Bratäpfel – eine Meeresträume-Weihnachtsgeschichte

Alvar wischte Wassertropfen von der winzigen Scheibe im einzigen Fenster der Hütte und spähte hinaus. Es hatte geschneit, wieder, die ganze Nacht hindurch. Der Schnee hatte den Strand in eine bizarre Traumlandschaft verwandelt. Alles war weiß, es glitzerte im Schein der aufgehenden Sonne. Eiskristalle funkelten an den Halmen des Strandgrases, das tapfer der Kälte trotzte und sich leicht im Wind wiegte. Spuren im Schnee führten hinunter zum Wasser. Spuren nackter Füße.

Alvar schlang fröstelnd die Arme um den Körper und warf noch ein paar Scheite auf das kleine Kochfeuer. Allein bei dem Gedanken, dass Sayain barfuß und vermutlich nackt zum Meer hinuntergelaufen war, um in seinen unendlichen, eisigen Tiefen zu jagen, ließ Gänsehaut auf seinem Körper sprießen. Natürlich, seinen Geliebten störte die Kälte nicht. Fische frieren nicht, hatte Sayain mit einem Augenzwinkern gesagt, als er das erste Mal an einem verschneiten Wintertag zum Meer gegangen war, um zu jagen. Alvar hatte am Strand gewartet, war von einem Fuß auf den anderen gehüpft und hatte sich beinahe die Finger abgefroren. Er war Kälte gewohnt, aber auch Nordmänner gingen im Winter nicht so ohne weiteres im Meer baden.

Die Erinnerung an das, was nach Sayains erster winterlicher Fischjagd gewesen war, ließ Alvar dennoch einen wohligen Schauer über den Rücken rinnen. Vergessen war der Gedanke an Schnee, Eis und lausig kaltes Wasser, vertrieben von den Gedanken an kühle Haut, die unter seinen Händen langsam wieder warm wurde. An Küsse auf weiche Lippen, die nach Salz und Meer schmeckten, die Erinnerung an langes silbernes Haar, das nach Wind duftete. An einen eisigen Körper, der neben ihm auftaute und irgendwann alles andere als kalt gewesen war. Die Erinnerung an die Liebesnacht ließ Alvar leise aufseufzen.

„Sayain“, flüsterte er in die Stille der kleinen Hütte hinein. Er liebte ihn so sehr. Seit sie gemeinsam vor den Sklavenjägern geflohen und sich hier in dieser einsamen Hütte am Strand niedergelassen hatten, war er so glücklich wie noch nie in seinem Leben. Sayain, sein Gestaltwandler, sein geliebter, wunderschöner Meeresjäger. Alvar wurde niemals müde, Sayain zuzusehen, wenn er als mächtiges Fischwesen wie eine scharfe Klinge das Wasser durchschnitt, wenn er ausgelassen wie ein Delfin über die Wellen sprang. Silfri. Er nannte ihn immer noch so, weil er sich an Sayains wahrem Namen immer wieder die Zunge verrenkte. Silfri, Silberner.

Mit einem Lächeln beugte Alvar sich über den Tontopf im Feuer und schaute kurz hinein. Darin lagen in geschmolzener Butter goldbraun gebackene Äpfel, die er vor einigen Tagen zusammen mit der Butter, Honig, Gewürzen und einigen Händen voll Nüsse und Mandeln gegen frischen Fisch auf dem Markt im nahen Dorf eingetauscht hatte. Sayain wusste nichts davon, es sollte eine Überraschung werden. Immerhin war heute das Mittwinterfest. Das ganze Dorf war geschmückt worden, überall hingen immergrüne Zweige und Misteln.  Alvar lächelte und kramte den Mistelzweig aus der Ecke, wo er ihn versteckt hatte, und hängte ihn über der Tür auf.  Dann wandte er sich wieder den heißen Äpfeln zu und ließ ein wenig Honig darüber rinnen. Sie dufteten nach vergangenem Herbst, nach Zimt und der Süße von Honigwein. Durch die Hitze war ihre pralle Schale aufgeplatzt und das weiße Fruchtfleisch schimmerte hindurch, vollgesogen mit Butter und Honig. Alvar leckte sich die Lippen. Eine süße Verführung. Er dachte an Sayains Lippen, an seine weiße Haut, sein seidiges Haar. Daran, dass sie bald Süßes essen und danach Süßes tun würden. Der Gedanke daran badete seinen Körper in wohliger Wärme. Alvar zog den Tontopf an den Rand des Feuers, damit die Äpfel nicht verbrannten, dann nahm er seinen Mantel und ging an den Strand hinunter. Er folgte Sayains Spuren bis zu einem Felsen, auf dem er den Umhang seines Geliebten fand, mit winzigen Schneekristallen bedeckt. Er nahm den Mantel, schüttelte ihn aus und klemmte ihn unter den Arm, damit der Stoff wieder warm wurde. Dann setzte er sich auf den Felsen und schaute auf das Meer hinaus. Es dauerte nicht lange, und er sah den mächtigen Fisch aus dem Wasser schnellen, schneeweiß und schimmernd. Ausgelassen tobte er durch die Wellen dem Strand entgegen, überließ sich der Brandung, die ihn immer näher an den Felsen herantrieb. Noch einmal verschwand der Fisch unter Wasser, und mit der nächsten Welle hob sich Sayain als Mann aus dem Meer. Silbern und schön wie eine Gestalt aus einem Märchen. Er zog ein Netz hinter sich her, in dem glitzernde Fische lagen. Sie zappelten nicht mehr – Alvar wusste, dass sie bereits tot waren, schnell und sauber getötet durch den Biss des Jägers. Er kletterte vom Felsen und breitete den Umhang aus. Mit einem Lächeln auf den Lippen kam Sayain ihm entgegen.

„Du solltest doch drinnen bleiben!“

Sayain schmiegte sich in den Umhang und in Alvars Arme, das Netz hatte er in den Schnee fallen lassen. Alvar umarmte ihn und rubbelte ihn mit dem Umhang trocken.

„Ich weiß. Aber ich liebe es, zu sehen, wenn du an Land kommst, mein Schöner.“ Er küsste ihn, küsste ihm das Salz von den Lippen. „Ich liebe es, wie du schmeckst, wenn du aus dem Wasser kommst. Ich liebe es, wie du duftest. Komm. Ich habe etwas für dich!“

Sayain erwiderte den Kuss und ließ die Zunge leicht über Alvars Lippen huschen. „Das trifft sich gut. Ich habe nämlich auch etwas für dich. Immerhin ist doch heute Mittwinter. Er zwinkerte, dann löste er sich von Alvar, griff nach dem Netz und stieg den Strand zur Hütte hinauf. Alvar lächelte in sich hinein und folgte ihm.

Fröstelnd huschte er in die Hütte, während Sayain die Fische in den angrenzenden kleinen Schuppen brachte.  Alvar war froh, dass Sayain seine Beute gleich draußen fertigmachte und in der Schneetonne vergrub, wo der Fisch gefrieren und frisch bleiben würde.

Alvar zog den Topf mit den Äpfeln aus dem Feuer. Ein Duft nach Gewürzen und Sünde breitete sich in der kleinen Hütte aus, als er den Deckel abnahm. Die Äpfel waren knusprig überkrustet von Honig und Nussmehl, vollgesogen mit ihrem eigenen Saft, das weiße Fleisch unter der rotbraunen, aufgeplatzten Schale schimmerte wie Schnee.

Die Tür öffnete sich, Wind wehte Schneeflocken und Sayain herein, der seinen Umhang abwarf und splitternackt vor Alvar stand und die Arme ausbreitete.

„Ich bin zuhause, Geliebter! Wärme mich!“ Er grinste und schlang die Arme um Alvar, der mit einem leisen Schaudern die Umarmung erwiderte. Alvar küsste ihn und linste zu dem Mistelzweig hoch.

„Jetzt gehörst du mir für ein weiteres Jahr“, sagte er mit einem Schnurren in der Stimme. Sayain betrachtete den Zweig und grinste. „Nordmannzauber?“

„Ja. So könnte man es nennen!“ Alvar küsste ihn noch einmal.

„Sayain schmiegte sich an ihn und schnupperte.

„Du bist wunderbar warm. Was duftet hier so? Ich habe es schon am Strand gerochen, der Duft ist überall an dir, in deinem Haar, in deinen Kleidern. Und dein Mund schmeckte nach Honig…“ Sayains Lippen suchten die seinen und pressten sich auf Alvars Mund. Alvar vergaß die Kälte um sie herum, küsste Sayain tief und hungrig, kostete den Geschmack nach Meer und Salz. Er wehrte sich nicht, als Sayain begann, die Schnürungen seiner Kleider zu lösen. Vergessen war der Topf, als Sayain ihn vor den Kamin dirigierte und ihn auf den Wollteppich vor dem Feuer niederdrückte. Er wehrte sich nicht, als er Sayains kühle Hände auf der Haut spürte. Und als Lippen und Zunge diesen Händen zu folgen begannen, vergaß er alles um sich herum. Da waren nur noch Sayain und dieser Duft nach Salz und Wind, der sich mit dem Duft süßer, nach allen fernen Ländern der Welt riechenden Gewürzen und Früchten mischte. Honig. Zimt. Nüsse und Mandeln. Äpfel. Sayain. Salz und Meer. Sayain.

Alvar ertrank in Sayains Küssen, in seinen Umarmungen, in seiner Lust und seiner Liebe. Als ihre Körper vor dem Feuer eins wurden, fühlte sich Sayains schneeweißer Körper alles andere als kalt an. Wogen der Lust spülten alles Denken fort und ließen nur noch Platz für das Fühlen und das Feuer. Sie brannten beide.

„Mein unmöglicher, verführerischer Fisch!“ Alvar küsste Sayain auf die Nasenspitze und strich ihm das schweißfeuchte Haar aus dem Gesicht. Noch immer rann ein Echo der Lust durch seinen Körper. Wie immer, wenn er und Sayain einander geliebt hatten. Es war, als würde das Feuer bleiben und jedes Mal stärker nachwirken. Sayain lächelte.

„Hat es dir etwa nicht gefallen?“

„Dumme Frage.“ Alvar küsste ihn noch einmal. Sayain seufzte tief und schmiegte sich an ihn.

„Was ist denn nun mit der Überraschung?“ Seine Augen funkelten wie die eines Kindes, das ein Geschenk erwartete. „Und was riecht hier so gut?“

„Die –  oh, Mist. Jetzt sind sie wohl kalt.“

„Die was? Was ist jetzt kalt?“ Sayain erhob sich, trat an den Tisch und schnupperte.

„Bratäpfel. Wir haben sie immer zu Mittwinter gegessen, als ich noch ein kleines Kind war. Das einzige, woran ich mich gern erinnere.“ Er nahm einen Löffel, tauchte ihn in einen der beiden inzwischen deutlich abgekühlten Äpfel und hielt Sayain den Bissen vor die Lippen. Sayain nahm ihn, kaute, und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Das ist gut!“

Alvar nickte. „Heiß sind sie noch besser.“

„Dann sollten wir sehen, dass sie wieder heiß werden.“ Sayain nahm den Tontopf und schob ihn an den Kamin.

„Und die Zeit, die sie brauchen, um wieder heiß zu werden, können wir sinnvoll nutzen!“

Er zog Alvar zu sich auf den Wollteppich zurück, griff unter den weichen Stoff und holte etwas hervor, das er Alvar reichte.

„Was ist das?“

„Ein Geschenk des Meeres. Und meine Mittwintergabe für dich.“

Alvar betrachtete das Ding genauer – es war eine Muschel, außen unscheinbar, rau überkrustet von Kalk und Schalenresten anderer Muscheln. Doch die Innenseite schillerte in allen möglichen Blau-und Grüntönen, an einigen Stellen ein wenig Violett, Rosa und Silber.

„Wunderschön.“ Alvar hauchte Sayain einen Kuss auf die Lippen. „So wunderschön wie du. Ich werde sie immer bei mir tragen.“

Sayain lächelte. „So wie ich die andere Hälfte.“ Er erwiderte Alvars Kuss. „Ich liebe dich“, flüsterte er, dann begannen seine Finger, erneut auf Wanderschaft zu gehen. „Wir haben noch Zeit, viel Zeit.“

Alvar schloss die Augen und ergab sich den sanften Fingern seines Geliebten. Seine Welt versank in einem Traum aus Sayain, blau schillernden Muscheln, brennendem Feuer und dem Duft von Bratäpfeln. 

Buch-Vorbestellungen zur Buch Berlin

Wie sich wahrscheinlich schon rumgesprochen hat, bin ich vom 24.-25. November auf der Buch Berlin, und zwar zusammen mit dem AutorInnen-Kollektiv Die Uferlosen. Um schon mal ein bisschen den Überblick zu bekommen, was ich alles mitbringen soll, gebe ich euch hier die Möglichkeit, Bücher vorzubestellen, damit ihr auf jeden Fall genau das bekommt, was ihr haben möchtet. Meine im Traumtänzerverlag, Machandel-Verlag oder Verlag ohneohren erschienenen Bücher könnt ihr ebenso bei mir vorbestellen wie meine Selbstverlagsbücher. Ich gebe die Informationen dann an die Verlage weiter, abholen könnt ihr die Bücher dann auf der Buch Berlin beim Stand der Uferlosen oder eben bei den anderen genannten Verlagen.

Und das könnt ihr vorbestellen und am Stand der Uferlosen einsammeln:

Meeresträume 1 – Fisch im Netz (8,99 €)

Meeresträume 2 – Fisch in der Falle (8,99 €)

Liebesflammen 1 – Diebesfeder (5,20 €)

Katzengeschichten 1 – Seidenpfoten (8,45 €)

Vorbestellbar bei mir und abzuholen dann beim Traumtänzer-Verlagsstand: Das Geheimnis der Flammenden Rose (13,95 €)

Vorbestellbar bei mir und abzuholen beim Stand des Verlags ohneohren: Roms Katzen (12,49 €)

Vorbestellbar bei mir und abzuholen beim Machandel-Verlagsstand: Harfenzorn – Feuersänger-Trilogie 1 (9,80 €) +++ Schmiedefeuer – Feuersänger-Trilogie 2 (9,90 €) +++ Schattenfluch – Feuersänger-Trilogie 3 (12,90 €) +++ Nachtjägerherz (5,90 €) +++ Nachtjägerseele (8,90 €)

Und wie geht das? Ganz einfach: schickt eine Email an tina(at)tina-alba.de (und ersetzt dabei das (at) durch @)! Und dann besucht mich auf der Buch Berlin, ich freue mich auf euch!

 

 

 

Neuerscheinung: Liebesflammen 1 – Diebesfeder

 Mit „Diebesfeder“ ging heute meine neue Novellenreihe „Liebesflammen“ an den Start. In unregelmäßigen Abständen („raus, wenn fertig“) werden weitere Novellen als EBook erscheinen und in einer Printausgabe gebündelt, sobald drei Novellen zusammengekommen sind.

In „Diebesfeder“ geht es um einen niederträchtigen Barden, einen unglücklich verliebten verarmten Adeligen, einen schnuckeligen Baron, eine magische Schreibfeder und eine wirklich fiese Intrige.

Klappentext: Der begnadete Barde Nocias hat ein Auge auf den hübschen Baron Sandrion von Sonnenfels geworfen. Wobei das beachtliche Anwesen des jungen Mannes deutlich in die Waagschale fällt. Doch auch der verarmte Freiherr Yesro ist unsterblich in Sandrion verliebt. Nichts wünscht er sich sehnlicher, als Sandrion ebenso mit Lieder zu betören, wie Nocias es tut. In seiner Verzweiflung bittet er eine Zauberin um Hilfe. Sie gibt ihm eine magische Schreibfeder – und Yesro, der eigentlich nur der Minne frönen wollte, findet sich auf einmal mitten im Spinnennetz einer finsteren Intrige, die Sandrions Leben bedroht …

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Monatsrückblick Mai/Juni

Ruhig war es hier die letzten zwei Monate, was unter anderem daran lag, dass diese Autorin einiges um die Ohren hatte, was mit Schreiben nichts zu tun hatte, und wenn es was mit schreiben zu tun hatte, dann war es in erster Linie mal alles eine Riesenbaustelle.

Baustelle Nummer 1: Fisch und Wasserdrache. Wenn ein Buch nicht geschrieben werden will, dann liegt es meist daran, dass mein Unterbewusstsein irgendwas an diesem Buch doof findet und ich eine Stimme von außen brauche, die mir sagt, was denn daran nun doof ist. Bei Fisch und Wasserdrache fühlte sich vieles doof und nur weniges richtig an, was in letzter Konsequenz dazu führte, dass ich das ganze Ding in die Tonne kloppte und noch mal ganz von vorn anfing. Diesmal mit Plotplan und einem neuen Titel, unter dem es im Herbst nun endlich erscheinen wird: Fisch zwischen den Fronten soll nach Möglichkeit noch im August, realistischer aber im September das Licht der Welt erblicken und auf die Leserschaft losgelassen werden. Damit ist der erste Teil der Meeresträume-Reihe dann abgeschlossen. Aber keine Sorge, es wird weitere Meeresträume-Bände geben, dann aber nicht mehr als Serie, sondern als Reihe unabhängig voneinander lesbarer und nur lose miteinander zusammenhängender Romane mit den zwei Oberthemen „Gay Romance und Me(h)er“.

Baustelle Nummer 2: „Irgendwas mit Katzen“. Seit über zwei Jahren lag nun dieses Cover für eine Katzenanthologie auf meiner Festplatte herum und begann, Staub anzusetzen, daran musste sich endlich etwas ändern. Schubladengeschichten wurden hervorgezogen und abgestaubt, in eine Anthologie gepackt und in EBook-Form gebracht. Unter erheblichem Schimpfwortaufwand und mit Telefonsupport von der wunderbaren Tanja Rast begann ich, mich in das EBooksatzprogramm „Sigil“ einzufuchsen (es tat nicht so weh, wie befürchtet), und konnte zum Anfang des neuen Monats (Juli) die „Seidenpfoten“ veröffentlichen.

 

 Und dann war da ja auch noch die UniCon in Kiel. Zum schreiben kommt man bei solchen Veranstaltungen ja irgendwie nie, aber Spaß hatten wir trotzdem. Viele nette Besucher kamen an unseren Stand, viele nette Standnachbarn besuchten uns zu einem Plausch, ich durfte Autorennachwuchs im Arm halten und einige unserer Bücher über den Ladentisch reichen.

Eine nette gemütliche Con, gut organisiert und extrem ausstellerfreundlich – Fazit: gern wieder.

 

 

Monatsrückblick April

Der April gehörte wie der März komplett der „Meeresträume“-Reihe, was das schreiben angeht. Meeresträume 2 – Fisch in der Falle wurde auf Hochglanz poliert und am letzten des Monats in die freie Wildbahn entlassen. Jetzt geht es im Endspurt auf den Abschluss von Band 3 los, der damit auch den Abschluss der ersten Staffel bilden wird. Zum Jahresende erwartet euch dann noch eine kleine magische Überraschung, bevor es dann mit der zweiten Meeresträume-Staffel weitergeht, in der sich alles um einen abenteuerlustigen Gelehrten, einen neugierigen Meermann und eine geheimnisvolle Stadt auf einer Insel inmitten tobender Wogen drehen wird.
Aber erst mal gibt es jetzt Meeresträume 2 – Fisch in der Falle und ein weiteres spannendes und knisterndes Abenteuer mit Sayain und Alvar. Schickt mir eine Mail oder eine Nachricht auf Facebook, wenn ihr ein signiertes Exemplar möchtet!

 

 Fertig gelesen habe ich im vergangenen Monat auch schon wieder das eine oder andere Buch. Leider hatte ich bisher keine Zeit, alles zu kommentieren, aber die Rezensionen werden jetzt nach und nach hier im Blog erscheinen, unter Anderem zu „Träume, die ich uns stehle“ von Lily Oliver, „Sternenfinsternis – Das Herz der Quelle 2“ von Alana Falk, sowie als ganz besonderen Leckerbissen „Kenna“ („Schmachten & Schlachten 2“), den demnächst erscheinenden zweiten Band aus Tanja Rasts phantastischer Heroic Romantasy-Reihe.

 

 Was noch? Genau, Vorbereitungen. Und zwar für die UniCon in Kiel am letzten Maiwochenende, auf der Tanja und ich mit einem Stand die Uferlosen vertreten werden. Besucht uns zahlreich, kommt zum Quatschen vorbei, futtert unsere Messeschokolade und kauft unsere Bücher! Wir werden das eine oder andere spannende und knisterige Lesefutter im Gepäck haben und nehmen auch gern eure Vorbestellungen entgegen.

Monatsrückblick März

Der März stand ganz im Zeichen von „Meeresträume 2 – Fisch in der Falle“. Letzte Nacht wurde das Rohmanuskript fertig und wanderte gleich in die Hände meiner vertrauenswürdigen Betaleserinnen. Einer Veröffentlichung zum ersten Maiwochenende steht damit nichts mehr im Wege. Es sei denn, die Welt geht unter, und das wollen wir doch nicht hoffen.
Damit ist die Fisch-Trilogie natürlich noch nicht beendet, ein Band fehlt noch, und der wird mich durch die Frühjahrsausgabe des Camp NaNoWriMo begleiten. Angepeilt sind 30.000 Wörter, die Fische brauchen erfahrungsgemäß etwas mehr, aber der größte Batzen dürfte damit geschafft sein.

 

Der März war aber nicht nur ein Monat des Schreibens, ich habe auch an der Reduzierung meines SUB gearbeitet – was dank einiger Wanderbücher aber eher dazu führte, dass die Menge ungelesener Bücher wuchs, anstatt zu schrumpfen. Kommentiert habe ich die gelesenen Bücher natürlich auch: einmal Die stille Seite der Musik von Svea Lundberg und Tochter des dunklen Waldes von Katharina Seck. Aktuell fräse ich mich noch einmal durch Sternensturm (Das Herz der Quelle 1) von Alana Falk, damit ich danach umgehend mit der Fortsetzung „Sternenfinsternis“ anfangen kann, die mich schon den ganzen Tag auffordernd angrinst.

 

Was noch los war? Ich wurde interviewt, einmal von den Uferlosen und einmal von Lina Franken, bzw. ihrem zauberhaft-frechen Protagonisten Keren, der mir mit seinen herrlich anzüglichen Bemerkungen einige Male rote Ohren verpasst hat. Und weil ich immer wieder danach gefragt werde und mich im Uferlosen-Podcast auch ein kleines Bisschen um Kopf und Kragen geredet habe und ziemlich rumgeeiert bin, habe ich auch noch eine kleine Zusammenfassung geschrieben, warum ich eigentlich gay romance schreibe.

 

Und was kommt noch? Irgendwas mit Katzen! Ebenfalls im Mai, wenn alles klappt, parallel zu „Fisch in der falle“ erscheint für die Katzenliebhaber unter euch eine kleine Anthologie mit vier katzigen Kurzgeschichten von niedlich über abgedreht bis nachdenklich. Freut euch auf „Seidenpfoten“ – natürlich melde ich mich, wenn sie da sind und losschleichen.
Und nun – auf in den April.

Svea Lundberg: Die stille Seite der Musik

Einfühlsam, romantisch, gefühlvoll, bittersüß und sehr lebendig – lauter Worte, die Svea Lundbergs coming-of-age/gay romance-Roman beschreiben und ihm doch alle nicht gerecht werden.
Worum geht es? Bei einem Autounfall wird Valentins Hand so schwer verletzt, dass der aufstrebende Stern am Pianistenhimmel seine Karriere an den Nagel hängen muss, sehr zum Leidwesen seiner Mutter, die nichts lieber gewollt hätte, als den Sohn in die Fußstapfen des berühmten Vaters treten zu sehen. Doch auch Valentin kämpft – gegen seinen Frust, gegen seine Ängste, seine Sorgen, manchmal auch seine Mutter. Als die ihn in die Ferien nach Fehmarn zu ihrer Schwester auf einen Reiterhof schickt, ist Valentin erst einmal alles andere als begeistert – doch dann begegnet er dem jungen Florian, der auf dem Reiterhof arbeitet, ein begnadeter Horseball-Spieler ist, dazu zuckersüß und absolut Valentins Beuteschema – und gehörlos. Zunächst erscheint Flos Gehörlosigkeit Valentin als fast unüberwindbare Barriere. Doch dann erkennt Valentin, wie scheinbar mühelos Flo sich mit seiner Beeinträchtigung abzufinden scheint, und erkennt, dass er selbst an seiner Einstellung zu seiner kaputten Hand ebenfalls etwas ändern kann – wenn er nur will.

„Die stille Seite der Musik“ ist ein Buch voller Dur und Moll und voller Zwischentöne. Sensibel und gut recherchiert präsentiert Svea Lundberg den gehörlosen Florian, ohne dass der Leser sich gezwungen sieht, Mitleid mit ihm zu haben. Die Autorin beschreibt einfühlsam und zugleich vollkommen normal den Alltag eines Gehörlosen und auf humor-und liebevolle Weise, wie sich die Beziehung zwischen dem hörenden Valentin und dem tauben Flo entwickelt. Eigentlich sind Bücher mit Protagonisten unter 30 gar nicht so mein Ding, da mir so junge Romanhelden oft zu kindisch und zu albern be-und geschrieben werden, aber Svea Lundbergs Erzähstimme und Valentin und Flo haben mich sofort in ihren Bann gezogen und um den Finger gewickelt.
Ich hatte sehr viel Freude an diesem wunderbaren Roman und habe immer noch ein wenig den Duft von Seewind und Pferdestall in der Nase.

Katharina Seck: Tochter des dunklen Waldes

Dass Fantasy nicht nur leichte Kost ist, sondern tiefsinnig sein kann und sehr aktuelle Probleme anpackt, zeigt Katharina Seck mit ihrem phantastischen Roman „Tochter des dunklen Waldes“.

Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Lilah, die sich ihrem friedlichen Dorf Grünweite zwar verbunden weiß, aber immer das Gefühl in sich trägt, nicht wirklich, nicht ganz und vollkommen dazuzugehören zur Gemeinschaft der Handwerker, Bauern Händler und Schankwirte. Vor allem dann nicht, wenn die Geschichten über den unheimlichen Morgenwald erzählt werden, wo der Legende nach ein Mädchen in ihren Träumen gefangen an das Herz einer schwarzen Eiche gebunden ist und nun den Wald mit den Schreckensvisionen ihrer Träume verseucht und verflucht. Für die Menschen von Grünweite ist der Morgenwald unheimlich, voller Schrecken, eine einzige Bedrohung, von der Gefahr ausgeht – doch Lilah fühlt sich wie magisch angezogen von diesem Wald, ohne zu wissen, warum. Damit ist sie nicht allein: auch der Erntehelfer Dorean, der immer wieder im Dorf auftaucht, um dort zu arbeiten, und dann von einem auf den anderen Tag wieder verschwindet, spürt eine eigenartige Verbundenheit zum Morgenwald. Und eines Tages verschwindet er dort hin, hinterlässt Lilah, die ihn heimlich liebt, nur eine kryptische Nachricht. Und Lilah, verwundert über ihren eigenen Mut, lässt alles stehen und liegen und will ihrem Geliebten folgen in das dunkle Grün, das zugleich so einladend und so bedrohlich wirkt.
Was hat es auf sich mit der toten jungen Frau mit sen seltsamen Malen auf der Haut, auf die Lilah auf dem Weg in den Wald stößt? Und welche Geheimnisse erwarten sie, wenn sie es wirklich wagt, den Wald zu betreten?

In poetischer und zugleich moderner, mitreißender Sprache erzählt Katharina Seck eine Geschichte vom Sich-selbst-finden, vom Nach hause kommen und von Gegensätzen, die aufeinanderprallen wie Tag und Nacht. Sie webt ihre Leser ein in die Geheimnisse des dunklen Waldes, dessen mysteriöse Bewohner die Menschen draußen in den Dörfern ebenso fürchten, wie die Menschen in den Dörfern sich vor den Waldwesen ängstigen. Und am Ende zwingt Katharina Seck uns, ihre Leser, Lilah bei der Lösung der schwersten aller Fragen zu begleiten: was ist wichtiger, das Wohl von vielen oder das Wohl Einzelner? Wie kann es gelingen, Mauern aus Angst vor dem „Anderen“ einzureißen? Und am Ende erfahren wir, was ein Mensch, der mutig genug ist, bewegen kann, indem er erst sich selbst bewegt und dann andere dazu bringt, zu vertrauen und zu folgen. Und wir lernen, welche Geheimnisse und welche Schönheit sich im Fremden, das so gefürchtet anders erscheint, verbergen kann, wenn man nur bereit ist, Grenzen von Vorurteilen und Hörensagen zu überwinden und ganz genau hinzuschauen.

Ein märchenhaftes, wunderbares Buch mit einer hoch aktuellen Botschaft. Absolut lesenswert.

Warum ich gay romance schreibe

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich Gay Romance schreibe. Eigentlich könnte die Frage auch lauten, warum ich überhaupt schreibe, oder warum ich über Beziehungen, Pärchen und Liebe schreibe.
Ich habe schon in einigen Interviews versucht, darauf eine Antwort zu finden, ohne mich dabei um Kopf und Kragen zu reden oder zu schreiben und, was noch viel wichtiger ist, mit meiner Antwort niemandem auf die Füße zu treten. Und da ich das Gefühl nicht loswerde, auf diese Frage mehr als eine Antwort zu haben, werde ich einfach mehrere Antworten geben und weiterhin hoffen, damit niemandem zu nahe zu treten.

Antwort 1: Weil ich es kann. Und weil es mir Spaß macht. Und warum macht es mir Spaß? Weil ich schon im Pen & Paper-Rollenspiel sehr experimentierfreudig war und nicht nur Frauenfiguren, sondern auch und sogar überwiegend Männer gespielt habe (hey, Frau bin ich mein ganzes Leben lang, da war es spannend, abends in der Spielrunde mal jemand GANZ anderes zu sein). Weil ich mich gern mit Psychologie beschäftige und verstehen möchte, wie andere Menschen ticken. Wo sich Frauen und Männer bei gleicher Problemstellung eben doch unterschiedlich verhalten. Weil ich herausfinden wollte, ob Frauen tatsächlich von der Venus und Männer vom Mars kommen.

Antwort 2: Weil ich ebensogut über Hetero-oder lesbische Paare, Dreiecks-oder Poly-Beziehungen oder grüne Marsmenschen schreiben könnte. Denn eigentlich schreibe ich Geschichten über Abenteuer und Liebe, und dabei ist es mir im Grunde fast wurscht, wer sich da in wen und warum und wieso verliebt – es geht um Liebe, und Liebe sollte, wunderbar utopisch gedacht, doch eigentlich frei davon sein, auf das Geschlecht des anderen zu schauen, wenn denn die Chemie stimmt und die Verbundenheit und Vertrautheit da ist. Ich schreibe über Paare und Beziehungen, die gleichberechtigt sind, auf Augenhöhe, einander ebenbürtig und doch verschieden. In denen jeder seinen eigenen Kopf hat und diesen manchmal auch durchsetzen will. In denen jeder nein sagen kann und auch soll, wenn ihm etwas gegen den Strich gibt. In denen keiner den anderen unterdrückt oder kleinmacht/kleinhält.
Ich versuche, über ganz normale Beziehungskisten (naja, so normal, wie sie in einer Fantasywelt voller Monster, Gefahren und Magie eben sein kann) zu schreiben, mit all ihren Höhen und Tiefen, Missverständnissen und Klischees. Weil ich glaube, dass alle Beziehungen in allen Konstellationen genau das wünschen: als etwas ganz normales wahrgenommen zu werden, weil es, egal, welche Facette des LGBTQ+-Spektrums ich beleuchte, immer nur um eins geht: Um Liebe.
Warum dann trotzdem gay romance? Weil ich das Gefühl habe, dass schwule Paare in Büchern immer noch unterrepräsentiert sind.

Aber objektifiziere/fetischisiere ich dann nicht schwulen Sex, weil ich explizite Sexszenen in meine Geschichten integriere? Andere Frage: objektifizieren und fetischisieren dann nicht auch AutorInnen, die über Hetero-Paare schreiben? Kann ich überhaupt Erotik schreiben, ohne dabei an Grenzen zu gehen? An Grenzen von Fetischisierung, von Objektifizierung? Wo hört knisternde Erotik oder eine ästhetische Beschreibung von Sex auf, und wo fangen all die anderen, die bösen Dinge an? Und wer kann oder darf sich anmaßen, eine Grenze zu ziehen, die doch für jeden und jede anders ist, weil jeder Mensch anders ist und für den einen schon zu viel ist, was für die andere gerade erst zu knistern beginnt?
Bisher hat mir noch kein Testleser, weder männlich noch weiblich (und ich weiß, dass Schwule meine Bücher gelesen haben, ich habe auch schon mit einem schwulen Lektor zusammengearbeitet bei einer Gay Romance) darüber beschwert, dass meine erotischen Szenen die Protagonisten zu Objekten oder Fetischen herabwürdigt oder ich den Sex als fetischisierend und objektifzierend darstelle. Ich behandle meine Romanfiguren wie lebende Menschen mit Respekt. Natürlich finde ich es anregend und erregend, was sie im stillen Kämmerlein treiben. Das täte ich aber auch, wenn es Heteropärchen wären. Vielleicht nicht unbedingt bei Marsmenschen, es sei denn, ihre Anatomie ist der unseren ähnlich genug. Auf Tentakelporn stehe ich nämlich so gar nicht.

Frauen, die gay romance schreiben, werden oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie den Sex zwischen Männern nicht realistisch beschreiben können, weil sie ja eben keine Männer sind. Platt gesagt: ich kann nicht zaubern und beschreibe in meinen Büchern Magie, ich war auch noch nie im Orient und traue mir nach ausreichender Recherche trotzdem zu, märchenhafte 1001-Nacht-Fantasy zu schreiben. Ich habe über schwangere Frauen geschrieben und will selbst niemals Mutter werden. Ich habe Morde auf Buchseiten begangen und werde hoffentlich niemals zur wirklichen Mörderin. Ich schreibe über Helden, die sich zielsicher in der Wildnis zurechtfinden und weiß im wirklichen Leben nie, wie herum ich die Wanderkarte zu halten habe.

Ich gebe zu, die Recherche zum Thema Sex zwischen Männern war extrem interessant, fand hinter verschlossenen Türen statt und hat meine Ohren in der Farbe eines Feuerwehrwagens glühen lassen – aber ich habe sie durchgeführt. Ich habe Webseiten zu diesem Thema studiert (es gibt tatsächlich einen gay-sex-Führer für Slash-Fanfiction-Autorinnen). Ich habe Slash-Fanfiction und gay romance von namhaften AutorInnen gelesen und …öhm… ja… ich geb’s zu, ich habe Pornos für Homosexuelle geguckt. Und ich höre nicht auf, zu recherchieren und zu lesen, zu gucken, wie andere AutorInnen schreiben und beschreiben. Man lernt nie aus, schon gar nicht als AutorIn. Lesen bildet bekanntlich, und nur durch üben und machen wird man besser.

Monatsrückblick Februar

Der Februar stand zuerst einmal ganz im Zeichen der Veröffentlichung von Meeresträume 1 – Fisch im Netz. Die Geschichte von Fisch-Gestaltwandler Sayain und Ex-Sklaven und Seefahrer Alvar ist immer noch eines meiner Herzprojekte und wird nun endlich die schon lange geplanten, aber bisher nie geschriebenen Fortsetzungen bekommen, in denen Sayains geheimnisvolle Herkunft aufgeklärt werden soll. „Meeresträume 2 – Fisch in der Falle“ ist für Mai geplant, der dritte Band „Fisch und Drache“ soll im August erscheinen.

 

 

 Neben dem Schreiben habe ich natürlich auch wieder einiges gelesen und rezensiert. Meine aktuellen Buchbesprechungen findet ihr wie immer unter Rezensionen, im Februar mit Büchern von Katharina Seck, Julia Fränkle und Helen B. Kraft.

 

 

 Wie auch im vergangenen Jahr liefere ich mir im Tintenzirkel-Autorenforum wieder den Marienkäferpunkte-Schreibwettkampf mit Tanja Rast und Kaye Alden, in der Hoffnung, dass wir es wieder schaffen, uns gegenseitig zu motivieren, anzutreiben und aus Schreibtiefs herauszuholen. Neben der Schreiberei laufen diverse Con-Vorbereitungen. Wo ich mich in diesem Jahr überall herumtreiben werde, findet ihr unter „Termine“. Dort informiere ich euch auch über die Kindle Unlimited-Laufzeiten meiner Selfpublishing-Romane und über neue Veröffentlichungen.