Im Fischernetz

Heftroman, erschienen in der Edition Banzini. Meine erste veröffentlichte homoerotische Fantasy-Erzählung entstand nach einer Ausschreibung des Banziniverlages. Gesucht wurden phantastische Geschichten mit homoerotischen Elementen, die alle eines gemeinsam haben sollten: es sollte ein Gestaltwandler vorkommen.
Klappentext: Sayain lebt schon lange allein in einer alten Ruinenstadt am Meer. Fern von anderen Menschen hütet er dort sein Geheimnis: Er ist ein Gestaltwandler, der sich in einen mächtigen Raubfisch verwandeln kann. Als er den Sklaven Alvar befreit und bei sich versteckt, wird sein Leben auf den Kopf gestellt.
Verlag: Edition Banzini; Auflage: 1 (September 2010)
Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3942381079
ISBN-13: 978-3942381079
ASIN: B007QUZPQ6

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Lesermeinungen

Leseprobe:
Sayain kletterte auf einen Felsen, einen Moment stand er still dort oben und ließ sein Haar im Wind wehen, dann stieß er sich ab und sprang. Eiskalt schloss sich das Wasser um ihn. Wie Messer bohrte sich die Kälte in seinen Leib – doch nur für einen Augenblick, dann war es vorbei, und ein Gefühl tiefer Ruhe überkam ihn. Für einen Moment war da nichts als die wirbelnde Strömung, die Luftblasen, die von seinen Lippen aufstiegen. Für einen Moment schien sein Körper eins zu werden mit dem Wasser. Er spürte, wie er selbst zu Wasser wurde, seine Form verlor, zerfloss und wieder an Substanz gewann. Das erste Mal hatte ihm die Verwandlung Angst eingeflößt. Angst, sich selbst zu verlieren, sich vollkommen im Wasser aufzulösen und nie wieder an Land gehen zu können. Doch dann hatte er die andere Gestalt gefunden in diesem neuen, fließenden Selbst und hatte sie festgehalten – den schimmernden, schlanken, kräftigen Körper des Fisches, der pfeilschnell durch die Fluten schoss. Er hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, wie dieser Körper aussah. Es war ihm gleich. Dieser Körper war gut.

Er liebte das Spiel mit dem Wasser. Wie oft schon hatte er sich darin verloren…

Manchmal dachte er darüber nach, wie es war, nicht zurück zu kommen, dem Land ein für allemal den Rücken zu kehren. Doch etwas war trotz des Singens der See in seinem Blut, das dem Land gehörte. Er war beides – Land und See, Wasser und Erde.

Sayain verfolgte einen Schwarm silbriger Sardinen, als er die kaum merkliche Veränderung in der Strömung spürte. Er fühlte sie mit dem ganzen Körper, wie einen sanften Stoß in die Seite. Vergessen war das Spiel – diese neue Strömung war seltsam. Sie war nicht das Zeichen des Gezeitenwechsels, nicht das Aufbegehren des Meeres gegen einen kommenden Sturm. Aufmerksam hielt er inne, schwebte von winzigsten Flossenschlägen getragen fast reglos im Wasser und sah sich um. Seine Unterwasserwelt schimmerte in allen Abstufungen von Blau und Grün, Licht brach sich tausendfach im Wasser. Ein Schatten zog langsam über ihn hinweg, gefolgt von vielen kleinen Strömungswirbeln, die ihn streichelten, schoben und zogen. Ein Fisch konnte es nicht sein, auch keiner der mächtigen Wale, die manchmal vor der Küste von Thalessia entlangzogen. Die Wale kamen nie so nah an die Küste, sie wussten instinktiv, dass das Wasser in der Bucht nicht tief genug für sie war. Kein Tier war es, das den Schatten warf. Sayain schwamm näher, erkannte gebogene Holzplanken und ein Heckruder.

Ein Schiff.

Menschen.

Fremde.

Ein Beben ging durch seinen Fischkörper, als er sich umwandte und in tieferes Wasser davonschoss.