiben soll, was mir und Ne… Cianthara passiert ist.“
„Warum willst du sie immer Naeve nennen?“
„Das will ich gar nicht. Amayas, Bruder, hör mir zu. Sag mir, ob du… daran zweifelst, dass ich es bin, der hier bei dir ist. Ich, Iloyon.“
„Was redest du da für einen Unsinn? Natürlich bist du Iloyon, ich kenne dich doch. Ich weiß, wie du dich bewegst, ich weiß, wie du sprichst, ich kenne deine Stimme. Verdammt noch mal, ich weiß sogar, wie du riechst. Was soll das?“
„Ich frage dich, weil ich nur noch zum Teil Iloyon bin.“
Amayas runzelte die Stirn.
„Hauchst du mich bitte mal an?“
„Ich soll was?“
„Mich anhauchen. Ich will wissen, ob du an Rhians Wurzelschnapsvorräten warst.“
Für einen Moment war Flammenstern geneigt, zuzustimmen. Bei den Göttern, in ihrem Feuer, da hatte er sich wirklich eine Weile lang wie betrunken gefühlt.
„Ich bin nicht betrunken. Ich war noch nie in meinem ganzen Leben so nüchtern. Amayas, es ist etwas geschehen. Vielleicht war es ein Wunder, vielleicht war es das verrückteste, was mir jemals passiert ist, vielleicht war es Irrsinn. Ich finde keine Worte dafür.“ Er legte seine linke Hand in Amayas‘ Hand, die Hand, in der noch deutlich sichtbar zwischen den silbrig blauen Zeichen die Blutsbruderschafts-Narbe zu sehen war. Amayas nahm die Hand und starrte auf die Zeichen.
„Iloyon, was ist das? Bist du verletzt? Fehlt dir etwas, bist du krank? Ist das… ein Zauber?“
Flammenstern fühlte, wie Amayas‘ Hand unter seiner zitterte.
„Nein, es ist kein Zauber. Auch keine Krankheit. Es ist eher eine Verwandlung.“