Erwählte des Zwielichts 80

Liandras klopfte ihr auf den Rücken, und sie schnaufte. „Danke … verschluckt …“ Ihr Blick huschte zu Malika, die sich plötzlich aufgerichtet hatte, als hätte sie etwas bemerkt, das ihr und Liandras verborgen geblieben war. „Mal?“
„Wir sollten aufbrechen“, sagte sie, „jetzt gleich. Ich weiß nicht, warum, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir von hier verschwinden sollten. Und damit nicht länger warten. Ich schaffe es aus der Stadt heraus, wenn ich meine Sachen nicht tragen muss.“ Sie schälte sich aus der Decke, rutschte vom Sessel und klammerte sich an die Lehne, als ihr verletztes Bein nachzugeben drohte. „Gebt mir etwas, auf das ich mich stützen kann, dann wird es gehen.“
Liandras murmelte Unverständliches und schlang seinen Arm um Malikas Taille. „Nimm mich. Bist du dir sicher?“
„Dass wir hier wegmüssen – ja. Dass ich es schaffe: ja, wenn du nicht unter mir zusammenbrichst. Iendra?“
Iendra sah auf und schwang sich ihren und Malikas Rucksäcke auf den Rücken.
„Bist du sicher?“
Iendra nickte, auch wenn ihr dabei schlecht wurde. Die anderen zurücklassen, das Lazarett, die Truppe, ohne ihre erfahrenste Heilerin? Sie war nie besonders stolz darauf gewesen, die älteste, am besten ausgebildete und talentierteste Heilerin in Tayaras Truppe zu sein. Aber sie wusste, wer es würde ausbaden müssen, wenn sie jetzt ging. Und wenn es weitere Verletzte wie Khara und Tirac, Shinyenna und Lucai geben würde … sie würgte den bitteren Geschmack hinunter, der sich auf ihrer Zunge sammelte, als die Bilder der grässlichen Verletzungen wieder vor ihrem inneren Auge auftauchten. „Ich komme mit. Wir können nur dann etwas gegen Tayara und die anderen tun, wenn wir nicht allein sind. Und vielleicht wenden sich noch mehr von der Truppe von ihr ab, wenn sie erkennen, was es bedeutet, Khadiss zu dienen. Ich glaube nicht daran, das die Angriffe auf Shinyenna und Lucai Unfälle waren oder Zufall. Das war … gezielt. Das waren Attentate. Aber wer würde uns hier glauben?“
„Niemand“, brummte Liandras. „Sie sehen zu Tayara auf, als sei sie selbst eine Göttin. Sie nennen sie die Herrin der Blitze. Die Auslöscherin allen Lichtes. Das fühlt sich alles so verdreht und falsch an.“
„Die Nithyara“, sagte Malika leise. „Iloyon und Cianthara werden uns glauben. Für sie hat sich dieser Krieg schon viel früher falsch angefühlt.“
„Ebenso wie ich immer noch ihre seltsame Verwandlung und ihre neuen Götter als falsch empfinde“, sagte Liandras und klang noch immer grummelig. „Aber wir haben keine Wahl. Bis wir hier Verbündete gefunden haben, haben uns Tayaras Verborgene wahrscheinlich schon dreimal einen Kopf kürzer gemacht. Sie wird nach uns suchen lassen, sobald sie erfährt, dass wir da unten waren und ihren kleinen Stiefellecker von Informanten getötet haben.“
Iendra nickte, auch wenn ihr immer noch schlecht war. „Dann lasst uns verschwinden.“